Gegenseitiges Interesse
Marc erzählt:
Am Donnerstag kam Sandra in der ersten Pause wieder zu mir. Wir machten aus, dass wir am Samstag etwas zusammen unternahmen. Sie schlug vor, einen gemütlichen Filmabend zu veranstalten. Ich fand die Idee toll. Doch, als ich sie auf das Problem mit der Uhrzeit hinwies – sie musste ja vermutlich wieder recht früh nach Hause -, machte sie den genialsten Vorschlag überhaupt: Sie fragte, ob sie bei mir übernachten durfte! Ich war hin und weg. Das war die größte Chance. Ich stimmte ihrem Vorschlag sofort zu. Mich irritierte aber, dass sie ihrer Mutter anlügen wollte, dass sie bei einer Freundin übernachtete. Eine wirkliche Erklärung lieferte sie mir nicht, als ich sie fragte, warum sie ihr nicht einfach die Wahrheit erzählte. Ich vermutete weiterhin, dass ihre Mutter einfach versuchte, die strenge Linie durchzuziehen, völlig egal, ob Sandra nun volljährig war oder nicht. Ich erzählte Petra zu Hause davon, dass Sandra bei uns bleiben wollte. Sie schmunzelte und zog mich damit auf, dass ich ein ganz schöner Frauenheld war. Erst Janine, danach Julia kurz und nun Sandra. Ich wusste darauf nicht, was ich sagen sollte, ein bisschen Recht hatte sie ja. Aber irgendwie lief es halt einfach gut! Vor allem, als ich erfuhr, dass Petra am Tag der Übernachtung auf Arbeit war, war meine Stimmung gleich noch besser.
Am Freitagabend ging ich mit Tim bereits vorsorglich einkaufen. Er packte im Supermarkt einfach Kondome in den Einkaufswagen, da meinte ich zu ihm: „Ey, ich denke nicht, dass es dazu kommen wird! Außerdem habe ich garantiert noch zwei, drei Kondome zu Hause irgendwo…“ Wir mussten darüber lachen. Aber ich kaufte trotzdem für den Fall der Fälle Kondome. Da ich Sandra bisher aber nicht mal geküsst hatte, glaubte ich nicht, dass es soweit kommen würde.
Ich rief am Samstagmittag Sandra an und fragte sie, ob sie spezielle Wünsche bezüglich eines Abendessens hatte. Sie schlug Pizza vor, sodass ich noch kurz zum Supermarkt loslief. Außerdem sprachen wir kurz über mögliche Filme für später und ich machte mein Streaming-Abo bereit. Ansonsten bereitete ich soweit alles vor. Ob ich in der Nacht neben ihr liegen würde, sollte sich später herausstellen, ich ging aber eigentlich davon aus. Ich war aber durch die letzten Tage ziemlich guter Hoffnung, dass wir nebeneinander schliefen. Was überhaupt passieren würde, wusste ich nicht. Es konnte alles passieren, ich musste mich auf alles einstellen. Diese Übernachtung konnte eine gewaltige Bedeutung für die Zukunft haben. Ich musste von ausgehen, dass es vielleicht zum Kuss oder mehr kommen konnte, wenn ich mich gut anstellte. Ich ließ mich einfach überraschen, aber meine Vorfreude war riesengroß.
Ich putzte mein Zimmer blitzblank. So einen riesigen Aufwand hatte ich mir lange Zeit schon nicht mehr für jemand gemacht. Sandra sagte, dass sie mich anrief, wenn sie von zu Hause aus losging und ich sollte mich auf etwa 19 oder 20 Uhr einstellen. Auf diese Aussage verließ ich mich. Um 17 Uhr ging ich daher in Ruhe baden. Anschließend zog ich mir gerade meine Hose an und wollte die restlichen Sachen wie meine Bartrasur vorbereiten, als mein Smartphone auf einmal klingelte und sie um Viertel vor sechs sagte, dass sie nun losgehen würde. Sie hatte mich damit völlig überrumpelt. Im Schnelldurchlauf war ich daher gezwungen, mich anzuziehen, zu rasieren und die restlichen Dinge vorzubereiten. Beim Rasieren schnitt ich mich mehrere Male. Nicht, dass es weh tat, aber es blutete. Das war echtes Chaos, in das ich gestürzt wurde. Aber immerhin, ich bekam alles in den Griff und glücklicherweise schnitt ich mich nur oberflächlich, die Blutung war schnell gestoppt.
Ich kam genau beim U-Bahnhof an, als sie gerade aus dem Ausgang herauskam. Sie sah sexy aus. Ihre blonden Haare waren gewellt, sie war recht stark geschminkt. Ich hatte in diesem Moment richtig Bock darauf, mit ihr zu schlafen. Es kam schlagartig über mich. Mir war aber klar, dass ich mich auf einen One-Night-Stand mit Sandra nicht einlassen würde. Sollte sie so etwas andeuten, würde ich klar sagen, dass ich dafür nicht zu haben war. Obwohl ich zugeben musste: Die Reize dafür waren allemal da.
Wir waren nach wenigen Minuten bei mir zu Hause. Gleich zu Beginn bemerkte ich, dass sie leichte Furcht vor der Dunkelheit hatte. Sie bat mich, während wir durch die Wohnung gingen, dass ich das Licht fürs Durchlaufen anschaltete. Als ich ihr sagte, dass hier niemand war, beruhigte sie das kein bisschen. Ich lotste sie in mein Zimmer – mehr oder minder im Dunkeln – und wir setzten uns auf mein Bett. Anfangs plauderten wir ein bisschen und sie schlug vor, dass ich nun den ersten Film anmachen könnte. Ich hatte mit voller Absicht nur eine Decke bisher in meinem Zimmer gelassen, damit ich ihr näherkommen konnte, indem ich mir die Decke mit ihr teilen „musste“. Beim ersten Film saßen wir mehr mit dem Rücken angelehnt an meiner Wand. Erst etwas später griff sie sich die Decke, nachdem ich das Fenster zumindest auf Kipp stellte. Nach ein paar Minuten fragte ich sie, ob sie was dagegen hatte, wenn ich mir mit ihr die Decke teilte. Sie hatte damit kein Problem, sodass ich ihr ein Stück näherkommen konnte, als es bisher immer war. Ich zielte bewusst darauf ab, sie zum Beispiel manchmal mit dem Fuß sanft zu berühren, wenn ich mich etwas anders hinsetzte. Das machte ich alles mit ziemlicher Berechnung. Sie hatte schon während des ersten Filmes – es war ein Film, den sie sich ausgesucht hatte – ziemliche Angst, das merkte ich. Irgendwo hoffte ich, dass sie mir vielleicht damit näherkam, aber nein, ich irrte mich. Der kleine Abstand, der zwischen ihr und mir war, der blieb.
Nach dem ersten Film meinte sie, dass sie gerne als Nächstes die Pizza essen würde. Ich ging in die Küche, schob die Pizza in den Ofen, während Sandra ins Badezimmer ging und sich umzog. Während sie im Badezimmer war, erlaubte ich mir einen Scherz auf ihre Kosten: Ich schaltete, während sie im Bad beschäftigt war, einfach kurz das Licht aus. Sie schrie laut auf und ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Sie bettelte förmlich: „Mach das Licht bitte wieder an!“ Das tat ich natürlich direkt. Sie kam kurze Zeit später aus dem Badezimmer wieder raus und meinte: „Du Arsch!“ Sie lachte dabei, sodass ich auch anfangen musste, zu lachen. Sie nahm mir den Gag glücklicherweise nicht übel, obwohl sie ähnlich wie Janine eine leichte Furcht vor Dunkelheit hatte. Bei Sandra hingegen hatte ich aber den Eindruck, dass ihre Furcht nicht so ausgeprägt wie Janines war, da ich ansonsten diesen Scherz niemals gemacht hätte. Wir standen kurz danach eine Weile in der Küche, bis die Pizza fertig war. Wir verstanden uns blind in der Küche, was auf jeden Fall für Pluspunkte bei mir sorgte. Die Pizza nahmen wir direkt mit in mein Zimmer, wo ich das Licht ein wenig dämpfte. Die Situation sollte einfach ein wenig romantischer werden. Aber auch, während wir die Pizza aßen, entwickelte sich keine weitere Nähe, obwohl unser Gespräch sehr intensiv war, so wie bisher auch. Ich gab an diesem Abend ein wenig die Hoffnung auf, dass noch etwas passierte.
Nach der Pizza schauten wir uns den zweiten Film an. Vorbeugend fragte sie mich, ob sie die Decke nun allein haben durfte. Ich vermutete, dass ich es mit meinem Wunsch nach Nähe einfach etwas übertrieben hatte, obwohl ich wirklich vorsichtig war. Ihre Stimmung konnte ich auf jeden Fall nicht wirklich einsortieren. Daher holte ich eine zweite Decke, die für mich auch während der Nacht sein sollte. Auch während des zweiten Filmes kamen wir uns nicht bedeutend näher. Erst nach dem zweiten Film sagte sie mir, dass sie am Morgen früh raus musste. Wir hatten es gerade ein Uhr und erst da sagte sie mir, dass sie um acht aufstehen musste! Da sie mit ihrer Mutter zu Verwandten der Familie mitfahren sollte, musste sie früh wieder zu Hause sein. Die Übernachtung brachte mir daher nicht besonders viel, da mein ganzer Plan mit einem gemeinsamen Frühstück und einem entspannten Tagesbeginn einfach nicht mehr funktionierte. Ich fragte Sandra nach dem zweiten Film, ob sie was dagegen hatte, wenn ich in der Nacht in diesem Zimmer blieb. Sie schüttelte den Kopf und sagte mit einem Lächeln „Nein“, worauf meine zweite Frage kam, ob es in Ordnung war, wenn ich neben ihr lag. Auch dabei stimmte sie zu. Immerhin durfte ich die Nacht neben ihr verbringen. Es fühlte sich aber irgendwie nach einem Trostpreis an. Alles andere, als neben ihr schlafen zu dürfen, hätte mich aber auch sehr gewundert, so locker und wild, wie sie mir beschrieben wurde.
Wir machten uns bettfertig und ich stellte uns einen Wecker. Ich stellte mich schon auf einen müden Morgen ein. Wir legten uns hin und redeten noch eine Zeit lang miteinander, bis ich bemerkte, dass Sandra sehr müde wurde und ihre Kommentare immer schläfriger klangen. An dem Punkt wurde ich auch still und schlief recht schnell ein. Interessant war aber: Kaum war ich verstummt und hatte ihr eine gute Nacht gewünscht, hörte ich, wie sie ganz leise schnarchte. Ich hatte wieder das Glück, wenige Minuten, bevor der Wecker klingelte, aufzuwachen. In der letzten Zeit passierte es mir immer wieder, dass ich genau vor dem Wecker aufwachte. Ich stand frustriert auf, streckte mich und verhielt mich zumindest für die letzten Minuten ruhig. Ich war echt müde. Allerdings hatte ich zumindest die Möglichkeit, mich etwas später noch ein bisschen hinzulegen, welche Sandra wohl nicht hatte. Um acht klingelte der Wecker. Nach einer halben Minute Klingeln regte sich Sandra erst und drehte sich, sodass ich den Wecker ausschaltete. „Hey“, meinte ich, „guten Morgen!“ Sie öffnete ihre Augen und schaute mich an. Verschlafen sagte sie: „Ja… guten Morgen.“ Sie stand nach ein paar Minuten auf und wirkte noch müder als ich. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie sich abends gar nicht abgeschminkt hatte. Trotz ihrer Verschlafenheit zogen mich ihre weiblichen Reize so richtig an.
Sie ging ins Bad und machte sich für den Tag fertig. Dabei brauchte sie einerseits eine Weile, andererseits fragte sie mich nach zig Dingen, die ich nie verwendete. Das hatte ich nur ganz am Anfang der Beziehung mit Janine erlebt, die mich vereinzelt um Dinge fragte, weil sie was zu Hause vergaß. Nach kurzer Zeit hatte sie aber immer eine größere Menge an Hygieneartikeln in ihrem Fach gelagert, damit sie immer alles dahatte, falls sie was spontan brauchte. Dass Sandra geschminkt schlafen ging, wunderte mich auch etwas, da sie abends definitiv genügend Zeit zum Abschminken hatte. Auch hier bekam ich Erinnerungen: Oft blieb Janine nur geschminkt, wenn sie und ich miteinander schliefen und sie einfach zu müde war, um noch extra ins Badezimmer zu gehen. Teilweise schlief sie danach auch einfach weg, sodass sie gar keine Gelegenheit mehr hatte, sich vollständig bettfertig zu machen.
Nachdem Sandra im Bad fertig war, es war neun Uhr, ging ich kurz hinein. Im Anschluss brachte ich Sandra ohne Frühstück und ohne alles bis zum Bahnhof, wo ich mit ihr auf eine U-Bahn wartete. Wir redeten an diesem Morgen nicht viel miteinander. Mir wurde klar: Sie war morgens nicht gesprächig, weit weniger als Janine. Zum Schluss umarmten wir uns und ich wartete, bis der Zug abgefahren war. Die Übernachtung war insgesamt gesehen schön. Doch kam das, was ich mir erhofft hatte, kein bisschen zustande. Wir kamen uns zwar emotional noch näher und verstanden uns immer besser, doch hatte ich die Angst, dass es für sie zu sehr auf eine Freundschaft hinauslief. Das wollte und musste ich verhindern, wenn ich mit ihr zusammenkommen wollte.
Ich ging danach zu einem Bäcker und holte mir zum Frühstück frische Brötchen und einen Kakao. Mit gefülltem Magen legte ich mich hin und machte ein Nickerchen. Meine Müdigkeit holte mich recht schnell ein, nachdem ich sie zwischenzeitlich gut losgeworden war. Sandra rief mich später am Abend dieses Sonntages an und wir quatschten noch eine Zeit lang miteinander. Dabei erzählte sie mir, wie langweilig das Treffen mit ihren Verwandten war. Umso mehr ärgerte es mich, dass sie so früh gegangen war. Vielleicht hätte ich ihr beim gemeinsamen Frühstück näherkommen können, vor allem, weil ich mir auch ganz gut vorstellen konnte, sie mit einem Frühstück ans Bett zu überraschen, wenn sie nicht so früh losgemusst hätte…
Am Montag war wieder der übliche Schultrott. Sandra kam in den Pausen zu mir und wir verbrachten so zumindest täglich ein bisschen Zeit miteinander, wenn wir uns nun nach der Schule aus zeitlichen Gründen nicht sehen konnten. Am Mittwoch hatte Sandra immer eine Stunde vor mir Schluss. Ich hatte interessanterweise in dem Raum zum Schluss Unterricht, in dem sie zur sechsten Stunde Unterricht hatte. So trafen wir uns halt immer, wenn ich in den Raum ging, aus dem sie meist herauskam. So war es auch an diesem Tag, doch eine Sache war anders. Sie sagte zu mir: „Weißt du was, ich warte einfach die eine Stunde. So können wir gemeinsam nach Hause gehen.“ Erstaunt sagte ich: „Willst du das wirklich machen?“ Ich war überrascht und es gab mir noch mehr Hoffnung, dass endlich der Knoten zwischen ihr und mir platzen würde. Sie nickte. „Cool, danke! Okay. Dafür, dass du wartest, bringe ich dich nachher nach Hause, so habe ich mich revanchiert.“ Sie lächelte, ihr gefiel die Idee. Sie bat mich um etwas zu trinken, was ich glücklicherweise noch hatte. Ich überließ ihr meine Flasche und ging in den Raum, da der Unterricht begonnen hatte. Nach der letzten Stunde sah ich Sandra, die auf eine der Bänke saß und etwas las. Sie lächelte auf ihre Art und Weise, wenn sie mich sah und ich meinte: „So, jetzt hast du lang genug gewartet. Wenn du losgehen willst, ich bin startbereit.“ – „Ja! Die Stunde verging wirklich schnell.“ – „Das ist doch schön zu hören.“ Ich nahm einfach ihre Hand und zog sie sanft in den Stand. Wir verließen anschließend das Gebäude sowie das Schulgelände und fuhren gemeinsam bis zu ihr.
Die Fahrt fand ich wieder schön. Wir trödelten und schlenderten ein wenig und ich glaubte, dass wir damit wieder einen Schritt nähergekommen waren. Die Tatsache, dass sie auf mich wartete, wertete ich ziemlich hoch und es freute mich so richtig. Als wir vor ihrer Haustür standen, umarmten wir uns wieder. Dieses Mal allerdings war die Umarmung sehr, sehr lang und ich spürte, wie sich mich fester drückte als sonst. Das sah ich auch als Bestätigung der Gedanken, die ich zu dem Zeitpunkt hatte.
In der nächsten Woche waren die Herbstferien. Am Sonntag beredete ich mit Sandra, dass ich mich am Mittwoch mit ihr traf. Wir machten wieder aus, dass sie zu mir kam. Ich bemerkte, dass sie sich nicht gerade wohl zu Hause fühlte. Sie sagte mir, dass ihr größerer Bruder Sebastian immer nur darauf warten würde, bis er sie mit irgendeiner Sache in der Hand hatte. Ich verstand ihn nicht und die Erzählungen Sandras machten meinen Eindruck von Sebastian nicht gerade besser. Nun konnte ich es umso besser verstehen, als Tim mich vor Sebastian und seinem falschen Spiel warnte. Er schien Sandra also immer wieder zu schikanieren, was ich mir bei seinem Charakter gut vorstellen konnte.
Montag gegen Nachmittag verbrachte ich wieder ein paar Stunden mit Julia, die ich hinsichtlich Sandra auf dem neuesten Stand brachte. Im Vergleich zur Eifersucht beim letzten Mal wirkte sie jetzt so, dass sie sich enorm für mich freute, wie sehr es in richtige Bahnen mit Sandra lief. Sie gab mir zwar keine Ratschläge oder dergleichen, aber sie bestätigte mein Gefühl, dass Sandra Interesse an mir haben musste.
Am Mittwoch kam Sandra zu mir und wir verbrachten einfach ein paar Stunden miteinander. Mein Gefühl, welches ich in ihrer Nähe hatte, war einfach schön. Wirklich viel unternahmen wir an diesem Tag nicht, wir saßen mehr bei mir rum, quatschten miteinander und schauten nebenher fern. Gegen halb neun wollte sie schon los nach Hause und ich hatte weiterhin die Vermutung, dass Sandras Mutter irgendwie ihre Finger mit im Spiel hatte. Der Beliebtheitsgrad ihrer Mutter sank bei mir immer weiter, auch wenn ich das Sandra nicht so direkt sagte.
In den restlichen Tagen dieser einen Ferienwoche sah ich Sandra nicht, selbst wenn ich mittlerweile fast täglich mit ihr telefonierte. Bei diesen Telefonaten machten wir immer häufiger sexuelle Anspielungen in der Hinsicht, dass wir scherzhaft versuchten, uns gegenseitig anzumachen. Ich sah das alles als Spaß an und machte dies halt mit. Meine Kommentare wurden im Laufe auch schneller lockerer, aber auch unterschwelliger.
Am Freitag fiel mir etwas aus der Vergangenheit ein, was genau in den Herbstferien lag: Die gemeinsame Woche im Garten zwischen Janine und mir war jetzt genau ein Jahr her. Es war ein komisches Gefühl. Die wunderschönen Tage, die ich mit Janine dort hatte, waren einmalig. Mir war klar, dass ich sie wohl nie vergessen würde. Es war noch die Zeit, in der die Beziehung zwischen ihr und mir einwandfrei lief. Dort gab es noch keine Streitigkeiten zwischen uns. Irgendwie vermisste ich diese schöne Zeit.
In den nächsten zwei Wochen standen bei Sandra, wie auch bei mir Klausuren an, für die ich schon immer ein paar Tage vorher lernen musste. Sandra und ich sahen uns in dieser Zeit nur in der Schule meist in den großen Pausen. Aber es war völlig in Ordnung, dass wir uns halt teils nicht sahen. Ich fühlte mich ob so oder so mit ihr verbunden und hatte den Eindruck, dass es ihr mit mir genauso ging.
Janine erzählt:
Nach dem Telefonat mit Benny machte ich mir wieder Gedanken um meine Zukunft. Ich wollte mit Marc mein Leben verbringen. Ich liebte ihn immer noch, meine Liebe war kein bisschen verschwunden. Sein Verhalten tat mir so weh. Ich wusste nicht, ob er das mit Absicht machte. Vielleicht wollte er mir einfach nur zeigen, wie sehr ich ihm wehgetan hatte. Aber es musste ihm doch irgendwann reichen. Er sah doch, dass ich litt. Er musste doch bemerken, wie weh es mir tat. Ohne Grund hatte ich doch bei der Kursfahrt nicht so reagiert.
Die nächsten Wochen nach dem Telefonat mit Benny wurden immer schlimmer. Mir versagte immer öfters der Appetit und ich aß deutlich weniger. Mir ging es schlechter, mein Schlaf wurde immer kürzer. Ich hatte kaum noch Hunger. Mama drohte mir schon, mich zum Arzt zu schleifen. Ich aß nur noch wenig, ich wollte einfach nicht mehr. Ein paar Tage nach der Drohung zwang ich mich zumindest dazu, vernünftig zu essen. Ich konnte mich nicht ganz herunterwirtschaften wegen Marc. Ich musste an mich denken. Aber trotz allem ging es mir schlecht und es wurde schlimmer für mich, wenn ich Morgen um Morgen aufstand.
Gerade in dieser Zeit schrieb ich viel mit Petra und telefonierte mit ihr sogar zwei Stunden, als Marc nicht zu Hause war. Die Gespräche und Nachrichten mit ihr halfen mir sehr. Petra hatte das Talent, jemanden immer wieder neu aufzurichten und aufzubauen, obwohl sie selbst ein sehr emotionaler Mensch war.
Ende Oktober ging ich wieder mit Tim spazieren. Er warnte mich auch davor, einfach mit dem Essen aufzuhören. Ich wusste, was er meinte und verstand, dass er sich Sorgen machte. Ich bat ihn darum, mir irgendwie zu helfen. Er sagte gleich, wenn es mit Marc zusammenhing, dass er mir nicht helfen konnte. Er konnte nichts machen, dass Marc vielleicht mit diesem Flittchen Sandra zusammenkam. Ändern konnte er aktuell nichts. Na klar, er hatte Recht, aber trotzdem… Es musste einen Weg geben. Ich flehte ihn zum wiederholten Male an und er stimmte ganz plötzlich zu. Ob seine Ideen klappen würden, vermochte er nicht zu sagen, aber er wollte Veranstaltungen organisieren, in denen ich auf Marc treffen würde. Konkretes verriet er mich noch nicht, ich musste mich weiter gedulden. Ich musste Hoffnung haben, dass Marc nicht mit Sandra zusammenkam. Erst wenn das klar war, konnte und wollte er seine Ideen in die Tat umsetzen, weil er Marc gegenüber auch fair sein musste und ihn nicht in ein Gefühlschaos stürzen würde, wenn er gerade dabei war, sich neu zu verlieben und mit einer Frau zusammenzukommen.
Mir ging es trotzdem nicht wirklich besser. Mama zwang mich dazu, zu meinem Hausarzt zu gehen. Ich sah in seinen Augen, welche Sorgen um mich machte. Wenn ich so weiter machen würde, sagte er, konnte ich auch daran zugrunde gehen. Ich nahm seine Worte ernst und trotzdem ging es mir wirklich schlecht. Ich hatte Angst davor, dass Marc wirklich in eine Beziehung mit Sandra überging.
Marc erzählt:
Am Montag, es war bereits Anfang November, erinnerte mich Sandra daran, dass morgen der Abtransport ihres alten Bettes anstand. Ich versprach ihr bereits vor einigen Wochen, dass ich ihr dabei helfen würde. Der Dienstag sollte ein kräfteraubender Tag für mich werden: Ich hatte acht Schulstunden mit Sport am Ende und musste danach zügig nach Hause, um mich frischmachen zu können und wieder direkt zu Sandra loszufahren. Bei Sandra half ich ohne Verzögerung direkt mit, die vielen Einzelteile nach unten zu tragen. Sandras Mutter hatte einen Transporter organisiert. Ihre Mutter fragte mich, ob ich ihr noch beim Sessel helfen konnte. Sandra stand direkt daneben und ich nickte den Kopf – Sandra zuliebe. Ich versuchte nur, mit ihrer Mutter möglichst gut klarzukommen, damit ich insoweit keine Probleme hatte, wenn ich zukünftig vielleicht mit Sandra zusammen war. So schleppten ihre Mutter und ich – wobei ich den Bärenanteil hatte – den Sessel ebenfalls in den Transporter. Sandra und ich stiegen in den Wagen, der Partner der Mutter fuhr uns zur Sperrmüllstelle, bei der wir die Sachen loswerden konnten. Nur, weil ich die Frage nicht verneint hatte, hieß es nicht, dass ich ihre Mutter mochte. Ehrlich gesagt wurde meine Abneigung gegenüber dieser Frau immer größer, selbst wenn ich das gegenüber niemandem zugab.
Wir fuhren zu Sandra zurück und die Aufgabe war geschafft. Sie hatte an diesem Tag kein Bett, sodass sie gezwungenermaßen auf dem Boden schlafen musste. Erst am nächsten Tag – aber früh – kam ihre Schlafcouch, daher war die Entsorgung an diesem Nachmittag obligatorisch und dringend. Ich verbrachte noch zwei Stunden bei Sandra, wir quatschten und alberten vor allem herum. An diesem Tag war es auch wieder so, dass wir diese Anspielungen in Bezug auf einen One-Night-Stand machten. Es war irgendwie komisch, weil wir uns dabei direkt in die Augen schauten, aber es blieb soweit alles auf einem lockeren Niveau, selbst wenn ich durchaus öfters Lust hatte, mit ihr zu schlafen. Die Grundvoraussetzung war dafür aber nicht geschaffen – eine Beziehung. Aus der Geschichte mit Julia hatte ich insoweit gelernt, dass ich Sex außerhalb einer Beziehung nicht wollte. Aus diesem Grund hatte ich wohl auch gekniffen, als ich mit Julia so richtig nahekam. Das wurde mir aber erst etliche Wochen danach so richtig bewusst. Julia und ich verstanden uns weiterhin blendend und hatten trotzdem eine tolle Freundschaft. Wir schrieben uns neben unseren Treffen regelmäßig oder quatschten in der Schule. Mittlerweile trieb sie mich auch an, endlich mehr Risiko in Hinblick auf Sandra zu zeigen, weil sie davon ausging, dass diese nur auf ein Zeichen von mir wartete.
Sandra und ich verabredeten uns direkt wieder für den Samstag. An diesem Tag war etwas Besonderes geplant. Sie meinte, dass sie gerne Sonnenuntergänge sah, darauf erwiderte ich spontan: „Das lässt sich einrichten!“ Ich kannte eine Stelle an einem See, von der man aus wundervoll den Sonnenuntergang beobachten konnte. Zudem war die Stelle prima, weil es dort Liegen aus Holz gab, auf denen man sich theoretisch auch hinlegen konnte. Die Temperaturen waren dafür aber natürlich nicht besonders gut geeignet. Am Samstag holte ich Sandra von zu Hause gegen 16 Uhr ab. Es war höchste Eisenbahn, weil die Sonne schnell um diese Jahreszeit unterging. Wir fuhren mit dem Bus einige Stationen und waren schon in der Nähe des kleinen Sees. Nach etwa zehn Minuten Fußweg hatte ich sie zu der Stelle geführt, von der wir die Sonne beobachten konnten. An diesem Tag war es glücklicherweise wenig bewölkt, sodass wir die Sonne wundervoll beobachten konnten. Es war ein Schauspiel am Himmel, welches ich selten bisher so intensiv beobachtet hatte. Das Schönste daran war vor allem, dass Sandra und ich auf diesen Liegen direkt beieinander lagen. Wir waren mehr oder minder angelehnt und wärmten uns quasi ein wenig gegenseitig. Am Himmel konnte man sehen, wie die Sonne nach und nach wanderte und die wenigen Wolken, die dahinter waren, immer mehr die Lücke, die am Himmel war, verdeckten.
Einen Schreck bekamen wir, als mittendrin ein kleiner, aber absolut süßer Hund, der nicht an der Leine war, plötzlich auf unsere Liegen gesprungen kam. Wir mussten lachen, es war ein wundervoller Moment, fand ich. Ich sah in Sandras Augen, wie sie innerlich strahlte und das zeigte mir, dass ich einen weiteren richtigen Schritt gemacht hatte.
Nachdem die Sonne verschwunden war und es wirklich schnell dunkel wurde, standen wir von den Liegen auf und gingen wieder raus aus dem Park. Wir überlegten, was wir nun machen wollten, und entschlossen uns dazu, einen Film bei mir zu schauen. Ich fand die Idee gut, ich wollte noch Zeit mit ihr verbringen. Wir kamen bei mir zu Hause an und ich hatte praktischerweise gerade wieder sturmfrei. Im Dunkeln schauten wir einen Film – sie wählte sich einen Horror-Film und ich war erstaunt, dass sie gerade diesen sehen wollte – und ich fühlte mich wieder wohl in ihrer Nähe. Doch nach dem Film passierte etwas, was vielleicht nicht hätte passieren dürfen und mich kräftig verwirrte. Nach dem Film kamen wieder diese sexuellen Anspielungen, die wir mittlerweile standardmäßig machten. Ich dachte mir nichts weiter bei und ging auf den Spaß ein. Es fühlte sich nicht mal als eine Art Flirt an, es war einfach nur Schabernack. Plötzlich, als ein paar Sekunden Stille herrschten, passierte es jedoch. Sie stand auf, schaltete das Licht, welches ich in meinem Zimmer nach dem Film angeschaltet hatte, aus, kam direkt wieder zu mir, schaltete den Fernseher – ohne zu fragen – aus und setzte sich einfach auf mich rauf. Ich lag noch auf dem Bett, den Rücken kaum an der Wand hinter mir angelehnt, als sie plötzlich auf mir saß. Im Dunkeln sah ich logischerweise nicht viel, aber ich wusste genau, was sie in diesen Momenten tat. War das genau solch ein Moment, bei dem Sandra einfach aus Spaß schauen wollte, wie ich auf erotische Signale von ihr reagierte? Oder meinte sie das gerade ernst?
Sie trug eine hellblaue Strickjacke, darunter nur einen BH, was wirklich ungewöhnlich wenig war. Ich wunderte mich kurz, dass sie vor allem bei unserem Ausflug nicht gefroren hatte. Sie griff mit ihrer Hand nach dem Reißverschluss der Strickjacke und zog diesen bis fast nach ganz unten. Wenige Momente danach zog sie ihn aber zur Hälfte etwa wieder hoch. Direkt danach griff sie mit ihrer Hand nach meiner und hielt sie fest. Sie führte unsere beiden Hände wieder zum Reißverschluss und drückte mir diesen in die Hand. Anschließend zogen wir gemeinsam – ich war der Meinung, dass sie die treibende Kraft war – den Reißverschluss wieder bis fast ganz nach unten, aber eben nicht vollständig, sodass wir die Jacke nicht komplett öffneten. Direkt danach ließ sie meine Hand los und ich unbewusst gleichzeitig den Verschluss, woraufhin sie blitzartig den Reißverschluss wieder bis auf eine vernünftige Höhe zog und von mir runter ging. Diese ganze Aktion dauerte wenige Sekunden. Anschließend schaltete sie im Zimmer direkt das Licht wieder an. Ich war völlig sprachlos. Was hatte das denn zu bedeuten? Was wollte sie mir sagen? Ich traute mich nicht, zu fragen. Ich war der Meinung, dass man das nicht machte, um die Situation nicht zu zerstören. Aber gleichzeitig war ich es allein durch Janine, aber auch durch Julia gewohnt, offen über die Sexualität zu kommunizieren. Irgendwie passte in dieser Szene so gar nichts sinnvoll zueinander.
Die Momente danach vergingen irgendwie wie im Flug und ich war so abgelenkt durch das Geschehen, dass ich mich richtig in einem Tunnelblick befand. Wir schwiegen direkt danach viel, offenbar beschäftigte das uns sehr. Ich brachte sie so ziemlich im Anschluss an dieser Aktion wieder extrem früh um halb neun wieder nach Hause, weil sie mich darum bat und weil das vorher auch abgesprochen war. Daher überraschte mich diese Aktion umso mehr: Wenn sie wirklich mit ihr hätte schlafen wollen, warum brachte sie direkt vor dem Aufbrechen solch eine Aktion? Warum fing sie nicht mit Küssen, Schmusen oder Ähnlichem an? Die interessante Frage, die am U-Bahnhof von ihr kam, war folgende: „Habe ich eigentlich den Reißverschluss heruntergezogen… oder warst du es?“ Ich war bei der Frage auch wieder verdattert. Meine Antwort: „Ich weiß nicht, aber ich glaube, wir beide waren es.“ Sie musste wie in Trance gewesen sein. Hatte sie das nicht mitbekommen? Hatte sie pur nach ihren Gefühlen gehandelt? Wollte sie in diesem Moment Sex? Konnte ich das als Zeichen eines weitergehenden Interesses im Sinne einer Beziehung sehen? Was wollte sie mir damit sagen?
Es vergingen ein paar Tage nach dieser Aktion und ich redete unter anderem mit Tim darüber, der zu mir meinte: „Sie hat dich damit aufgefordert, den Reißverschluss hinunterzuziehen! Mensch, du hast dir eine riesige Chance durch die Lappen gehen lassen!“ – „Meinst du wirklich? Also irgendwie glaube ich das nicht, weißt du, so klar war es nicht. Ich weiß nicht, was ihr da wirklich durch den Kopf ging.“ – „Na ja, du kannst nicht sicher sein, was sie damit bezweckt hat. Ich weiß auch nicht, was sie damit gemeint hat. Aber du hättest ja trotzdem das Ding runterziehen können, nur um zu gucken, wie sie darauf reagiert, verstehst du?“ – „Stimmt schon, hast ja Recht. Interessant wäre es sicher geworden.“ Wir lachten und ich versuchte das Geschehen so gut es ging hinzunehmen. Auch Julia zog mich damit auf, als ich ihr davon erzählte. Sie haute mir kompromisslos an den Kopf: „Du bist so ein Schlappschwanz!“ Ich musste ihren Begriff kurz verdauen und sie ergänzte mit einem Schmunzeln: „Warum bist du so feige? Bei mir warst du das doch auch die ganze Zeit nicht. Was stellst du dich also so an?“ – „Keine Ahnung, ich war einfach perplex. Abgesehen davon haben wir uns auch erst geküsst und herumgeschmust, das gab es mit Sandra ja alles nicht. Darauf war ich nun so gar nicht vorbereitet.“ – „Das stimmt natürlich. Aber ich wette, sie wäre voll darauf abgegangen, wenn du es weitergetrieben hättest.“ – „Gut möglich… Na, mal sehen!“ Ich war mir bewusst, dass ich solche Situationen weiter forcieren würde, da ich glaubte, kurz vor dem Durchbruch mit Sandra zu stehen.