Kapitel 79

Tierisch verbunden

Wir hatten mittlerweile den 29. Dezember, es war Sonntag. Ich wachte vor Janine auf, die in der gesamten Nacht fest an mich gekuschelt war. Das war zwar für meine Schlafposition nicht ganz so angenehm, aber das nahm ich gerne in Kauf. Ich fühlte mich wohl – aber war ich auch glücklich? Warum hatte ich sie also gestern geküsst, wenn ich nicht glücklich gewesen wäre? Gab es irgendetwas, was mich unglücklich machte oder war ich einfach nur- „Denke nicht zu viel nach.“, unterbrach mich Janine in meinen Gedanken, während ich an die Decke schaute. „Hast du eine neue Lampe?“ – „Ja, ist dir gar nicht bisher aufgefallen, was?“ – „Ne, das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Sieht aber wirklich schick aus.“ – „Danke! Wie geht es dir?“ – „Außer, dass ich vermutlich Rückenschmerzen habe, weil ich mich in der Nacht nicht drehen konnte, ist eigentlich soweit alles ok.“ – „Oh, Mist, das tut mir leid. Ich… wollte dich halt einfach nicht gehen lassen.“ – „Habe ich zu spüren bekommen.“ Wir schmunzelten und ich schaute weiter an die Decke. „Ich habe mich eben gefragt, wie das wohl alles geworden wäre, wenn ich damals nicht die Beziehung mit dir beendet hätte. Ob wir heute trotzdem noch zusammenwären? Ob du mit dem Alkohol und so aufgehört hättest?“ – „Hey, sei nicht so nachdenklich. Das ist doch jetzt Vergangenheit, lass uns in die Zukunft schauen.“ – „Du hast völlig Recht – ich finde diesen Gedanken einfach nur spannend, was eben wohl passiert wäre. Wie es uns heute gehen würde, ob wir auch hier so herumlümmeln würden, etc. Vor allem hättest du sicher auch nicht die Erfahrung mit Benny gehabt und ich nicht die mit Julia und Sandra. Obwohl mit Sandra eigentlich gar nichts lief.“ – „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass Sandra noch viel schlimmer als Julia früher war.“ – „Kann gut sein. Ich glaube, sie ist sexuell weit erfahrener als Julia. Das will was heißen.“ – „Definitiv, ja.“ Nach einigen Sekunden Stille sprach ich meinen Gedanken einfach aus: „Ich habe mich vorhin, als du geschlafen hast, auch gefragt, ob wir sexuell auch überhaupt noch so gut harmonieren, wie es früher war.“ – „Darüber hast du nachgedacht?“ – „Du kennst mich. Ich denke über gefühlt alles nach, wenn ich nur die Zeit dafür habe. Gerade, wenn mich etwas so sehr beschäftigt wie das Thema mit uns.“ Janine legte sich mit dem Kopf auf meinen Oberkörper und horchte nach meinem Herz. Allein deswegen schlug es schneller. „Dein Herz schlägt wirklich regelmäßig, aber richtig schnell. Bist du so aufgeregt?“ – „Frag lieber, wann ich aktuell nicht nervös oder aufgeregt bin. Es ist aktuell einfach alles so… ungewohnt.“ – „Aber du genießt es. Das sehe ich dir an.“ – „Ja, das kann ich nicht verbergen.“ Janine sagte nach wenigen Momenten: „Aber im Ernst: Warum sollte es sexuell zwischen uns plötzlich nicht mehr funktionieren, wenn der Rest auch so gut funktioniert?“ – „Ich weiß nicht, das war nur so ein theoretischer Gedanke, weil wir ja ein paar weitere Erfahrungen sammeln konnten.“ – „Ganz ehrlich, du wirst doch nicht plötzlich zum Arschloch mutiert sein, welches sich nicht dafür interessiert, was meine Bedürfnisse sind. Genauso achte ich doch auch immer sehr genau darauf, was du möchtest und was nicht.“ – „Ich könnte mir selbst nicht mehr in die Augen schauen, wenn ich so ein Widerling geworden wäre. Da bleib ich lieber allein, als, dass ich eine Frau nah an mich heranlassen würde.“ – „Siehst du, also, warum machst du dir Gedanken? Das ist doch völlig unnötig. Ich meine das ganz und gar nicht böse. Genieße das alles doch einfach. Lass die Seele baumeln. Du fühlst dich wohl, das sehe ich doch die ganze Zeit. Schalte deinen Kopf aus. So wie gestern im Kino oder danach.“ – „Du hast völlig Recht.“ Ich richtete mich vorsichtig mit Janine auf und saß direkt neben ihr, als sie mir leicht in die Schulter drückte und feststellte: „Auweia, du bist völlig verspannt.“ – „Könnte vielleicht sein, ja.“ Ich grinste und sie schloss sich an. „Möchtest du, dass ich gleich deinen Rücken und deine Schultern massiere?“ Ich dachte schon wieder intensiv nach und Janine flüsterte: „Hör auf, zu denken. Ich habe dir damals schon, als wir zusammenwaren, gesagt, dass zu viel auch nicht immer gut ist.“ – „Damit hast du Recht. Na gut, danke, ich nehme dein Angebot gerne an, sobald ich aus dem Bad wiederkomme.“ – „Klingt supi!“

Wenige Minuten später lag ich ohne Shirt auf dem Bauch auf ihrem Bett. Janine hatte mich kurz oberkörperfrei gesehen, was per se kein Problem für mich darstellte, aber irgendwie kurz etwas unangenehm war, weil ich auch weiterhin nicht sagen konnte, was das nun zwischen ihr und mir war. Kaum, dass ich weiter darüber nachdenken wollte, kraulte sie einfach meinen Kopf, was mich wirklich sofort herunterfuhr. „Haha, das klappt immer wieder, großartig. Dein Kopf hat jetzt schön die Klappe zu halten. Hörst du, Kopf?“ Sie klopfte vorsichtig auf meinen Kopf. „Halt den Sabbel jetzt!“ Sie brachte mich und sich damit zum Lachen und massierte anschließend meinen Rücken und meine Schultern. „Oha, du bist wirklich sehr verspannt. Ich weiß gar nicht, ob ich genügend Kraft dafür habe!“ – „Ich bin schon dankbar für alles, was du irgendwie hinbekommst… Ahh.“ Sie traf eine schwer verspannte Stelle. „Entschuldige! Aber da spüre ich was.“ – „Volltreffer.“ Während dieser Massage sprachen wir gar nicht so viel, außer, dass ich Janine immer wieder zu Stellen navigierte, an denen ich Schmerzen spürte, die sie wirklich spürbar lindern konnte.

Später, als ich mich aufrichtete, schaute ich sie mit einem breiten Lächeln an, weil ich so dankbar war. Ich kam ihr nahe und sie war schon instinktiv dabei, mich zu umarmen, als ich meine Hände in ihre Nacken legte, sie nahe zu mir heranzog und ich sie ohne zu fackeln küsste. Sie war kurz spürbar überrumpelt und stieg umso intensiver in unseren Kuss ein. „Dieser Kuss war einfach…“ Ich ließ sie nicht aussprechen, da sie mich gerade einfach völlig anzog.

Janine erzählt:

Mein ganzer Körper kribbelte, als er mich nach meiner Massage so innig küsste. Ich musste mich so zurückhalten, weil ich deutlich bemerkte, wie gerne ich plötzlich mit ihm intim geworden wäre. Ich wusste, dass das noch viel zu früh war und wollte kein Risiko eingehen, mir all das Schöne wieder kaputt zu machen. Er verunsicherte mich auch weiterhin damit, dass er so nachdenklich war. Das war viel extremer als früher, als wir gerade beim Zusammenkommen waren. Ich gab jetzt nicht auf und versuchte ihm zu zeigen, wie gut es sich wieder zwischen uns anfühlte. Er war spürbar für mich da war und ich für ihn. Tim schrieb mir gestern auch mehrere Nachrichten, die ich immer in Momenten beantwortete, in denen Marc nicht in meiner direkten Nähe war. Ich schrieb ihm nur, dass wir uns bereits mehrfach geküsst hatten, wo er völlig überrascht war und mich weiter anspornte, so weiterzumachen, ohne es eben zu übertrieben. Auch während dieses Kusses spürte ich vor allem eine Sache: Ich war einfach nur glücklich! Marc öffnete sich mir immer weiter! Dass er mich nun so deutlich küsste, war ein weiteres klares Zeichen für mich, dass er das genauso wie ich wollte. Auch, dass er gestern bei unseren Küssen am Abend spürbar wilder wurde, war ein richtig gutes Zeichen. Manchmal flackerte die Sorge in mir auf, dass er mich nur noch sexuell in Betracht ziehen würde, wie es ja ein wenig auch mit Julia war, aber das glaubte ich nicht. Es lief ganz anders als die Berichte, die ich von Tim über Marcs Zeit mit Julia hatte. Unsere Nähe baute sich anders und vor allem langsamer auf, das machte mir alles Hoffnung. Ich blendete meine Angst aus, dass er sich womöglich doch noch gegen mich entscheiden könnte, weil er vielleicht nur sexuell angezogen war. Das volle Risiko nahm ich nun in Kauf. Entweder öffnete ich mich ihm nun wieder vollständig oder ich würde wohl nie eine echte Chance mehr haben. Ich hoffte so sehr, dass er das auch tat. So viel, wie wir in den letzten Tagen über früher sprachen und wie blind wir uns verstanden, machte es mich hoffnungsfroh. Auch, dass ich es schaffte, ihn immer wieder dazuzubekommen, sein Nachdenken abzuschalten, machte mir Mut.

Instinktiv vergrub ich meine Hände in seinen Haaren, als er mich küsste. „Wow, da wird jemand aber stürmisch.“, konterte er plötzlich. „Aber du bist besser, dass du deine Hände in meinen Nacken schiebst, ja?“ – „Das habe ich nicht gesagt, dass ich gerade besser bin.“ Er zwinkerte mir zu und seine Laune war direkt spürbar besser als in den Minuten vor der Massage und dem Kuss. „Was wollen wir heute machen?“, fragte ich ihn und er schlug vor: „Was hältst du von einem Spaziergang durch irgendeinen Park? Oder wollen wir in den Zoo gehen?“ – „Oh, das ist cool! Ja!“ – „Aber einige Tiere werden wir sicherlich nicht zu Gesicht bekommen, so kalt, wie es aktuell ist.“ – „Nicht schlimm, aber einige sehen wir bestimmt!“ – „Davon gehe ich aus. Meinst du, ob man dort Schafe sehen wird?“ Er schaute auffällig unauffällig zu der Schublade, in der ich weiterhin das Stoff-Schaf gelagert hatte. Ich holte es raus und warf es ihm zu, woraufhin er so tat, als wäre das Schaf Tonnen schwer, sodass es ihn rückwärts auf das Bett warf und er nicht mehr nach oben kam. Ich rettete ihn vor dem Schaf. Er kam mit einem gequälten Atmen wieder hoch, woraufhin wir in einen richtigen Lachflash gerieten und noch mehr Schabernack mit dem Schaf anstellten. Er schlug vor: „Weißt du was, wir nehmen das Schaf heute einfach mit. Das ist so klein, das passt doch locker in eine Tasche.“ – „Wollen wir es bei dir bunkern?“ – „Bei mir? Ich komme doch keine drei Meter weit, wenn es wieder so Tonnen schwer ist.“ – „Tja, bei mir ist es fluffig leicht, offenbar ist es nur bei dir so schwer…“ Er kicherte süß und sagte: „Klar, ich kann meine Tasche mitnehmen. Wir können da auch notfalls was zu essen oder so transportieren, in deine passt ja wieder nicht so viel.“ – „Ja. Ich wäre echt froh, heute nur wenig mitnehmen zu müssen…“ – „Ist doch kein Problem, ich transportiere das. Ich muss meine Ersatzkleidung nur hierlassen.“ – „Ich könnte deine Wäsche von gestern in die Waschmaschine stecken…“ Wir schauten uns wieder einige Momente an und er verstand meinen Blick dieses Mal sofort. Er las mich nach den wenigen Tagen immer besser. „Okay, ich bleibe heute auch noch hier über Nacht.“ Ich gab ihm daraufhin einen Kuss auf die Wange. „Ich weiß nicht, aber…“ – „Ja?“ – „Wollen wir einfach gleich sagen, dass du bis Neujahr hierbleibst? Wir gehen doch zu Tims Silvesterfeier, oder?“ – „Na klar.“ – „Was sagst du?“ – „Klingt gut, wenn wir das so abmachen. Ich muss auf jeden Fall nur irgendwann nach Hause. Ein paar weitere Klamotten und so wären schön.“ – „Das kriegen wir doch hin, wir haben doch genügend Zeit. Reicht es dir, wenn wir morgen die Dinge bei dir holen gehen? Für heute hast du noch Kleidung und notfalls schmeiße ich deine Kleidung von gestern einfach wirklich in die Wäsche, also hast du morgen hoffentlich wieder was Frisches zum Anziehen, bis du zu Hause warst.“ – „Finde ich gut. Wer sagt eigentlich, dass du nicht auch bei mir übernachten könntest? So hätte ich das ganze Kleidungsproblem nicht…“ – „Gesagt hat das keiner. Ich habe nur geglaubt, das ist für uns besser, wenn wir wirklich nur zu zweit sind und uns keiner stört.“ – „Damit hast du Recht, ich finde das auch schöner so. Ich wollte dich auch nur leicht aufziehen.“ – „Ich weiß. Das machst du einfach zu gerne, oder?“ – „Ja, ich liebe es, wenn ich mit dir herumstänkern kann und du dich immer versuchst, zu wehren.“ – „Ich versuche es nicht, ich wehre mich!“ – „Genau das meine ich.“ Ich kitzelte ihn kurz an seiner Seite, wo er immer empfindlich war und einknickte. „Außerdem sparen wir einfach Zeit, die wir für den Zoo nutzen können, wenn wir jetzt nicht direkt zu mir nach Hause fahren. Wollen wir nach dem Frühstück direkt los? Ich würde jetzt nicht zu sehr trödeln wollen, es wird ja sehr schnell dunkel.“ – „Dein Plan klingt super.“ Das setzten wir so auch in die Tat um, zügig nach dem Frühstück fuhren wir los zum Zoo. Auf dem gesamten Weg dorthin liefen wir Hand in Hand und mein Herz platzte vor Freude, als er kaum, dass wir meine Wohnung verließen, meine Hand griff und wir unsere Finger miteinander verschränkten. Seine Hand fühlte sich einfach so schön an.

Im Zoo war aufgrund der niedrigen Temperaturen nicht besonders viel los, was ganz angenehm war, sodass wir unsere Ruhe hatten. Wir liefen viel Hand in Hand durch den Zoo und immer wieder kuschelten wir uns während unseres Spaziergangs an. Entgegen unserer Befürchtung bekamen wir erstaunlich viele Tiere zu sehen, bis wir wirklich bei Schafen ankamen. Kaum, dass wir sie sahen, prusteten wir direkt los und schauten uns tief in die Augen. Er kam das letzte Stück auf mich zu, worauf ich ihn einfach küsste. Mein Herz schlug wieder wie wild! Dieser Moment war wirklich schön, bis ich plötzlich etwas bimmeln hörte. Das brachte mich völlig aus dem Konzept und Marc grinste, bis ich sah, warum: Er hatte unbemerkt, bevor wir uns küssten, seine Tasche leicht geöffnet und das Stoff-Schaf teilweise rausgeholt. Es schaute nur mit dem Kopf aus der Tasche. Als Marc bemerkte, dass ich es auch sah, bewegte er den Kopf des Stoff-Schafes so, als würde es sich umschauen und freudig darauf reagieren, als es seine echten Verwandten sah. Auch wenn er den Moment des Kusses ein wenig versaute, war diese Szene trotzdem romantisch und süß. Vor allem platzten wir danach fast vor Lachen, weil er mit dem Stoff-Schaf immer mehr Blödsinn danach anstellte, sodass ich minutenlang aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Er steckte irgendwann das Stoff-Schaf in meine Jackentasche, sodass es leicht rausschauen konnte: „Hey, das Schaf möchte auch die anderen Tiere sehen!“ Ich liebte seine Fantasie.

Nach unserem Zoobesuch gingen wir noch in einer nahen Einkaufsmeile bummeln, auch wenn wir uns wieder nichts kauften. Das Stoff-Schaf hatte mittlerweile auch wieder den sicheren Platz in seiner Tasche gefunden. Wir grübelten, was wir am nächsten Tag unternehmen wollten, da bereits klar war, dass wir am 31. bei Tim sein würden. Er schlug vor: „Was hältst du davon, wenn wir einen Tagesausflug in eine andere Stadt machen? Sodass wir abends wieder zurückfahren?“ – „Das ist cool! Aber glaubst du nicht, dass das zu teuer ist, wenn wir das jetzt nachher erst buchen?“ – „Na ja, wir müssen ja nicht so weit wegfahren, aber irgendetwas anderes sehen stelle ich mir toll vor. Für eine Fahrt mit der Regionalbahn müssen wir normalerweise nicht so viel bezahlen.“ – „Das klingt richtig super! Lass uns nachher schauen, ob und wohin wir fahren. Wir sollten aber richtig früh raus, damit wir vom Tageslicht noch was haben. Sonst bringt uns das kaum was.“ – „Da hast du Recht. Früh aufstehen ist zwar aktuell Gift für mich, aber für solch einen Ausflug hätte ich Lust darauf.“ – „Finde ich auch!“ – „In jedem Fall müsste ich heute noch mal nach Hause, um ein paar Klamotten zu holen. Ich glaube nicht, dass die Wäsche bis morgen früh wirklich trocken ist.“ – „Ich denke schon, dass sie auf der Heizung trocken werden würde, aber du brauchst ja ob so oder so Kleidung. Wollen wir einfach direkt jetzt zu dir fahren?“ – „Klingt gut.“ Ich fand seine Idee mit dem Ausflug richtig schön und freute mich darauf, mit ihm was zu erleben. Wir brachen daher unseren schon ausgedehnten Bummel ab und fuhren zu ihm nach Hause, wo wir auf Petra trafen. Ich freute mich jedes Mal, wenn ich sie sah und sie strahlte sofort, als sie uns sah. „Na ihr beiden!“ – „Hey!“, rief ich ihr zu. „Was ist los?“, fragte sie uns, sodass Marc sagte: „Ich hole nur ein bisschen Kleidung, ich bleibe bis Neujahr bei Janine. Ist das okay?“ – „Klar, mach ruhig. Einkaufen brauchen wir für einige Tage nicht mehr, ihr habt Ferien. Ist doch super.“ Als Marc in seinem Zimmer verschwand, gab mir Petra mit ihrem Blick zu verstehen, Details wissen zu wollen. Ich flüsterte ihr leise zu, dass wir uns unter anderem mehrfach geküsst hatten und morgen einen Tages-Ausflug vorhatten. Sie freute sich so sehr für uns mit und strahlte total.

Marc kam nach wenigen Minuten wieder aus seinem Zimmer. Petra und ich wechselten schlagartig das Thema: Wir sprachen über den Zoobesuch heute und taten so, als hatten wir das schon die ganze Zeit getan. Er roch sofort, was los war: „Störe ich?“ Wir mussten alle grinsen und er sagte: „Ich weiß sowieso, dass ihr gerade über alles gesprochen habt, was in den letzten 24 Stunden los war.“ Keiner von uns sagte etwas, wir mussten alle weiterhin schmunzeln. „Nanu, plötzlich so schweigsam?“ – „Nein, wie kommst du darauf?“, fragte ich ihn mit einem weiteren Schmunzeln. „Ihr wart bis in mein Zimmer zu hören, von daher: Leugnen hilft nichts.“ Petra und ich schauten uns beschämt an. Die ganze Anspannung löste sich in einem riesigen Lachen von uns dreien auf. „Ich weiß doch, dass ihr befreundet seid, ist doch völlig in Ordnung. Überrascht mich doch auch nicht. Wollen wir los?“, fragte mich Marc abschließend, als wäre nichts gewesen. „Klar.“ Petra drückte uns, bevor wir wieder losgingen. Mir war das richtig unangenehm, dass Marc das offenbar alles mitgehört hatte. Dabei hatten wir sogar extra geflüstert! „Was… hast du genau gehört?“, fragte ich ihn vorsichtig einige Momente später, als wir schon an der Bushaltestelle standen. „Du glaubst, dass das wieder eine Beziehung zwischen uns ist oder werden kann. Es fühlt sich auf jeden Fall so an. Das waren ungefähr deine Worte.“ – „Oh Mist, ich wollte nicht, dass du das so mitbekommst.“. Ich hatte kurz Sorge, dass ich mir damit mehr zerstört als aufgebaut haben könnte. Er schaute mir in die Augen und sagte plötzlich: „Ich sehe das genauso wie du.“ Mein Herz setzte kurz aus. Ja! Ja!

„Trotzdem lass uns weiterhin langsam machen, damit ich mich an das alles hoffentlich wieder gewöhnen kann. Einfach so wie bisher.“ – „Ja, na klar… Hatte ich ja gesagt.“, sagte ich ihm total glücklich. Ich kuschelte mich an ihn und hielt ihn einfach fest. Er umarmte mich kurz darauf auch sehr fest und sagte: „Ich fühle mich einfach gut. Danach handele ich jetzt einfach.“ Ich kommentierte das nicht weiter und drückte ihn einfach noch fester, bis unser Bus kam und wir einstiegen. Wir nahmen uns für die wenigen Stationen Fahrt eine Zweierbank und er griff nach meiner Hand. Während der Fahrt und auch auf dem Weg bis zu mir nach Hause knobelten wir aus, in welche Stadt wir eine Tagesfahrt machen wollten. Ich schloss unten die Haustür auf, leerte den Briefkasten und stieg mit Marc in den Aufzug, weil wir zu faul waren, nach oben zu laufen. Der Fahrstuhl legte eine Etage zurück, brummte laut und blieb plötzlich zwischen der ersten und zweiten Etage stehen. „Oh fuck…“, sagte Marc und ich fragte ihn: „Was machen wir jetzt?“ – „Probieren wir erst, ob er vielleicht noch losfährt. Ich habe so was Ähnliches schon erlebt, dass der Aufzug nach ein paar Sekunden wieder losfuhr.“ Er drückte einen der anderen Etagenknöpfe und es passierte: nichts. „Och nö, darauf habe ich ja jetzt gar keine Lust.“, sagte ich. Ich wollte einfach gerne mit ihm in die Wohnung und gemütlich mit ihm noch was essen und kuscheln. Scheiße!

Marc probierte noch einige der anderen Etagenknöpfe, doch außer einem Leuchten, dass die Knöpfe gedrückt wurden, passierte nichts weiter. Ich drückte daher direkt den Alarmknopf und hoffte einfach, dass dieser auch wirklich funktionierte. Es klingelte einige Male wie am Telefon, bis sich glücklicherweise ein Mitarbeiter meldete und wir ihm schilderten, in welcher misslichen Lage wir waren. Er fragte uns nach der Adresse und bat uns darum, einfach ruhig zu bleiben und nicht irgendwie was auszuprobieren, was uns noch in Gefahr bringen könnte. Außerdem sagte er uns, dass wir den Knopf ruhig wieder sofort drücken sollten, wenn einer von uns zum Beispiel Panik bekommen sollte oder so. Als Wartezeit nannte er uns bis zu einer Stunde, bis ein Techniker vor Ort war. Da Marc bereits dort schon keine Lust mehr hatte, zu stehen, machte er mit mehreren Taschentüchern, die er glücklicherweise dabeihatte, den Boden so weit sauber, dass wir uns hinsetzen konnten. Er setzte sich einfach hin. Ich schloss mich kurze Zeit später ihm an und kuschelte mich einfach an ihn. „Auf eine gewisse Art und Weise ist das ziemlich lustig.“, sagte Marc. Ich schaute ihn fragend an und er ergänzte: „Na ja, erst habe ich solange Abstand zu dir gehalten und wollte unseren Kontakt nicht, nun zwingt mich das Schicksal in alle möglichen Situationen mit dir. Oder ich werde von den anderen reingelegt.“ – „Ja, das stimmt, insofern ist das mit dem Aufzug jetzt wirklich witzig.“ Wir schmunzelten und ich sagte: „Mich nervt das aber wirklich, wer weiß, wie viele Stunden hier jetzt noch drin feststecken?“ – „Einfach ruhig bleiben, uns passiert hier ja nichts. Ich hoffe nur, dass das nicht so lange dauert, dass es irgendwann mit dem Toilettengang schwierig wird …“ – „Erinnere mich bloß nicht daran…“ – „Ich hätte da so eine richtig gute Idee…“ Er griff in die Innentasche seiner Jacke und ich sagte: „Haha, oh ja! Aber meinst du, dass es so klug ist, wenn wir deinen Akku womöglich leer spielen? Oder nehmen wir einfach deine nicht vorhandene Powerbank aus deiner Jackentasche?“ – „Schöner Konter zum letzten Mal. Selbst wenn mein Akku leer geht, haben wir ja immer noch dein Smartphone. Da spielen wir aber für den Fall der Fälle nicht weiter, nicht, dass wir wirklich noch den Notruf rufen müssen, falls hier keiner kommen sollte oder das länger dauern sollte.“ – „Na gut, das ist ein Plan. Los geht es!“

Wir spielten seinen Spielstand weiter und es trat wieder genau der gleiche Effekt wie sonst ein. Wir lachten ohne Ende, sodass uns schon durch die Fahrstuhltüren ein Nachbar ansprach, ob alles in Ordnung sei, weil er auch bemerkt hatte, dass wir feststeckten. Wir spielten uns in einen richtigen Rausch und hatten dabei so sehr viel Spaß, dass wir plötzlich zusammenzuckten, als der Handwerker da war und von draußen rein rief, ob alles in Ordnung war. Er kümmerte sich einige Minuten um den Aufzug und wir hatten den Eindruck, als wäre er auf unserem Dach gewesen, bis kurz darauf der Aufzug plötzlich wieder losfuhr. Ich war echt erleichtert, dass das Ganze nur eine Stunde dauerte, bis sich die Tür öffnete. Wir flüchteten schnell nach draußen und dankten dem Handwerker, als er uns kurz sah. Er sagte uns, dass das wohl eine seltene Fehlfunktion sei, aber eigentlich jetzt wieder alles ganz normal gehen dürfte. Wir gingen in die Wohnung. Ich war froh, aus diesem Teil zu sein. Ich hatte keine Angst vor der Enge oder so, trotzdem mochte ich diese Situation nicht so richtig.

Wir aßen noch eine Kleinigkeit, machten uns direkt bettfertig und schalteten im Fernsehen einen romantischen Film an. Da ich mich als Erstes hingelegt hatte, kuschelte sich Marc unter unserer Decke an mich heran. „Oha, ich bemerke das jetzt gerade erst…“ – „Was denn?“ – „Ist das… mein Lieblingsduft?“ – „Könnte vielleicht sein?“ Er grinste mich verschmitzt an. „Wann hast du den denn aufgetragen?“ – „Vorhin, als wir bei mir waren?“ – „Dass ich das noch nicht vorher bemerkt habe!“ – „Da war ich auch überrascht.“ – „Du riechst echt wirklich toll…“ – „Danke.“ Ich war einfach mutig und roch an seinem Hals, was sowohl bei ihm als auch bei mir Gänsehaut auslöste. Er zog mich ohne Vorwarnung näher zu sich heran. Ich küsste ihn, weil mein Gefühl dafür einfach stimmte. Er erwiderte meinen Kuss so leidenschaftlich, dass wir uns zueinander drehten und etwas wilder küssten. Ich hatte wieder Tim im Hinterkopf, der dafür sorgte, dass ich mich ein bisschen bremste. An einem gewissen Punkt hatte ich das Gefühl, dass wir sonst noch viel weiter gehen könnten, wenn wir diesen Kuss so aufrechterhielten. Ich glaubte weiterhin, dass das zu früh war. Gleichzeitig waren wir aber erfahren… Gerade nach unserer Beziehung früher glaubte ich, dass der erste Sex zwischen uns vielleicht gar nicht so lang auf sich warten lassen würde, als wenn wir uns ganz frisch neu kennenlernen würden. Als ich unseren Kuss wieder sanfter werden lassen wollte, spürte ich, wie mich Marc fester zu sich heranzog. Sein Körper und unsere Berührungen machten mich einfach an. Wir fingen an, miteinander zu schmusen und plötzlich spürte ich Marcs Hand auf meinem Bauch. Dafür, dass wir mit unseren Berührungen die ganze Zeit sehr vorsichtig waren, ging er plötzlich ganz schön ran. Meine Reize überkamen mich und ich schob Marcs Hand nach oben. Er berührte meine Brüste sanft, während er sie massierte. Ich wurde sehr schnell gierig und kämpfte dagegen an. Marc stoppte von einem Moment auf den anderen plötzlich und sagte: „Entschuldige.“ Sehr zeitverzögert reagierte ich: „Was? Warum?“ – „Ich habe mir eigentlich geschworen, nicht so schnell zu machen. Ich möchte nicht, dass du denkst, dass ich dich einfach nur ins Bett bekommen will.“ – „Keine Sorge, ich habe nicht geglaubt, dass du das wirklich vorhast. Ich bin diesen Schritt nicht weiter gegangen, weil ich einfach dachte, dass das noch zu schnell ist.“ – „Ist es vermutlich auch. Zumindest wollte ich erst noch weiter Vertrauen aufbauen. Ich wollte, dass du auch wieder Vertrauen zu mir entwickeln kannst.“ – „Wie du siehst, habe ich das schon.“ Ich kicherte und sah ihm sofort im Gesicht an, dass er dieses Kichern an mir liebte. „Aber ich glaube, du hast schon Recht. Wir sollten es nicht überstürzen.“ Er nickte und lächelte mich an. So richtig passend war, als wir wieder auf den Liebesfilm im Fernsehen achteten: Die beiden Protagonisten küssten sich dort leidenschaftlich und ich schaute instinktiv zu Marc rüber, der einfach nur wie ich lachen musste.

Marc war ein wirklich schöner Mann. Seine dunkelblonden Haare, die ihn irgendwie immer verpeilt aussahen lassen, passten eigentlich nicht zu seinen aufmerksamen und markanten Augen. Seine Augenbrauen waren ein wenig dicker geworden, zumindest glaubte ich das nach den letzten Monaten. Generell war sein Gesicht ein wenig kantiger in den letzten Monaten geworden. Zusätzlich hatte ich allein beim Kuscheln gespürt, dass er noch ein wenig größer geworden war. Wenn ich mich an ihn herankuschelte, ragten meine Beine nicht mehr so weit nach unten, wie es vorher war. Am deutlichsten war dies aber, wenn ich neben ihm stand und mich noch etwas mehr strecken musste, wenn ich ihn küssen wollte. Dabei war ich als Frau auch nicht klein. Generell hatte er weiterhin diese athletische Figur, er war ziemlich breit gebaut, obwohl er damals definitiv nicht trainieren war. Ich glaubte, dass er auch aktuell nirgendswo trainieren ging.

Marc und ich standen auf, um endgültig ins Bett zu gehen und alles vorzubereiten, was wir für den nächsten Tag brauchten. Die Tickets wollten wir einfach morgens mit dem Smartphone kaufen, wenn wir frühstückten. Uns hetzte letztlich keiner, auch wenn wir eben möglichst früh loswollten. Ich öffnete kurz das Fenster, während Marc im Bad verschwand. Als er wieder kam, stellte ich gerade einen Wecker ein. Er ging an mir vorbei, um vermutlich das Fenster zu schließen und küsste mich auf dem Weg plötzlich. Aus dem kurzen Kuss wurde ein längeres Küssen, bei dem er mich wieder fest zu sich heranzog, und ich, ohne darüber nachzudenken, in seinen Po kniff. Das hatte ich früher schon oft gemacht, wenn er mich so fest zu sich heranzog. Ich bereute meine Entscheidung direkt wieder, gerade auch, weil er mich fragte: „Was war das denn jetzt?“ – „Ich… Sorry. Ich habe nicht nachgedacht.“ – „Ist doch nicht schlimm. Ich war vorhin auch nicht besser.“ – „Das stimmt allerdings! Mir einfach so fast an die Brust zu fassen…“ – „Deswegen sage ich ja. Auch wenn du vorhin das letzte Stück meine Hand geschoben hast…“ Wir schmunzelten. Ich schloss das Fenster nun wirklich und ging mit Marc schlafen. Wir drehten uns unter der Decke zueinander und er fragte plötzlich ganz vorsichtig: „Ist alles okay zwischen uns?“ – „Na klar. Wieso fragst du?“ – „Ich wollte wirklich nicht, dass du das Gefühl hast, dass ich mit dir nur in die Kiste will.“ – „Das weiß ich doch. Das glaube ich dir doch auch. Du würdest doch sonst kaum so viel Zeit mit mir verbringen und dir so viel Mühe geben.“ – „Na ja, eigentlich bist du doch diejenige, die sich die allergrößte Mühe gibt.“ – „Na ja, du gibst aber auch sehr viel. Vor allem deine Zeit und eine echte Chance.“ – „Das stimmt. Aber wie gesagt, ich möchte nicht, dass du das glaubst. Gerade auch, weil ich mit Julia damals relativ schnell intim geworden bin, nachdem ich wenige Male mit ihr Zeit verbracht hatte. Es hat sich da einfach so ergeben, aber ich glaubte auch da, dass das eine Beziehung werden könnte. Ich möchte nämlich sonst eigentlich keine One-Night-Stands. Das habe ich ihr auch damals gesagt, dass ich das nicht möchte, aber die Erfahrung jetzt auch nicht mehr missen möchte, die ich mit ihr gemacht habe. Wir hatten unseren Spaß damals. Ich liege hier also neben dir und unternehme das alles mit dir, weil ich wirklich schauen will, ob eine Beziehung zwischen uns wieder funktionieren kann.“ – „Das weiß ich doch, Marc. Es ist doch alles in Ordnung.“ – „Okay.“ Wir besiegelten das mit einem leidenschaftlichen und langen Kuss. Ich schloss nach einem „Träume was Schönes“ von Marc meine Augen und legte mich sehr nah an ihn heran. Wenige Sekunden danach küsste er mich einfach und ich ging überrascht darauf ein. „Sorry, ich brauchte das gerade. Du ziehst mich an.“ Mein Herz klopfte direkt wieder bis zum Hals hoch und er fragte plötzlich: „Du sagst ja gar nichts?“ – „Ich bin… gerade einfach nur glücklich. Entschuldige.“ – „Da gibt es nichts zu entschuldigen, wenn man glücklich ist.“ Ich küsste ihn und wir knutschten ähnlich wild wie vorhin. Scheiße, er machte mich mit seinem Parfüm, welches ich immer noch roch, ziemlich an. Das endete darin, dass wir so sehr miteinander schmusten, dass Marc meine Brüste mehrfach deutlich in seine Hände nahm und massierte, während ich seinen Penis erregte. Wir brachten uns aber nicht zum Orgasmus, weil wir uns wieder bremsten. Marc flüsterte einige Minuten nach dem Schmusen: „Ich kann nur wiederholen, was ich sagte: Ich möchte nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht.“ – „Mach dir keinen Kopf. Hauptsache, du denkst das auch nicht von mir. Ich… reagiere einfach auf dich und du machst mich einfach an, weil ich dich toll finde, so wie du bist. Und weil ich weiß, was für ein toller Mensch du bist, das ist das, was mich so anzieht.“ – „Danke für das tolle Kompliment.“ Nach einem letzten langen Kuss schliefen wir kurze Zeit später auch ein.