Kapitel 46

Feiertage

Am ersten Weihnachtsfeiertag standen wir erst gegen halb zwölf auf. Dies konnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass unser Weihnachtsabend bis Mitternacht ging und wir während unserer „Beschäftigung“ in der Nacht gar nicht mitbekamen, wie die Zeit verrann. Zeitgleich mit uns stand Petra auf, wovon ich nun am meisten überrascht war. Sie ging deutlich vor uns schlafen und stand aber zur selben Zeit auf.

Nach einem beiderseitig verschlafenen „Morgen“ deckten wir den Tisch und aßen zu dritt Frühstück, was wir eigentlich fast nie machten. Die Stimmung war dabei nicht so richtig gut, sodass wir uns relativ viel anschwiegen. Janine und ich wechselten öfters nur einige fragende Blicke, bis ich mir dachte, Petra etwas zu fragen: „Siehst du Bernd eigentlich heute oder so zumindest?“ Erst herrschte Stille, die sie durchbrach: „Na ja, nein, heute sehe ich ihn auch nicht.“ – „Wann trifft er sich denn überhaupt mir dir?“ – „In den nächsten Tagen sehen wir uns wieder regelmäßig… Das ist jetzt bloß wegen der Feiertage ein wenig doof.“ Ich fand das irgendwie merkwürdig, weil ich auch alles versucht hatte, um mit Janine zusammen den Weihnachtsabend zu verbringen und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man so ohne Probleme sagen konnte: „Wir sehen uns in den nächsten Tagen.“ Es erstaunte mich wirklich. Ich beließ es aber in der Situation auf diese Antwort, weil ich mit Petra nicht diskutieren wollte, wenn Janine dabei war. Ich hatte kein Problem damit, schließlich redete ich mit Janine fast immer über die Probleme, die die Leute um mich herumhatten, aber ich wusste nicht, ob es Petra so wirklich recht war.

Nach dem Frühstück ging ich mit Janine in mein Zimmer. Da ich ungeheure Lust verspürte, draußen spazieren zu gehen, machte ich ihr genau diesen Vorschlag. Nach ein paar Sekunden Zögern meinte sie: „Ok, wir müssen uns zumindest nur was Warmes anziehen, weil… da.“ Sie zeigte zum Fenster, aus welchem ich rausschaute: Es schneite!

Die Situation gefiel mir sehr, sodass ich mich umso schneller anzog. Janine schlug mir vor, dass wir beim Spazieren ja an ihrem Zuhause vorbei gehen konnten, damit sie einerseits ihre Mutter wenigstens kurz sah – Janine blieb noch weitere Nächte bei mir – und andererseits die Kleidung, die sie jetzt nicht brauchte, zu Hause ablegen konnte – dazu zählte ja vor allem das Kleid.

Die Atmosphäre draußen war spitze. Es war so gut wie keiner auf den Straßen – nur hier und da ein paar Kinder, die sich mit Schneebällen bewarfen – und ich war mit meiner liebsten Person auf einem Spaziergang, bei dem wir einfach entspannten und unsere Nähe zueinander genießen konnten. Ich erinnerte mich an einen Tag, an dem zwischen Janine und mir fast genau das Gleiche passiert war – es war am Anfang unserer Beziehung. An dem Tag liefen wir ebenfalls von mir zu Hause aus zu ihr – während eines Schneefalls und es war fast die gleiche, richtig schöne Situation. Der Unterschied war einfach nur der, dass sie und ich noch keineswegs so intim und vertraut wie an dem heutigen Tag waren.

Nach fast einer Stunde kamen wir bei Janine an. Melanie war gar nicht zu Hause, sodass wir für die kurzen Momente ungestört waren. Janine hing ihr Kleid wieder in ihren Kleiderschrank und legte ein paar Sachen in die Wäsche. Anschließend rief sie Melanie kurz an, weil sie sich einfach nur erkundigen wollte, wo sie denn hin war. Wir vermuteten erst, dass Melanie zu ihrem Freund gefahren war. Sie hatte ihn bisher zwei Mal kurz gesehen und fand ihn wohl richtig lieb. Janine erzählte mir in diesen Momenten auch, dass es sie richtig glücklich machte, ihre Mutter wieder glücklich zu sehen. Zwar überkam Melanie wohl immer wieder die Trauer über den Verlust ihres Mannes, aber ihre neue Beziehung schien ihr dennoch enormen Halt zu geben, was mich für sie wirklich freute. Auch Janine sagte mir, dass sie den Tod ihres Vaters mittlerweile relativ gut verarbeitet hatte.

Wir erfuhren, dass ihre Mutter für wenige Tage zu den Eltern ihres verstorbenes Mannes – eine Hälfte von Janines Großeltern – gefahren war. Nicht nur Janine wunderte sich über das Verhalten von ihrer Mutter, allerdings schenkte ich dem keine allzu große Bedeutung zu. Janine entdeckte zumindest Geld, welches im Wohnzimmer für sie hinterlassen wurde, damit sie sich verpflegen konnte. Es war für mich nachvollziehbar, dass Janine sich ein paar Sorgen machte. Ich versuchte sie zu beruhigen. Es konnte natürlich durchaus sein, dass ihre Mutter auf ein paar andere Gedanken kommen wollte. Ein anderer möglicher Grund konnte einfach eine Nachfrage von Janines Großeltern sein – sie hätten Melanie ja spontan einfach eingeladen haben können. Ich fand es zugegeben auch ungewöhnlich, dass Melanie Janine nichts von der Reise sagte, schließlich hätte Janine ja auch durchaus Interesse haben können, ihre Großeltern zu sehen, die sie, wie sie mir sagte, ganz selten überhaupt sah und meistens daher am Telefon hörte.

Einige Momente nach dem Telefonat fragte mich Janine: „Meine Mutter ist ja nicht da. Die Wohnung habe ich für mich allein. Wieso bleibst du nicht einfach hier?“ Die Idee fand ich an sich super, ich machte mir einfach ein paar Gedanken um Petra und ihre offensichtliche Einsamkeit. Ich bezweifelte ehrlich gesagt, dass sie in den nächsten Tagen Bernd sehen würde und darauf wollte ich sie eigentlich ansprechen. Da Janine bei mir geblieben wäre, hätte ich vermutlich nicht die Möglichkeit dazu bekommen, Petra darauf anzusprechen, sodass ich ihr nur schrieb, dass ich spontan bei Janine über Nacht bleiben würde und nur später ein paar Kleidungsstücke holen wollte. Wir fuhren mit dem Bus nochmals zu mir, wo ich mir stattdessen Wechselkleidung mitnahm und Janine ihre letzten Übernachtungsdinge griff, die sie direkt mit zu sich nach Hause nahm.

Bei Janine angekommen, entspannten wir viel auf ihrem Bett und ließen ein paar Folgen einer Serie laufen, ohne so richtig aufmerksam hinzuschauen. „Ich mache mir Sorgen um meine Mutter“, sagte Janine. Ich drehte mich zu ihr, um ihr in die Augen zu schauen. Ihr Blick war sorgenvoll, zugleich auch ziemlich verunsichert, was ich nur noch selten bei ihr beobachten konnte. „Ich denke, sie wollte einfach ein bisschen Abstand haben. Es war sicherlich komisch für sie, gestern bei uns gewesen zu sein. Nach dem, was du sonst über eure Weihnachtsfeste erzählt hast, war das gestern total gewöhnungsbedürftig. Viel kleiner und außer dir keiner aus eurer Familie.“ – „Du bist doch aber aus unserer Familie!“ Dieses Kompliment ging mir unter die Haut, was Janine auch in meinem Gesicht ablesen konnte. „Ich bekomme gerade richtig Gänsehaut.“ Janine entgegnete mir: „Aber das stimmt doch! Du bist ein Teil von mir und von uns. Außerdem hast du mir gestern einfach wieder gezeigt, wie sehr ich ein Teil eurer Familie bin.“ – „Ich bin einfach so glücklich, dass wir uns alle untereinander so gut verstehen.“ – „Ich auch.“ Wir gaben uns einen langen, zärtlichen Kuss und Janine sagte: „Aber du hast bestimmt Recht, für meine Mutter war das bestimmt eine merkwürdige Situation.“ – „Wie hat sich das für dich angefühlt?“ – „Ich habe den ganzen Abend total schön gefunden. Klar, es war anders als die letzten Jahre, aber ich war dafür bei dir, hatte dich die ganze Zeit um mich und fand es richtig toll, deinen Vater kennengelernt zu haben!“ – „Ich muss zugeben, ich war innerlich ein bisschen aufgeregt, wie ihr euch wohl finden werdet.“ – „Bin ich etwa so anstrengend?“ Wir schmunzelten und ich meinte: „Nein, aber er.“ Wir beide lachten erst recht und sie meinte: „Boah, du bist so böse in seine Richtung!“ – „Das war natürlich nicht ernst gemeint. Er nimmt mich zwar gerne aufs Korn, aber ich hatte schon die Vermutung, dass ihr euch gut verstehen würdet.“ – „Ja, ich mag seine lockere und entspannte Art total.“ Wir schwiegen daraufhin einige Momente und ich sagte: „Frag deine Mutter doch einfach, ob alles in Ordnung mit ihr ist. Sie wird doch bestimmt nicht böse sein, wenn du sie anrufst und fragst, ob alles ok ist.“ – „Meinst du? Ich will sie ja auch nicht stören oder noch daran erinnern, wie komisch das dieses Jahr alles ist.“ – „Klar, ich würde sie anrufen. Du zeigst doch nur, dass du sie liebst und dir Gedanken um sie machst.“ – „Ich weiß nicht. Soll ich sie wirklich anrufen?“ – „Na los.“ Ich hatte schon ihr Smartphone gegriffen und meinte: „Ansonsten rufe ich sie an.“ Sie schmunzelte. „Das glaube ich nicht, dass du das machst. Das traust du dich nicht.“ – „Ach nein? Ich darf sie doch duzen und als es dir mit der Lungenentzündung so schlecht ging, hat sie sogar mich angerufen, schon vergessen?“ – „Stimmt.“ Ich entsperrte einfach ihr Smartphone und hielt es bedrohlich in meiner Hand. Sie war leicht verdutzt: „Woher weißt du denn meinen Entsperrcode?“ – „Das ist jetzt nun wirklich kein großes Geheimnis. Du hast es so oft entsperrt, während ich dabei zugeschaut habe und wenn du mir was zeigen wolltest. Das ist doch klar, dass ich irgendwann deinen Code kenne.“ Wir schmunzelten und ich sagte leicht piesackend: „Abgesehen davon solltest du dich nicht beschweren, wie oft hast du schon mit meinem Smartphone rumgespielt?“ – „Ich weiß nicht, wen du meinst.“ Sie lachte und steckte mich damit an. „Ich habe ganz sicher nie deinen Akku leergespielt, wenn du eines dieser lustigen Spiele auf dem Handy hattest.“ – „Das letzte Mal ist etwa zwei Wochen her, dass du meinen Akku einfach leergesaugt hast.“ – „Also an deinem Akku sauge ich nun wirklich nicht. Das wäre ja eklig.“ Es war so klar, dass sie direkt wieder zweideutig dachte. „Na ja, am Smartphone-Akku zu nuckeln ist sicherlich auch nicht so lecker, oder?“ Ich versuchte mit einer anderen Redewendung von der Zweideutigkeit absichtlich abzulenken. „Ieeh, ich bin doch kein kleines Kind, dass ich noch nuckeln würde…“ Irgendwie rutschte mir doch ein zweideutiger Kommentar heraus, den ich mir eigentlich verkneifen wollte: „Aber wenn du am Akku saugst, kommt da auch irgendwann was raus?“ – „Ieeeeeeeeeh!“ Sie zog das Wort ewig in die Länge und wir mussten herzhaft lachen, weil wir uns versuchten, das Gesprächsthema bildlich vorzustellen.

Nachdem wir uns wieder beruhigt hatten, meinte ich: „Also? Ich muss nur noch auf den Hörer drücken. Du solltest ans Smartphone gehen. Ich glaube, deine Mutter bekommt sonst einen richtigen Schreck, wenn ich plötzlich als Erstes an deinem Telefon bin.“ – „Ich weiß nicht.“ – „Na gut?“ Ich wählte einfach und präsentierte den entsprechenden Bildschirm. Sie griff zügig quer über das Bett, um ihr Smartphone in die Hand zu nehmen und mit ihrer Mutter zu telefonieren. Das Telefonat ging immerhin eine gute Viertelstunde und es stellte sich heraus, dass ihre Sorgen unberechtigt waren, weil Janines Großeltern Melanie tatsächlich sehr spontan eingeladen hatten. Melanie hatte Janine nicht gefragt, weil sie davon ausging, dass Janine lieber die Zeit mit mir genießen wollte, wenn wir schon so viele freie Tage gemeinsam hatten.

Direkt nach unserem Telefonat meinte sie zu mir: „Das war voll fies, dass du sie wirklich angerufen hast!“ – „Ich fand das gar nicht fies. Siehst du, jetzt hast du keine Sorgen mehr und es geht dir sofort besser.“ – „Da hast du Recht.“ Sie griff sich einfach mein Smartphone, was bisher irgendwo auf ihrem Bett herumlag. Ich schaute neugierig und fragte: „Was machst du da?“ – „Ich? Ich mache gar nichts. Ich verstelle einfach nur alles, was ich so finden kann.“ Ich öffnete vor Erstaunen meinen Mund und meinte: „Wehe!“ Ich hörte, wie sie eines der bekloppten Minispiele auf meinem Handy geöffnet hatte. „Warum lädst du das nicht auch auf dein Telefon runter? So kannst du das die gesamte Zeit zocken!“ – „Ne, das muss nicht auf mein Telefon sein. Und wenn du das schon auf deinem Telefon hast, reicht das doch auch.“ Ich schüttelte grinsend den Kopf und schaute ihr zu, wie sie dieses herrlich alberne Spiel ein paar Minuten lang spielte. Wir lachten irgendwann schon Tränen, weil dieses Spiel unseren Humor einfach so herrlich traf und ich immer wieder darüber lachen musste, wie spektakulär Janine beim Spielen scheiterte. Nach dem Spielen gab sie mir mein Smartphone wieder, weil ich es direkt wieder an die Steckdose hängen musste. Als ich es kurz entsperrte, fiel mir auf, dass sie eine Notiz in den Vordergrund gelegt hatte. In die Notiz schrieb sie: „Ich liebe dich über alles, Bärchie.“ Ohne das zu kommentieren, legte ich mich einfach auf Janine, die weiterhin auf ihrem Bett lümmelte und küsste sie langsam, aber intensiv. „Was wird das?“, fragte Janine in einem kurzen Moment der Pause. Darauf antwortete ich: „Das war meine Art und Weise, dir zu zeigen, wie sehr ich dich liebe. Aber die Notiz auf meinem Bildschirm war trotzdem eine lustige Idee.“ Sie kicherte und steckte mich damit an. Mich durchfloss ein Gefühl der Glückseligkeit. Nach einigen weiteren langen, vorsichtigen Küssen stand sie plötzlich auf und fragte: „Tust du mir einen Gefallen?“ – „Na klar, was ist denn?“ – „Bleibst du hier in dem Zimmer und kommst nicht raus?“ – „Ok. Ich erahne schon wieder etwas…“ Wir grinsten und ich nickte als Bestätigung.

Janine ging aus dem Zimmer und lehnte die Tür nur an. Aber ich wollte ihr nicht die Überraschung verderben, indem ich einfach aus dem Zimmer heraus ging. Es wurde dunkel und ich schaute weit über anderthalb Stunden das langweilige Fernsehprogramm, als sich leise die Tür öffnete und Janine, ohne, dass ich sie sehen konnte, sagte: „Schließe deine Augen!“ Ich tat, wie mir befohlen wurde und spürte, wie sie mich an die Hand nahm. Ich ging mit ihr einige Schritte und bemerkte am Boden, wie auch am Geruch, dass ich mit ihr im Badezimmer stand. Sie sagte mir, dass ich meine Augen öffnen sollte und ich sah ihr Badezimmer, das sie richtig romantisch vorbereitet hatte. Es waren zahlreiche Kerzen verteilt und sie hatte leise und angenehme Musik über ihr Handy angeschaltet, wodurch ich mich im Bad ad hoc nur noch wohler fühlte.

Janine, die neben mir stand, war nur noch mit einem großen Handtuch verdeckt. Sie fragte mich: „Möchtest du mit in die Badewanne kommen?“ – „Na sicher will ich das.“ Wir grinsten und ich zog mich im Badezimmer vollständig aus, worauf Janine wieder symbolisch ihr Handtuch fallen ließ. Wir sorgten in der Wanne für gegenseitige Entspannung, ohne, dass wir dabei zum Höhepunkt kamen. Neben langen Massagen küssten wir uns lange und zärtlich und hatten, ohne darüber zu sprechen, eine gemeinsame Absprache, dass wir unsere Romantik bewusst sehr langsam angehen wollten. Ich spürte, wie ich im Bad dahin schmolz.

Kurze Zeit nach unserem gemeinsamen Bad fragte mich Janine: „Lass mich raten, du hast bestimmt Hunger, oder?“ – „Ja, definitiv. Wollen wir noch gemeinsam etwas Schönes kochen?“ – „Das brauchen wir nicht mehr.“ Sie kicherte. „Wir gehen in die Küche.“ Sie nahm mich an die Hand – ich brauchte meine Augen nicht zu schließen – und führte mich in die Küche, in der sie direkt als Erstes ein paar weitere Kerzen anzündete.

Nachdem sie mich darum bat, mich zu setzen, holte sie plötzlich zwei Teller hervor und servierte mir ein bereits vorbereitetes Essen. Ich war verdutzt, als ich bemerkte, dass das Essen noch fast heiß war, obwohl sie das Essen nicht noch erhitzte. Ich fragte leise: „Du, wie kann das Essen trotz der langen Zeit noch warm sein?“ – „Das, mein Lieber, ist ein Geheimnis der Köchin.“ Sie lächelte und wir wünschten uns einen guten Appetit.

Das Essen schmeckte vorzüglich und ich war wieder über ihre Kochkünste erstaunt. Mein Herz lachte sehr, dass sie sich für mich solche Mühe gegeben hatte. Ich spürte, dass dieser Abend ein Dankeschön für den wundervollen Heiligabend gestern sein sollte. Eigentlich hatte ich gar keine Wiedergutmachung des gestrigen Abends haben wollen, weil ich ihn genauso intensiv wie sie genoss, aber gleichzeitig liebte ich es einfach, dass wir auch an diesem Tag so schöne Zeit miteinander verbringen konnten.

Nach dem Essen gingen wir in Janines Zimmer, in dem wir uns ohne große Verzögerung näherkamen. Auch wenn sie mich den ganzen Abend über wirklich extrem anzog, schaffte ich es, genauso wie sie, unsere Intimität ganz langsam aufzubauen. Wir ließen uns so richtig Zeit und probierten an diesem Abend gleich mehrere Dinge aus. Bisher hatten wir in unserer Sexualität eher wenig ausgetestet, was aber an uns gleichermaßen lag. Oft kamen wir uns ziemlich schnell und spontan näher, sodass wir gar nicht die Zeit hatten, allzu viel auszuprobieren und uns eher auf das verließen, was mittlerweile recht gut zwischen uns funktionierte. In jedem Fall stellten wir fest, dass eine andere Sexposition dafür sorgte, dass Janine wirklich einen sehr intensiven und vor allem lauten Orgasmus hatte. Sie war direkt danach minutenlang weggetreten, was witzigerweise zu der Situation sorgte, dass ich erst nicht weitermachte und meine Erregung sich abbaute, weil ich mir kurzfristig sogar um sie sorgte. Ich hatte sie schon ein paar Mal geistig völlig weggetreten erlebt, aber so heftig wie an diesem Abend war es bisher noch nie. Als sie ganz langsam wieder einen klaren Verstand bekam, flüsterte sie sehr leise: „Was auch immer du gemacht hast, Bärchie, das war… echt krass.“ – „Ich würde sagen, wir sollten das beim nächsten Mal wieder ausprobieren.“ Janine brach ohne Vorwarnung in einen gewaltigen Lachflash aus, von dem ich ganz besonders überrascht war. Sie wirkte völlig berauscht, was mich so richtig amüsierte. „Ja, das müssen wir unbedingt nochmal ausprobieren.“ Ich nickte und legte mich neben sie auf den Rücken. Kurze Zeit danach drehte sie sich zu mir und kuschelte sich fest an mich. „Wie war das für dich? Hat dir das auch so gut gefallen?“ – „Für mich ist es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, es fühlt sich anders als sonst an. Das erregt mich aber definitiv auch.“ – „Wie war denn dein Orgasmus?“, fragte sie mich. „Ähm… na ja, welcher Orgasmus?“ Ich konnte locker darüber hinwegsehen, dass Janine als Einzige gekommen war, mich störte das überhaupt nicht. Sie schaute erstaunt und meinte: „Hattest du nicht vor mir deinen Orgasmus?“ – „Nein, Süße. Du warst offenbar schon währenddessen ganz weit woanders.“ Ich kicherte, während Janine einfach kompromisslos meinen Penis griff und mir unfassbar leise ins Ohr hauchte: „Entspann dich. Falls du dazu kommen wirst.“ Ich wollte ihr gerade entgegnen, was ihre offensive Ansage denn zu bedeuten hatte, doch sie fing einfach an, meinen Penis zu stimulieren. Janine war so aufgedreht, dass sie meinen Orgasmus extrem lang hinauszögerte. Sie brachte mich mehrere Male extrem nah an diesen Punkt und schaffte es immer wieder, dieses erlösende Gefühl hinauszuzögern, sodass meine Gier immer schlimmer wurde. Als sie mich wirklich zum Orgasmus brachte, hatte ich mich körperlich überhaupt nicht mehr unter Kontrolle. „Wow, so intensiv hast du noch nie reagiert!“ Ich atmete weiterhin tief ein und aus und durchlebte mehrfach ein kurzes Zittern. Janine sagte anschließend noch etwas, dass ich einfach nicht mitbekam, weil ich geistig so abwesend war. Sie wiederholte ihre Aussage kurze Zeit später: „Du hast so heftig gezuckt und deinen Oberkörper richtig angehoben. Das habe ich so krass bei dir auch noch nicht gesehen.“ Leicht stockend antwortete ich: „Meine Erregung hat sich einfach über Stunden angesammelt. Mein ganzer Körper spielt gerade noch verrückt.“ Janine legte einfach ihr Ohr auf meinen Oberkörper und sagte mit gehöriger Freude in der Stimme: „Dein Herz schlägt so stark und intensiv, das ist richtig beeindruckend.“ – „Das… habe ich so auch noch nicht erlebt.“ – „Das schreit wohl bald nach einer Fortsetzung, oder?“ – „Ich weiß noch nicht, Süße.“ Ich musste selbst lachen und ergänzte: „Das haut mich gerade so richtig um.“ – „Perfekt. Ich finde es so geil, dass ich was Tolles über dich herausfinden konnte.“ Wir küssten uns etwas länger und ich spürte, dass mein Kreislauf langsam ein wenig herunterfuhr. Nicht viel später schlief ich einfach ein und bemerkte tief in der Nacht, dass Janine und ich kreuz und quer auf dem Bett lagen, sie aber fest an mich gekuschelt war.

Am nächsten Tag weckte sie mich gegen zehn Uhr mit einem wunderbaren Frühstück. Anschließend rief mich Tim an und fragte uns, ob wir Zeit hätten. Da wir den Vorschlag ziemlich cool fanden, stimmten wir so ganz spontan direkt zu. Am frühen Nachmittag fuhren wir zu Tim und Janine wie ich bemerkten, wie selten wir eigentlich bei ihm waren. Das lag nicht daran, dass er uns nicht bei sich haben wollte, sondern einfach, dass der Fahrtweg zu ihm recht lang war und er ganz froh war, wenn er regelmäßig andere Teile der Stadt zu Gesicht bekam. Bei ihm angekommen, verbrachten wir ein paar Stunden und wurden sogar zum Essen eingeladen, was ich von Tims Eltern wirklich nett fand. Es war insgesamt eine sehr ausgelassene Stimmung und ich fand es schön, auch seine Eltern wieder gesprochen zu haben, da die beiden mich über all die Jahre auch sehr ins Herz geschlossen hatten. Besonders lieb fand ich, dass die beiden nach dem Verlust meiner Eltern jederzeit ihre Hilfe angeboten hatten und dieses Angebot bei unserem Essen auch wiederholten. Seine Eltern waren wirklich herzlich.

Als wir am Abend wieder bei ihr zu Hause ankamen, klagte sie plötzlich über Krämpfe in der Bauchregion. Ich verpflichtete sie gleich dazu, sich hinzulegen und organisierte direkt ein Wärmekissen. Sie legte sich auf den Rücken und ich fragte sie, was los war. Sie meinte: „Na ja, das dürfte meine Regel sein.“ In diesem Moment fiel mir auf, dass Janine und ich im Laufe der fast einjährigen Beziehung so gut wie nie darüber gesprochen hatten. Genauso machte ich mir ein paar Vorwürfe, weil ich die Befürchtung hatte, dass ich während ihrer Regel mit ihr geschlafen hatte – schließlich wollte ich nicht, dass sie in unangenehmen Situationen mit mir Sex hatte.

Ich meinte zu ihr: „Weißt du, dass wir so gut wie nie über deine Regel gesprochen haben?“ – „Ja, ich weiß. Aber eigentlich geht es ja auch nur mich etwas an. Bisher hast du ja scheinbar davon nie etwas mitbekommen.“ Sie kicherte. „Doch, einmal, wo du ziemlich unzufrieden mit allem warst und einfach ziemlich schnell eingeschlafen bist. Ich weiß aber nicht mehr, wann das genau war.“ – „Ah, doch, das weiß ich auch noch. Da sind wir gerade vom Ausflug auf den Berg mit der tollen Aussicht im Dunkeln wiedergekommen.“ – „Oh, stimmt. Ich liebe diesen Berg einfach.“ – „Ich auch.“

Ich fragte sie: „Aber hör, solltest du deine Regel haben und es läuft vielleicht darauf hinaus, dass wir miteinander schlafen, und du möchtest das nicht, weil du Schmerzen zum Beispiel hast, sag mir das bitte ehrlich, ja?“ – „Na klar mache ich das, Schatz.“ – „Wenn du jetzt noch irgendwas brauchst, sag es mir einfach. Ich kümmere mich jetzt um dich.“ – „Du bist echt lieb zu mir. Ich würde nur gerne etwas trinken, am besten Wasser. Ich habe heute irgendwie den ganzen Tag über ziemlich wenig getrunken.“ – „Ok, hole ich dir, kleinen Moment.“ Janine ging es zum späten Abend herum wieder besser, sodass wir einfach nur eng miteinander kuschelten und gegen Mitternacht schlafen gingen.

Den ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen verbrachten wir mit einem gemütlichen Einkaufsbummel und machten es uns einfach bei Janine gemütlich. Am Tag danach erwachte ich recht früh morgens durch ein lautes Geräusch und war mir kurze Zeit später sicher, dass Melanie wieder nach Hause gekommen war. Einige Minuten nach dieser Störung schlief ich wieder ein.

Gegen halb elf erwachte ich erneut und war so ausgeschlafen, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Kaum danach streckte sich auch meine Süße – sie „schlug“ mich wieder dabei unbewusst – und wünschte mir nach einem Kuss einen guten Morgen. Ich sagte: „Deine Mutter ist seit heute früh wieder zu Hause.“ – „Sie ist… was?“ – „Ja, ich bin vorhin irgendwann aufgewacht, weil ich ein Geräusch gehört habe. Ich war mir sicher, dass ich das Wohnungsschloss und die Tür gehört hatte.“ – „Aber, aber…“ – „Ist das so schlimm, dass sie jetzt wieder da ist?“ Ich sagte dies bewusst ein bisschen leiser, weil ich nicht wollte, dass Melanie dieses Gespräch durch irgendeinen dummen Zufall vielleicht sogar mitbekam. „Na ja, ich konnte die Wohnung gar nicht aufräumen. Jetzt ist die Wohnung in diesem Zustand… Das ist verdammt scheiße!“

Sie wollte aufspringen, doch ich hielt sie auf und beruhigte sie: „Hey, die Wohnung ist einwandfrei. Wir haben doch außer der Küche und dem Bad nichts in der Wohnung benutzt und das Badezimmer haben wir doch geputzt, wenn du dich noch daran erinnerst.“ Wir grinsten. „Abgewaschen hast du doch gestern auch, also, was willst du mehr?“ – „Na ja… trotzdem.“ – „Jetzt mache dir keine unnötigen Sorgen. Die Wohnung ist sauber.“

Ich sollte Recht damit behalten. Als sie und ich zum Frühstück hinausgingen, begrüßten wir nochmals ihre Mutter und sie sagte und beklagte sich kein bisschen. Als wir allein am Frühstückstisch saßen, meinte ich leise: „Und, was habe ich dir gesagt? Du brauchtest dir keine Sorgen zu machen. Die Wohnung ist und war die ganze Zeit sauber. Schließlich waren wir auch nur drei Nächte hier.“ – „Weißt du, ich bin da einfach lieber vorsichtig geworden. Ich will lieber abgesichert sein, dass die Wohnung sauber ist, als wirklich ins Fettnäpfchen zu treten.“ – „Ich verstehe schon, was du meinst, aber das war heute, wie gesagt, alles andere als nötig.“