Heiligabend
Als Janine und ich wieder in getrennten Betten schliefen, fing ich an, mir die ersten Gedanken für das Weihnachtsgedicht, welches ich ihr schenken und vortragen wollte, zu machen. Mir war klar, dass es bei dem Gedicht nicht so sehr um die poetischen Qualitäten ging, sondern eher um den Inhalt, den ich damit übermittelte. Ich wollte, dass sie spürte, wie viel sie mir bedeutete, und hoffte, dass dieses Gedicht eine bombastische Wirkung hatte. Es sollte ein richtiger Paukenschlag sein, mit dem ich ihr meine Liebe verdeutlichte.
Am Mittwoch machte in der Schule die Nachricht die Runde, dass es nicht sicher war, ob der Weihnachtsball überhaupt stattfand. „Es seien viel zu wenige Karten bisher verkauft worden“, meinte einer der Organisatoren zu uns, „und wenn sich diese Anzahl nicht bald deutlich vergrößert, würde der Ball abgesagt werden und das Geld ginge an jeden Käufer zurück.“ Ehrlich gesagt freute mich diese Mitteilung sogar ein bisschen, weil ich froh war, mich vor dem Tanzen drücken zu können. Dafür, dass ich gezwungen war, ebenfalls zum Ball zu gehen, hatte meine Süße ja schon kurz nach Beginn des Kartenverkaufes gesorgt, indem sie uns – ohne mich zu fragen – bereits eine Karte kaufte. Janine war über die Nachricht logischerweise nicht so erfreut, aber hoffte total, dass der Verkauf in den letzten Tagen noch besser laufen würde.
Am Donnerstag schlug ich Janine vor, ob sie denn das Wochenende bei mir verbringen wollte. Dafür ließen wir diesen Donnerstag ausfallen, damit wir den Tag einfach dafür nutzen konnten, unsere schulischen Aufgaben zu erledigen. Sie stimmte dem freudig zu, unter anderem auch deshalb, weil ich ihr vorschlug, am Samstag bummeln zu gehen. Was sie nicht wusste, war, dass ein gewisser Plan von mir dahintersteckte. Bei dem gemeinsamen Bummel wollte ich herausbekommen, ob es irgendwas Bestimmtes gab, was sie sich von Herzen wünschte. Sollte ich nach dem Bummel keine weiteren Ideen bekommen haben, würde ich meinem Herzen folgen und ihr neben dem Gedicht einen Ring kaufen, in dem vorher „Janine & Marc“ eingraviert werden sollte. Die Idee mit dem Ring gefiel mir an sich sowieso am besten. Für mich stand halt fest, dass sie an Weihnachten etwas sehr Besonderes von mir bekommen sollte.
Am Freitagnachmittag kam Janine zu mir nach Hause. Sie hatte sich – erstaunlich für die Kälte draußen – recht freizügig gekleidet und zog mich vom ersten Moment magisch an. Kurz, nachdem sie in unsere Wohnung kam, folgte eine intensive Knutscherei. Eigentlich wollte ich an diesem Tag gerne noch etwas mit ihr draußen unternehmen, aber Janine hielt mich sehr schnell von meinen eigentlichen Plänen ab… Am späteren Abend lagen wir auf unserem Bett, waren zugedeckt und kuschelten, während wir fern schauten. In diesen Momenten fragte ich mich, was Janine sich wohl zu Weihnachten für mich überlegt hatte. Sie ließ sich bisher nie in die Karten bei solchen Dingen schauen, sodass ich wohl auch dieses Mal nicht herausbekommen würde, was sie mir eventuell schenken wollte.
Janine erzählt:
Ich wusste noch immer nicht, was ich Bärchie zu Weihnachten schenken sollte. Es sollte irgendwas sein, von dem er längere Zeit etwas hatte. Nur fiel mir einfach nichts ein. Bei unserem Einkaufsbummel, den wir am Samstag machten, konnte ich lange Zeit nichts herausbekommen, bis mir eine Sache auffiel: Er trug gar keine Uhr! Als ich ihn möglichst unauffällig darauf ansprach, meinte er, dass seine letzte Uhr defekt sei und er bisher nicht dazu kam, eine neue zu kaufen. Beim Schmuckladen konnte ich beobachten, was er sich genau anschaute – vor allem schaute er sich einige Uhren genauer an. Ich merkte mir in etwa die Richtung, in die seine Uhr vom Aussehen her gehen sollte. Ich freute mich auf Weihnachten, weil es unser erstes gemeinsames Weihnachten war. Ich wusste nur noch nicht, ob wir das Weihnachten zusammen verbringen konnten, was ich mir wirklich sehr wünschte.
Ich war mir sicher, dass Marc beim Bummel auch herausfinden wollte, was er mir vielleicht schenken konnte. Da er in Sachen Kleidung alles andere als Ahnung hatte, vermutete ich, dass es in Richtung Schmuck ging. Während wir beim Schmuckladen standen, gab ich ihm hier und da bewusst ein paar kleine Hinweise, was ich interessant fand und den finanziellen Rahmen möglichst nicht sprengte. Ich lenkte ihn daher bewusst in eine Richtung, mit der ich finanziell ganz gut leben konnte. Mein schlechtes Gewissen über seine ständigen Einladungen war schon so riesig, dass ich das wohl nie wieder abbauen würde. Ich musste aber auch zugeben, dass Marc mir jetzt zu Weihnachten auch durchaus mehr kosten durfte.
Marc erzählt:
Mein Plan bezüglich des Bummels war genau aufgegangen. Als wir am Schmuckladen standen, hörte ich das Interesse Janines für bestimmte Dinge heraus, was natürlich wie gerufen kam. Da im Bereich ihres Interesses auch Ringe waren, konnte mein Plan mit der Eingravierung genau aufgehen.
Auch an diesem Samstagabend schliefen sie und ich wieder miteinander. Ich hatte das Gefühl, dass der Aspekt Sex in unserer Beziehung bald eine fast zu große Bedeutung zugesprochen bekam, weil es oft darauf hinauslief, wenn wir uns kurze Zeit nicht sahen. Ich fand es nicht so toll, dass unsere Abhängigkeit vor allem im körperlichen Aspekt immer größer wurde, da die eigentliche Beziehung und das Zusammenleben meiner Meinung nach viel wichtiger waren. Ändern konnte und wollte ich daran nun auch nicht unbedingt was, weil diese körperliche Intimität einfach entspannend war und ich mittlerweile oft darauf Lust bekam. Auch an Orten, an denen es alles andere als angebracht wäre, Sex zu haben – manchmal in der Schule oder auch unterwegs bekam ich das Bedürfnis.
Als Janine an diesem Samstagabend auf Toilette verschwand, nutzte ich die kurze Gelegenheit und schaute mir Janines Ringe an, die sie einfach ganz normal im Alltag trug. Glücklicherweise hatte sie diese vor unserem Sex abgelegt, weil sie sonst gefühlt fast dauerhaft ihre Ringe trug. Ich versuchte, so gut es ging, die Größe der Ringe abzumessen und fotografierte mit dem Handy zusätzlich die Ringe aus mehreren Perspektiven, um mit diesen Informationen hoffentlich einen passenden Ring für sie zu finden.
Am Sonntagnachmittag fuhr Janine nach Hause und in den nächsten Tagen hieß es für mich, das Gedicht zu schreiben und den Ring anfertigen zu lassen. Direkt am Montagabend, nach meinem üblen Schultag, fuhr ich noch einmal ins Einkaufszentrum, in dessen Juwelier ich den Auftrag der Ringgravierung aufgab. Es kostete mich mehr, als ich tatsächlich erwartet hatte, aber sie war es mir wert – ich liebte sie einfach über alles. Da Janine erst am kommenden Wochenende wieder bei mir blieb und wir erneut den Donnerstag ausfallen ließen, hatte ich innerhalb dieser Woche genügend Zeit, das Gedicht fertigzustellen. Ich kam im Laufe der Zeit auf verschiedene Ideen von Strophen, die ich jetzt einfach nur noch zusammenfügen musste. Diese Arbeit fiel mir interessanterweise nicht sehr schwer und machte sogar richtig Spaß.
Eine Sache, die ich sehr schön fand, war die Tatsache, dass Janine und ich zum ersten Mal Weihnachten zusammen verbringen konnten. Es ergab sich die Möglichkeit, dass ich das Weihnachten mit Christian, Petra und Janine bei uns zu Hause verbringen konnte. Es hatte keiner etwas dagegen und das machte mich absolut glücklich – es war wirklich ein weiteres Geschenk, über das ich mich freuen durfte.
Am Donnerstag dieser letzten Schulwoche gab es die offizielle und endgültige Absage des Balls. Ich freute mich im Innern, selbst wenn ich das vor Janine nicht zeigen durfte und konnte. Das einzig Positive daran war nur, dass sie das Geld für unsere Karten wieder bekam. In unserem Jahrgang waren es wohl einige, die die Absage des Balls ziemlich schade fanden.
An dem Wochenende – am Freitag waren es nur noch sechs Tage bis Heiligabend – blieb Janine wieder bei mir und wir verbrachten es absolut entspannt, da wir aufgrund des miserablen Wetters fast komplett in der Wohnung blieben. Wir versüßten uns den Alltag gegenseitig – war es durch Massagen, kleinen Streicheleinheiten, gemeinsamen Essen und einfach durch das totale Verständnis zwischen uns.
Am Montag, den 21. Dezember begannen bei uns die Ferien, was es natürlich ermöglichte, dass Janine und ich wieder wesentlich mehr Zeit miteinander verbringen konnten. Glücklicherweise konnte ich mich einmal am Montag von ihr abkapseln, da ich ihren Ring abholen musste. Ich wollte dies nicht auf den allerletzten Drücker tun, da ich damit rechnen musste, dass das Geschäft innerhalb der nächsten Tage noch voller werden würde. In der wenigen Zeit, die Janine nicht in meiner Nähe war, bereitete ich auch noch meinen Brief, den ich ihr geben wollte, vor. Ich schrieb:
„Meine tollste Süße,
ich habe einige Zeit überlegt, was ich dir zu unserem ersten gemeinsamen Heiligabend schenken könnte. Da du für mich auf dieser Welt einmalig und etwas Besonderes bist, habe ich mich dazu entschlossen, dir auch etwas Einmaliges zu schenken, was kein anderer Mensch auf dieser Welt besitzen wird.
Das, was ich dir eben gerade auswendig vorgetragen habe, ist der erste Teil meines Geschenkes. Mit diesem Gedicht habe ich versucht, meine Gefühle für dich in einer außergewöhnlichen Form zu zeigen. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist und dass du dich darüber freust.
Ich liebe dich über alles, Janine. Du bist die wichtigste Person in meinem Leben.
Ein frohes Weihnachtsfest wünscht dir dein
Bärchie“
Der Brief kam – zusammen mit dem Gedicht – in einen Umschlag, auf dem ich vorne „An meine Süße“ schrieb.
Innerhalb der letzten drei Tage bis zum Heiligabend stellte sich auch heraus, dass Melanie auch bei unserer Weihnachtsfeier mit dabei sein würde. Ich hatte überhaupt nichts dagegen, weil mein familiärer Teil, der noch existierte, eben sehr klein war. Mein Onkel mit seinen Kindern konnte in diesem Jahr leider nicht zu uns kommen, umgekehrt schafften wir es in Anbetracht von mangelnden Übernachtungsmöglichkeiten aber auch nicht zu ihm. Durch meine Beziehung mit Janine war ich aber natürlich auch ganz froh, dass wir in der Stadt blieben und ich Zeit mit ihr verbringen konnte. Ich freute mich darauf, dass am Heiligabend trotzdem eine gemütliche Atmosphäre entstehen konnte, weil wir immerhin noch fünf Leute zusammen bildeten. Wer mir noch fehlte, war Tim, der allerdings mit seiner Freundin Anna zusammen die Zeit verbrachte. Außerdem hatte Tim im Gegensatz zu Janine und mir einen großen Familienkreis, der bei solchen Veranstaltungen immer zusammenkam. Dies konnte ich auch daran beobachten, als Janine und ich das letzte Silvester in Tims Garten verbracht hatten – wir sahen extrem viele unbekannte Gesichter und Tim verriet uns nur, dass er mit vielen von denen verwandt war.
In der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag, also in der Nacht auf den Heiligabend, übernachtete Janine nicht mehr bei uns und sie wollte auch nicht, dass ich bei ihr übernachtete. Auf meine Frage hin, warum sie was dagegen hatte, grinste sie nur und sagte, dass sie dies nicht verrate. Ich war mir sicher, dass sie irgendeine Überraschung für mich hatte, nur wusste ich nicht, welche das sein sollte.
Am Tag des Heiligabends stand ich für meine Verhältnisse recht früh gegen halb acht auf. Da ich am Abend zuvor früh schlafen gegangen war, kam ich am Morgen auch schnell in die Gänge. Ich lief Petra über den Weg, die in der Wohnung umher wuselte und als ich gerade damit anfing, mir Frühstück vorzubereiten, traf es mich wie ein Schlag: Ich hatte ja gar nichts für sie zu Weihnachten! Janine und ich schenkten ihr zwar einen Gutschein, ich allein aber hatte irgendwie nichts für sie, was mich reichlich unangenehm gewesen wäre.
In recht großer Eile schlang ich mein Frühstück runter. Da ich mich vor dem Rausgehen frisch machte, konnte ich mich im Badezimmer nach aller Liebe umschauen und bemerkte dabei, dass Petra scheinbar auf eine ganz bestimmte Sorte von Parfüm abfuhr. Ich prägte mir die Flaschenmarke ein und hatte somit eine absolut spontane Idee für ein Weihnachtsgeschenk. Anschließend zog ich mich an und sagte Petra, die verdattert schaute, wo ich denn hinwollte, dass ich noch kurz was zu erledigen hatte, ich aber in wenigen Stunden und vor allem natürlich rechtzeitig wieder zu Hause sei. Ich fuhr in das von uns aus gesehen nächste Einkaufszentrum, welches eine Parfümerie beinhaltete. Nach ein wenig Sucherei fand ich auch weitere Sorten dieser Marke, wovon ich eine gut riechende griff und kaufte. Da die Parfümerie zur Weihnachtszeit einen Einpackservice hatte, nutzte ich diesen gleich, sodass ich ein weiteres Problem weniger hatte. Mit dem Geschenk im Gepäck war ich nach kurzer Zeit auch wieder zu Hause. Ich stellte fest: Ich hatte noch genügend Zeit bis zum Beginn der Feier.
Während ich einen großen Teil meiner freien Zeit in meinem Zimmer verbrachte, bemerkte ich, dass meine Geschenke in diesem Jahr nicht besonders kreativ waren. Klar hatte ich das Gedicht und auch den besonderen Ring, aber mein Vater und Petra bekamen nur ein Parfüm von mir geschenkt. Bloß wusste ich auch nicht wirklich, was ich den beiden überhaupt schenken sollte. An diesem Abend verschenkte ich aber noch eine Aufmerksamkeit an Melanie. Es war nur eine Pralinenschachtel auf Anraten von Janine, weil es sich dabei um die absoluten Lieblingssüßigkeiten von Melanie handelte. Ich schrieb einen kleinen Zettel dazu, mit dem ich mich bei Melanie bedankte, dass ich unter anderem eine so tolle Woche mit Janine im Garten verbringen durfte.
Wie auch immer meine Geschenke nun waren, ändern konnte ich daran auch nichts mehr, als es langsam wieder dunkel draußen wurde. Alle, bis auf einige wenige Geschäfte, hatten geschlossen. Ich ging bewusst länger duschen, da ich wirklich frisch sein wollte. Als ich mit dem Nötigsten fertig war, zog ich mir das Hemd von dem Anzug an, den Petra mit mir zum letzten Ball gekauft hatte. Petra zwang mich schon fast dazu, weil sie meinte, dass ich ruhig am Weihnachtsabend etwas gepflegter als sonst auftreten könnte. Ich verstand schon, was sie im Kern meinte – ich sollte einfach halt nicht in meinem standardmäßigen Freizeitlook sein. Dazu zog ich mir eine normale schwarze Jeans an, und fertig war ich. Das Parfüm folgte zum Schluss und neben Petra war auch ich selbst mit mir zufrieden.
Gegen 16.30 Uhr sollten Janine und Melanie kommen, während mein Vater sich für 17 Uhr ankündigte. Um kurz vor halb fünf rief mich Tim an. Wir wünschten uns gegenseitig ein frohes Weihnachtsfest, plauderten noch kurz und beendeten das Gespräch, als in unserer Wohnung die Klingel von unten ertönte. Da Petra im Bad noch nicht ganz fertig war, ließ ich die beiden per Drücker in das Haus, worauf ich nach einer Minute die Fahrstuhltür aufgehen hörte – es quietschte. Ich wartete in der Wohnung, als ich Absätze von Schuhen vernahm. Genau in jenen Momenten wurde mir klar, warum Janine nicht wollte, dass wir uns schon vor Heiligabend sahen. Sie brauchte die Zeit, um sich fertig zu machen und wollte nicht, dass ich vorher schon sehen konnte, wie sehr sie sich hübsch gemacht hatte.
Melanie kam zuerst in unsere Wohnung und nach einer kleinen Begrüßung tauchte Janine auf. Ich musste in diesen Momenten im wahrsten Sinne des Wortes riesige Augen gemacht haben, weil sie einfach total schön aussah. Sie trug ihre langen Haare offen, hatte sich ihren Wimpern dezent schwarz geschminkt, trug ein wunderschönes rotes, von der Länge her kurzes Kleid und lief auf hohen Schuhen, womit sie mich zum ersten Mal in ihrer Größe sogar ein kleines Stück überragte. Beim Eintreten meinte sie leise: „Na, Bärchie?“ Ich war so verdattert, dass ich kein vernünftiges Wort mehr herausbekam: „Ich, ich… Ich bin…“ Sie grinste mich an und meinte: „Ich liebe dich für diese Reaktionen.“ Ich wurde offenbar wieder rot, was sie sofort bemerkte. Sie lachte leise und wir küssten uns kurz. Sie zog sich ihre Schuhe aus und ich vernahm ihren sehr süßlichen Duft, sodass ich sie fragte: „Das… habe ich bisher noch nie an dir gerochen oder täusche ich mich da?“ Sie lächelte wieder – ihr Lipgloss funkelte – und meinte: „Ich habe mir diesen Duft vor kurzem erst neu gekauft. Ich fand ihn sehr passend für den heutigen Abend.“ Darauf gab sie mir einen Kuss an den Hals und ich bat sie liebevoll darum, mit in das Wohnzimmer zu kommen, wo Melanie sich setzte und Petra aus dem Bad herauskam, um sie und Janine zu begrüßen. Mit einem besonderen Blick verriet Janine mir, dass sie wohl für ein paar Momente mit mir in mein Zimmer allein sein wollte. Ehe ich was sagen oder fragen konnte, meinte Petra: „Wenn ihr mögt, könnt ihr ruhig noch ins Zimmer gehen.“ Sie schaute mich an und sagte: „Bis dein Vater kommt, dauert es ja noch ein bisschen und das Essen ist ja nun auch nicht fertig. Hilfe brauche ich erst nachher wieder, ich gebe dir Bescheid.“
Ich nickte und Janine und ich gingen in mein Zimmer, welches ich natürlich auch wegen des besonderen Anlasses absolut ordentlich herrichtete. Ich schloss die Tür hinter mir und wir setzten uns auf das Bett. Ich fragte, nachdem ich sie nochmals komplett angeschaut hatte: „Wie lange hast du gebraucht, um dich so hübsch zu machen?“ – „Auf jeden Fall hat das schon eine Weile gedauert. Aber ich muss dir sagen, du siehst auch so richtig toll aus. So würde ich dich gerne irgendwann wieder sehen…“ – „Wenn man mich darum bittet, kann ich das auch arrangieren.“ Wir grinsten und ich fragte sie: „Ich weiß ja nicht… Aber hast du irgendeinen Wunsch, wann wir unsere eigene kleine Bescherung machen wollen?“ – „Ehrlich gesagt, ich fände es toll, wenn wir die Bescherung jetzt machen würden. Ich weiß ja nicht, wie spät es heute Abend ist, bis meine Mutter und dein Vater gehen. Aber je nachdem, wie spät es ist, möchte ich gerne heute Abend oder Nacht noch Zeit mit dir haben… wenn du verstehst, was ich meine.“ Sie lächelte und mir wurde klar, auf was sie vermutlich in der kommenden Nacht wieder hinauswollte.
Bei meiner Nachfrage, wer von uns denn zuerst anfangen sollte, wollte sie unbedingt, dass ich zuerst ihr Geschenk öffnete. Es war ein recht kleines Geschenk, welches – typisch für Janine – perfekt verpackt war. Nachdem ich es langsam entblättert hatte, lag ein weißer, kleiner Karton vor mir, den ich neugierig öffnete. Als ich das Innere herausholte, kam mir eine sehr elegante Uhr entgegen. Ich war einfach total überrascht, dass Janine mir eine Uhr schenkte. Zugleich musste ich mir wieder eingestehen, dass Janine einfach ein wirklich aufmerksamer Mensch war, der mich zudem an einer Stelle gut austrickste. Ich erinnerte mich an das Gespräch zwischen ihr und mir, als wir im Einkaufszentrum vor dem Schmuckladen standen und sie mich auf das Thema Uhr ansprach, weil ihr auffiel, dass ich gar keine mehr trug.
Ich war total verdattert und küsste Janine ausgiebig, um sie nach einem „Vielen… vielen Dank“ fest zu umarmen. Nach unserer langen Umarmung legte Janine mir die Uhr direkt um, wo ich erneut feststellte, wie sehr mir die Uhr wirklich gefiel.
Ich widmete mich Janines Geschenk und holte den eingepackten Ring aus einer Schublade heraus. Ich stand so, dass sie das Geschenk nicht sehen konnte, kniete mich ohne Vorwarnung vor sie hin und begann mit meinem Gedicht, was ich extra für diesen Anlass auswendig gelernt hatte:
„Meine liebe Süße!
Nahezu immer kalt sind deine Füße.
Doch darum soll es jetzt nicht gehe,
es hat einen Grund, warum ich jetzt nicht stehe.
In der siebten Klasse lernten wir uns wirklich kennen,
und konnten nicht viel mehr, als den Namen des anderen nennen.
So richtig fing unsere Freundschaft erst an,
als die zehnte Klasse begann.
Wir mochten uns im Laufe sehr,
darum fiel es mir sehr schwer,
in dich nicht verliebt zu sein;
mein Gewissen war nicht ganz rein.
Es war irgendwann so weit,
ich liebte dich nicht mehr.
Jedoch – in der gleichen Zeit,
entwickelten sich deine Gefühle für mich sehr.
Nach ewig langem Hin und Her,
überwand ich meinen inneren Bär,
nun stimmte ich in die Liebe ein,
und auch heute soll es so sein.
Mit dem Gedicht am heutigen Tag,
bekomme ich diese Möglichkeit, ich sag:
Ich liebe dich vom ganzen Herzen,
ohne böse Gedanken und Schmerzen.
Darum wünsch ich uns beiden,
es lasse uns nichts scheiden,
ich will mein Leben mit dir leben,
und würde meines für dich auch geben.“
Ich schaute weiterhin in Janines Augen und bemerkte Tränen, da sie so gerührt von dem Gedicht war. Ich hatte nicht gedacht, dass mein Gedicht solch eine Wirkung auf sie erzielte. Ehe sie was sagen konnte, ergänzte ich das Gedicht noch um eine letzte Strophe:
„Findest du nicht auch,
scheiß auf den ganzen Brauch!
Eine weihnachtliche Nacht,
ist die, die richtig kracht.“
Daraufhin schaute sie mit zahlreichen Tränen im Gesicht grinsend zu mir. Ich nahm ihre Hand, öffnete sie und legte meinen verpackten Ring in ihre Hand. Sie flüsterte leise: „Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich möchte dir sagen, dass ich dich über alles liebe.“
Sie nahm das kleine Geschenk und öffnete es ganz vorsichtig. Sie fand innen den Ring vor, den sie zittrig aus der Schatulle nahm. Bevor sie ihn sich aufsteckte, sagte ich leise: „Schau dir die Innenseite an.“ Das tat sie auf meine Aufforderung hin und las die Eingravierung, worauf sie ohne Vorwarnung anfing, so richtig zu weinen. Ich setzte mich direkt wieder neben sie und nahm sie in den Arm. Nach wenigen Momenten meinte sie: „Das ist wirklich das wundervollste Geschenk, was du mir machen konntest. Ich hätte nie gedacht, dass du mir ein Gedicht schreibst. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Du bist für mich natürlich auch der wichtigste Mensch im Leben! Ich liebe dich auch über alles.“ Wir küssten uns lang und so richtig zärtlich. Sie steckte sich den Ring auf und küsste mich daraufhin erneut. Ich war heilfroh, dass ihr der Ring passte und dass mein Plan, ihre Ringe vorher abzumessen, genau aufging.
Als sie die Fassung ein wenig wieder bewahrt hatte, meinte ich zu ihr: „Schau, der Umschlag gehört auch noch dir.“ Sie öffnete den Umschlag, fand den Brief vor und las ihn. Anschließend umarmte sie mich und meinte: „Ich wünsche dir auch ein wunderschönes Fest, Bärchie.“ Sie achtete darauf, dass ihre Schminke möglichst nicht zu sehr verlief und schüttelte in den wenigen Minuten, die wir da noch zusammen verbrachten, mehrfach den Kopf, weil sie mit dieser Art von Überraschung nun wirklich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Nachdem sie das Gedicht erneut gelesen hatte, fragte sie mich: „Aber… Die letzte Strophe steht hier ja gar nicht darauf.“ – „Eigentlich war die letzte Strophe auch nicht Teil des Gedichts, aber ich fand diese Strophe so witzig, dass ich sie auch auswendig gelernt habe, weil ich dich damit zum Lachen bringen wollte. Das hat perfekt funktioniert.“ – „Du bist echt ein zu lieber Kerl für diese Welt!“ Wir umarmten uns lange Zeit, in der wir in meinem Zimmer waren, ohne großartig viel zu sagen. Genau während dieser Momente ging nach einem Klopfen plötzlich meine Zimmertür auf und Petra sagte mir, dass das Essen einerseits fertig war und andererseits Christian sogleich in die Wohnung eintreten würde.
Janine und ich lösten unsere Umarmung und ich führte sie, nachdem ich sie an die Hand nahm, nach draußen. Im Wohnzimmer sah ich meinen Vater, dem ich wie immer zur Begrüßung einen festen Händegriff gab. Als Christian Janine sah, konnte er sich denken, wer sie war. Bevor einer der beiden überhaupt irgendwas sagte, übernahm ich die Vorstellung: „Janine, das ist mein Vater. Christian, das ist meine Freundin Janine.“ Nachdem sich beide die Hand gegeben hatten, meinte er zu mir: „Also lerne ich doch endlich deine Freundin persönlich kennen, nachdem ich so einiges über dich in der Vergangenheit gehört habe.“ Er grinste, worauf mich Janine fragend anschaute – ich flüsterte ihr wenige Momente später leise ins Ohr: „Ich habe mich vor allem von ihm beraten lassen, als es darum ging, ob ich mir mehr mit dir vorstellen könnte oder nicht. Das war noch, bevor wir zusammen waren. Mach dir einfach keine Gedanken, ich habe ihm auch keine wirklichen Details erzählt.“ Es war ja auch tatsächlich so, dass ich ihm keine sexuellen und dementsprechend intimen Details erzählte. Es gehörte sich meiner Meinung nach einfach nicht, dass solche Geheimnisse ausgeplaudert wurden, sofern Partner nicht direkt gesagt hatten, dass sie damit kein Problem haben würden. Anschließend stellten sich Melanie und Christian auch noch einander vor. Mein Vater setzte sich mit jeweils ein bisschen Abstand zwischen Petra und mir. Direkt neben Petra saß noch Melanie an dem einen Ende, während neben mir Janine am anderen Ende saß. Nachdem Janine und ich saßen, lehnte sich Janine mit dem Kopf an meine Schulter, was mich auch vor den anderen nicht störte. Allerdings musste ich zugeben, dass ich Janine nicht unbedingt intensiver küssen wollte, weil mir das ehrlich gesagt einfach etwas zu unangenehm gewesen wäre.
Petra flitzte in die Küche, wo sie das Essen vorbereitete. Ich stand auf und half Petra beim Anrichten. Als wir alle fünf wieder saßen, wünschten wir uns ein frohes Fest und einen gesunden Appetit – daraufhin begannen wir mit dem Essen und die lockeren Gespräche zwischen den drei Erwachsenen begannen. Damit konnte ich trotz der anderen drei mehr oder minder ungestört mit Janine sein, die peinlich genau darauf achtete, wegen ihres Kleides nicht zu kleckern. Ich konnte ihre Vorsicht gut verstehen.
Janine war immer noch total verdattert von meinem Weihnachtsgeschenk, sodass sie während des Essens erneut leise darauf zu sprechen kam: „Ich… So ein schönes Geschenk hat mir bisher noch keiner gemacht.“ Ich lächelte, weil ich nicht wusste, was ich darauf sagen sollte. Sie führte fort: „Nach dieser wunderschönen Idee habe ich ein ganz komisches Gefühl im Magen, aber es ist ein total schönes Gefühl. Ich habe das so sehr noch nie bisher gespürt.“ – „Na siehst du, so hat mein Gedicht doch seinen Sinn erfüllt und uns noch weiter zusammengeschweißt.“ – „Ja, das wird das Gefühl sein, es ist wohlig warm.“ Janine führte fort: „Ich weiß gar nicht, wie ich mich dafür revanchieren kann. So ein schönes Geschenk ist einfach einmalig, das kann man gar nicht selbst verschenken. Und wenn ich dir jetzt ein Gedicht oder so schreiben würde, wäre das doch nur nachgemacht.“ – „Solange etwas vom Herzen kommt, ist es egal, ob man irgendjemand oder irgendetwas nachgeahmt hat. Es geht nur um den Gedanken, der dahintersteckt. Ich wollte dir einfach ausdrücken, wie sehr ich dich liebe, Süße.“ – „Das hast du wirklich schön gesagt.“ Sie gab mir einen kleinen Kuss an den Hals und aß wie ich weiter.
Als ich mit dem Essen fertig war, schaute ich Janine und den anderen noch ein wenig zu, da ich aus irgendeinem Grund mit meinem Essen wirklich schnell war. Erst, als alle fertig waren, brachte ich das ganze Besteck nach draußen in die Küche. Anschließend ging ich wieder ins Wohnzimmer und setzte mich erneut direkt neben Janine. Ich sah, wie alle drei Erwachsenen sich zunickten und mein Vater meinte: „Also, ihr seid ja nun auch keine fünf mehr, dass wir uns genau an eine bestimmte Zeit der Bescherung halten müssen. Wenn ihr wollt, können wir die Bescherung auch gerne jetzt schon machen.“
Ich musste ehrlich zugeben, dass es mir zu Weihnachten überhaupt nicht auf die Geschenke ankam. Ich hatte an sich ein so tolles Leben, dass ich mir so gut wie nichts wünschte. An Weihnachten war es mir vor allem wichtig, die Menschen, die ich liebte oder liebhatte, in meiner Umgebung zu haben, was fast komplett der Fall war. Einzig und allein Tim fehlte hauptsächlich, aber ich hatte für seine Lage natürlich volles Verständnis.
Bevor Janine oder ich aufstanden, sagte ich: „Damit wir nicht die einzigen sind, die Geschenke aufmachen, schlage ich vor, dass wir beiden euch…“ Janine und ich schauten uns an. „… unsere Geschenke auch jetzt schon geben, damit wir alle gleichzeitig was zum Öffnen haben.“ Sie ergänzte den zweiten Teil, weil sie genau wusste, was ich sagen wollte. Daraufhin nickten wir alle symbolisch, worauf ich in mein Zimmer ging, und die Geschenke für die anderen holte. Janine wiederum holte synchron aus ihrer Tüte im Flur ihre Geschenke.
Ich gab Petra das Frauenparfüm, meinem Vater das Herrenparfüm und letztlich ging ich zu Melanie, die überrascht war, dass ich noch zu ihr ging. Ich sagte ihr: „Das ist eine kleine Aufmerksamkeit für die schöne Zeit, die du Janine und mir ermöglicht hast.“ Ich gab ihr daraufhin die Pralinen mit dem kleinen Zettel, den sie sich nochmals durchlas. So richtig lieb fand ich, dass Melanie mich drückte, sodass es sich für mich so anfühlte, dass Melanie spätestens jetzt auch Teil meiner Familie war. Ich hatte durch meine Zeit mit Janine auch so viel Zeit mit Melanie schon verbracht, dass sie für mich irgendwie auch eine Art Ersatzmutter war. Auf jeden Fall war Melanie sehr angetan davon, dass es ihre Lieblingspralinen waren, sodass ich mir noch den Kommentar anhören durfte, wie sehr sie sich Sorgen um ihre Figur machte, wenn sie über meine Pralinenpackung zu sehr herfallen würde.
Janine wiederum gab ihrer Mutter ein Geschenk und ging zu Petra, der sie einen Frisörgutschein schenkte. Der Betrag des Gutscheines war schon ziemlich hoch, weil ich mich an diesem Gutschein finanziell ebenfalls beteiligte. Petra hatte im Beisein von Janine immer und immer wieder gesagt, dass sie sich endlich Zeit für den Frisör nehmen wollte, was sie aber irgendwie niemals tat. Da wir sie endlich dazu bekommen wollten, sich die Zeit zu nehmen, versuchten wir mit diesem Gutschein das Ganze in die richtigen Bahnen zu lenken. Petra war wirklich ehrlich angetan davon und als sie mich zum Dankeschön drückte, flüsterte sie leise: „Das habe ich eigentlich nicht verdient, nach dem, wie ich dich in diesem Jahr in Stich gelassen habe.“ Ich war erschrocken, dass sie darüber noch nachdachte, weil ich ihr das schon lange verziehen hatte. Daher sagte ich leise: „Denke nicht weiter darüber nach, es ist alles in Ordnung. Schön, wenn Janine und ich mit unserer Vermutung richtig gelegen haben, dass dir das gefallen könnte.“
Erst, als Janine wieder neben mir auf dem Boden saß, begann ich mit dem Auspacken meiner Geschenke. Mein Vater hatte mir, wie ich es vorher wusste, Technik für den Computer geschenkt, während Petra mir neben ein wenig Kleidung auch einige Bücher schenkte, die mich vom ersten Eindruck sehr interessierten. Ich bedankte mich bei beiden und freute mich riesig über die Sachen. Janine war nach dem Auspacken auch sehr glücklich, weil ihre Mutter ihr die Kleidung bzw. das bessere Smartphone, welches sie sich wohl gewünscht hatte, ermöglichte.
Nach dem Auspacken – Janine und ich saßen wieder an der gleichen Stelle, wo wir vorher saßen – fragte mich mein Vater auf einmal: „Apropos, Marc…“ Ich sah, dass Janine anfing, zu lächeln. „Hast du etwa deiner Freundin nichts geschenkt? Ich habe gar kein Geschenk gesehen.“ Eins musste ich meinem Vater lassen: Er war aufmerksam. Ich entgegnete ihm: „Weißt du, Janine und ich haben uns vorhin beschenkt, kurz, bevor du kamst.“ Da ich nichts mehr dazu sagen wollte, verstummte ich, doch Janine meinte: „Er hat mir zwei Sachen geschenkt. Das eine kann ich hier zeigen.“ Sie hielt den dreien ihren rechten Ringfinger entgegen, an dem sie sich den Ring angesteckt hatte. „Im Ring sind unsere beiden Namen eingraviert.“ Mein Vater pfiff leise und meinte: „Ich wusste doch schon immer, dass mein Sohn das richtige Gespür dafür hat, was man einer Frau schenken sollte. Von wem er das nur hat…“ Janine und ich lachten, während Petra hinzufügte: „Also ganz bestimmt nicht von dir!“ Daraufhin lachten wir noch mehr und mein Vater fragte nachträglich: „Und was ist die zweite Sache?“
Janine schaute mich an und ich machte mit meinen Augen klar, dass ich nicht unbedingt wollte, dass das Gedicht zur Ansprache kam. Sie fand zumindest den Mittelweg: „Er hat mir einen langen Brief dazu geschrieben. Aber den werde ich nicht vorlesen, der geht nur uns etwas an.“ Sie küsste mich darauf überraschend, was ich erwiderte, und nach dem kurzen Kuss grinsten wir. Christian beendete sein Gesprächsthema: „Das klingt nach einem tollen Geschenk, und das mein ich ernst.“ Er zwinkerte und ich fühlte mich einfach wohl. Janine sprach den Schlusssatz dieses Gesprächspunktes: „Ich kann sagen, dass es wirklich eine sehr schöne Idee war, weil ich damit nun überhaupt nicht gerechnet habe.“ Sie kuschelte sich darauf an meine Schulter und die anderen im Raum grinsten oder lächelten.
Im weiteren Verlaufe des Abends zeigte ich natürlich auch die Uhr und wir redeten allesamt noch eine Weile, bis sich Melanie verabschieden wollte. Mein Vater nahm dies auch als Anlass, zu gehen, sodass wir uns alle langsam voneinander verabschiedeten und ich beide mit Petra zur Tür brachte. Darauf ging ich zurück ins Wohnzimmer, wo Janine noch allein auf der Couch saß und mich mit einem Kuss empfing. Petra meinte: „So… Und das war nun wieder ein Weihnachten, was wir rumbekommen haben.“ Während Janine schon in mein Zimmer ging, meinte ich zu Petra: „Was ist denn los? Du klingst nicht so zufrieden. Ich fand den Abend echt schön.“ – „Der Abend war wirklich schön, da hast du Recht. Na ja, ich hätte gern noch Bernd dabei gehabt… Aber er wollte ja unbedingt mit seiner Familie und seinen Freunden den Abend verbringen.“ Irgendwie hatten wir immer noch nicht über ihren Freund gesprochen und so war es das erste Mal, dass ich überhaupt seinen Namen erfuhr. Wir lachten drüber, und ich fragte: „Wollten wir nicht schon vor Monaten endlich über ihn sprechen?“ – „Ja, wir sprechen noch über ihn, versprochen.“ – „Wollen wir heute noch darüber quatschen?“ Petra wuschelte mir über den Kopf und meinte: „Das rennt nicht weg.“ Sie sah meinen leicht sorgenvollen Blick und sagte: „Du, mach dir da keine Gedanken. Das ist wirklich lieb von dir, aber ich finde es schön, Janine und dich so glücklich zu sehen. Ich freue mich immer selbst dabei, wenn ich sehe, wie gut ihr euch versteht.“ – „Das ist richtig schön gesagt.“ – „Ich werde nur noch ein wenig das Wohnzimmer aufräumen und lege mich schlafen.“ – „Kann ich dir beim Aufräumen helfen?“ – „Nein, das brauchst du nicht, ich mach das bisschen schon allein. Geh zu Janine, sie wartet auf dich.“ Sie zeigte hinter mich, dort sah ich Janine stehen, die mich anlächelte. Janine und ich wünschten Petra eine gute Nacht, außerdem machte ich ihr mit einem Zwinkern klar, dass ich mich für ihr Verständnis bedankte und ging mit Janine wieder in mein Zimmer, wo ich die Tür verschloss. Wir setzten uns auf mein Bett und ich fand Janine in dem Kleid einfach extrem erregend. Sie zog mich einfach an, obwohl man eigentlich überhaupt nichts sehen konnte.
Ich sagte zu ihr: „Weißt du, das war das schönste Weihnachten, was ich jemals bisher hatte. Wenn ich die Weihnachtsabende mit meinen Eltern und dem Rest meiner Familie von damals nicht dazu zähle.“ Ich wurde ein wenig nachdenklich, was sie direkt bemerkte. Sie kuschelte sich im Sitzen an mich und meinte: „Ach, mach dir nicht so viele Gedanken darum. Der Abend war wirklich der schönste Abend. Versuche einfach, die Vergangenheit zu akzeptieren und siehe es als etwas Schönes an, was du in der Vergangenheit für schöne Erinnerungen hattest. Dazu zählt natürlich auch der heutige Abend.“ – „Ja, du hast Recht.“ Janine fing an, mich sanft zu küssen. Nach und nach kamen die Berührungen am Körper dazu und das Entkleiden der Kleidungsstücke von uns. Allerdings mussten Janine und ich dieses Mal darauf achten, dass ihr Kleid unbeschadet ausgezogen wurde, was für uns in diesen wenigen Momenten hieß, dass wir uns etwas zurückhalten mussten. Nach dem stückweisen Entkleiden und einiger Zeit, welches einfach nur das gegenseitige Erregen an erogenen Zonen beinhaltete, kam es wieder zum Sex mit Janine. Ich fühlte mich irgendwie komisch, dass ich am Heiligabend mit Janine geschlafen hatte, was halt an diesem besonderen Tag selbst lag. Nicht allzu lange danach legten wir uns auch schlafen.