Kapitel 80

Janine

An diesem 30. Dezember wachte ich vor Marc auf. Der Wecker hatte noch nicht geklingelt, aber ich war irgendwie auch nicht mehr müde. Ich drehte mich und kuschelte mich vorsichtig an ihn. Er zuckte zwar kurz, schlief aber weiter. Waren wir wirklich wieder zusammen? Gerade nach den ganzen Erlebnissen um die Trennung damals hatte ich riesige Angst davor, dass er es sich noch anders überlegte. Aber er hatte an der Bushaltestelle klar gesagt, dass er das ähnlich wie ich mit einer Beziehung sah. Ich machte mir einfach weiter Hoffnung, dass wir das hinbekommen würden und ging weiter auf Risiko. Ich konnte gar keinen Rückzieher mehr machen, da ich mich ihm viel zu sehr wieder geöffnet hatte. Gerade, als wir gestern uns sexuell näherkamen, sorgte das dafür, dass ich mich nur noch mehr öffnete…

Der Wecker klingelte und Marc erwachte. Er schaute mich direkt an und sah einfach wirklich süß aus, als er so richtig verträumt und müde zu mir schaute. Seine Stimme war noch brüchig und er klang unheimlich müde: „Hey… Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?“ – „Ja, ich bin schon ein paar Minuten wach, irgendwie konnte ich nicht mehr einschlafen. Ist aber nicht schlimm. Und du?“ – „Ich habe wirklich geschlafen wie ein Stein. Dein Bett ist einfach echt bequem.“ – „Ich liebe mein Bett auch sehr. Es ist einfach richtig gemütlich.“ – „So wie du.“ Er lächelte mich an und ergänzte: „Wir haben viele Stunden in der Nacht gekuschelt.“ – „Das weiß ich, das habe ich auch noch mitbekommen.“ – „Freust du dich auf heute?“ – „Ich freue mich vor allem, dass du hier gerade neben mir aufgewacht bist. Der Ausflug ist noch der Bonus. Oder bist du der Bonus für den Tag? Ist beides richtig. Aber das Wichtigste bist du.“ Er rutschte das fehlende Stück näher und gab mir einen Kuss auf die Stirn. In meinem Körper kribbelte alles.

Wir standen recht gemütlich auf und aßen zügig ein kleines Frühstück. Währenddessen buchte Marc mit seinem Handy die Regionalzug-Tickets für unsere Fahrt. Wir würden hin und zurück jeweils zwei Stunden fahren und waren den Tag über in einer Stadt, die zwar deutlich kleiner als unsere Großstadt, aber immer noch vergleichsweise groß war, dass man dort locker mehrere Tage verbringen konnte, um viele Dinge zu erleben und zu erkunden. Nach unserem Frühstück gingen wir schnell duschen und ich schrieb Tim, während Marc in der Dusche war, einige längere Nachrichten. Ich versuchte, nicht abzuheben, auch, weil Marc das auch nicht machte, aber er spürte sicherlich, dass ich durchweg gut drauf war.

Wir gingen im Dunkeln los und es war eisig kalt draußen. Was war ich froh, dass ich mir gleich zwei Pullover angezogen hatte! Auch Marc hatte sich bewusst etwas mehr Kleidung drübergezogen, da wir im Wetterbericht schon lasen, dass die Temperaturen deutlich unter 0 Grad fielen. Am Hauptbahnhof gingen wir noch fix in den Supermarkt und kauften uns ein paar Snacks für die Fahrt. Ich öffnete meine Tasche, die ich bereits in den letzten Tagen verwendet hatte und aktuell einfach sehr liebte. Ich sah plötzlich weiße Fussel, die hinter meinem Regenschirm leicht versteckt waren und ahnte, was Marc ausgeheckt hatte. Mein Blick, den ich ihm zuwarf, war eine Mischung aus gespielter Verärgerung und einer großen Prise Humor. Er schaute mich wie ein Unschuldslamm an und grinste breit. „Du hast das Schaf in meine Tasche reingeschmuggelt!“ – „Ich? Würde ich nie machen. Es mochte deine Tasche einfach weit mehr als meine Tasche, daher ist es zu dir rüber gelaufen, als du gerade in der Dusche warst.“ – „Ach ja, es ist also zu mir gelaufen… Mhm, spannende Argumentation.“ Wir lachten einfach darauf los und er meinte: „Ich fand das einfach eine witzige Idee, vor allem, weil es uns gestern schon begleitet hat. Das Schaf ist einfach knuffig, das kann ich nicht leugnen.“ – „Das stimmt, ich liebe es auch einfach sehr, weil es so putzig aussieht. Vor allem, wenn du es immer wieder zum Leben erweckst, muss ich jedes Mal so richtig lachen. Ich liebe das, wenn du das machst.“ Er reagierte während meiner Aussage so schnell, dass er bereits das Schaf aus meiner Tasche genommen hatte und ließ das Schaf direkt auf meine Aussage reagieren, indem es den Kopf schrägstellte und mich dadurch fragend anschaute. „Das Schaf fragt dich, ob du damit einverstanden bist, dass es mitkommt und bietet dir einen Handschlag… äh eine Schaf-Faust an.“ Er hielt ein Beinchen des Schafs mir so entgegen, dass ich mit meiner Faust gegenschlug und ließ das Schaf leicht an mir herumtoben. Mir war das aufgrund der Menschen um uns herum ein wenig peinlich, aber er zog das einfach gnadenlos durch und brachte mich so sehr zum Lachen, dass wir selbst außerhalb des Ladens noch lachten. Er steckte das Schaf in seine Tasche, da meine bereits wieder gut gefüllt war.

Als wir im Regionalzug saßen, lehnten wir uns vor allem aneinander und kuschelten. Um die Uhrzeit war im Zug einfach kaum was los, sodass es wirklich ruhig war. Marc stellte nach den Erfahrungen bei der Wochenendfahrt vorsichtshalber einen Wecker, damit wir rechtzeitig genug aufwachten. Wir schauten während dieser Fahrt aber ansonsten nicht auf unsere Smartphones. Unsere Zweisamkeit war uns wesentlich wichtiger, wir sprachen auch recht wenig. Ich spürte, dass er unser Kuscheln genoss, weil er mir mehrfach einen Kuss auf den Kopf gab und mich jeweils fest dabei zu sich zog. In einer der Phasen, in denen ich wieder kurz wach war, bemerkte Marc das auch. Er fragte: „Da kann jemand aber gut schlafen, was?“ – „Ja. Ich weiß auch nicht, warum ich so müde bin. Eigentlich haben wir doch genug geschlafen…“ – „Das ist bestimmt dein Schlafrhythmus, weil wir in den letzten Tagen so spät aufgestanden sind.“ – „Könnte gut sein.“ – „Ich freue mich gerade einfach sehr, dass wir zusammen diesen Tagesausflug machen. Nur wir beide.“ Ich richtete mich ein wenig auf, um ihm ins Gesicht schauen zu können. „Du versuchst aus meinem Gesicht herauszulesen, wie ernst ich diese Aussage meine.“, sagte er mit einem ganz leichten Grinsen. Ich nickte. Er sagte auf eine Art, die ich in den letzten Tagen gleich mehrfach von ihm hörte und die mir mittlerweile bekannt vorkam: „Ich versuche dir zum Beispiel mit unserem Ausflug zu beweisen, dass ich das, was ich sage, ernst meine.“ – „Ich weiß, das gibt mir auch wirklich ein gutes Gefühl.“ Er kam mir näher und wir küssten uns vorsichtig, selbst wenn keiner von uns auch nur irgendwie zögerte. Ich hatte den Eindruck, dass sich mittlerweile jeder Kuss wieder richtig vertraut anfühlte. Ich fragte: „Kannst du mir die folgende Frage wirklich ehrlich beantworten?“ – „Oh… Okay. Ja? Ob ich noch mehr Kuscheltiere in deiner Tasche versteckt habe? Vielleicht?“ – „Ähm… was?“ Er brachte mich mit diesem Blödsinn völlig aus dem Konzept. „War ein Witz.“ Ich kitzelte ihn leicht und ich fragte: „Hast du noch Zweifel oder Sorgen, wenn du mich küsst?“ – „Reicht das, was gestern passiert ist, nicht als Antwort?“ Ich musste plötzlich ohne Vorwarnung leise lachen, weil ich diese Frage so gut kannte. Wir hatten sie uns gegenseitig schon gestellt, als wir beim Zusammenkommen waren und auch, als wir schon zusammen waren. Er kicherte ebenfalls und sagte: „Ich lasse es wie gesagt langsam angehen. Aber wenn ich dich küsse, weiß ich, dass ich das will und dass sich das richtig anfühlt. Wie gesagt, alles langsam. Du fragst mich ganz schön oft…“ – „Entschuldige. Ich… möchte einfach, dass alles gut ist und wird.“ – „Ich weiß, ich meinte das auch gar nicht böse. Du dürftest wissen, dass ich dir ehrlich sage, wenn ich nicht einverstanden bin oder so was. Um dich wirklich zu beruhigen…“ Er kam mir sehr nah und schaute mir ungewöhnlich ernst, aber vor allem wieder direkt in die Augen: „Ich verbringe schon mehrere Tage und Nächte am Stück mit dir, das habe ich selbst mit Julia nicht gemacht. Dass ich davon offenbar nicht genug bekomme, reicht doch als Antwort jetzt, oder?“ Ich fühlte mich direkt etwas schlecht. „Ja. Ich hoffe es. Aber eine Sache reicht mir bisher nicht.“ – „… Was denn?“, fragte er verwundert. „Deine Lippen.“ Er grinste und küsste mich länger. Er zog mich einfach an und ich fühlte mich immer glücklicher. Ich spürte, dass mein Glücksgefühl, das ich früher in der Beziehung mit ihm hatte, noch lange nicht vollständig zurückgekehrt war, aber mir ging es so viel besser als in den letzten Monaten!

Unser Ausflug in der Nachbarstadt war richtig schön. Es fing an zu schneien! Ich liebte Schnee und das machte diese Tagestour für mich umso romantischer. Marc fror genauso schnell wie ich, weil die Temperaturen tagsüber bei minus zehn Grad waren. Wir trotzten dennoch so gut es ging dem Wetter und verbrachten viel draußen, während wir die Stadt erkundeten. Neben der langen Einkaufsmeile mit den vielen kleinen Gassen, die Marc besonders liebte, gab es auch viele Parks zu erkunden, die ich vor allem liebte. Es war schön zu sehen, wie Marc solche verwinkelten, teils verschnörkelten Gassen und Wege erkundete und riesigen, schon fast kindlichen Spaß daran hatte. Obwohl Marcs Hand dabei nach seinen Erzählungen halb abfror, liefen wir viel Hand in Hand durch die Stadt. Ich hatte den Vorteil, Handschuhe mitgenommen zu haben, die mich immerhin etwas vor der Kälte retteten. Besonders fasziniert waren wir davon, als wir ein kleines Restaurant fanden, in dem wir echte heiße Schokolade kaufen konnten, sodass unsere Löffel sogar darin stehen blieben, als wir darauf warteten, dass sie etwas abkühlte. Diese Schokolade war geschmacklich einfach ein echtes Highlight.

Ziemlich geschafft machten wir uns, als es draußen bereits wieder dunkel geworden war, auf dem Nachhauseweg und nahmen den nächsten passenden Regionalzug. Da wir noch so aufgedreht von unserem Ausflug waren, zückte Marc sein Smartphone und wir machten unsere Lieblingsbeschäftigung, wenn wir in Bussen oder Bahnen saßen. Wir spielten ungefähr eine halbe Stunde, als wir plötzlich feststellten, dass wir den letzten Abschnitt des Spiels erreicht hatten. „Aber… Nein! Das geht nicht!“, sagte ich zu ihm. Ich konnte in seinem Gesicht ansehen, dass er meine bewusst niedlich ausgesprochene Aussage putzig fand. „Tja, wir haben es wohl in letzter Zeit mit dem Spiel echt übertrieben, ich habe geglaubt, das hält länger.“ – „Fangen wir einfach das Spiel von vorne an!“ – „Noch besser: Ich habe dir nicht verraten, dass die Entwickler schon längst den zweiten Teil rausgebracht haben…“ – „Oha, das ist super! Spielen wir also direkt die Fortsetzung, wenn wir fertig sind!“ – „Wieso wusste ich jetzt, dass diese Antwort kommen wird…“ – „Du liebst es doch genauso, mit mir dieses Spiel zu spielen!“ – „Ja, das würde ich niemals leugnen können.“ Wir kicherten und spielten gemeinsam den letzten Abschnitt, durch den wir wieder herzhaft lachen mussten. „Es wird Zeit für die Fortsetzung. Los!“ Dass man meine Aussage auch auf etwas ganz anderes beziehen konnte, wurde mir erst viel später bewusst.

Marc erzählt:

Wir fingen gerade mit der Fortsetzung unseres Lieblingsspiels an, als ich bemerkte, dass der Zug etwas langsamer wurde. Ich dachte mir nichts bei und bemerkte selbst nach zwei Minuten, dass wir weiterhin an Geschwindigkeit verloren. Der Schnee draußen war mittlerweile schon als sichtbare Schicht vorhanden, es sah draußen echt schön aus. Wir rollten immer weiter, bis wir stehenblieben, was mich aber auch nicht irritierte, vermutlich mussten wir wegen eines anderen Zuges warten. Mitten im Spiel kam die Ansage des Zugführers, dass unser Zug aktuell keinen Strom mehr bekäme und er keine Erklärung dafür hatte, wieso. Er würde sich wieder melden, sobald er Näheres wusste. Ach nö, ernsthaft jetzt? Gestern erst die Geschichte mit dem Aufzug, jetzt der Mist mit dem Zug? Was war denn aktuell los? Ich hatte doch schon längst verstanden, dass das Schicksal offenbar wollte, dass ich wieder eine Beziehung mit Janine einging!

Janine und ich spielten ein wenig weiter und sie war mittlerweile wieder sehr an mich gekuschelt. In mir machte sich bereits gestern eine Zufriedenheit breit, die ich so in den letzten Monaten nicht hatte, weder mit Julia noch mit Sandra. Aber es war nicht nur eine Zufriedenheit, ich spürte vor allem, dass ich glücklich war. Ich fühlte mich wohl, dass Janine an meiner Seite war. Meine Angst, die vor allem in meinem Kopf existierte, konnte ich gut vertreiben. Sie war nicht gänzlich weg, aber mein Gefühl hatte sie schon sehr gut vertrieben. Janine tat mir richtig gut, das wusste ich mittlerweile eindeutig. Ich konnte mich ihr gegenüber wieder ziemlich gut öffnen und ich spürte, dass es mir von Tag zu Tag, den wir jetzt verbracht hatten, leichter fiel. Besonders die letzten 24 Stunden hatten meine Blockaden vollständig abgebaut.

Der Zugführer meldete sich und teilte uns mit, dass die Zugmaschine offenbar defekt war und wir deswegen keinen Strom mehr durch die Oberleitung bekamen. Wir mussten nun notgedrungen auf eine neue Zugmaschine warten, mitten in der Pampa, auf einem Gleis stehend, sodass wir alle möglichen Züge blockierten. Er stellte uns auf mindestens eine bis zwei Stunden Verspätung ein, die wir bis nach Hause haben würden, was mich ein wenig nervte. Aber immerhin: Ich war nicht allein und hatte zusätzlich Janine an meiner Seite! Wir spielten auf meinem Smartphone einfach noch etwas weiter, als ich plötzlich eine Nachricht von Tim bekam, die wir direkt lasen: „Na, wie läufts mit Janine, Frauenheld?“ Janine kicherte direkt darauf los, ich war ein wenig peinlich berührt, auch wenn ich viel lockerer als früher damit klarkam. „Wir sitzen gerade im Zug und stecken mitten auf der Strecke fest. Die Zugmaschine funktioniert nicht mehr, wir warten auf eine Ersatzlokomotive. Das nervt jetzt schon. Vor allem wird es langsam kalt, sie haben die Heizungen abgeschaltet, um Strom für die wichtigen Systeme zu sparen, damit nicht alles abgeschaltet werden muss.“ – „Tja, ich würde sagen, dass ihr es euch richtig heiß macht, damit es schön warm im Waggon bleibt!“ Ich grummelte gespielt nach der Nachricht, während Janine meinen Arm leicht kitzelte, um mich zu besänftigen. Sie nahm mir das Smartphone ab und tippte eine Antwort: „Tja, immerhin können wir es hier uns heiß machen, du siehst ja Anna erst morgen wieder!“ Ich fragte sie: „Ist das so?“ – „Ja, er hatte mir letztens noch gesagt, dass er sie jetzt die letzten Tage nicht sehen konnte, was ihn sehr geärgert hat. Aber morgen ist sie ja dabei.“ – „Ich finde deinen Konter großartig.“ – „Das ist die gerechte Rache dafür, wenn er einen von uns verscheißert. Wir beschützen uns jetzt wieder gegenseitig, das kann er gleich lernen.“ – „Finde ich super.“ Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Oh, Janine hat mitgelesen? So ein Mist. Ich habe mich gerade nämlich schon gewundert, woher du das weißt, das hatte ich nur ihr erzählt.“ Ich schrieb ihm: „Tja, Janine hat eben kurz die Antwort getippt. Rache ist süß, würde ich sagen. Aber Spaß beiseite: Wir haben hier trotzdem super Laune, es nervt nur, dass wir warten müssen. Hoffentlich kommen wir auch wirklich zur ungefähr geschätzten Zeit weg und müssen nicht noch warten.“ – „Ich drücke euch die Daumen! Ich freue mich so richtig auf morgen. Die Party wird bestimmt richtig geil!“ – „Davon gehe ich auch aus. Vor allem, weil Janine und ich alle so richtig aufmischen werden!“ Er schickte mir einen lachenden Smiley zurück und schrieb abschließend: „Vor allem daran wird es liegen!“

Während Janine und ich wieder ein Weilchen spielten und uns damit ablenkten, wurde eine neue Zugmaschine angekoppelt und wir fuhren endlich wieder in Richtung Zuhause. Mit einer Verspätung von rund zwei Stunden kamen wir in unserer Heimatstadt an, es war etwa 20 Uhr. Eine halbe Stunde später betraten wir ihr zu Hause: Da wir dem Frieden nicht trauten, liefen wir die Stufen bis zu ihrer Wohnung nach oben und fuhren nicht mit dem Aufzug. Auf noch eine Runde warten hatten wir keine Lust mehr…

Ich wartete in ihrem Zimmer auf Janine, die, nachdem sie im Bad war, zu mir kam: „Würdest du… hier im Zimmer bleiben und so für eine halbe Stunde bis Stunde nicht rauskommen und nicht gucken?“ – „Warum das?“ – „Ich hätte eine Idee und würde dich gerne überraschen wollen. Aber nicht schmulen!“ – „Versprochen. Ich kann auch den Fernseher anschalten und lauter drehen, damit ich nichts höre.“ – „Gute Idee!“ Sie gab mir, bevor sie das Zimmer verließ, einen kurzen Kuss, den sie abbrach, als wir gerade wieder leidenschaftlicher wurden und genau rechtzeitig, bevor es vermutlich wieder etwas zwischen uns eskalieren konnte. Ich glaubte nicht, dass sie wieder ein heißes Bad vorbereiten würde, weil das nicht gepasst hätte. Klar, wir waren nun sexuell vor allem miteinander erfahren, die Hürden waren nicht mehr so wie damals vorhanden, aber ich glaubte nicht, dass sie so etwas vorhatte. Eigentlich blieb in meinen Augen nur noch ein schönes Essen oder so übrig und ich war wirklich gespannt, was sie sich dieses Mal überlegt hatte.

Nach etwas über einer Stunde klopfte sie leise an die Tür und ich war plötzlich überrascht, als sie in gänzlich anderer Kleidung vor mir stand. Ich betrachtete sie genauer: Sie hatte einen komplizierten Zopf mit ihren Haaren angestellt, trug ein rotes, aber recht freizügiges Top, welches bauchfrei war und dazu einen gehörigen Einblick in ihr Dekolletee erlaubte. Dazu hatte sie einen kürzeren, schwarzen Rock gewählt, durch den man einen großen Teil ihrer Beine sah. Außerdem war sie wesentlich mehr als bei unserer Fahrt geschminkt, da sie ihre Wimpern viel intensiver betont hatte. Zusätzlich hatte sie einen Hauch grünen Lidschatten aufgetragen, was ihr einfach wirklich gutstand. Sie überraschte mich gerade sehr. Sie sah richtig sexy aus und wusste verständlicherweise ganz genau, was ich sexuell anziehend an ihr fand. Diesen unschlagbaren Vorteil hatte sie natürlich. „Woher hast du die Kleidung? Im Zimmer warst du auf jeden Fall nicht.“, fragte ich sie fast in einem Flüsterton, obwohl wir in der Wohnung allein waren. „Wäscheleine“, sagte sie und grinste mich bei dieser Antwort an. „Du siehst toll aus.“, erwiderte ich. „Danke. Ich sehe es einfach so schön an deinen Blicken, was du von mir hältst.“ – „Ich werde wohl nie lernen, es zu verbergen, wenn ich dich sexy finde.“ – „Das war wirklich ehrlich, danke schön. Du siehst aber genauso toll aus.“ Ich fühlte mich eher schmuddelig im Vergleich zu ihr, auch wenn ich im Hemd, einer guten Hose und einem Shirt dasaß. Ich dankte ihr dennoch für ihr Kompliment und als ich aufstand, gab sie mir einen Kuss auf die Wange. Anschließend nahm sie mich an die Hand und zog mich vorsichtig nach draußen in den Flur.

Überall waren Teelichter aufgestellt, die Licht in den ansonsten dunklen Zimmern spendeten. Einige dieser Kerzen bildeten zusammen Pfeile, die in Richtung Küche deuteten. Ich war völlig fasziniert und zugleich überfordert, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, dass sie mich überraschen würde. Janine: „Danke, dass du die ganzen Nächte hier bist und warst…“ Sie umarmte mich, während wir auf dem Flur standen, und ich hielt sie sehr innig fest. Wir umarmten uns richtig lange. Sie sagte leise: „Schau, die Pfeile zeigen auf etwas. Folge ihnen ruhig.“ Ich folgte den Pfeilen aus Kerzen behutsam und sah, dass sie in Richtung Küche zeigten. Janine war direkt hinter mir und stupste mich von hinten an, als ich kurz nachdenklich stehen blieb. „Geh ruhig weiter. Es wird dir bestimmt gefallen.“

Ich ging weiter und kam in die Küche, in der auch ein paar Kerzen waren. Sie hatte in der Mitte des Tisches ein paar Kerzen zu einem Herz zusammengestellt und es standen zwei Teller an den Enden des Tisches, gegenüber voneinander. Es war richtig schön und die Idee berührte mein Herz zugegeben sehr. Als ich gedankenverloren am Tisch stehen blieb, sagte sie: „Setz dich bitte.“ Ich nickte und folgte ihrer Bitte. Janine setzte sich mir gegenüber und sagte leise: „Bärchie, ich möchte dir heute mit dieser kleinen Überraschung deutlich machen, dass ich dich wirklich über alles liebe. Du bist und bleibst mein allerwichtigster Mensch in meinem Leben. Die ganzen Monate über habe ich gehofft, dass wir wieder zueinander finden. Ich gab dich die ganze Zeit über niemals auf. Noch immer hoffe ich, dass wir das wirklich wieder zusammen hinbekommen. Hoffentlich glaubst du mir nach dem heutigen Abend, dass ich es wirklich völlig ernst meine und niemals mit dir spielen würde. Ich würde vermutlich so gut wie alles dafür tun, dass wir wieder so glücklich wie früher werden, weil unsere Zeit zu zweit einfach nur schön und unvergesslich für mich ist.“ Wir schauten uns einige Sekunden lang in die Augen und ich wusste nicht, ob sie von mir eine Antwort erwartete. Ich nickte und sagte beeindruckt: „Das habe ich dir doch immer geglaubt. Daran hatte ich nie Zweifel. Wirklich danke für all das hier, das ist wunderschön. Die Überraschung ist dir schon jetzt gelungen.“ Wir wünschten uns gegenseitig einen guten Appetit und ich bedankte mich auch für das Essen, welches ja nun wirklich nicht nötig gewesen war. Während wir aßen, bewunderte ich immer wieder die Romantik, die die Wohnung und speziell die Küche nur mit den Kerzen erzielte. Ich sagte: „Weißt du, Janine, das mit den Kerzen ist eine so wunderschöne Idee. Du hast dir so viel Mühe gegeben…“ – „Du bist all die Mühe wert, die ich mir gemacht habe.“ – „Das ist lieb gesagt…“ Sie lächelte und zog mich damit einfach an.

Wir waren gerade fertig mit unserem Essen, als ich ihr ein Kompliment machte, welches ich wirklich völlig ernst meinte: „Das Essen war wirklich prima, Süße.“ Nach meiner unbedarften Aussage war ich etwas verwirrt und ich sah dies auch Janine an, die für einen kurzen Moment stutzte und nun meinte: „Danke, Bärchie.“ Wir betrachteten uns eine kurze Weile über den Tisch hinweg, bis wir zeitgleich anfingen, zu lächeln und ich wieder ihre wunderschönen Augen bemerkte, die sie so begehrenswert aussehen ließen. Mit Janine zusammen stand ich vom Tisch auf und wollte ihr gerade dabei helfen, das Geschirr wegzuräumen, als sie meinte: „Lass ruhig. Ich mach das schon.“ Sie nahm sich meinen Teller und mein Besteck und stellte zusammen mit ihren Sachen alles in das Spülbecken. Anschließend schauten wir uns an und sagten nichts. Wir kamen uns näher und sie griff nach meinen Händen. Dabei hielten wir uns gegenseitig fest und schauten uns weiterhin in die Augen. Wie lange wir da standen, wusste ich nicht. Es waren sich ewig anfühlende Momente, in denen wir uns nur noch tief in die Augen schauten. Sie kam das letzte Stückchen, welches uns voneinander trennte, näher und tat es mit einem Lächeln auf den Lippen.

Unsere beiden Gesichter kamen sich näher und unsere Lippen berührten sich. Eigentlich war dies nach den letzten Tagen, in denen wir uns recht oft küssten, nichts Besonderes mehr, aber dieser schöne, intensive Kuss wirbelte in mir irgendwie alles durcheinander. Meine Gefühle spielten verrückt. Als wir uns kurz voneinander lösten, lächelte Janine mich – scheinbar erwartungsvoll – an. Ich lächelte zurück und sie griff, nachdem sie sie erst losgelassen hatte, erneut nach meiner Hand. Damit führte sie mich den Pfeilen aus Kerzen entgegen in den Flur. Sie ließ meine Hand im Flur los und sagte: „Ich gehe nur schnell die Kerzen holen, puste sie aus und stelle sie in mein Zimmer. Du kannst im Zimmer warten, wenn du möchtest. Ok?“ – „Soll ich dir nicht lieber helfen? Es sind nicht gerade wenig.“ Wir grinsten und meinte: „Du hast Recht. Wenn du magst, kannst du mir natürlich auch gerne helfen.“ Ich nickte und wir trennten uns bei der Arbeit. Ich begann in der Küche, während Janine im Flur begann. Ich pustete erst alle Kerzen in der Küche aus und griff mir vorsichtig einige der Kerzengläser, die ich in Janines Zimmer brachte.

Im Zimmer waren ebenfalls ein paar Kerzen, die bereits brannten, was mich irritierte. Janine rief mir aus dem Flur zu, dass sie welche aus dem Flur eben einfach in ihr Zimmer gebracht hatte. Kaum hatte ich meine erste Ladung an Kerzen abgestellt, kam plötzlich ein kleiner Schrei vom Flur aus. Ich flitzte in den Flur, in dem Janine laut rief: „Ieh!“ Sie zog den Begriff so sehr in die Länge, dass er bestimmt zwei bis drei Sekunden lang war. Ich fragte sie mit einem Schmunzeln: „Was ist denn los?“ Darauf schaltete sie das Licht an und zeigte in Richtung des Bodens, wo ich neben den letzten Kerzen, die im Flur lagen, eine recht große Spinne krabbeln sah. Sie meinte mit einer ungewöhnlich hohen Stimme: „Kannst du sie bitte wegmachen?“ Ich grinste und im Innern lachte ich, weil ich ihre Reaktion sehr niedlich fand. Ich holte ein Taschentuch aus meiner hinteren Hosentasche, kniete mich hin und griff das Vieh mit dem Taschentuch. Direkt anfassen wollte ich es nicht und auf dem Teppichboden platt treten, war auch nicht wirklich angenehm. Als ich die Spinne gegriffen hatte, ging ich zügigen Schrittes durch das Wohnzimmer zum Balkon, öffnete die Tür und beförderte die Spinne mit einem kleinem Flug nach draußen. Das Taschentuch warf ich in der Küche weg.

Als ich wieder in den Flur trat, kam Janine auf mich zu und fragte: „Ist sie… tot?“ – „Nein, ich habe sie zwar nach draußen befördert, aber das wird die schon überstanden haben.“ – „Du bist sehr lieb.“ Ich grinste und nickte. Anschließend legte ich meinen Arm um ihre Schulter und wir gingen langsam in ihr Zimmer, wo nur noch die letzten Kerzen brannten, da sie sich parallel um die letzten Kerzen in der Wohnung gekümmert hatte. Diese Kerzen blieben wohl noch den ganzen Abend über an, wir hatten da ein blindes Verständnis dafür. Ich sagte leise auf den paar Metern zu ihr: „Du brauchst doch keine Angst vor Spinnen zu haben. Diese kleinen Tiere machen doch nichts… Nur wenn du auf die richtigen gefährlichen triffst, solltest du Angst haben.“ – „Du hast ja Recht… Aber sie ekeln mich einfach so an.“ Wir grinsten. Ich wusste bereits von früheren Erzählungen, dass sie Spinnen nicht mochte, aber das live zu sehen, war eine Premiere. Ich stellte fest, dass ich selbst jetzt nach den vielen intensiven Stunden in den letzten Jahren Janine immer wieder neu kennenlernte. Verwundert war ich aber darüber, dass sie mir in unseren Gartenzeit davon nichts erzählt hatte, was sicherlich auch daran lag, dass wir keiner einziger Spinne damals begegnet waren.

Wir setzten uns in ihrem Zimmer auf ihr Bett und ich nahm meinen Arm von ihrer Schulter. Wir küssten uns sehr zaghaft. Leicht überraschend während des Küssens griff sie zu meinem Pullover und wollte ihn über meinen Kopf ziehen. Ich überlegte tatsächlich für einen Bruchteil einer Sekunde, ob ich das wollte. Hatte sie das vor, was ich glaubte? Wollte sie mit mir schlafen oder was war ihr Plan? Ich legte meine Gedanken und Sorgen erneut beiseite und pfiff auf diese. Vor mir saß eine attraktive Frau, deren Charakter ich in den letzten Tagen wieder zu lieben gelernt hatte und die mich so sehr wie keine andere Frau bisher anzog. Warum sollte ich mich also nicht auf sie einlassen?

Ich saß mit freiem Oberkörper vor ihr und griff nach ihrem Top, unter dem sie noch einen BH trug. Sie zog es sich auch aus. Ihr Körper war einfach schön. Sie gefiel mir weiterhin sehr, das konnte ich nicht abstreiten. Janine sagte leise: „Leg dich ruhig hin.“ Das tat ich – ich legte mich auf den Bauch, weil ich schon erahnte, dass sie mich massieren wollte. Sie setzte sich vorsichtig auf mich. „Du bist wieder wirklich sehr verspannt.“, sagte sie leise nach einigen Momenten. „Ich weiß, das passiert mir viel zu oft in letzter Zeit.“ – „Es wird wohl Zeit, dass ich dich öfters massiere, was?“ Ich sagte einige Momente lang nichts und sie flüsterte mir ins Ohr: „Wenn man nichts sagt, ist das normalerweise eine stumme Bestätigung.“ Weil ich ihre Aussage direkt ins Ohr so überraschend kam, bekam ich vermutlich Gänsehaut über den gesamten Körper. Janine strich mit einem Finger über viele Stellen meines Körpers und massierte dabei immer wieder, was mich richtig herunterfahren ließ. Gleichzeitig entwickelte sich eine riesige Anspannung in mir. Mit diesem Streicheln knisterte es gewaltig zwischen uns. „Ich kann nicht abstreiten, dass ich mich über regelmäßige Massagen freuen würde. Aber immer will ich dir das halt auch nicht antun, das ist sicher auch anstrengend, meine harten Schultern massiert zu bekommen.“ – „Das stimmt, aber das bekomme ich schon hin. Ist auch nicht das erste Mal, ne?“ – „Hihi, das stimmt wohl.“

Am empfindlichsten war ich noch immer am Nacken, den sie wirklich intensiv bearbeitete. Ich sank einfach ins Kissen. Es war einfach wundervoll, wenn sie mich massierte. Die Massage ging richtig lange und ich war danach entspannt, wie schon lange Zeit nicht mehr. Sie ging von meinem Hintern, auf den sie sich zu Beginn gesetzt hatte, hinunter und legte sich neben mich. Ich richtete mich in der Zeit auf und fragte sie: „Ist es in Ordnung, wenn ich mich auf dich heraufsetze?“ Darauf sie: „Na klar ist es das. Das habe ich doch gerade auch bei dir gemacht.“ – „Das stimmt schon. Aber ich fand es irgendwie richtig, dich vorher zu fragen.“ Sie schmunzelte. Ich setzte mich auf sie und es war ein richtig komisches Gefühl. Meine Unsicherheiten, die ich die ganze Zeit hatte, waren plötzlich wie weg. Ich war mir sicher, dass ich gerade das Richtige tat und genoss wieder das Gefühl, mit ihr diese Nähe zu teilen. Es war einfach schön. Ich massierte sie, so gut ich es konnte. Ab und zu sagte sie, dass ich es besonders schön machen würde und dass es ihr gefiel. Selbst wenn ich sie massierte, entspannte ich dabei auch noch viel weiter – zwar nicht so sehr, als wenn ich selbst von Janine massiert wurde, aber es lockerte mich noch weiter auf. Nach meiner Massage setzte sich Janine wieder hin und küsste mich. Ich sah, dass sie ihren Verstand ausgeschaltet hatte, ich kannte diesen Blick von früher. So, wie sie mich vor diesem Kuss anschaute, blickte sie immer genau in jenen Momenten, in denen wir intim miteinander wurden. Ich fragte mich kurz selbst, was ich nun wollte, aber ehe ich weiter darüber nachdachte, hatte mich meine sexuelle Lust bereits komplett im Griff. Wir legten uns hin und küssten uns immer intensiver. Langsam ging unser Kuscheln in ein Schmusen über. Ohne, dass ich damit rechnete, berührten sich plötzlich unsere Zungen vorsichtig. Direkt nach dem Zungenkuss stoppten wir kurz mit unserer Knutscherei und schauten uns in die Augen. Wir sagten nichts und behielten für mehrere Sekunden diesen Blick bei. Ich war so erregt, dass ich sie wieder küsste, weil ich einfach ihre Lippen spüren wollte. Wenige Sekunden später wollte ich nicht nur ihre Lippen, sondern ihren gesamten Körper spüren, ich sehnte mich nach Sex. Janine ahnte offenbar genauso wie ich, wohin unsere immer wildere Schmuserei führen konnte, und bediente sich am Knopf meiner Hose. Ich ließ sie diesen ungehindert öffnen und half ihr dabei, ihren Rock loszuwerden, unter dem sie einen normalen Slip trug. Wir lagen nur noch in Unterwäsche nebeneinander. Sie liebkoste meine sexuell empfindlichsten Stellen und törnte mich damit um ein Vielfaches mehr an, sodass ich wirklich komplett die Kontrolle über mich verlor und nur noch fühlte. Sie zog meine Unterhose nach unten und erregte meinen Penis, sodass meine Berührungen ihres Körpers etwas gröber wurden. Wir lechzten so sehr nach Sex, dass wir während unseres gesamten Vorspiels mehrfach leicht seufzten, weil wir uns gegenseitig so sehr erregten und mehrfach kurz vor dem Punkt hielten, an dem wir zum Orgasmus kommen konnten. Als ich selbst es nicht mehr allzu lange aushalten konnte, fragte ich sie leise: „Bist du sicher, dass du das willst?“ – „Ich möchte dich jetzt. Da gibt es nichts mehr zu überlegen.“ Ich hielt meinen Blick bei, während ich gerade leicht über sie gebeugt war und sie ergänzte: „Aber ich möchte nur, wenn ich weiß, dass ich das wieder regelmäßig bekomme!“ Mit einem für mich erstaunlichen Selbstbewusstsein sagte ich: „Das möchte ich auch, dass du und ich wieder regelmäßig Sex haben… Weil ich gerne Sex mit meiner Freundin haben möchte.“ Janine strahlte und zog mich mit wirklich viel Kraft zu sich heran, sodass wir direkt wieder schmusten und Janine dabei einmal recht laut stöhnte. Direkt im Anschluss griff sie zu ihrem Nachtschrank und holte ein Kondom heraus, da ich keine dabeihatte und vor ein paar Tagen nicht gerade damit rechnete, mit Janine ins Bett zu gehen. Ich zog mir das Kondom natürlich drüber, weil ich völlig verstehen konnte, dass sie geschützten Sex haben wollte. Vor allem hatte sie im Gegensatz zu mir in der Zwischenzeit Sex gehabt, aber vorsichtig wollten wir trotzdem sein, solange wir uns nicht erneut getestet hatten, was bei mir zumindest nicht der Fall war. In jedem Fall war unser letzter sexueller Kontakt über ein halbes Jahr her.

Ich drang in sie ein, während sie unter mir lag. Es war ein atemberaubendes Gefühl, welches durch meinen Körper jagte. Ich hatte mich in den ganzen letzten Monaten nicht mehr so… wohl gefühlt. Wir waren wirklich lange vereint. Ich erahnte, dass Janine deutlich vor mir zum Orgasmus kam und war überrascht, dass sie gleich mehrfach auf ihre Kosten kam. Als ich in ihr kam, überfluteten mich Gefühle, die ich viele Monate erfolgreich verdrängt und nahezu vergessen hatte.

Janine wischte mir, kaum, dass ich das Kondom loswurde, mit einem Taschentuch den Penis ab. Wir schmusten weiter sehr intensiv miteinander. Unsere Zärtlichkeiten nahmen kein Ende. Ich bekam nicht genug von ihr, sie sprach einfach alle meine Sinne an. Als sie mir „Mein Orgasmus war einfach toll“ ins Ohr flüsterte, wurde mir etwas bewusst, über das ich bei Janine selten nachgedacht hatte: Ich liebte ihre weiche Stimme einfach sehr. Ihre Stimme war nur wenig hoch, aber der Klang war für mich, immer, wenn ich ihn vernahm, angenehm. Ich mochte ihre weibliche Stimme, weil sie zu ihr einfach so gut passte. Als sie mir diesen Satz sagte, löste das in mir erst recht die Begierde aus, sie noch mehr spüren zu wollen. Wir schmusten lange Zeit weiter und küssten uns weiterhin auch mit Einsatz der Zunge, bis ich bemerkte, dass Janine weiteren Sex wollte. Sie machte mich so sehr an, dass ich in einer anderen Position ein zweites Mal mit ihr schlief. Wir kamen auch bei diesem Mal zum Orgasmus. Janine stöhnte dieses Mal wirklich laut und war danach völlig weggetreten, was mich einfach glücklich stimmte, weil ich spürte, wie gut es ihr gefiel. Ich selbst konnte mich sowieso nicht beschweren, weil ich mich so richtig gut fühlte.

Als Janine langsam wieder mehr zu sich kam, schaute sie mich weiterhin voller Leidenschaft an. „Ich glaube, noch eine Runde verkrafte ich nicht.“, sagte sie mit einem Lachen. „Ich verkrafte das zwar sicher, aber ich glaube, dafür reicht es jetzt so schnell wirklich nicht mehr.“ – „Schade.“, sagte sie plötzlich. Ich grinste so breit wie wohl nur selten und meinte: „Wieso habe ich das Gefühl, dass…“ Ich näherte mich mit dem Mund ihrem Intimbereich und hauchte ihrer Vulva nur ganz leicht Luft entgegen. Janine sprang, als ich das machte, so richtig auf, um sich direkt wieder ins Bett fallen zu lassen. „Wow, bist du empfindlich!“ – „Könnte vielleicht sein?“ Sie schaute mich gierig an, auch diesen Blick erkannte ich von früher. Ich gab mir direkt die größte Mühe, sie mit Zunge und Finger erneut zu befriedigen, was mir dafür, dass wir so lange keinen sexuellen Kontakt mehr hatten, erstaunlich gut gelang. Genau, als sie erneut kam, krallte sie sich an meinem Oberarm fest, auf dem sie mehrere sichtbare Kratzspuren hinterließ. Ich freute mich einfach, dass sie sich bei mir so sehr fallenlassen konnte und spürte, dass sie mich mit ihrem Orgasmus erneut so richtig anmachte. Mein Herz raste entsprechend, als wir selbst nach diesem Orgasmus von ihr weiter miteinander schmusten. Ich war mir kurz nicht sicher, ob ich nicht doch noch Sex wollte, aber Janine wirkte völlig fertig. Abgesehen davon hatte der Tag mit den vielen Kilometern zu Fuß und der Reise auch in Sachen Ausdauer seine Spuren bei mir hinterlassen. Wir kuschelten sehr lange nackt weiter miteinander und ich hatte einen einzigen Gedanken: „Das hat mir so sehr mit ihr gefehlt.“

Janine schlief während unseres Kuschelns ein und war auch nicht wachzubekommen. Ich wollte eigentlich, dass sie sich bettfertig machte, aber für eine Nacht war das auch absolut zu verkraften. Daher stand ich leise auf und zog mir meine Boxershorts und mein Shirt wieder an. Leise verließ ich ihr Zimmer und ging wie in alter Gewohnheit ins Wohnzimmer, weil ich durch die Balkontür nach draußen schaute. Ich schaute nach draußen zum Himmel und fand einen fast wolkenfreien Himmel vor. All die Eindrücke von eben wirkten noch nach und ich durchdachte diesen Abend in all seinen Details. Als ich anschließend über die letzten Tage nachdachte, kam ich zu einer finalen Erkenntnis. Ich wollte Janine als Freundin – und keine andere. Janine schaffte es mit ihrer gesamten kumpelhaften, niedlichen, verspielten, freundlichen, liebevollen, intelligenten, rücksichtsvollen, teils leicht dominanten und gerne auch verruchten, spaßigen Art, mich einfach zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Ja, sie hatte sich einige Fehltritte geleistet. Ja, sie hatte oft zu viel getrunken, ihre Grenzen ausgetestet, fremdgeküsst und mich damit verletzt. Ich hatte Zeit gebraucht, ihr das zu verzeihen und ich wusste in dem Moment, als ich dort an der Balkontür stand, dass ich es nun vollständig konnte. Sie hatte sich in den letzten Tagen so viel Mühe gegeben und mir gezeigt, dass sie mich liebte, dass ich wusste, dass ich mich wieder voll auf sie einlassen konnte. Sie hatte sich verändert. Sie war wieder die Janine, die ich in unserem ersten Beziehungsversuch unheimlich geliebt hatte. Zusätzlich spürte ich durch die gesamten Tage, dass ich sie nicht mehr missen wollte. Ich war glücklich, dass sie wieder an meiner Seite war und fühlte mich mit ihr einfach nur wohl, ohne jegliche Einschränkungen.

Die vielen Sterne, die ich sehen konnte, blitzten und blinkten. In diesem Moment erkannte ich etwas, was ich vorher noch nie bemerkt hatte: eines der einfacheren und kleineren Sternenbilder. Zum ersten Mal sah ich es mit all den kleinen Tricks, die Janine mir in der Vergangenheit erklärt hatte. Direkt nach meiner Erkenntnis hörte ich Janines tapsige Schritte, die sich immerhin ein Nachtoberteil angezogen hatte. „Konntest du wieder nicht schlafen, Bärchie?“ – „Nein, das war ausnahmsweise nicht mein Problem. Du bist einfach sehr schnell eingeschlafen und ich wollte einfach nur sacken lassen, was in den letzten Stunden passiert ist.“ – „Das kann ich verstehen.“ Sie legte ein ungewohntes, leicht dreckiges Lachen auf, was mich amüsierte. „Ich war einfach kurz so fertig und konnte meine Augen nicht mehr aufhalten, nachdem wir aufgehört haben.“ – „Habe ich gesehen. Von einem Moment auf den anderen hast du geschlafen. Ich habe versucht, dich zu wecken. Keine Chance.“ Wir kicherten und Janine fragte: „Was… hast du gegrübelt?“ – „Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll…“ – „Am Anfang?“ Ich schob sie leicht zur Seite und lachte mit ihr über diesen blöden Witz. „Ich habe mich gefragt, wie wichtig du mir bist.“ – „Und?“ – „Möchtest du die lange oder die kurze Antwort?“ – „Die ehrliche?“ – „Das stand nicht zur Auswahl.“ Sie boxte mich leicht, schmunzelte und legte ihren Arm um meine Hüfte. Ich zog sie näher an mich heran, während ich meinen Arm um ihre Schultern legte. „Ich habe mir all die Tage vor allem zwei Fragen gestellt. Die erste war, ob ich wirklich deinen Fehltritt von damals verzeihen kann. Ich wusste, eine Beziehung zwischen uns würde nichts mehr bringen, falls ich deinen Kuss damals nicht verzeihen könnte. Ich wollte nicht, dass das eine zweite Beziehung von uns belastet, wenn ich die ganze Zeit mit meinen Gedanken daran festhängen würde. Ich habe zwar in den letzten Tagen durchaus daran gedacht, aber ich habe spätestens heute gespürt, dass ich das einfach komplett ausblenden kann. Du bist einfach die tollste Frau, die ich kenne und es ist mir egal, dass du Jeremias damals kurz geküsst hast. Das passiert halt, du warst betrunken, er hat dich in die Situation gezwungen. Alles Gründe, dass mich dein Kuss von damals einfach nicht mehr interessiert und beschäftigt. Die zweite Frage war, ob ich noch Gefühle für dich besitze und dir vertraue.“ Ich hörte aufgrund der Stille der Wohnung, wie Janine kurz die Luft anhielt. „Ich habe schon bei unserer Wochenendfahrt gespürt, dass irgendetwas in mir ist, was mich beschäftigt, wenn wir Zeit miteinander verbracht haben. Ich wusste die ganze Zeit nicht, was das für ein komisches Gefühl war, aber nachdem wir jetzt in den letzten Tagen so viel Zeit gemeinsam hatten, habe ich gespürt, dass ich dich nicht mehr missen will. Ich genieße es, dass du an meiner Seite bist und dass wir in den letzten Tagen so viel Zeit für uns hatten. Es war die absolut beste Entscheidung, dass ich nach dem Karaoke bei dir über Nacht geblieben bin. Ich weiß jetzt eindeutig, warum ich solche Schwierigkeiten hatte, mich auf dich einzulassen, auch, als wir auf der Wochenendfahrt miteinander Zeit verbracht haben. Ich hatte einfach Angst.“ Janine atmete lautstark aus und griff plötzlich fester um meine Hüfte. „Warum Angst?“ – „Angst, ob ich dir wirklich wieder voll vertrauen kann. Angst davor, wieder verletzt und enttäuscht zu werden. Angst, dass du vielleicht nicht mehr die Janine bist, die du vor unserer Trennung warst.“ – „Was kann ich denn tun, damit du mir wieder voll vertraust?“ – „Du brauchst nichts mehr zu tun, ich spüre, dass ich dir wieder vertraue.“ Janine schaute mich von der Seite an, ich erwiderte ihren liebevollen Blick. „Wie wir deine Krisensituation mit deiner Mutter gemeistert haben, wie unser Heiligabend mit unseren Familien war… Wie gut du mit Petra klarkommst und wie sehr es sich einfach nach Familie anfühlt, auch mit deiner Mutter. Wie du die ganze Zeit darauf schaust, dass es mir gut geht. Das zeigt mir einfach, dass wir zusammenhalten und uns vertrauen, dass ich mich auf dich verlassen kann und wir füreinander da sind. Das Allerwichtigste ist vermutlich, dass ich in jeder deiner Umarmungen spüre, wie sehr du mich liebst. Dieses Gefühl spürte ich einfach so sehr, dass ich anfangs noch Angst vor einer neuen Beziehung hatte. Ich sehne mich nach einer neuen Beziehung, ja, das ist mir in den letzten Tagen bewusst geworden. Ich hatte aber vermutlich die ganzen Monate Angst vor einer neuen Beziehung, weil ich mich an das Alleinsein irgendwie nun gewöhnt hatte. Ich hatte Angst vor den Veränderungen dadurch. Auch wenn ich wirklich mit Sandra oder mit Julia zusammenkommen wollte, aber gleichzeitig hatte ich echt Schiss.“ – „Aber warum in den letzten Tagen?“ – „Ganz einfach: Ich habe jetzt einfach bemerkt, dass ich bei dir keine Angst haben muss. Ich habe gespürt, dass ich mich bei dir öffnen und einfach fallenlassen kann. Ich weiß, dass du mich so akzeptierst und liebst, wie ich bin. Aber dafür musste ich eben erst wissen, ob ich dir wieder vertrauen kann und über das von damals hinwegsehen kann. Ich bin einfach kompliziert.“ Wir schwiegen kurz und Janine sagte: „Ich kann deine Gedankengänge schon ziemlich gut verstehen. Du warst einfach schwer verunsichert, ich glaube, so kann man das zusammenfassen.“ – „Ja, total.“

Wir schauten uns einige Momente später gleichzeitig in die Augen und ich sah, dass Janine mich etwas fragen wollte. „Welche Bedeutung hat dieser Abend heute für dich?“ – „Ich habe mit dir geschlafen, weil ich heute den ganzen Tag über das Gefühl hatte, dass wir wieder zusammen sind, ohne es bisher ausgesprochen zu haben. Darum spreche ich es jetzt einfach aus, auch wenn ich damit vielleicht ein hohes Risiko eingehe.“ Janine sah so richtig gespannt aus. „Ich möchte mit dir wieder zusammen sein. Möchtest… du denn das auch weiterhin mit mir?“ – „Ja!!!“ Sie sprang mich plötzlich aus heiterem Himmel an und ich fing sie gerade noch auf, weil sie sich einfach völlig an mir abstützte und mit den Beinen nicht mehr den Boden berührte. Es folgte ein langer, leidenschaftlicher Kuss. Ich stellte sie wieder auf ihre Beine und wir tauschten weitere leidenschaftliche Küsse aus. „Ich liebe einfach deine gesamte Art und Weise. Deine lustigen Kommentare, dein Stänkern mit mir, dass du dir nichts gefallen lässt, aber ich liebe deine Intelligenz genauso wie deine Emotionen. Mir ist in den letzten Tagen noch eine Sache bewusst geworden.“ – „Was denn?“ – „Meine Gefühle für dich waren nie weg, obwohl ich das eigentlich geglaubt habe. Dadurch, dass ich einem richtigen Gespräch zwischen uns immer aus dem Weg gegangen bin, habe ich mich mit meinen Gefühlen für dich nicht weiter beschäftigt. Aber sie waren immer da. Und vor allem war in meinem Innern eigentlich der Wunsch, dir zu verzeihen, wenn du wirklich aus dem ganzen Mist damals gelernt hast. Das hast du, das hat mir sogar auch deine Mutter erzählt.“ – „Oh, sie hat mir das nicht verraten!“ – „Wow, damit habe ich nicht gerechnet. Sie hat mir im Krankenhaus erzählt, dass du dich wirklich verändert hast. Du hast mit ihr über das alles gesprochen und ehrlich gebeichtet, was alles passiert ist. Sie sagte mir, was du alles durchgemacht hast, weil ich dir mit der Trennung so wehgetan habe.“ – „Du hast mir nicht wehgetan, ich habe mir selbst wehgetan, weil ich dich unverdient so scheiße behandelt habe. Dich traf doch einfach keine Schuld. Aber ich habe immer gehofft, dass du es dir doch noch überlegst. Oder zumindest, dass wir wenigstens so richtig darüber sprechen würden.“ Ich bemerkte plötzlich eine kleine Träne, die an ihrer Wange hinunterlief. „Warum weinst du?“, fragte ich sie leicht überfordert, sodass ich sie fest umarmte. „Ich weine, weil ich vor Freude so glücklich bin.“ – „Hey.“ Sie schaute mit leicht glasigen Augen. „Ich brauche bestimmt noch etwas Zeit insgesamt, bis ich selbst das wieder häufiger sagen kann, aber ich möchte, dass du eines weißt.“ – „Was denn?“ Ihre Stimme war leicht brüchig. „Ich liebe dich.“ – „Ich dich auch!“ Ich küsste sie daraufhin und sie legte nach einigen Momenten ihre Arme um mich, sodass unser Kuss noch leidenschaftlicher wurde. „Gib mir also bitte auch weiterhin noch Zeit, okay?“ – „Ja, klar! Wir machen ganz entspannt!“ – „Das hat ja mit unserem ersten Mal auch nicht so ganz geklappt, oder?“ Sie grinste verschmitzt und meinte: „Na ja, aber wir waren ja auch schon intim miteinander früher, das hat es ja nun viel verführerischer gemacht.“ – „Das stimmt. Es war vermutlich auch der schönste Sex, den wir jemals miteinander hatten.“ – „Ja, garantiert. Vermutlich direkt nach unserer Zeit im Garten damals.“ – „Oh ja, das war auch einfach… heiß.“ Wir küssten uns erneut und ich sagte leise: „Hey, nicht mehr weinen jetzt. Du solltest dich freuen! Oder nicht?“ – „Ja, du Doofi! Aber du kennst mich doch, du machst mich gerade so glücklich, dass ich vor allem über all die letzten Monate weinen muss.“ – „Nein, das hat jetzt ein Ende. Du und ich sind wieder zusammen und das soll ruhig jede und jeder wissen. Unser Ausflug heute war einfach so toll, ich bin einfach glücklich. Ich möchte dich wieder für mich haben. Wir verstehen uns einfach so gut, wir harmonieren so toll, ich wäre doch schön blöd, wenn ich das für immer weggeschmissen hätte, nur, weil halt etwas nicht so toll lief.“ – „Du bist so süß…“ – „Außerdem ist es vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass wir ein paar andere Erfahrungen sammeln konnten. Das habe ich heute deutlich gespürt. Ich konnte einerseits so gut wie wohl nie abschalten, andererseits spüre ich einfach, dass mir die Erfahrungen mit Julia noch mehr Selbstvertrauen gegeben haben. Ich hatte ein gutes Gefühl dafür, was du gerade möchtest. Allein beim Sex vorhin habe ich gefühlt, wie sehr wir uns vertrauen.“ – „Ja, ich konnte mich einfach sofort fallenlassen. Das war bei Benny anders. Ich wollte den Sex mit ihm, aber ich war bei ihm vorsichtiger. Ich habe nicht einfach alles um mich herum ausgeblendet.“ – „Kann ich verstehen. Ich konnte zwar bei Julia meinen Kopf ausschalten, aber ich konnte mich bei ihr nicht ganz fallen lassen, weil sie eine leichte Unruhe ausstrahlte. Du bist da ganz anders. Ich liebe es, dass du ruhig, aber auch mal wild bist. Diese Kombination macht mich einfach so krass an, das kannst du dir gar nicht vorstellen.“ – „Doch, das habe ich ja heute gespürt.“ Sie kicherte und ich griff ihre Hand, sodass wir direkt unsere Finger miteinander verschränkten. Ich führte sie in ihr Schlafzimmer. Wir schalteten ihren Dampfbrunnen als einzige Lichtquelle an und legten uns auf ihr Bett. Unsere Blicke richteten sich vor allem zu ihrer Zimmerdecke.

„Wie stellst du dir unsere Beziehung vor?“, fragte ich sie. „Ich glaube, wir haben damals gar nicht so viel falsch gemacht, oder? Ich habe mir geschworen, über alles zu reden, was mich beschäftigt und noch viel mehr darüber nachzudenken, wenn du ernsthafte Sorgen ansprichst. Es tut mir so leid, dass-“ – „Hey, genug jetzt von früher. Das interessiert mich jetzt nicht mehr. Ich möchte dich jetzt und hier und nicht in der Vergangenheit.“ – „Okay, soll ich also meine Klamotten direkt wieder ausziehen, wenn du mich jetzt und hier möchtest?“ – „Haha, genau das ist deine verruchte Art, die ich so geil finde.“ – „Danke, Bärchie.“ Ich küsste sie innig und sie sagte: „Ich lasse die Finger von Alkohol.“ – „Hey, selbst wenn du was trinkst, werde ich darüber nicht mehr sauer sein. Selbst wenn du solch einen heftigen Absturz theoretisch nochmals hättest, kann ich vermutlich darüber hinwegsehen, solange du das nicht jedes Wochenende bringst. Ich habe aber wirklich kein Problem mehr damit, wenn du angeheitert wärst. Ich war da früher viel zu streng, das fand ich selbst scheiße.“ – „Okay, ich finde es toll, dass du da entgegenkommender auch bei Freunden geworden bist. Aber wie gesagt, ich rühre das Zeug möglichst wenig oder gar nicht mehr an. Ich bin da richtig streng geworden, haben die anderen ja auch bemerkt.“ – „Ich ja auch.“ – „Ja, ich meine das auch völlig ernst. Das Zeug kann echt gefährlich sein und ich sehe ja, wie sehr sich andere besaufen und es völlig übertreiben. Die anderen, die Schule und vor allem du sind mir einfach viel zu wichtig dafür. Ich möchte ein glückliches Leben mit dir haben, das Zeug kommt mir nicht mehr in die Quere. Ich habe die Schnauze so richtig voll davon.“ – „Das ist eine schöne Haltung. Ich verspreche dir, dass ich da nicht mehr so angepisst reagiere. Gerade auch, dass ich so fies zu einigen aus der Jeremias-Gruppe damals war, war nicht in Ordnung.“ – „Das ist doch auch schon lange her. Scheiß drauf.“ – „Jo, gute Einstellung. Aber trotzdem, du weißt, was ich meine. Ich war zu intolerant, damit hattest du Recht.“ – „Das finde ich super, dass du da lockerer geworden bist.“ Wir gaben uns einen innigen Kuss. „Wie wollen wir das mit dem Sehen zukünftig machen?“, fragte ich sie. Ihre Antwort: „So wie früher? Zwei Mal die Woche? Wäre es denn ok für dich, wenn wir einmal in der Woche zusammen die Nacht verbringen und am Wochenende mindestens einen ganzen Tag mit Übernachtung? Und wenn es zeitlich passt, am Wochenende auch vielleicht mehr?“ – „Das klingt super. Ich weiß nämlich, dass ich dich jetzt sicher wieder viel um mich haben will. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wenn die Ferien vorüber sind und wir teilweise in getrennten Betten schlafen müssen.“ – „Ja, ich auch nicht, das wird doof!“ Sie zog eine niedliche Schnute und brachte mich zum Lachen. „Was ist mit Partys und so? Du gehst mittlerweile deutlich öfter zu Partys und so, oder?“, fragte sie mich. „Ja, das ist schon mehr geworden, seitdem ich damit klarkomme, wenn die da saufen. Hast du da Lust, auch mitzukommen?“ – „Klar, ich muss ja schließlich mit meinem heißen neuen Freund angeben, damit sich alle so richtig das Maul zerreißen können, wen ich als Neues aufgerissen habe.“ – „Geht klar, Schnecke.“ Ich spielte aufgrund des für sie verwendeten Spitznamens ein fiktives Brechen über dem Klo, sodass Janine lachen musste. Unsere Zungen saßen so locker wie lange nicht. „Ansonsten müssen wir doch gar nicht so viel verändern, oder?“, fragte mich Janine. „Nein, ich glaube nicht. In den letzten Tagen haben wir doch wieder so gut zusammengepasst, als wären wir nie getrennt gewesen.“ – „Waren wir doch auch nicht, oder? Ich kann mich an nichts erinnern.“ Ich griff ihre Hand und wir verschränkten unsere Finger. „Ich möchte dich nicht mehr gehen lassen, hörst du?“, fragte ich sie. „Ich dich auch nicht. Dafür liebe ich dich einfach viel zu sehr.“ Ich gab ihr einen Kuss, weil ich mich auch weiterhin schwertat, ihr zu sagen, dass ich sie liebte. Ich brauchte dafür sicherlich noch etwas mehr Zeit. Janine fragte: „Es gibt aber etwas, was mir so extrem wichtig ist und was wir wirklich immer befolgen sollten. Wirklich immer.“ – „Okay? Ja?“ – „Lass uns wirklich immer offen und ehrlich über alles sprechen. So wie früher immer, bevor ich Jeremias und die Pfeifen kennengelernt habe. Ich möchte dir nie wieder etwas verschweigen, so unangenehm das auch ist. Und bitte sag du mir bitte auch immer sofort alles, auch wenn du mich richtig scheiße finden sollst, dir irgendwas nicht passt. Lass uns das bitte sofort immer klären, okay? Nicht, dass wir mit Wut oder so schlafen gehen und das vielleicht noch über Tage mit uns herumtragen… Ich möchte dich nie wieder verlieren. Du bist mir viel zu wichtig dafür und ich-“ Ich unterbrach sie mit einem langen Kuss und sagte: „Geht klar. Wir reden wieder über alles miteinander. Ich möchte den Fehler kein zweites Mal machen, dass ich die Enttäuschung und die Traurigkeit in mich hineinfresse. Und damit wir direkt damit anfangen: Hör auf, dich jetzt noch fertig zu machen und die schlechten Dinge von früher zu denken. Wir schauen jetzt nach vorne. Ich will dich und ich weiß ganz genau, dass ich dich will. Ich habe keine Zweifel mehr. Also brauchst du jetzt auch nicht weinen oder so, sondern solltest viel mehr genießen, dass ich neben dir liege.“ – „Du riechst auch alles, oder?“ Ich hörte, wie sie erneut ganz kurz und leise weinte. Ich brachte ihr ein Taschentuch und setzte mich zu ihr aufs Bett. „Wenn du nicht aufhörst, zu weinen, werde ich…“ – „Nein, nein!“ Ich kitzelte sie gnadenlos, was schnell in einer langen Kissenschlacht und einem gegenseitigen Ärgern endete. Janine und ich schnauften so richtig darauf los, weil wir so herumtobten. Sie warf mich sogar zum Schluss erfolgreich von ihrem Bett hinunter. Ich entdeckte auf ihrem Boden meine Tasche von heute und wühlte kurz möglichst leise darin herum, bis ich das von heute fand, wonach ich suchte. Janine wunderte sich, was ich machte, und richtete sich leicht auf, weil sie mit dem Rücken auf ihrem Bett lag.

Janine erzählt:

Ich schaute das Bett entlang und sah plötzlich, wie etwas Weißes am Fußende des Bettes ganz langsam und bedrohlich nach oben auftauchte. Marc bewegte das Stoff-Schaf so, dass es mich offenbar völlig fixiert hatte und spielte es mit solch einer Leidenschaft, dass ich einfach nur laut lachen musste. Es schlich sich vermeintlich an, bis Marc mit einem gewaltigen Schub aufs Bett gesprungen kam. Das Schaf verwendete er dazu, mit mir herumtoben zu lassen, bis er und ich erneut miteinander herumalberten. Es endete darin, dass wir uns innig und völlig außer Atem küssten. Ich liebte ihn, seine Fantasie, seinen Humor wie auch seine Leidenschaft. An so viel mehr als der Knutscherei erinnerte ich mich gar nicht mehr, da ich einfach einschlief. Wir hatten es mittlerweile schon frühen Morgen und ich war todmüde. Dass Marc immer noch Energie besaß, überraschte mich wirklich.

Marc erzählt:

Nachdem Janine erneut eingeschlafen war, gab ich für diesen Abend auch auf und legte mich, nachdem ich aus Neugier auf die Uhr geschaut hatte, einfach zu ihr. Wir hatten es mittlerweile fast drei Uhr und ich war schockiert, wo die Zeit eigentlich geblieben war. Das alles zusammen hatte sich nicht so lange angefühlt, was auch ein tolles Zeichen für Janine und mich war: Ich konnte ewig viele Stunden mit ihr verbringen, die sich viel kurzweiliger anfühlten, weil wir so glücklich miteinander waren. Zumindest deckte ich uns noch zu, auch wenn wir kreuz und quer auf ihrem Bett lagen. Vermutlich schlief ich selbst nach zwei oder drei Minuten bereits ein.

Am nächsten Morgen erwachte ich gegen elf. Irgendetwas kitzelte mich aus irgendeinem Grund im Intimbereich, sodass ich instinktiv mit der Hand in die Richtung ging und leicht kratzte. Es war weg. Ich spürte, wie etwas an meiner Unterhose war und ich schreckte ziemlich auf. Als ich meine Augen öffnete, saß Janine neben mir und ich sah, dass sie es war, die mich gekitzelt hatte. Sie lachte, als ich aufsprang. Wir küssten uns und ich ließ mich wieder ins Kissen fallen, ohne die Augen zu schließen. Müde war ich durch den Schreck nun wirklich nicht mehr, sodass ich auch nicht mehr schlafen wollte.

Ich schaute Janine an, die nicht mehr geschminkt und ganz natürlich war. Sie meinte grinsend: „Guten Morgen, Bärchie.“ – „Guten Morgen…“ Ich sah, wie sie darauf förmlich wartete, wie ich sie nannte. „… Süße.“ Sie strahlte sofort und wir küssten uns innig. Dabei legte sie auch auf mich drauf, was mich zugegeben schon kurz nach dem Aufwachen anmachte. Wir schmusten auch kurz miteinander, was Janine aber abbrach, indem sie hinunterrollte und zu mir meinte: „Das Frühstück ist auch schon fertig. Hier!“ Sie griff nach unten an die Seite des Bettes und holte ein großes Tablett auf das Bett. Ich fand das richtig schön. Wir lehnten uns an die Wand, deckten uns zu und genossen das gemeinsame Frühstück, bei dem wir uns gegenseitig verwöhnten. Es war einfach schön, wenn wir zum Beispiel gemeinsam von Broten abbissen, wodurch automatisch eine Art Kuss zustande kam. Mit allerlei solchen Ideen verschönerten wir uns das Frühstück. Gegen zwölf waren wir fertig und Janine meinte, dass sie schon aufgeregt war, weil der Jahreswechsel anstand. Ich beruhigte sie ein wenig und sagte ihr, dass ich mich auf den gemeinsamen Jahreswechsel mit Tim und den anderen wirklich freute.

„Was glaubst du, werden die anderen wohl sagen, wenn wir da nachher gemeinsam auftauchen?“, fragte mich Janine. „Na was wohl, sie werden denken, wer ist denn die heiße Schnitte da, die sich der Playboy wieder angelacht hat?“ – „Du bist doof!“ Wir lachten sehr über diese Idee und ich sagte ernsthafter: „Nein, ich denke, sie werden sich einfach freuen, dass wir wieder zusammen sind und zusammen sein wollen.“ – „Ja, das glaube ich. Sie werden solche Augen machen!“ – „Davon gehe ich aber auch aus.“

Wir verbrachten den Großteil des Tages damit, zu kuscheln und nebenher Filme zu schauen. Janine: „Geht es dir auch so, dass du die ganze Zeit Lust auf Kuscheln hast?“ – „Ja, völlig. Ich glaube, wir müssen auch einfach das nachholen, was uns in den letzten Monaten gefehlt hat, oder?“ – „Kann ich mir gut vorstellen. Ich spüre einfach, dass ich gerade nicht davon genug bekomme, mich an dich zu kuscheln. Aber das war ja in den letzten Tagen auch schon so, auch wenn ich mich noch nicht so unbedingt getraut habe.“ – „Das wirkte mir gestern Abend aber ganz anders.“ – „Dazu zählen aber auch zwei, du Doofi!“ – „Na klar. Du machst mich einfach so richtig an. Ich finde dich einfach so richtig sexy.“ – „Danke für dein Kompliment.“ – „Immer wieder gerne.“ Wir schauten uns tief in die Augen und küssten uns leidenschaftlich. Nach unseren kurzen, aber intensiven Knutscherei, aus der aber nichts weiter folgte, legte ich meine Hand unter ihr Kinn und sorgte dafür, dass sie meinen Kopf zu mir drehte. „Ich liebe dich, Süße.“, sagte ich ihr in einem richtig ernsten Ton. Mir war wichtig, dass sie sah, wie ernst ich das meinte. „Ich dich auch, Bärchie.“ Unsere Aussagen besiegelten wir mit einem weiteren Kuss.

Um 18 Uhr ging ich ins Bad, um duschen zu gehen und mich fertig zu machen. Ich rechnete schon fast damit, dass Janine ebenfalls mit in die Dusche kommen wollte, aber sie ließ es. Vermutlich hatte sie die gleiche Befürchtung wie ich: Wenn wir das jetzt wieder machen würden, mussten wir davon ausgehen, dass wir den ganzen Abend übereinander herfielen und die Silvesterfeier uns völlig egal sein würde… Ich wollte aber in jedem Fall zu seiner Feier und Janine ging es definitiv ähnlich, gerade auch, weil wir mehrfach an diesem Tag kurz darüber sprachen und uns vor allem einfach freuten.

Als ich um halb sieben fertig war, ging Janine ins Bad und ich sagte ihr, dass ich im Bad blieb, weil ich mich einfach über jede Minute mit ihr freute. Sie freute sich sehr und stimmte meinem Vorschlag zu. Ich schaute ihr zu, wie sie sich nach dem Duschen etwas schminkte und ihre Haare zurecht machte. „Was ist eigentlich mit deiner Mutter? Wollte sie nicht eigentlich spätestens heute wieder hier sein?“ Janine grinste ein bisschen diebisch. „Ich hoffe, du bist nicht böse, aber…“ – „Ja, bitte?“ – „Ich habe ihr vielleicht geschrieben, was du mir in der Nacht ehrlich gesagt hast, und ich habe sie darum gebeten, ob ich vielleicht noch ein oder zwei Nächte die Wohnung für mich allein haben kann…“ – „Ist sie also noch bei euren Verwandten?“ – „Nein, sie ist wieder hier, aber zu Sven, ihrem Freund, gefahren und bleibt dort über Nacht.“ – „Schön, dass das so gut zwischen den beiden läuft. Petra verbringt den Abend zumindest mit Freunden. Aber ich muss irgendwie immer noch herausfinden, was das nun zwischen ihrem Freund und ihr ist…“ – „Habt ihr immer noch nicht darüber gesprochen?“ – „Nein, irgendwie nicht.“ – „Selbst ich weiß ja schon deutlich mehr über ihn und so?“ – „Was hat sie denn erzählt?“ – „Na ja, ich glaube, das sollte sie dir selbst erzählen. Wahrscheinlich ist das nicht so fair, wenn ich das jetzt einfach verrate.“ – „Na komm, nicht ein kleines Detail vielleicht?“ – „Ne, da würde ich mich echt schlecht fühlen. Sprich doch endlich ausführlich mit ihr!“ – „Ja, das will ich ja, aber irgendwie… ist immer etwas dazwischengekommen, oder ich habe sie einfach ewig durch ihre Schichten nicht gesehen.“ – „Das ist eine der ersten Sachen, die wir im nächsten Jahr machen: Sie darauf ansprechen, damit sie das endlich erzählen kann!“ – „Finde ich gut. Guter Plan.“ Gegen halb neun fuhren wir zu Tim los.

Janine erzählt:

Ich war so glücklich! Nach dem gestrigen Abend war es für mich klar, dass er und ich eine Zukunft hatten. Ich freute mich so! Ich konnte meine Gefühle endlich wieder vollständig zulassen, ohne Angst vor Zurückweisung haben zu müssen. Die ganzen Streitigkeiten waren vergessen, mein Kuss mit Jeremias ebenso! Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich mit ihm an diesem Abend Sex gehabt hätte. Ich war überhaupt schon erstaunt, dass er die ganzen Tage bei mir übernachtete!

Ich telefonierte in der Zeit, in der Marc duschen war, mit Tim. Ich wollte unbedingt vorher mit ihm sprechen, bevor Marc und ich zu seiner Feier gingen. „Ja?“ – „Ich bin es!“ – „Hey! Wie läufts mit Marc? Erzähl!“ – „Tim, wir sind wieder zusammen!“ Ich wusste nicht, wie laut ich das gesagt hatte und hoffte, dass Bärchie davon nichts mitbekam. „Stimmt das?“, fragte Tim begeistert und ich meinte laut durchs Telefon: „Ja!“ – „Bist du dir auch sicher?“ – „Ja, wir beide… Wir haben gestern miteinander geschlafen und gestern Abend hat er mir gesagt, dass er wieder mit mir zusammen sein will. Es war einfach nur schön! Wir haben auch darüber gesprochen, auf was wir jetzt zukünftig ganz besonders achten wollen.“ – „Oha, ich bin echt erstaunt. Das hat so was von gut funktioniert, ja, man! Herzlichen Glückwunsch!“ – „Danke! Ich danke dir für deine Hilfe, Tim. Ich komme irgendwann darauf zurück, das verspreche ich dir. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das jemals wieder gutmachen soll, aber ich werde irgendwas finden. Wärest du nicht gewesen und hättest die Wochenendfahrt, den Heiligabend und so organisiert, wäre ich mit Marc niemals wieder zusammengekommen. Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll. Aber irgendwas werde ich finden.“ – „Das ist doch nicht nötig, ich bin doch einfach nur glücklich, dass meine Pläne aufgegangen sind. Ich finde das klasse!“ Ich war ihm von ganzem Herzen dankbar. Ich legte ziemlich schnell auf, weil ich Tim in ein paar Stunden sah und Marc mit dem Duschen fertig wurde.

Marc erzählt:

Wir gingen zur Bushaltestelle und hielten dabei die ganze Zeit Händchen. Weil uns danach war, küssten wir uns immer wieder ohne besonderen Grund. Ich genoss jeden Kuss, es fühlte sich einfach toll an. Meine Gefühle kamen viel schneller als erwartet zurück und ich empfing sie mit offenen Armen.

Da wir einen recht langen Hinweg hatten, kamen wir um halb zehn bei Tims Feier, wieder bei ihm zu Hause, an. Wir waren dieses Mal nicht die ersten, aber es waren bei dieser Feier auch nicht so sehr viele eingeladen. Im Vergleich zum letzten Jahr sollte es eine eher kleine Feier werden. Neben Felix, worüber ich mich sehr freute, obwohl Tim und er nicht viel miteinander zu tun hatten, waren noch einige wenige aus unserem Jahrgang bereits da. In einem günstigen Moment, in dem Janine mit den anderen vertrauten Gesichtern quatschte, ging ich mit Tim in die Küche ein paar Meter abseits von dem ganzen Geschehen.

Er meinte: „Also: Wie ich sehe, haben meine ganzen Aktionen ja doch zum Ziel geführt, was?“ Wir lachten und ich sagte: „Ja, du hast Recht. Hättest du mit deinen ganzen Ideen nicht dafür gesorgt, dass Janine und ich intensiven Kontakt zueinander gefunden hätten, wäre wohl heute noch weitestgehend Funkstille zwischen ihr und mir. Ich möchte dir vom Herzen dafür danken, dass du das alles für sie und für mich gemacht hast. Danke.“ Wir umarmten uns richtig fest, ich war ihm wirklich dankbar. Im Anschluss fragte ich ihn: „Aber eine Frage habe ich trotzdem noch: Wen hast du alles bei der Wochenendfahrt gefragt?“ – „Haha, ich dachte, das hättest du durchschaut. Ihr wart von vorneherein die Einzigen, die ich gefragt habe.“ – „Aha?“ – „Das war meine erste Idee, mit der ich gehofft habe, euch wieder langsam zusammenzubekommen. Es hat alles so perfekt funktioniert. Ihr habt über die Trennung gesprochen und genau das war mein Ziel. Dass ihr euch so sehr wieder annähert, war ja ein riesiger Bonus, damit habe ich gar nicht gerechnet. Aber nach der Fahrt habe ich fest geglaubt, dass ihr wieder zusammenkommen werdet. Ich wusste aber, dass ihr euch nicht wieder aus den Augen verlieren dürft.“ Wir grinsten. „Du Penner hast mich also von Anfang an hereingelegt.“ – „Tja, passiert!“ Ich gab ihm einen leichten Schlag gegen die Schulter und ergänzte: „Okay, damit du es dir merkst, sage ich es dir nochmal: Wenn ich dir sage, dass ich mit bestimmten Themen nichts mehr zu tun haben will oder nicht darüber reden will, ist es auch so. Lock mich nicht in solche Fallen rein wie zum Beispiel bei der Reise oder quatsche nicht die ganze Zeit mit mir darüber. Okay?“ Mit einem Grinsen sagte er: „Geht klar.“

Ich wusste, er würde es sofort wieder tun, wenn es eine ähnliche Situation geben sollte. Aber vermutlich war er gerade deswegen mein bester Freund, der irgendwie genau das richtige Händchen dafür hatte, was mir im Leben wichtig war und guttat.

Tim erzählt:

Es war sehr schön zu sehen, dass sie wieder zueinander gefunden hatten. Als ich mit Anna in den Vorbereitungen für die Silvesterfeier im Garten war, rief Janine an und erzählte mir kurz, dass Marc ihr gesagt hatte, dass er mit ihr wieder zusammen sein wollte. Dass sie sogar miteinander schliefen, hatte ich nun gar nicht erwartet. Aber damit konnte ich mir ziemlich sicher sein, dass der zweite Versuch ihrer Beziehung begonnen hatte. Ich freute mich für die beiden. Gleichzeitig nahm ich mir vor, beide weiterhin noch ein wenig mehr im Auge zu behalten, falls ich das Gefühl hatte, dass es so schnell doch noch nicht ganz perfekt wieder passte. Ich hatte vor allem Sorgen, dass sie nun womöglich zu schnell in ihrer Beziehung sein konnten, aber das, was Janine mir kurz in der Küche erzählte, als die beiden bei mir angekommen waren, klang einfach viel besser als alles, was ich gehofft hatte. Ich war stolz auf Janine, dass sie die ganze Zeit für ihn gekämpft und nicht aufgegeben hatte. Sie hatte es echt geschafft, in den Tagen nach unserem Karaokeabend Marc für sich zu gewinnen. Nach ihren Äußerungen her zu urteilen war ich mir sicher, dass sie nun hoffentlich lange oder für immer zusammenbleiben würden.

Ich redete auch kurz mit Marc unter vier Augen. Er erzählte mir ebenfalls kurz das, was Janine mir grob erzählt hatte. Er dankte mir und ich freute mich wirklich sehr für ihn. Er sah so viel ausgeruhter, glücklicher und lebensfroher als vor wenigen Monaten aus, es war ein himmelweiter Unterschied. Ich fühlte mich einfach sehr wohl, dass ich zwei Menschen, die sich definitiv liebten und fast für immer entzweiten, helfen konnte. Anna war auch richtig stolz – auf mich. Sie sagte mir dies, als ich ihr von dem Erfolg mit Marc und Janine berichtete. Sie freute sich für die beiden und meinte mit einem Kuss, dass sie sich freute, einen Freund wie mich zu haben.

Janine erzählt:

Als ich Tim zur Begrüßung umarmte, drückte ich ihn so fest, dass er mich schon bremsen musste. Ich flüsterte ihm, ohne, dass Marc es bemerkte, ein „Dankeschön“ zu und sagte ihm, dass ich niemals vergessen würde, was er für Marc und mich getan hatte. Tim versuchte wie immer bescheiden zu bleiben, aber ich betonte ihm gegenüber später, dass ich wohl für immer in seiner Schuld stehen würde.

Ich kuschelte mich den gesamten Abend über an Marc. Er machte mich so glücklich, dass ich eigentlich die ganze Zeit hätte weinen können. Dieser gewaltige Druck, diese riesige Last war mir nun vom Herzen gefallen und ich konnte, während wir bei den Brettspielen saßen, noch immer nicht realisieren, dass Marc mir wirklich eine zweite Chance gegeben hatte. Mir war klar, dass er und ich auch in der Zukunft nicht immer gute Zeiten haben würden. Ich war mir aber sicher, dass wir das nun immer gemeinsam hinbekommen würden, wie schwer es auch werden würde. Ein weiteres Mal wollte ich mich nicht darauf verlassen, dass Tim uns helfen würde, weil er schon mehr als genug getan hatte… neben allen anderen, die zum Beispiel an Weihnachten mitgespielt hatten, was ich wohl auch niemals mehr vergessen würde.

Marc erzählt:

Janine und ich verbrachten den Großteil dieses Abends damit, sehr viel mit den anderen zu quatschen. Ich fand es toll, dass ich Felix wieder sah, mit dem ich ausmachte, dass wir im nächsten Jahr endlich wieder mehr miteinander unternehmen wollten. Er erzählte mir, dass seine Beziehung zu seiner Freundin wohl auch weiterhin gut lief, auch wenn sie an dem heutigen Abend wieder mehr oder weniger gezwungen war, mit ihrer Familie zusammen verbringen zu müssen. Ich spürte, dass ihn das Thema sehr wurmte, konnte ihn aber an diesem Abend nicht weiter darauf ansprechen, ohne die Stimmung der Runde nicht womöglich herunterzuziehen, was ich unter allen Umständen vermeiden wollte – er aber wollte das aber auch in jedem Fall verhindern. Ich wusste, dass ich mit ihm in jedem Fall über seine Freundin noch viel intensiver sprechen wollte, weil er mir schon mehrfach sagte, dass es einige Aspekte gab, die er mir bisher nicht erzählt hatte – und auch nicht durfte. Daher ging ich davon aus, dass dieses Thema noch einige Facetten besaß, die ich noch nicht kannte und die vermutlich gar nicht so unkompliziert waren.

Wir spielten über den Abend verteilt einige sehr lustige kleinere Brettspiele, die Tim und Anna besaßen. Janine und ich saßen den gesamten Abend über dicht beisammen und kuschelten fast die ganze Zeit. Wir wollten auf keinen Fall auf Körperkontakt verzichten, das ging ihr genauso wie mir. Immer wieder gaben wir uns einen Kuss, sodass irgendwann Tim schon in die Runde einwarf: „Ey, ihr Turteltäubchen! Das Vorspiel könnt ihr zu Hause machen!“ – „Alter!“ Janine regte sich absichtlich künstlich auf und brachte damit alle zum Lachen.

Tim und Anna bereiteten alkoholische wie antialkoholische Getränke vor, als es wenige Minute vor Mitternacht waren. Janine griff wie ich nach einem Getränk ohne Alkohol. Wir zählten den Countdown hinunter und freuten uns alle über das neue Jahr. Auch wenn ich sonst dem Jahreswechsel nicht besonders viel Bedeutung zuschob, fühlte sich das dieses Mal wirklich sehr besonders an. Ich ließ spürbar die vielen belastenden Monate hinter mir und freute mich nur noch auf die neue, gemeinsame Zukunft mit Janine. Als wir bei null ankamen, küssten Janine und ich uns wirklich intensiv und umarmten uns fest und lang. Wir gingen als gesamte Gruppe nach draußen und sahen die vielen bunten Raketen, die über der Stadt explodierten und schöne Farben und Formen hinterließen.

Nach ein paar wenigen Minuten schaute ich Janine tief in die Augen, die mich freudestrahlend und sichtbar glücklich musterte. Sie küsste mich, bevor ich etwas sagen konnte, sodass ich danach einen zweiten Anlauf nahm. „Ich möchte dir einfach sagen, dass du wirklich nicht mehr fragen brauchst und keine Sorgen mehr haben musst. Ich liebe dich, ganz egal, wie du bist und es ist gut, egal, wie es ist.“ – „Wow, das hat sich sogar gereimt!“ – „Das war vielleicht ein bisschen beabsichtigt.“ Ich zwinkerte ihr zu und sie knutschte mich wirklich lange. Im Augenwinkel sah ich, dass uns die anderen beobachteten und plötzlich anfingen, zu klatschen, als wir unsere Knutscherei beendeten. Ich freute mich einfach, dass die anderen es so schön fanden, dass Janine und ich wieder zueinandergefunden hatten. Janine hatte schlagartig Tränen in den Augen, die ich ihr sanft mit einem Finger abwischte. „Hey Süße, nicht weinen. Du bist doch ein großes Mädchen.“ – „Du bist so doof! Und trotzdem liebe ich dich genau dafür!“ – „Ich liebe dich auch.“ Meine Entscheidung war gefallen und die hatte ich Janine mitgeteilt.

Selbst wenn das letzte Jahr sehr turbulent gewesen war und Janine und ich nicht durchgehend als Pärchen galten, so kann ich heute rückblickend auf das letzte Silvester sagen: Es sollte nicht das letzte Silvester von Janine und mir gewesen sein.

Ende