Kapitel 43

Krankheit

Am nächsten Morgen verlief alles so normal wie sonst auch. Als ich bei der U-Bahn auf Janine wartete, kam sie allerdings nicht mit dem Bus, den sie sonst immer nahm. Auch die nächsten zwei Busse, die darauffolgten, brachten sie nicht zu mir. Ich schrieb ihr eine Nachricht, die sie aber nicht las und nicht beantwortete. Um nicht zu spät zum Unterricht zu kommen, fuhr ich schon zur Schule, aber Janine antwortete mir auch in dieser Zeit nicht. Ich verstand nicht, was los war. Tim, den ich fragte, wusste auch nicht, was mit ihr war. Meine Sorgen, dass es mit den Symptomen vom Abend zusammenhängen konnte, verstärkten sich. Daher suchte ich mir in der ersten großen Pause ein ruhiges Plätzchen und rief Janine direkt an. Nach wenigen Malen Klingeln kam sie heran: „Ja?“ – „Hey. Wieso bist du denn nicht in der Schule?“ Ich hörte bereits an ihrer Stimme, dass es ihr alles andere als gut ging: „Mir geht es überhaupt nicht gut… Ich weiß auch nicht. Als ich heute früh aufstehen wollte, kam ich einfach nicht aus dem Bett. Mein Kopf brummt und mein Hals tut total weh.“ Sie hustete lautstark und ergänzte: „Neben meinem Schnupfen habe ich jetzt auch noch Husten. Das ist mir alles zu viel.“ – „Hey, soll ich nach der Schule bei dir vorbeikommen?“ – „Ne. Ich will dich nicht damit auch noch anstecken. Also, ich werde diese Woche bestimmt nicht in die Schule kommen können. Bist du so lieb und sagst in der Schule Bescheid, dass ich in den nächsten Tagen wegen Erkältung nicht komme?“ Sie nieste und nach meinem obligatorischen „Gesundheit“ sagte ich: „Na klar. Leg dich zurück ins Bett und kuriere dich schön aus. Süße, du tust mir leid.“ – „Na ja, das wird schon. Ich liebe dich.“ – „Ich dich auch!“

Nach dem Gespräch ging ich zu Tim, dem ich die Symptome schilderte. Er meinte recht entspannt, dass das halt nach Erkältung oder Grippe klang. Ich hingegen machte mir nach dem Gespräch mit Janine noch mehr Sorgen, da sie wirklich schlecht klang.

Kurz, nachdem ich von der Schule nach Hause kam, rief ich Janine erneut an, weil ich mir Sorgen um sie machte. Sie erklärte mir, dass sie noch ein Problem mit der Entschuldigung für die Schule hatte, da sie nach drei Tagen spätestens ein Attest benötigte und dieses in der Schule vorgelegt werden musste. Sie sagte mir: „Na toll. Wie soll ich die denn hinbringen, wenn ich krank bin? Ist das bescheuert!“ Sie regte sich selbstverständlich auf, was auch ich so ziemlich nachvollziehen konnte – die Regel war ziemlich bescheuert, da das größte Problem erst kam, wie Janine feststellte: „Ich habe meine Mutter auch angesteckt oder sie hat mich angesteckt. Ich weiß es nicht genau. Zumindest sollen wir nicht aus dem Haus, hat der Arzt heute gesagt. Er hat uns Bettruhe verordnet. Wie sollen wir jetzt die Entschuldigung hinbekommen? Mit der Post würde ich das auch nicht unbedingt hinschicken wollen.“ – „Na ja, mache ich das halt.“ – „Würdest du das machen?“ – „Na klar, das ist doch keine große Arbeit. Ich weiß nur nicht, wie ich die Entschuldigung abholen soll, wenn ihr ja krank seid. Ich will mich nicht auch noch anstecken.“ – „Wir können dir das ja irgendwie an die Türklinke hängen oder so. Sagst du nur kurz vorher Bescheid?“ – „Na gut, das klingt doch gut. Wollen wir das gleich heute machen? Dann ist unsere liebe Schule wenigstens gleich beruhigt.“ – „Ja, klar. Gehst du gleich los?“ – „Wenn du willst, ja.“ – „Na gut, ich sag meiner Mutter, dass sie die Entschuldigung schreiben soll.“ – „Ist ok. Ich bin so in einer halben Stunde vor eurer Tür!“

Ich machte mich auf den Weg und fand die Idee, die die beiden hatten, richtig niedlich. Sie hatten an einer Ecke der Entschuldigung ein Loch mit einem Locher rein gestampft und dadurch eine kleine Schnur gezogen, deren Enden sie letztlich zuknoteten. Diese Schnur hingen sie an den Knauf über ihrem Wohnungstürschloss. Ich griff diese Schnur und fuhr wieder nach Hause. Da ich neugierig war, las ich die Entschuldigung, in der zusätzlich noch enthalten war, dass ich die Entschuldigung im Auftrag von Janines Mutter abgeben sollte, da beide wegen ihrer gemeinsamen Erkrankung nicht aus dem Haus gehen sollten. Ich musste zugeben, dass die Gefahr, mich anzustecken, mit dieser Art der Übergabe natürlich genauso bestand, auch wenn sie sicherlich geringer war. Aber ich blendete diese Gedanken schnell wieder aus.

Am nächsten Schultag ging ich zu dem Abitur-Verantwortlichen der Schule und drückte ihm die Entschuldigung in die Hand, die er wohlwollend zur Kenntnis nahm. Er fragte mich: „Geht es der Familie denn wirklich so schlecht?“ – „Ja. Ich habe die beiden nur ganz kurz gesehen und sie klangen nicht gut.“ Ich log ihn an, weil ihn die Details nichts anging. „Na gut, wenn du mit Janine in den nächsten Tagen sprechen solltest, wünsche ihrer Familie eine gute Besserung von mir.“ – „Das mache ich.“

Ich rief am Nachmittag wieder bei Janine an und sie ging nicht heran. Ausnahmsweise rief ich auf dem Festnetz an und Melanie nahm ab. Bei meiner Nachfrage, ob ich denn mit Janine sprechen könne, sagte sie mir, dass sie derzeit im Bett war und schlief. Zudem sagte sie mir, dass es ihr richtig schlecht ging und dass sie seit langer Zeit nicht mehr so fertig aussah. Melanie machte mir unabsichtlich mit ihren Aussagen noch riesigere Sorgen, die mich im Innern halb auffraßen. Ich konnte nichts tun – das war das Schlimmste daran. Ich hoffte, dass sich ihr Zustand möglichst schnell besserte.

Am nächsten Schultag wartete ich sehnsüchtig darauf, dass endlich die letzte Stunde ein Ende fand, da ich Janine anrufen wollte. Gesagt, getan – sie klang nicht gut. Sie wusste selbst nicht so richtig, was sie hatte, und meinte, wenn es in den nächsten Tagen nicht besser werden sollte, dass sie bestimmt noch zum Arzt gehen müsse. Sie machte sich Sorgen, dass sie eventuell ins Krankenhaus musste, wenn es einfach nicht besser werden sollte. Ich versuchte sie zu beruhigen, was mir halbwegs gelang. Mir selbst fiel es auch schwer mit der Situation umzugehen, weil ich mir vermutlich noch mehr Gedanken um ihre Gesundheit machte, als sie es selbst tat. Nach dem Gespräch mit Janine war ich zwar nicht wirklich beruhigt, aber mir ging es ein wenig besser, weil wir überhaupt gesprochen hatten.

Die letzten Schultage der Woche vergingen, das Wochenende kam und Janine ging es nur ein bisschen besser. Wir schrieben im Laufe der Tage regelmäßig Nachrichten hin und her, was mich immerhin ein wenig beruhigte, da ich damit immerhin die ganze Zeit im Bilde war, wie es ihr ging. In den Nachrichten mit ihr gab es an einem der Abende etwas Besonderes, weil wir plötzlich ziemlich doppeldeutige Nachrichten schrieben. Ursprünglich war das völlig unabsichtlich, aber innerhalb weniger Nachrichten wurden wir ziemlich eindeutig. Richtig gemein wurde es, als Janine mir ohne Vorwarnung eines ihrer freizügigen Bilder schickte, welches sie im Garten gemacht hatte. Sie machte mich mit dem Bild extrem an und ich hatte das Gefühl, dass sie das in diesem Moment irgendwie genoss. Direkt nach dem Bild rief ich sie eiskalt an, auch, wenn ich wusste, dass sie kaum Stimme hatte und nicht besonders gut sprechen konnte. „Das Bild ist echt mega… geil.“ Sie schmunzelte hörbar und meinte nach einem Husten: „Ich habe davon noch einige mehr, alle kennst du definitiv noch nicht.“ – „Nicht?“ – „Ne, ich wollte mir ja ein paar Überraschungen aufheben. Die bekommst du bestimmt auch bald zu sehen.“ – „Ich unterschätze dich ehrlich gesagt immer wieder.“ Wir schmunzelten und ich erwischte mich an diesem Abend immer wieder dabei, dass ich mir Janine freizügiges Bild anschaute. Zusätzlich schaute ich mir auch die Bilder an, die sie im Fotoladen drucken ließ…

Das Wochenende ließ ich wirklich entspannt angehen. Ich machte bewusst am Freitag bereits die Hausaufgaben, sodass ich am Samstag die Füße hochlegen konnte. Ich verbrachte definitiv zu viel Zeit vor meinem PC, um mich von meinen Sorgen abzulenken, aber auch die Seele baumeln zu lassen. Für den Sonntag nahm ich mir vor, für Klausuren in der nächsten Woche zu lernen, da es dort mit meiner ersten Klausur losging.

Nachdem ich Janine schon eine gute Nacht gewünscht hatte, klingelte plötzlich um 23 Uhr mein Handy – Melanie rief mich an. Mein Magen fühlte sich sofort unwohl in diesem Moment an, als wenn jemand hineingetreten hätte. „Hey, stimmt irgendwas mit Janine nicht?“ – „Marc, hör zu. Janine hat auf einmal Schüttelfrost bekommen, der hat ewig nicht aufgehört und da bin ich jetzt direkt mit ihr ins Krankenhaus gefahren. Sie wird gerade untersucht. Als wir hier ankamen, hatte sie auch noch kurz Schüttelfrost und ihr ging es wirklich nicht gut.“ – „Fuck, fuck. Ich komme vorbei!“ – „Ist das nicht ein bisschen zu spät und zu gefährlich, wenn du jetzt noch herfährst?“ – „Das ist mir Janine aber wert! Ich bin volljährig, abgesehen davon.“ – „Hast natürlich auch wieder Recht, ich mach mir halt Sorgen. Ich kann dich nachher nach Hause fahren, so brauchst du den Weg nicht auch noch zurück. Wenn ich jetzt nicht bei Janine bleiben würde, hätte ich dich ja abgeholt, aber es wird besser sein, wenn ich bei ihr bleibe.“ – „Ist in Ordnung, danke.“ Melanie gab mir die Adresse des Krankenhauses und als erstes rief ich nach dem Gespräch Petra an, der ich erzählte, was passiert war. Sie war genauso wie Melanie besorgt, dass mir auf dem Hinweg noch was passieren könnte, aber sie hatte Verständnis dafür, dass ich mir um Janine totale Sorgen machte. Ich zog mir wieder normale Kleidung an, da ich eigentlich schon bettfertig war, griff Portemonnaie und Handy und fuhr ziemlich hektisch los. Erst, als ich bei der U-Bahn ankam, stellte ich mir die Frage, wie ich auf dem schnellsten Weg zum Krankenhaus kam. Daher suchte ich mir schnell eine mögliche Verbindung an den Infoplänen und stieg in die fast leere U-Bahn ein. Dass ich mein Smartphone auf dem Weg zur U-Bahn hätte verwenden können, fiel mir einfach gar nicht ein, weil ich solch einen Tunnelblick angenommen hatte. Nach einigen Stationen stieg ich aus und wartete – unangenehmerweise ganz allein – an der Bushaltestelle auf den Bus, der mich direkt zum Krankenhaus bringen sollte.

Als ich ins Krankenhaus eintrat, suchte ich mithilfe der Informationen die richtige Station und fand Melanie sitzend im Wartebereich. Ich war zugegeben überrascht, dass ich beim Empfang des Krankenhauses nicht aufgehalten wurde, weil es schon so spät war, dass ich als Besucher normalerweise eigentlich gar nicht dort sein durfte. Nach einer verständlicherweise eher trockenen Begrüßung sagte mir Melanie, dass der behandelnde Arzt die Vermutung nahelegte, dass Janine eine Lungenentzündung hatte. Da er sich nicht eindeutig sicher war, war Janine noch zum Röntgen gebracht worden. Wodurch es mir ein wenig besser ging, war die weitere Aussage von Melanie, da der Arzt davon ausging, dass Janine ihre Lungenentzündung mit Antibiotika auch zu Hause kurieren könne, weil sie wohl nicht so kräftig ausfiel, trotz ihrer heftigen körperlichen Reaktionen.

In der Zeit, in der wir darauf warteten, wie es nun mit Janine weiter ging, sagten weder Melanie noch ich etwas. Wahrscheinlich ging es uns ziemlich nah, dass wir gar nicht wussten, was wir eigentlich machen sollten. Nach einer ganzen Weile kamen Janine und Arzt aus einem der Zimmer und gingen zu uns. Der Anblick, der sich mir bot, war einfach grausam. Janine, total ungepflegt, kam recht schlapp wirkend uns entgegen und – ob ich mich hätte anstecken können, oder nicht – ich ging nah an sie heran und wir umarmten uns. Sie ließ sich mit ihrem Gewicht fast komplett auf mich fallen, sodass ich es ein wenig schwer hatte, mit ihr das Gleichgewicht zu halten. Wir blieben lange Zeit so umarmt – in dieser Zeit redete Melanie mit dem Arzt. Da sich die beiden ein wenig von uns entfernt hatten, bekam ich mehr als sinnlose Fetzen leider nicht mit. Janine ließ mich los und fragte mich mit heiserer Stimme: „Warum bist du hier? Nicht, dass du dich auch noch ansteckst…“ – „Mach dir da keine Sorgen. So schnell wirft mich schon nichts aus der Bahn. Wichtig ist nur, dass du wieder gesund wirst, Süße.“ – „Na ja, bis dahin wird es nicht mehr allzu lange dauern.“ – „Woher weißt du das?“ – „…“ Sie sprach so leise, dass ich gar nichts mehr verstand, sodass ich nachfragte und sie mir ins Ohr flüsterte: „Der Arzt meinte, nachdem er die Röntgenaufnahmen gesehen hat, dass es gar nicht so schlimm ausschaut. Er sagte, dass ich eine Lungenentzündung habe und schleunigst wieder Bettruhe bekommen soll. Ich soll die nächsten zehn Tage Antibiotika nehmen.“ Sie nieste und ergänzte: „Er meinte, ich könnte hierbleiben, wenn ich das möchte. Aber ich will das nicht, ich fühle mich zu Hause viel wohler. Er hat gesagt, dass zu Hause auskurieren auch völlig ok ist.“ – „Das kann ich verstehen. Aber das ist doch gut, wenn es dir jetzt bald wieder besser geht!“ – „Ja, endlich können wir wieder unsere Zeit miteinander verbringen.“ Der Arzt bat Janine und ihre Mutter nochmals in ein bestimmtes Zimmer, ich wartete draußen, weil ich ja nur indirekt dazugehörte.

Nach einigen Minuten kamen sie wieder heraus und verabschiedeten sich vom Arzt. Ich stützte Janine ein wenig, als wir zu Melanies Auto gingen. Glücklicherweise besaß sie das Auto, weil das alles sonst wesentlich unangenehmer für Janine hätte werden können – einerseits wäre sie nicht so schnell ins Krankenhaus gekommen, andererseits wäre sie auch nicht so schnell weg gekommen…

Janine kuschelte sich in meine Arme, als wir auf der hinteren Bank im Auto saßen. Ich konnte mehr als verstehen, dass sie total fertig war. Letztendlich ging es mir psychisch auch nicht viel besser, weil mich ihr Zustand bedrückte. Aber, was mich und wahrscheinlich auch sie aufbaute, war die Perspektive, dass die Lungenentzündung bald vorbei war. Sie tat mir einfach nur total leid.

Melanie fuhr extra einen kleinen Umweg, um mich als Erstes nach Hause zu bringen, auch wenn Janine so fertig aussah, dass ich sie ehrlich gesagt lieber als Erstes nach Hause gebracht hätte. Nachdem ich Janine lange umarmte – ihre Mutter sah dies mit einem Lächeln -, stieg ich genauso wie Melanie aus. Sie sagte bei geschlossener Autotür: „Danke.“ – „Wofür?“ – „Danke dafür, dass du gekommen bist. So ganz allein wäre das echt nicht schön gewesen.“ – „Ähm, na klar, außerdem ist doch Janine meine Freundin!“ Sie lächelte erneut und drückte mich kurz, was ich total lieb fand. Ich trat um halb zwei morgens zu Hause ein und legte mich fix und fertig schlafen, da ich echt müde war und mich nach Schlaf sehnte. Dass ich ziemlich großen Hunger hatte, spürte ich zwar, als ich mich hinlegte, aber ich ignorierte das einfach, weil mir der Schlaf wichtiger war. Ich wollte vor allem noch vermeiden, mir den Bauch noch voll zu schlagen, weil ich sonst womöglich gar nicht oder nur sehr schlecht hätte schlafen können.

Am nächsten Tag schlief ich bis elf. Kurz nach dem Aufstehen fiel mir wieder ein, was ich am Abend zuvor erlebt hatte. Der schlimme Krankenhausanblick von Janine ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf… Es war mit dem Szenario, was ich an ihrem Geburtstag sah, vergleichbar, selbst wenn sie nun nicht die mentale Kontrolle ihres Selbst verloren hatte. Ich aß ganz in Ruhe und rief bei ihr an. „Hey, wie geht es dir?“ – „Schon etwas besser. Aber wirklich wohl fühle ich mich trotzdem nicht.“ – „Aber zumindest kannst du sogar fast normal wieder sprechen, damit habe ich so schnell noch gar nicht gerechnet.“ – „Ja, das geht wirklich schon echt besser.“ – „Hoffentlich kommst du schnell über das alles hinweg. Ich kann es nämlich nicht mehr ertragen, dass es dir so schlecht geht…“ – „Bärchie, mach dir nicht allzu viele Sorgen, ich steh das schon durch.“ – „Ich finde es einfach so schlimm, dass ich nichts machen kann, damit es dir besser geht.“ – „Doch, du tust richtig viel dafür, dass es mir bald hoffentlich besser geht. Du bist die ganzen Tage für mich da, sprichst jeden Tag mit mir, hörst dir mein Maulen an… Du bist einfach toll, so richtig toll.“ – „Danke.“ – „Eigentlich muss ich doch danke sagen, Süßer.“

Nach unserem Telefonat schickte mir Janine einfach gemeinerweise zwei weitere ihrer echt besonderen Bilder, die sie im Garten gemacht hatte. Sie machte mich damit einfach wieder so richtig heiß. Ich vermisste sie, aber auch unsere gemeinsame Nähe dadurch umso mehr, was so richtig fies war.

In der Schule erzählte ich Tim, was am Wochenende passiert war: „Das war echt heftig, als ich sie im Krankenhaus gesehen habe. Sie sah total schlecht aus. Ich hoffe bloß, dass das bald weggeht.“ – „Na ja, das wird schon. Sie wird das schon tapfer durchstehen.“ – „Ich hoffe vor allem auch, dass ich mich nicht angesteckt habe. Schließlich hatte ich ja nun direkten Kontakt mit ihr. Geküsst haben wir uns zumindest nicht.“ – „Spürst du denn irgendwas wie Husten oder so?“ – „Nein, mir geht es bisher genauso gut wie immer.“ – „Also, solange du nichts bemerkst, was auf eine Grippe oder so hindeutet, brauchst du dir, denke ich, keine Sorgen zu machen. Eine Lungenentzündung entsteht oft durch eine Erkältung, Husten oder zum Beispiel auch eine Grippe, die man vorher schon hatte.“ – „Das wusste ich gar nicht.“ Ich war in dem Moment erstaunt davon, wie gut er sich offenbar in diesen Dingen auskannte. Mir war aber allgemein auch schon oft im Unterricht aufgefallen, wie groß sein Allgemeinwissen war. Wir drei – also Janine, er und ich – hatten zwar konsequent gute oder sehr gute Noten, aber von uns dreien hatte er auf jeden Fall das beste Allgemeinwissen. Ich war immer wieder fasziniert davon, wie viele teils sehr kleine Details er in den unterschiedlichsten Bereichen kannte.

Die nächsten Tage verliefen ganz normal, selbst wenn Janine nur ganz langsam wieder gesund wurde. Ich bekam am Telefon mit, dass sie Schritt für Schritt etwas besser klang, und sie sagte mir auch, dass sie in der nächsten Schulwoche wohl wieder kommen würde, da es ihr bestimmt ausreichend gut gehen würde.

Am Wochenende konnte ich leider noch nichts mit ihr unternehmen, selbst wenn ich das zu gerne gemacht hätte. Die Tatsache, dass ich die Wohnung übers Wochenende für mich allein hatte, brachte mir dementsprechend rein gar nichts.

Als ich am Sonntag Janine anrief, sagte sie mir, dass es ihr wieder richtig gut gehen würde. Ihr Hals und Rachen taten wohl immer noch leicht weh und schreien konnte und wollte sie wohl auch noch nicht, aber ansonsten reichte es immerhin schon aus. Das freute mich tierisch, weil ich sie endlich wieder sehen konnte… Die ganze Zeit über konnte ich nur mit ihr telefonieren, wenn ich von dem Krankenhausaufenthalt absah. Am Sonntag erledigte ich die Hausaufgaben für den Montag und kopierte die Seiten, die ich im Unterricht aufschreiben musste, sodass meine Süße sich keine Arbeit mit Abschreiben machen musste. Es war einige Arbeit, alle Seiten zu kopieren, aber das sollte die kleine Überraschung sein. Leider konnte ich nur einen Teil der Arbeit für sie übernehmen, weil wir ja nur einige Kurse gemeinsam hatten.

Am Montag ging ich wie jeden Tag auch meinen Weg zur Schule. Als ich unten beim Bahnhof stand und auf die nächste U-Bahn wartete, träumte ich völlig vor mich hin. Ich war mit meinen Gedanken so weit weg, dass ich – bis auf einen einfahrenden Zug – wohl nichts mitbekommen hätte. Urplötzlich hielt mir jemand mit den Händen die Augen von hinten zu. Die Person, die meine Sicht verdeckte, sagte nichts – ich öffnete meine Augen und sah recht kleine Hände, sodass ich genau wusste, wer es war. „Ich weiß, wer mir da gerade die Augen zu hält.“ Die Hände gingen von meinen Augen weg, ich drehte mich um und sah Janine vor mir stehen. Sie meinte: „Haben wir etwa vergessen, auf den Bus zu warten?“ – „Ich, ich… ja.“ – „Ich bin dir nicht böse. Schließlich brauchtest du ja nun die letzten zwei Wochen nicht auf mich zu warten.“ – „Komm her!“ Wir umarmten und drückten uns richtig fest. Der Mensch, der mir am meisten am Herzen lag, war endlich wieder in meiner Nähe!

Direkt nach der Umarmung wollten wir zum Kuss ansetzen, aber Janine unterbrach und sagte: „Du… Ich glaube, das ist noch keine gute Idee. Mir geht es zwar wieder viel besser, aber ich glaube, wenn ich dich küsse, stecke ich dich vielleicht noch an und das will ich nicht.“ – „Das ist schon ok. Müssen wir das halt noch ein paar Tage ohne Küsse aushalten.“ Ich grinste, worauf sie lächelte und meinte: „Na ja, ein paar Tage werden noch vergehen, bis ich wieder komplett gesund bin. Aber ich bin froh, dass ich die Lungenentzündung so glimpflich überstanden habe.“ – „Na ja… Bist du dir sicher, dass du dich nicht übernimmst, wenn du in deinem Zustand in die Schule gehst?“ – „Nein, das geht schon. Ich wurde ja schon wahnsinnig im Bett. Nach der langen Zeit, die ich im Bett lag, tut es richtig gut, wieder nach draußen zu gehen und frische Luft zu bekommen.“ – „Schon dich einfach noch ein bisschen, ok?“ – „Ja, ich achte schon auf mich.“

Wir fuhren in die Schule, wo Janine schon vor Unterrichtsbeginn von so manchen gleich umzingelt und ausgefragt wurde. Nachdem sie sich, soweit es ging, von allen entledigte, sagte ich ihr: „Du hast eine ganze Menge nachzuarbeiten. Ich hoffe, dass du alles hinbekommst, wenn nicht, helfe ich dir, ich war ja die ganze Zeit da, zumindest in unseren Fächern.“ – „Ja, stimmt ja. Das kommt ja jetzt auch noch auf mich zu… Ich weiß gar nicht, wie ich das machen soll. Der ganze alte Stress kommt jetzt wieder. Ich muss auch noch mehrere Klausuren nachschreiben, das ist furchtbar.“ – „Aber einen Teil habe ich schon für dich erledigt. Du brauchst das jetzt alles zumindest nicht mehr abzuschreiben, schau her.“ Ich zeigte ihr den kleinen Blätterstapel und drückte ihn ihr in die Hand, worauf sie sich diesen anschaute und meinte: „Hast du das alles für mich kopiert?“ Als ich nickte, umarmten wir uns. Sie entgegnete mir: „Du bist echt ein Schatz. Damit ersparst du mir echt eine Menge Arbeit.“. Darauf ich: „Wenn du möchtest, gehe ich das alles mit dir durch, wenn es dir wieder besser geht.“ – „Das ist wirklich lieb!“

Diesen Schultag brachte ich wie die anderen auch rum. Janine sagte mir gleich, dass sie sich am nächsten Wochenende den verpassten Unterrichtsstoff zu Gemüte ziehen wollte und wir daher nicht beieinander übernachteten. Ich fand das nicht so schlimm, weil ich mehr als froh war, dass sie nicht mehr im Bett liegen und zu Hause bleiben musste. Am Sonntag fuhr ich zu ihr, um mit ihr einen Teil der Themen aus unseren Fächern durchzugehen. Sie war dankbar, dass ich ihr zu Hilfe kam. Da wir mit einigen neuen Themen angefangen hatten, fiel ihr der Einstieg allein reichlich schwer. Abgesehen von meinen Hilfstätigkeiten erwärmte es mein Herz, dass wir endlich wieder Zeit verbrachten. Selbst wenn ich mit ihr noch nicht so ganz umgehen konnte, wie ich das vielleicht gewollt hätte – auf intimere Schmuseeinheiten bekam ich nach kurzer Zeit Lust -, tat es mir gut, sie wieder in meiner Nähe zu haben.

Zumindest gab es, nachdem ich einige Sachen mit ihr durchgegangen war, dennoch ein wenig mehr Nähe. Wir kuschelten einige Zeit aneinander und massierten uns, aber dabei blieb es auch, weil Janine nun noch nicht 100 Prozent bei Kräften war und wir lieber vorsichtig sein wollten. Auf jeden Fall war es echt schön. Bei der Verabschiedung verzichteten wir auch weiterhin noch auf einen Kuss, wobei die Umarmung auch sehr intensiv und einfach schön war. Allerdings dachte ich schon die gesamten Tage über, dass es eigentlich egal war, ob wir uns schon küssten oder nicht. Wenn ich mich angesteckt hätte, passierte das schon, als ich mich einfach in ihrer Wohnung befand, da dort bestimmt noch Grippebakterien durch sie oder durch ihre Mutter vorhanden waren. Zudem saßen wir täglich in der Schule gemeinsam und allgemein nah beieinander und an diesem Sonntag war ich eben bei Janine. Na ja, es war nicht weiter schlimm, da ich mich glücklicherweise nicht ansteckte und es mir in den Tagen danach auch weiterhin gut ging. Auch in der nächsten Woche ging es Janine noch immer nicht vollständig gut. Ich machte mir nur ein wenig Sorgen wegen ihres seltenen und heftig auftretenden Hustens, der irgendwie nicht weg gehen wollte. Sie besuchte ihren Hausarzt erneut, der ihr nochmals Medikamente verschrieb. Ich hoffte, dass sich ihre Krankheit bald komplett erledigte.

Auch an dem Wochenende, welches da folgte – wir hatten es schon fast Ende November -, übernachtete ich nicht bei Janine und sie nicht bei mir. Trotzdem sahen wir uns am Sonntag, da ich an diesem Tag mit ihr die letzten Themen von den zwei Wochen Fehlzeit durchging. Glücklicherweise war Janine ein wirklich intelligenter Mensch, der sich die Erklärungen von mir schnell einprägen konnte und auch dauerhaft behielt, sodass ich die meisten Sachen, wenn überhaupt, nur einmal erklären musste. Vieles hatte sich Janine auch schon ohne meine Hilfe angeeignet, was die Dauer der Arbeit zwischen uns auch noch verkürzte. In der restlichen Zeit, die wir für uns hatten, kuschelten wir lange Zeit und es kam zu einem harmlosen Petting, bei dem wir uns zwar komplett entkleideten, aber nicht gegenseitig zum Höhepunkt brachten. Wir ließen es dabeibleiben. Es erfolgte diesbezüglich eine stumme Verständigung, da wir sofort wussten, was wir wollten.

Am nächsten Tag – die nächste Woche war angebrochen – bekamen wir die Mitteilung, dass Mitte Dezember der Ball sein würde. Janine fragte mich noch am selben Tag, wie meine Haltung zum Ball war. Ehrlich gesagt nervten mich diese Veranstaltungen auch weiterhin, doch wollte ich mit Janine nicht wieder in eine lange Diskussion übergehen, wieso ich denn keine Lust hatte, auf diesen Ball zu gehen. Sie würde dieses Mal garantiert als Argument bringen, dass ich ja nun schließlich mit ihr zusammen war und ich es doch eigentlich schön finden müsste, wenn ich mit meiner Freundin auf diesem Ball tanzen würde. Auf eine gewisse Art und Weise war der nahende Ball auch komisch, da es mittlerweile bald ein Jahr her war, dass Janine und ich an diesem Tag so eng miteinander tanzten und wir danach einen der schönsten Spaziergänge jemals zusammen hatten. Die Lockerheit, die wir an diesem Tag hatten, als wir unter anderem über die Sternenbilder sprachen, konnte ich nicht vergessen. Janine zog mich mit ihrer Art an diesem Abend einfach unheimlich in den Bann. Der größte Unterschied war nur, dass dieser nahende Ball dieses Mal vor und nicht nach den Weihnachtsferien stattfand, weswegen er auch als Weihnachtsball und nicht als Winterball angekündigt war.

Am Donnerstag dieser Woche stellten Janine und ich fest, dass ihr Husten endlich abgeklungen war. Dies freute mich wahrscheinlich genauso wie sie, weil uns klar war, dass wir unsere Sexualität nun wieder voll ausleben konnten. Wir machten daher aus, dass sie am Donnerstag bei mir über Nacht blieb. Wir hatten Glück, da Petra wieder Spätschicht hatte und wir nahezu den ganzen Nachmittag und Abend die Wohnung für uns allein hatten.

An diesem Donnerstag war unser Petting zu Beginn sehr wild, was mich anfangs ein wenig erstaunte, später aber total anmachte, wie ich feststellen musste. Als wir nach dem Petting nun miteinander schlafen wollten, suchte ich vergebens nach einem Kondom, fand aber keines. Ich musste die Kondome zu irgendeinem Zeitpunkt bei Janine liegen gelassen haben, da wir noch nicht so oft miteinander geschlafen hatten, als dass die Packung bereits verbraucht gewesen wäre. Auch Janine hatte ausnahmsweise keines dabei, was sich als Problem herausstellen sollte, da sie mit mir ohne Kondom noch nicht schlafen wollte. Sie fragte mich: „Wo sind denn deine gesamten Kondome?“ – „Wahrscheinlich habe ich die bei dir liegen lassen. Ich weiß, wo… Sie sind im Garten.“ – „Nein, oder?“ – „Doch, das kann sein.“ – „Ich will nicht, dass meine Mutter die entdeckt. Ach man, Mist!“ – „Lass uns nachher um dieses Problem kümmern. Was… machen wir jetzt?“ – „Na ja, so können wir halt nicht miteinander schlafen… Obwohl ich es sehr gern würde.“ – „Und du möchtest sicher nicht… ohne?“ Ihr Blick war auf einmal sehr streng, wie ich ihn eigentlich sehr selten bei ihr sah. Verstimmt sagte sie: „Du weißt, wie ich dazu stehe.“ Sie ging von mir herunter und machte mit dem Petting weiter, als wenn nichts geschehen wäre. Ich fand ihr Verhalten in diesem Moment komisch, aber durch ihre Erregung meines Penis‘ dachte ich nach wenigen Sekunden nicht mehr an ihr seltsames Verhalten nach meiner Frage. Zumindest hatten wir definitiv trotzdem eine Menge Spaß.

Eine Weile später, als wir uns frisch machten, schlug Janine vor: „Du, ich würde sagen, dass wir heute noch kurz im Garten vorbeischauen. So können wir gleich die Kondome holen und schauen, ob wir sonst vielleicht etwas haben liegen lassen.“ – „Ja, ist okay.“ Ich fand die Eile, die Janine wegen der Kondome an den Tag legte, echt komisch. Anfangs sagte ich noch nichts dazu, weil ich erst schauen wollte, ob Janine sich weiterhin so komisch verhielt. Wir fuhren erst zu ihr nach Hause, wo sie den Schlüssel holen und Melanie Bescheid geben wollte, dass wir im Garten schauten, ob wir etwas liegen lassen hatten. Melanie sagte plötzlich: „Ja, ihr habt tatsächlich etwas liegen lassen.“ Ich schaute Janine grinsend an, weil ich erahnte, was nun folgte. Melanie ergänzte: „Na ja, ein paar Tage, nachdem ihr die Woche im Garten verbracht habt, habe ich im Gartenhäuschen kurz nach dem Rechten geschaut und die restlichen Sachen abgeholt. Es war auch alles in Ordnung, ich hatte nichts anderes von euch erwartet, aber ihr habt tatsächlich etwas liegen gelassen und ich dachte mir einfach, dass ich es mitnehme. Ich hatte bloß in den letzten Tagen vergessen, es euch zu geben, weil ich auch einfach wegen unserer Krankheit abgelenkt war. Hier.“ Sie ging an ein Schubfach und hielt Janine eine Packung hin, die ich aus der Entfernung sofort als meine Packung mit den Kondomen identifizieren konnte. Ich musste dabei lächeln, da mir klar war, dass Melanie und Petra sowieso irgendwann klar sein würden, dass Janine und ich auch sexuell Kontakt miteinander hatten. Janine sah und nahm die Packung und sagte darauf außer ein leises „Danke“ gar nichts mehr. Sie verließ mit erstaunlich roten Wangen den Raum und ich grinste Melanie an, worauf sie mir einmal zuzwinkerte und ich auch den Raum verließ.

Janine und ich fuhren damit gar nicht erst los zum Garten, sondern machten stattdessen einen längeren Spaziergang zu mir nach Hause. Ich spürte noch stärker, dass sie irgendwie anders war. Daher fragte ich: „Sag, was ist los mit dir? Ich bemerke doch schon seit vorhin, dass etwas ganz und gar nicht mit dir stimmt.“ – „Na ja, weißt du, das ist mir total unangenehm.“ – „Wieso? Du meinst, weil deine Mutter die Kondome gefunden hat?“ Sie gab mir keine Antwort, worauf ich sagte: „Ich bin mir garantiert sicher, dass deine Mutter bereits vorher schon wusste, dass wir miteinander geschlafen haben. Jetzt hat sie zwar den eindeutigen Beweis dafür, aber sie wusste das bestimmt schon vorher. Na ja, Petra kam auch schon darauf.“ – „Was? Hat sie… mit dir darüber geredet?“ – „Sie hat mich direkt nach unserer Gartenwoche gefragt, ja. Aber sie dachte, dass ich zum ersten Mal mit dir im Garten geschlafen habe. Ich habe ihr bloß ehrlich gesagt, dass es schon ein bisschen früher war.“ – „Wieso hast du ihr das verraten?“ Janine wurde etwas lauter, sodass ich versuchte, sie ein wenig zu beruhigen und sagte: „Ich habe Vertrauen zu ihr und kann echt offen mit ihr sprechen, sie hat mir schon einige krasse Sachen aus ihrer Vergangenheit erzählt. Außerdem hat sie mir oft genug geholfen, als wir noch solch ein Gefühlschaos hatten, damit ich meine Gedanken sortieren konnte. Mach dir da keine Gedanken.“ – „Wieso hast du mich nicht gefragt, ob ich damit einverstanden bin?“ – „Ähm, ich dachte einfach, dass es nicht schlimm für dich wäre. Außerdem kennt dich doch Petra auch schon sehr lange und deine Mutter mich ja nun auch. Du schreibst doch sogar oft mit ihr. Das braucht dir doch nicht peinlich zu sein. Petra wird nichts sagen und das Thema nicht ansprechen, wieso sollte sie denn auch? Und vorhin, da hat mir deine Mutter zugezwinkert, als wir gegangen sind. Ich habe das so verstanden, dass sie damit auch kein Problem hat. Also, Süße: Mach dir nicht so ein Kopf deswegen, es ist doch gar nichts passiert.“ – „Na ja… Du hast ja Recht. Du hast ja hoffentlich nichts Intimes von uns verraten, oder?“ Diese Frage kam sehr vorwurfsvoll, sodass ich entschärfend antwortete: „Nein, natürlich nicht. Wie wir da unseren Spaß haben, erzähle ich natürlich nicht. Und von den Fotos weiß außer uns …“. Wir küssten uns und ich setzte fort: „… auch keiner etwas. Aber die Geschichte mit den Kondomen ist doch wirklich nicht schlimm. Jeder weiß doch, was viele Menschen auf dieser Welt so machen. Findest du nicht?“ – „Ja, du hast ja Recht. Tut mir leid, dass ich so grimmig war.“ – „Ist schon ok, schließlich haben wir das ja nun eben geklärt.“ Wir kamen bei mir zu Hause an und ich war froh, die Beine hoch legen zu können, weil ich genug von der Lauferei und Fahrerei hatte. Arbeiten musste ich allerdings trotzdem noch, da ich die Hausaufgaben noch nicht gemacht hatte. Darum konnte ich mich gegen 20 Uhr schön auf dem Bett breit machen und schaute fern. Ich schlug Janine das Gleiche vor, sie allerdings hatte großen Hunger und ging deshalb in die Küche, um sich Abendbrot zu machen.

Nach einigen Minuten kam sie mit einem voll bepackten Tablett herein. Sie kam mit unter meine Decke und nahm das Tablett zwischen ihrem Oberkörper und ihren Oberschenkeln, was ihr allerdings recht schwerfiel, sodass ich es übernahm und damit die Stütze war. Nach einem Kuss, den ich ihr für das Vorbereiten des Essens gab, begannen wir zu essen. Mein Hunger war noch nicht so ausgeprägt, sodass ich mit dem Essen auch noch etwas gewartet hätte. Nach dem Essen ruhte ich mich umso mehr aus, da ich wohl gesättigt war, meine Freundin neben mir lag und ich einfach ein glückliches Leben in diesen Momenten hatte. Wir verbrachten so noch ein bisschen Zeit, als Janine plötzlich die Fernbedienung griff, den Fernseher ausschaltete, und meine Lampe so dimmte, dass der Raum recht schwach beleuchtet war, aber man sich noch einwandfrei sehen konnte.

Ich war mir nicht so ganz bewusst, was Janine da vorhatte. Sie stieg einfach auf mich herauf und küsste mich total intensiv. Ich war zwar sehr erstaunt und eigentlich ein bisschen müde, aber den Spaß an der Freude wollte ich mir doch nicht nehmen lassen. Der Kuss wurde zum Zungenkuss und in einem kleinen Moment der Pause sagte ich: „Ich weiß nicht…“. Janine ließ diese Aussage unkommentiert und entledigte sich langsam von meinen Klamotten, während ich das bei ihr auch tat. Es waren wieder diese Minuten, in denen ich für die Umwelt wohl nicht ansprechbar war. Der Sex mit Janine war wirklich klasse. Je öfters wir miteinander schliefen und je intensiver es wurde, desto besser gefiel es mir eigentlich und desto besser lief es auch.

Janine schlief am Ende des Abends sehr schnell ein. Irgendwo war ich darüber auch ein wenig froh, weil ich diesem typischen Abendgespräch, was wir hatten, entkommen wollte. Oft kamen in diesen Gesprächen Themen wie unsere Sexualität zu Worte, was mir ja nun nicht so wirklich sehr gefiel, da ich noch immer leicht ungern darüber sprach. Ich wurde zwar lockerer – bei der Sache mit den Kondomen konnte man dies bemerken -, aber das hieß im Umkehrschluss nicht, dass ich gerne darüber sprach. Es kam mir halt mehr als gelegen, dass Janine schon schlief – so gemein sich das auch in diesem Fall angehört haben mochte.