Unerfahren
Ich schaute Janine verwirrt an, während sie grinste. Ich brachte kein wirkliches Wort heraus, worauf Janine sagte: „Ähm, was ist denn auf einmal los? Ich wollte dir nur näher kommen… Vielleicht ein wenig näher als bisher.“ Ich war weiterhin fassungslos und fragte, als ich mich mehr oder weniger wieder zusammengerissen hatte: „Was verstehst du unter… noch näherkommen?“ – „Na ja, einfach, dass wir noch viel dichter zusammen liegen… Oder aufeinander liegen… Irgendwie so was. Dass wir uns einfach näherkommen, will ich.“ – „Ah… ja, ok.“
Sie sagte nach einigen Sekunden, in denen sie mich musterte: „Kann es sein, dass du ganz schön… na ja, verklemmt bist?“ – „Verklemmt?“ – „Ja, na ja, dass du halt Angst hast.“ – „Ja… Du hast Recht, ich kann das halt noch nicht so schnell. Ich bin immer sofort aufgeregt und durcheinander…“ Ich schaute mehr oder weniger enttäuscht von mir selbst gen Fußboden und meinte Janine schmunzelnd: „Hey, es ist doch alles ok. Dann machen wir halt nicht so schnell. Ich bin einfach neugierig und will vieles ausprobieren.“ Wir küssten uns, daraufhin war das Thema auch erst mal wieder erledigt.
Wie gammelten auf ihrem Bett einige Minuten lang herum und kuschelten dabei ein wenig, bis ihr Magen plötzlich reichlich laut knurrte. Wir kicherten und sie meinte: „Ach, verdammt, daran habe ich gar nicht mehr gedacht.“ – „Was ist denn los?“ – „Ich muss noch einkaufen gehen, meine Mutter hatte mich schon vor ein paar Tagen extra darum gebeten und mir auch Geld dagelassen.“ – „Lass uns doch einfach losziehen!“ – „Ja, ich habe aber einfach gar keine Lust gerade. Hunger habe ich auch.“ Ihr Magen stimmte dem hörbar zu und sie sagte abschließend: „Na ja, was soll es, lass uns anziehen und losgehen. Ich kann mir auch direkt was zu essen kaufen.“ Ich zog sie vom Bett hoch und wir packten uns wieder warm ein.
Mitten auf dem Weg zum Einkaufszentrum, meinte plötzlich jemand hinter uns: „Ach, schau einer an!“ Wir drehten uns um und standen vor zwei Männern und zwei Frauen. Die zwei Männer, darunter Alexander, waren mit Janine und mir auch die letzten Jahre zusammen in einem Klassenverbund und Alexander zählte leider zu den Vollidioten unserer alten und nun auch neuen Klasse. Er war einer derjenigen, die Janine auch heutzutage immer wieder aufs Korn nehmen wollten, wogegen sie sich halt wehrte, so gut sie konnte. Ich war zumindest sehr froh, dass Janine mittlerweile immer selbstbewusster geworden war und sich all diese Dinge nicht mehr gefallen ließ. Alexander sagte nach seiner ersten Aussage wenige Sekunden zuvor: „Also seid ihr doch zusammen, habe ich es doch richtig geahnt.“ Darauf meinte ich, in Bruchteilen von Sekunden reichlich angesäuert: „Ja, und? Herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis?“ – „Werde nicht gleich frech. Wie kommt das denn, dass ihr zusammen seid?“ Ehe ich was sagen konnte, klinkte sich Janine ein: „Ich denke nicht, dass es dich was anginge, Alexander.“ Sie betonte seinen Namen in voller Länge, sodass das eine eigene Würze bekam. Im Normalfall nannten ihn alle in der Klasse und Schule immer nur Alex. „Oh, das Paar möchte Privatsphäre haben? Wir wollen nicht weiter stören, was?“ Darauf entgegnete ich ihm: „Das ist sicherlich auch besser so. Verzieh dich einfach auf der Stelle.“ – „Sonst was? Wird da etwa jemand unfreundlich?“ – „Für jede Sekunde, die ich dich in meiner Freizeit ertragen muss, kann meine Laune ja nur schlechter werden.“ – „Wie man gleich so unhöflich werden kann… Erstaunlich, was?“ Er bezog jetzt die anderen drei mit ein, die sich ebenfalls auf die Provokationen einließen. Sie machten sich vor allem über Janine und mich lustig. Ich wollte gerade zu einem weiteren Satz ansetzen: „Komm, verpi…“, als Janine mich unterbrach und mir leise zuflüsterte: „Komm, lass den Idioten, wir gehen einfach weiter.“ Alex provozierte, als Janine und ich einfach weiterliefen, noch aus der Entfernung weiter: „Einen schönen Tag euch!“ Er bekam von mir aus der Entfernung nur den Stinkefinger zu sehen, was Janine eigentlich auch noch verhindern wollte, aber nicht mehr konnte. „Hey, beruhige dich!“ Sie schaute besorgt und verwundert zugleich zu mir und meinte: „Du weißt doch, dass du ihn nicht provozieren darfst! Man sagt über ihn, dass er auch schon Leute verprügelt hat.“ – „Dieser blöde Penner hat eigentlich selbst eine gewaltige Abreibung verdient…“ – „Ich weiß, aber hey… Sei doch klüger als er! Das hast du selbst mir beigebracht, hast du das vergessen?“ – „Ja, du hast Recht. Dieser Typ geht mir so sehr auf die Nerven, dass ich das einfach ausblende.“ – „Ich habe an deiner Hand bemerkt, wie wütend du schon warst. Du hast mir richtig Angst gemacht.“ – „Entschuldige, das wollte ich nicht. Aber warum an meiner Hand?“ – „Du hast meine Hand immer doller festgehalten, bis es fast wehgetan hat.“ – „Entschuldige, ich habe das einfach nicht bemerkt.“ – „Ist ja nicht so schlimm. Lass uns jetzt wieder entspannt sein, ok?“ – „Ja, du hast Recht.“ Wir küssten uns kurz auf der Straße und kamen kurz darauf beim Einkaufscenter an.
Im Center meinte ich: „Aber damit weiß jetzt die ganze Klasse, dass wir zusammen sind.“ – „Du bist süß, aber das weiß die Klasse doch sowieso.“ Ich fragte sie verwundert: „Warum das?“ – „Na ja, einige haben uns schon Händchen haltend gesehen, es wurde ja auch schon viel getuschelt in den letzten Tagen, hast du das nicht bemerkt?“ – „Nö, irgendwie ist das an mir vorbei gegangen. Ich habe zumindest mitbekommen, dass uns einige Hand in Hand gesehen haben könnten.“ – „Na ja, du hast offenbar auch nicht so viel Kontakt zu den anderen, wie es noch am Anfang war.“ – „Ja, das stimmt.“ Nach einigen Sekunden sagte Janine: „Sollen sie das doch ruhig wissen, so gibt es zumindest kein Getratsche mehr darüber, was ich jetzt auch nicht schlimm finde.“ Mir ging noch viel mehr durch den Kopf, dass einige aus der Schule jetzt wahrscheinlich dachten, dass ich total „uncool“ sei, weil ich eben mit einer Streberin zusammen war. Dass diese Streberin aber mittlerweile bei vielen aus der neuen Klasse sogar gut ankam und bei weitem nicht so spießig war, wie einige glaubten, sahen solche Idioten wie Alexander natürlich nicht.
Nach unserem Einkauf, den ich fast allein zu Janines Wohnung schleppte, machte sich Janine direkt ans Kochen. Ich musste ihr auch kaum helfen, weil sie einfach damit danke sagen wollte, dass ich den Einkauf die ganze Zeit getragen hatte. In einem Moment, wo sie gerade nichts am Herd machte, und nichts vorbereitete, schlich ich mich nahe zu ihr und umarmte sie von hinten, was ich bisher kaum gemacht hatte. Ich legte dabei meine Hände vorsichtig auf ihren Bauch, der ja noch durch ihr Oberteil bedeckt war. Ich spürte etwas höher natürlich ihre Busen, was mich total anmachte, aber ich zwang mich dazu, mit meinen Händen direkt da zu bleiben, auch, weil ich eben irgendwie Schiss hatte… sowohl vor der Reaktion Janines als auch, irgendwie vor der Sache selbst. „Hey, du hast mich aber erschreckt. Bist ja plötzlich so ganz nah. Ist es dir auf einmal doch nicht so unangenehm?“ – „Na ja, unangenehm ist der falsche Begriff… Ich wollte einfach sehen, wie du reagierst, wenn ich so angekuschelt komme.“ – „Ich finde das schön, aber was fühlst du denn dabei?“ – „Das ist halt alles ungewohnt, aber ich finde das hier gerade echt angenehm.“ – „Das klingt doch toll. Sei mir nicht böse, aber ich muss kurz wieder auf den Topf Acht geben.“ Sie löste sich von mir und kümmerte sich weiter um unser Essen. Ich deckte parallel den Tisch, sodass wir nach Fertigstellung direkt mit dem Essen loslegen konnten… auch, weil neben Janines Magen meiner mittlerweile auch ziemlich kräftig knurrte.
Da wir definitiv zu viel aßen, machten wir uns es direkt im Anschluss auf ihrem Bett gemütlich und kuschelten miteinander. Sie sagte plötzlich: „Ich habe mich vorhin echt ziemlich erschreckt, als du so wütend geworden bist. Das… hat mich an die letzten Monate erinnert, als…“ Ich unterbrach sie: „Denke nicht mehr darüber nach, das zählt doch alles nicht mehr. Ich war einfach so sehr enttäuscht, dass du mich nur als normalen Freund betrachtet hast… Tut mir leid, dass ich dich daran erinnert habe.“ Ich drehte mich so, dass ich ein klein wenig über sie gebeugt war und schaute sie an. Gerade, als ich sie vorsichtig küssen wollte, sah ich, dass sie tatsächlich eine kleine Träne im Auge hatte. Mir wurde in diesen Momenten erneut bewusst, wie sehr ihr unser Konflikt und vermutlich auch meine lange Zurückweisung, als sie mehr für mich empfand, an die Nieren gegangen waren, sodass mein schlechtes Gewissen gleich um ein Vielfaches größer wurde. „Hey, du brauchst doch nicht weinen. Das ist doch alles vorbei. Ich finde es toll, dass wir jetzt endlich zusammen sind. Ich lasse dich jetzt nicht mehr gehen. Ich bin für dich da.“ – „Und was, wenn du bemerkst, dass das alles doch nicht so sehr passt? Du bist doch so oft so unsicher gewesen…“ – „Hey, hör mal.“ Ich wischte ihr wieder eine Träne weg. „Du hast doch bemerkt, dass ich mich immer mehr zu dir hingezogen gefühlt habe und dass ich dir immer näherkommen wollte. Wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre, hätte ich das doch auch alles nicht gemacht. Ich weiß, was ich vor ein paar Wochen gesagt habe, als wir im Restaurant saßen, aber ich habe dort auch schon gespürt, dass ich mich wirklich in dich verliebt habe und dass du mich einfach sehr anziehst. Ich habe dich nicht ohne Grund an der Bushaltestelle geküsst. “ – „Du meinst körperlich anziehend?“ – „Ja, na klar. Aber ich meine auch, dass du mich sehr als Mensch anziehst.“ Ich schaute kurz zur Seite, weil mir das peinlich war. Sie zog mich plötzlich komplett direkt auf sie rauf. Ich schaute sie ganz erstaunt an und sie sagte: „Ja, das stimmt, ich spüre das ja auch. Sorry, dass ich… so traurig bin.“ – „Ist doch nicht schlimm. Ich bin für dich da.“ – „Danke.“ Wir knutschten bestimmt eine halbe Minute, anfangs sehr vorsichtig, zum Ende recht intensiv. Janine sagte auf ihre direkte Art, wie ich sie sonst immer kannte: „Dass du mich anziehend findest, spüre ich gerade auch ganz besonders.“ Ja, verdammt, sie hatte Recht, ich wurde während des Knutschens wirklich geil und bekam schlagartig einen Steifen… Ich wusste darauf erst recht nicht mehr, was ich sagen sollte, sie sagte: „Ich liebe dich… auch für diese Reaktionen.“ Sie knutschte mich kurz und schob mich mit einem Grinsen vorsichtig runter, worauf ich ihr entgegnete: „Ich liebe dich auch.“ Nach einigen Sekunden schob ich nach: „Du brauchst dir wirklich keine Gedanken zu machen. Ich fühle mich super wohl, wenn wir unsere Zeit miteinander verbringen können. Du bist mir total wichtig, hörst du?“ – „Ja, ich glaube es dir. Tut mir leid, dass ich wieder so traurig war… Aber hey, du darfst dich von solchen Idioten wie Alexander nicht ärgern lassen!“ – „Ja, du hast Recht, das war blöd vorhin.“
Wir kuschelten weiter miteinander und schauten dabei auf unseren Smartphones nach dem Fernsehprogramm für den Abend. Wir suchten uns nach einer Weile zwei Filme aus, die ganz interessant klangen und machten uns vorher schon bettfertig, da wir heute nicht mehr rausgehen wollten. Während wir den zweiten Film schauten, schlief sie wieder kurzerhand ein. Ich war zugegeben von dem zweiten Film auch nicht besonders angetan, sodass ich mehr über die gesamte Situation mit Janine und so nachdachte. Mir wurde, während Janine sich im Schlaf noch enger an mich kuschelte, bewusst, dass ich vieles über und von Janine einfach noch immer nicht wusste. Dass es ihr im Innern nicht hundertprozentig gut ging, weil sie offenbar immer noch an meiner langen Zurückweisung zu knabbern hatte, beschäftigte mich schon sehr und war genau solch ein Beispiel dafür. Ich nahm mir daher vor, dieses Thema intensiver in den nächsten Wochen zu beobachten, weil ich nicht wollte, dass sie darunter womöglich noch lange zu leiden hatte. Zumindest wollte ich in jedem Fall für sie da sein.
Ich schaltete recht müde den Fernseher aus und fühlte mich einfach wohl, dass Janine neben mir und sogar mit ihrem Arm zumindest auf mir lag. Obwohl ich das alles genoss und dabei entspannte, konnte ich aber irgendwie nicht einschlafen, weil mir die Szene mit Janine von vorhin einfach nicht aus dem Kopf ging. Gegen halb eins schaute ich leise auf die Uhr und stand etwas frustriert auf, weil mir einfach zu viele Sachen im Kopf umher gingen. Da Melanie gerade nicht da war, ging ich einfach mutig aus dem Zimmer und lief ins Wohnzimmer, in dem ich eine Weile vor dem Balkon stehen blieb. Mich trieb es nach draußen, sodass ich, trotz der recht heftigen Kälte, eine Weile auf dem Balkon stehen blieb und nach draußen schaute. Von der Wohnung aus hatte man im Gegensatz zu unserer Wohnung eine richtig schöne Aussicht über die Stadt.
Janine erzählt:
Als ich morgens in Marcs Wohnung aufwachte, lag Marc nicht mehr neben mir. Ich suchte ihn in der Wohnung und hörte, dass er gerade in der Küche war. Sprach er etwa gerade mit Petra? Ich blieb kurz im Flur stehen, weil ich schon neugierig war, über was Marc da so sprach. Er telefonierte offenbar, das bekam ich sehr schnell raus. Nach kurzer Zeit war mir auch klar, dass er offenbar mit Tim sprach. Interessant wurde es, als er sagte, dass er das alles anstrengend finden würde… Mir tat dies unheimlich weh in diesem Moment, sodass ich fast drauf und dran war, in die Küche zu gehen, aber mich noch kurz zurückhielt. Als er fast direkt danach das Gespräch beendete, stürmte ich letztlich doch in die Küche und konfrontierte ihn damit… während er mich erst fragte, warum ich das Gespräch belauscht hatte. Ja, ich hatte ihn belauscht, was mir noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen bescherte. Er erklärte immerhin, warum er sagte, es sei anstrengend: Ich verstand ihn schon, da ich mich in den letzten Tagen teilweise auch sehr schwertat, abends einzuschlafen, weil mir so viel im Kopf umher ging… natürlich vor allem Marc. Ich war ihm nach seiner Erklärung auch nicht böse, weil ich wusste, dass er das überhaupt nicht böse meinte, auch wenn es anfangs wirklich viel fieser klang.
Wir fuhren nachmittags zu mir und er war so lieb wie immer – so trug er meinen kompletten Einkauf einfach nach Hause, worum ich ihn nicht gebeten hatte. Gleichwohl machte er mir auch ein wenig Angst, weil er sich mit einem Klassenkameraden, Alexander, auf offener Straße ziemlich lautstark angelegt hatte. Ich hatte es echt schwer, Marc zurückzuhalten… Er erinnerte mich sehr an unseren gemeinsamen Konflikt, den wir nach Jonas‘ Feier hatten. Mich schockierte damals die Aggressivität, die er bei unserem Disput an den Tag legte… Die sogar noch existent war, als wir viele Wochen nach dem eigentlichen Streit darüber sprachen und ich mich mit ihm versöhnen wollte.
Das ging mir zu Hause auch während des gemeinsamen Essens und beim Herumlümmeln danach durch den Kopf, sodass Marc es auch mitbekam und er mich tröstete. Irgendwie kamen dadurch meine ganzen Zweifel wieder hoch, dass ich eben so lange nicht wusste, welches Interesse Marc an mir nun hatte. Gleichzeitig versicherte er mir, dass er wirklich mit mir zusammen sein wollte, was ich die ganze Zeit auch genauso empfand. Dass er mich sexuell anziehend fand, bewies er mir unabsichtlich auch noch, als ich ihn auf mich herauf zog… Ich spürte seinen Penis – was mich selbst ziemlich anmachte und mich sehr schnell von meinen traurigen Gedanken ablenkte. Ich wollte ihm das aber nicht so ehrlich sagen, weil ich ihn nicht gleich überfordern wollte. Bei allem Selbstbewusstsein, was er sonst besaß: In solchen sexuellen Dingen wirkte er jedes Mal völlig neben der Rolle. Ich hatte ihm beispielsweise bewusst noch nicht erzählt, dass ich angefangen hatte, die Pille zu nehmen, kurz, nachdem wir uns das erste Mal geküsst hatten. Es hatte nicht direkt mit Marc zu tun, dass ich nun die Pille nahm, ich hätte es auch so angefangen, aber es passte gleich umso besser, weil ich mittlerweile etwas größeres sexuelles Verlangen hatte.
Marc schaffte es in jedem Fall, mich komplett von diesen trüben Gedanken abzulenken, sodass wir entspannt zwei Filme im Fernsehen schauten. Der erste Film war schon langweilig, während Marc ihn echt mochte – na ja, wir hatten eben teilweise einen unterschiedlichen Geschmack. Ich war durch den ersten Film bereits so müde, dass ich im zweiten Film schon gar nicht mehr die Augen offenhalten konnte und einfach einschlief.
Mittlerweile hatte ich aber ein Unterbewusstsein dafür entwickelt, zu spüren, wenn Marc nicht mehr neben mir lag: Ich wachte mitten in der Nacht auf. Ich zwang mich dazu, aufzustehen, auch wenn mein Kreislauf noch völlig ausgeschaltet war und ich fast hinfiel, weil ich keinen Gleichgewichtssinn hatte… Als ich in unserem Wohnzimmer nach ihm schaute, spürte ich die Kälte im Wohnzimmer und sah ihn auf dem Balkon stehen. Mir war es ein Rätsel, dass ihm nicht zu kalt war. Ich holte mir meinen Bademantel und ging zu ihm nach draußen. Da er mich nicht bemerkt hatte, erschreckte er sich ziemlich heftig, was mich zum Schmunzeln brachte.
„Warum kannst du denn nicht schlafen und stehst hier draußen?“ – „Ich weiß es nicht, ich war eigentlich müde, aber ich konnte einfach nicht einschlafen, mir ging so viel im Kopf umher.“ – „Warum das?“ – „Ich habe einfach über das nachgedacht, was du mir vorhin gesagt hast. Dass es dir nicht so gut geht wegen der letzten Wochen.“ – „Hey.“ Ich umarmte ihn. „Ich war vorhin einfach so aufgewühlt wegen Alex, diesem Idioten, weil wir halt diesen Streit hatten. Da kam das alles wieder hoch. Ich bin doch so froh, dass du mit mir zusammen sein willst. Ich habe ja selbst nicht mehr so richtig daran geglaubt.“ – „Du bist toll, wie könnte ich da nicht mit dir zusammen sein wollen?“ Ich pikste ihm vorsichtig in die Seite und sagte: „Du kannst echt auf Bestellung schleimen!“ – „Ich wollte eigentlich nur charmant sein.“ – „So kann man das auch ausdrücken.“ Wir küssten uns einen Moment länger und er griff nach meiner Hand, weil er mit mir nach draußen schauen wollte. Er verschränkte seine Finger mit meinen.
„Was magst du denn daran, nachts draußen zu sein, auch noch bei der Kälte? Ist dir nicht zu kalt?“ – „Nein, ich mag die Temperatur gerade eigentlich ziemlich. Es ist zwar frisch, aber angenehm. Wenn man nachts nach draußen schaut oder draußen ist, ist das halt irgendwie immer was Besonderes. Es sind kaum Leute unterwegs, alles wirkt so erstaunlich ruhig, nach und nach wird es immer dunkler… Und ich habe das Gefühl, dass sich die Gespräche, die man führt, auch verändern. Wenn wir um diese späte Uhrzeit unterwegs waren, wie zum Beispiel an deinem Geburtstag, haben sich unsere Themen auch oft verändert. Außerdem habe ich bemerkt, dass du sentimentaler wirst, wenn es spät in der Nacht ist.“ Mir war das fast ein bisschen peinlich, dass er das so direkt auf den Punkt brachte. Aber er hatte Recht, ich wusste von mir selbst, dass ich deutlich ehrlicher und gefühlsbetonter wurde, wenn ich müde war. „Ja, das stimmt.“ Ehe ich noch mehr sagen konnte, meinte er zu mir: „An deinem Geburtstag habe ich so richtig gespürt, dass ich mich in dich verliebt habe.“ – „Ach was? Warum dort genau?“ – „Du hast dich in der Bahn an mich gekuschelt, das hat mich total durcheinandergebracht. Außerdem habe ich gespürt, dass ich es nicht mochte, dass du mit den Jungs so eng getanzt hattest. Ich wollte… eigentlich mit dir dort tanzen.“ Er brachte mich zum Kichern – er fragte: „Warum lachst du?“ – „Das ist so niedlich, dass du diese Gedanken hattest! Es hat einfach nur Spaß gemacht, mit den Jungs so nah zu tanzen, weil ich das Gefühl hatte… dass sie mich attraktiv fanden. Ich fand das einfach ein tolles Gefühl. Und warum bist du nicht einfach auf die Tanzfläche gekommen, wenn du da auch so nah bei mir sein wolltest?“ – „Ich habe mich einfach nicht getraut, weil ich halt weiß, dass ich kein wirklich toller Tänzer bin.“ – „Das stimmt nicht, aber das habe ich dir schon mehrfach gesagt.“ Ich küsste ihn kurz und sagte: „Du tanzt wesentlich besser als einige andere, das habe ich ja an Silvester zum Beispiel gesehen. Ich fand es total toll, dass du an Silvester wirklich dein Versprechen gehalten hattest und mit auf die Tanzfläche gekommen bist.“ – „Danke. Und na ja, ich will halt meine Versprechen halten und abgesehen davon…“ – „Ja?“ – „Du hast mich an dem Tag so sehr angezogen, dass ich wahrscheinlich irgendwann an diesem Abend nicht mehr nein gesagt hätte.“ – „Aha? Heißt das, ich habe meinen Gutschein doch wieder zurück und kann ihn ein anderes Mal einlösen?“ Wir knutschten daraufhin lange, wobei ich schon bemerkte, dass ich ihn immer fester und näher zu mir zog… In einer kurzen Unterbrechung warf Marc dazwischen: „Da ist ja jemand ganz schön stürmisch…“ Er schmunzelte und ich knutschte mit ihm einfach weiter, bis ich deutlich spürte, dass er wieder einen Steifen hatte. Aus dem Knutschen wurde tatsächlich ein kurzes vorsichtiges Schmusen, obwohl ich noch Lust auf viel, viel mehr hatte… Marc traute sich nicht so richtig, das spürte ich in diesem Moment wieder recht deutlich. „Ich liebe dich“, sagte ich ihm, worauf er mir das Gleiche erwiderte. Direkt danach überfiel mich ein Kälteschub, sodass Marc sagte: „Lass uns zumindest wieder rein gehen, ok? Ich will nicht, dass du hier draußen noch länger frieren musst.“ – „Ja, gut, ok.“ Wir gingen wieder ins Wohnzimmer und weiter direkt in mein Zimmer, in dem wir uns auf meinem Bett und unter den Decken wieder gemütlich machten und einfach miteinander kuschelten, ohne uns direkt schlafen zu legen oder miteinander herumzuknutschen.
„Nein, der Gutschein ist verbraucht. Du hast ihn halt an Silvester eingelöst.“ – „Aber, aber, aber… Wir sind zusammen, habe ich damit nicht unendlich viele Gutscheine?“ – „Unendlich? Oha… Nö. Einfach nö.“ – „Menno! Damit kommst du mir aber nicht so leicht davon.“ Wir schmunzelten. Marc sagte: „Es gibt eine Sache, die mich ziemlich interessieren würde.“ – „Ja?“ – „Als ich dir auf dem Berg gesagt habe, dass ich mehr für dich empfinde, was hast du da für mich gefühlt?“ – „Hui, das ist eine ziemlich schwierige Frage.“ – „Genau deswegen habe ich sie dir ja auch gestellt.“ Er grinste, auch wenn ich das in der Dunkelheit kaum sehen konnte. „Ich habe befürchtet, dass du mir das irgendwann sagen würdest und ich wusste einfach wirklich nicht, was du mir wirklich bedeutest. Ich habe es einfach genossen, dass du so sehr für mich da warst, auch, als wir an meinem Geburtstag zu mir nach Hause gefahren sind oder wenn du mich oft nach Hause gebracht hast. Ich wollte das einfach alles genießen und habe mir einfach keine Gedanken darüber gemacht. Aber ich glaube, ich war da auch schon in dich verliebt.“ – „Ich bekomme jetzt erst recht ein schlechtes Gewissen, dass ich so auf Abstand zu dir gegangen bin.“ Ich kuschelte mich etwas fester an ihn und meinte: „Das ist doch alles jetzt vorbei. Hey.“ – „Ja, du hast schon Recht. Ich war halt einfach so enttäuscht zu dem Zeitpunkt.“ – „Das weiß ich doch – ich verstehe das doch.“ Wir kuschelten noch eine ganze Weile weiter und er fragte mich plötzlich, als ich fast schon eingeschlafen war: „Was haben deine Wangenküsse eigentlich zu bedeuten gehabt?“ – „Na ja, die waren halt dafür, wenn du halt zum Beispiel mega lieb warst und ich dir einfach das zeigen wollte. Ich habe dich in solchen Situationen oft umarmt oder dir auch einen Kuss auf die Wange gegeben. Und in den letzten Wochen habe ich das vor allem auch deswegen so oft und jeden Tag gemacht, weil… ich halt gehofft habe, dass du… na ja…“ – „Ja?“ – „…dass du das halt magst und dass du wirklich mehr mit mir zusammen sein willst als davor.“ – „Das hat einwandfrei funktioniert, würde ich sagen.“ Er schmunzelte und steckte mich damit an. Ich fühlte mich einfach so wohl in seiner Nähe und wollte ihn einfach die ganze Zeit bei mir haben.
Marc fragte plötzlich: „Als du mir das erste Mal einen Kuss auf die Wange gegeben hast, habe ich die ganze Zeit befürchtet, dass du mehr Interesse an mir haben könntest.“ – „Ach, wirklich? Vor allem, warum sagst du befürchtet?“ – „Na ja, weil ich zu dem Zeitpunkt eben die Befürchtung hatte, dass das zu Problemen zwischen uns führen könnte. Außerdem hast du mich damit total angezogen.“ – „Oh krass, ich hätte nicht gedacht, dass das so was bei dir auslösen könnte.“ – „Na ja, die meisten Mädels aus der Klasse und so, auch die, mit denen ich mich gut verstanden habe, haben das nicht gemacht. Ich kann mich daran erinnern, dass ein Mädchen aus unserer alten Klasse mir einen Wangenkuss zur Begrüßung und zur Verabschiedung gegeben hat … womit ich gar nicht klargekommen bin, weil ich das halt gar nicht kannte.“ – „Ach, das hattest du bisher gar nicht erzählt? Wann denn das?“ – „Für sie war das normal zur Begrüßung. Ich habe sie hier ganz in der Nähe getroffen, das ist bestimmt schon zwei Jahre her, und wir haben ein paar Minuten gequatscht und da hat sie so ein komisches Ritual gehabt: Bussi hier, Bussi da.“ Er stellte das so lächerlich dar, dass er mich damit wieder zum Lachen brachte. Aber ich erinnerte mich: Die Mitschülerin hatte das tatsächlich mit einigen anderen Mädchen aus der Klasse gemacht, öfters zur Begrüßung. Ich hatte einfach fast nie darauf geachtet, weil mich das nicht interessierte.
Ich war schon wieder so tief müde, als Marc mich fragte: „Hey… bist du noch wach?“ – „… Mhm?“ – „Ach, du schläfst ja schon fast.“ – „Ja… Ich bin einfach müde.“ Er legte sich nah an mich heran und meinte: „Willst du dich denn wenigstens richtig herum hinlegen?“ – „Neeeein…“ Ich zog das in die Länge, weil ich einfach so müde war. Sekunden danach schlief ich vermutlich auch schon.
Marc erzählt:
Ich wachte irgendwann morgens auf, weil ich irgendeinen dumpfen Schlag abbekommen hatte – ich lag auf dem Boden und musste gerade heruntergefallen sein. Das passte auch gut, da Janine dort, wo ich zuvor vermutlich lag, sehr platzraubend war. Sie wurde durch meinen Absturz auch so halb wach und schaute mich fragend an. Ich sagte leise zu ihr: „Süße, du hast mich runter gekegelt…“ – „Oh, entschuldige, das wollte ich wirklich nicht. Ich habe mich gerade gedreht und habe dich dabei vermutlich runtergeworfen.“ Ich kam wieder aufs Bett und wir nutzten die Chance, uns auf ihrem Bett richtig hinzulegen, da wir kreuz und quer lagen. Sie kuschelte sich fest an mich und fragte mich: „Hast du mich gerade Süße genannt?“ – „Ja, habe ich… Das passte irgendwie.“ – „Ich finde das toll.“ Sie gab mir einen kurzen Kuss und wir schliefen ziemlich schnell wieder ein.
Am späten Vormittag standen wir endgültig auf, nachdem wir ausgeschlafen hatten. Janine war schon einige Zeit vor mir wach, blieb aber, weil sie so lieb war, noch liegen, um mich nicht aufzuwecken, auch, weil ich eben sehr nah an ihr gekuschelt war. Als wir in die Küche gingen, wurden wir überrascht: Wir fanden dort ein großes Frühstück vorbereitet vor. Janine hingegen gab mir einen Kuss auf die Wange und meinte: „Sag, wofür habe ich denn das Frühstück verdient? Darum hast du so lange geschlafen, weil du vorhin aufgestanden bist!“ Ich war selbst perplex und sie sah dies meinem Blick auch an, sodass ich zu ihr sagte: „Du, ich war das nicht, ich habe die ganze Zeit neben dir tief und fest geschlafen. Ist deine Mutter da?“ – „Ja, offenbar. Aber sie ist nicht in der Wohnung, wo ist sie denn hin?“ Ich entdeckte auf dem Küchentisch einen kleinen Zettel, auf dem Melanie schrieb, dass sie das Frühstück für uns vorbereitet hatte, aber tagsüber nicht zu Hause sein würde und morgens nur kurz reingeschaut hatte. Janine schaute genauso fragend, wie ich mich in diesem Moment auch fühlte und sie sagte: „Das Verhalten kenne ich von meiner Mutter auch nicht.“ – „Mhm, wer weiß, vielleicht war ihr einfach so spontan die Idee gekommen.“ – „Kann natürlich sein, aber das ist eigentlich wirklich ungewöhnlich für sie.“ – „Wenn du das so komisch findest, sprich sie doch einfach heute Abend oder so darauf an.“ – „Ja, mal schauen. Lass uns essen, mein Hunger wird immer größer.“ Wir machten uns über das Essen her und ich half ihr am Ende noch, Ordnung in der Küche zu schaffen.
Janine ging direkt nach dem Essen ins Bad, weil sie duschen gehen wollte, da sie sich in ihrer Haut nicht wohlfühlte. Sie fragte mich, ob ich noch so lange bleiben würde – da es noch nicht so spät war und ich ziemlich vollgefressen war, ging ich auf ihren Vorschlag ein. Janine duschte eine ganze Weile und war fast eine Dreiviertelstunde im Bad beschäftigt. In der Zeit machte ich mich zumindest etwas nützlich und räumte Janines Zimmer etwas auf. Das vorsichtige Aufräumen meinerseits war insofern auch spannend, da ich in Janines Zimmer einige Bilder entdeckte, die ich bisher nie gesehen hatte. Viele zeigten ihre Familie, aber, und das sorgte irgendwie für ein flaues Gefühl in meinem Magen, dort war auch ein Bild von mir. Ich hatte ganz vergessen, dass ich ihr vor wenigen Wochen auch ein aktuelles Bild von mir gegeben hatte. Als sie kurz nach meinem Krankenhausaufenthalt bei mir zu Hause war und mit mir die Inhalte der verpassten Woche durchging, gab ich ihr auch ein Bild von mir mit, weil sie so gerne eines haben wollte. Mich selbst als Foto in ihrem Zimmer zu sehen, war ein komisches und merkwürdiges Gefühl.
Inmitten all meiner Gedanken hörte ich plötzlich, dass Janine nach mir rief. Der Ruf war sehr leise, weil die Badtür fast ihren gesamten Ruf verschluckte. Ich öffnete vorsichtig die Tür und sie fragte: „Kannst du mir kurz helfen?“ Verunsichert fragte ich: „Ja, klar… wobei denn?“ – „Komm kurz rein.“ Vorsichtig betrat ich das Bad und wurde von einem angenehmen, frischen Geruch begrüßt. Als ich in den Raum hineinschaute, stand dort Janine, die ihren Körper einzig mit einem großen Handtuch bedeckte. Auch wenn ich eigentlich fast nichts sah, zog sie mich unheimlich an. „Du, kannst du mir meine Sachen aus dem Bad holen? Ich hatte die da liegen lassen und ich will so nass nicht aus dem Bad raus, da friere ich nur total…“ Ich nickte nur, da mich Janines Anblick ziemlich sprachlos machte und holte fix ihre Sachen.
Ich betrat wieder vorsichtig das Bad und Janine sagte mit einem Schmunzeln: „Komm ruhig richtig ins Bad, ich tue dir ja nichts.“ Ich legte ihre Sachen auf einer Kommode ab und schaute sie wieder an, recht genau darauf achtend, ihr ins Gesicht zu schauen, um nicht womöglich etwas zu sehen, was ich noch nicht sehen sollte. Sie schmunzelte, weil sie mein Verhalten – so wie immer eigentlich – bemerkte und sagte: „Komm her… nah zu mir.“ Das brachte mich völlig aus dem Konzept, weil ich nicht wusste, was Janine vorhatte. Als ich vor ihr stand, kam sie das fehlende Stück noch näher und küsste mich. Sie achtete darauf, dass ihr Handtuch nicht zu sehr verrutschte, aber im Augenwinkel sah ich schon deutlich mehr Haut von ihr als jemals zuvor.
Ich war ein wenig erstaunt. Es war das erste Mal, dass ich Janine etwas freizügiger als alle anderen gesehen hatte – selbst, wenn sie zu einem gewissen großen Grad verdeckt war. Aber dennoch war es ein bisschen mehr als sonst, was mich irgendwie aus dem Konzept brachte. Nach dem Kuss meinte sie: „Wärst du so lieb und lässt mich jetzt was anziehen?“ Sie grinste mich dabei sehr breit an und ich sagte kurz und knapp: „Na klar.“
Einige Minuten später kam sie aus dem Bad, so natürlich, wie Gott sie schuf, völlig ungeschminkt. Ich fand sie wirklich hübsch. Nach wenigen Momenten meinte Janine: „Warum warst du eigentlich gerade so seltsam, als du ins Bad reinkamst?“ – „Also, weißt du… Na ja, ich habe gehört, dass du duschst, plötzlich warst du fertig und hast mich direkt gerufen. Ich… wusste nicht, was mich da erwartet.“ Ich schaute sie etwas peinlich berührt an, worauf sie sagte: „Hast du etwa gedacht, dass ich da vielleicht vollkommen nackt stehe, oder wie? Du wirst außerdem gerade ein bisschen rot…“ Sie lachte aufgrund meiner Reaktion und ich antwortete: „Nein, das habe ich nicht wirklich erwartet. Selbst wenn ich nichts gesehen habe, habe ich doch mehr gesehen als sonst. Das war halt schon anders als sonst.“ – „Du bist voll süß!“ Ich druckste einige Momente lang herum, in denen ich noch röter wurde: „Ach, hör auf, du wirst ja mittlerweile richtig rot!“ Ich grinste weiterhin und sagte eigentlich nichts. „Ich habe damit kein Problem. Wir sind jetzt zusammen und fertig. Außerdem war da eben wirklich nichts Schlimmes dran. Gewöhn dich einfach daran.“ Wir küssten uns kurz und gingen fix dazu über, ihr Zimmer aufzuräumen. Sie bemerkte aber in jedem Fall, dass ich schon einiges gemacht hatte: „Danke, dass du hier schon für Ordnung gesorgt hast. Die restlichen Sachen mache ich ruhig schon allein.“ Sie parkte mich einfach auf ihrem Bett und ich schaute ihr zu, wie sie die letzten Dinge in ihrem Zimmer erledigte.
Als sie endgültig fertig war, gingen wir zur Verabschiedung über, da ich – genauso wie sie – noch an einigen Hausaufgaben sitzen musste… Unsere Verabschiedung dauert ewig und endete erneut in einem sehr vorsichtigen Schmusen. Als ich mich nach dem Schmusen von Janine löste, sah ich, dass sie richtig riesige Pupillen hatte, sodass ich den Eindruck bekam, als hatte sie sich womöglich kurz nicht mehr unter Kontrolle.
Nachmittags machte ich zu Hause meine Hausaufgaben und redete gegen frühen Abend kurz mit Petra, die zu mir ins Zimmer kam. Nachdem sie mich allgemein einfach gefragt hatte, ob der sturmfreie Tag mit Janine am Freitag schön war, kam sie direkt mit einem Thema an, welches ihr persönlich sogar unangenehm war: „Dass Verhütung wichtig ist und wie Verhütung funktioniert, brauche ich dir nicht zu erklären, oder?“ Soweit hatte ich hinsichtlich Janine ehrlich gesagt noch gar nicht gedacht, auch wenn wir nun schon vorsichtig anfingen, miteinander zu schmusen. Dieser Schritt war für mich definitiv noch viel zu früh und ich wusste, ich würde noch einige Zeit brauchen, bis ich da hoffentlich hinkommen würde. Mir war das Thema vermutlich genauso peinlich wie Petra, obwohl es natürlich ein absolut wichtiges Thema war. „Dass wir Kondome benutzen, wenn es soweit ist, weiß ich, klar. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Janine überhaupt die Pille nimmt und so. Das muss ich noch rausfinden.“ – „Ok, gut, alles klar. Ich denke, ihr habt noch nicht… oder?“ – „Nein, wir haben noch nicht miteinander geschlafen, falls du das meinst. Ich denke, das wird auch noch eine Weile dauern, aber das finde ich nicht schlimm.“ – „Ist es auch absolut nicht, Großer. Lasst euch lieber Zeit dafür, sodass ihr wirklich Spaß daran findet… Und nicht, wie es bei uns Älteren damals so ablief.“ – „Was ist denn passiert?“ Petra legte ihre verkrampfte Art direkt wieder ab: „Na ja, bei uns damals ist man meist mit dem Erstbesten im Bett gelandet … einfach, um es ausprobiert zu haben. Demnach kann ich dir sagen, war mein erstes Mal damals eine totale Katastrophe.“ Wir mussten daraufhin lachen, weil sie sogar so ehrlich war und ein paar wenige Details von ihrem ersten Mal, aber auch aus der Zeit von damals, erzählte. „Großer, falls euer erstes Mal schieflaufen sollte, wäre das überhaupt nicht schlimm. Es gibt, glaube ich, fast kein Pärchen, wo das am Anfang gleich gut funktioniert hat.“ Mir ging währenddessen Julia durch den Kopf, weil das mit ihr auch primär nur Sex hätte werden können, so stürmisch, wie sie vorging. Ich war wirklich erstaunt von der Offenheit Petras, was mich aufgrund der Vertrautheit dazu brachte, dass ich zumindest erzählte, dass ich mit Janine schon ein bisschen geschmust hatte. Petra grinste und sagte nur: „Das ist doch schon ein guter Anfang. Der Rest kommt von ganz allein. Überstürzt einfach nichts.“
Als ich abends im Bett mit Janine telefonierte, erzählte ich ihr von dem Gespräch mit Petra nichts, mir war das peinlich. Ich hatte im Telefonat mit Janine außerdem plötzlich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht wusste, ob Janine das überhaupt ok fand, dass ich Petra erzählt hatte, wie weit Janine und ich in unserer Nähe zueinander waren. Aber ich musste ehrlich feststellen, dass mir dieses kurze Gespräch mit Petra irgendwie half, etwas lockerer mit den Themen Beziehung und Nähe zu werden, ich wusste nur nicht, warum. Gerade, weil Petra auch so locker damit umging, konnte ich zumindest für den Moment auch etwas leichter darüber reden.
Am nächsten Tag sammelte ich Janine wieder von der Bushaltestelle ein und wir genossen ein wenig Nähe, bis wir durch die Schule wieder einen gewissen Abstand zwischen uns ließen. Dass ich mit Janine zusammen war und sie im Unterricht sogar neben mir saß, lenkte mich tatsächlich nicht vom Unterricht ab. Es spornte mich hingegen sogar umso mehr an, sodass es einige Stunden gab, in denen der Großteil der Stunde aus meinen Unterrichtsbeiträgen bestand – ich arbeitete mich regelrecht in einen Rausch, weil ich so konstant gute Laune hatte.
So vergingen zwei Tage, in denen wir uns nach der Schule nicht sahen, weil wir einfach zu viel um die Ohren hatten. Als Janine und ich am Mittwoch in den Klassenraum kamen, stand groß an der Tafel „Janine + Marc“. Janine griff beherzt einfach zum Schwamm und wischte die Tafel, während ich mich leicht angesäuert im Klassenraum umschaute und mir einprägte, wer 20 vor acht bereits in der Schule war. Wie sollte es anders sein, mein Lieblingsfreund Alexander war auch darunter. Er schaute mich just in diesem Moment intensiv an und grinste mich ganz breit an, wahrscheinlich sogar noch stolz in Anbetracht seiner geistig eingeschränkten Leistung, zwei Namen fehlerfrei an die Tafel zu schreiben. Ich regte mich aber schnell wieder ab, auch, weil mich Janine mehr oder weniger an die Hand nahm und mit zu unseren Sitzplätzen führte, die Gott sei Dank recht weit entfernt von Alexander waren.
Der Donnerstag war durch acht Schulstunden reichlich anstrengend. Er begann passend aber auch nur völlig bescheiden, da Janine und ich wieder eine vollgeschmierte Tafel vorfanden, auf der dieses Mal „Marc + Janine = ?“ stand. Natürlich war auch Alex bereits wieder im Raum, als einer von ganz wenigen – als wir ihn direkt darauf ansprachen, leugnete er natürlich alles. Janine war direkt nach dem Gespräch weiterhin völlig ruhig und tiefenentspannt, ich dafür das ganze Gegenteil, was Janine auch bemerkte. Sie strich mir einige Sekunden lang über den Rücken, wodurch ich mich beruhigte. Außerdem betonte sie erneut, ich sollte klüger als er sein: Wir machten mit Tim aus, dass wir drei am nächsten Morgen bewusst einige Minuten früher da sein wollten, um denjenigen oder diejenige, die die Tafel vollschmierte, vielleicht auf frischer Tat erwischen zu können.
So folgte der Höhepunkt am Freitag. Tim gab uns Bescheid, dass er leider wenige Minuten später eintreffen würde, sodass Janine und ich beschlossen, einfach trotzdem schon in den Klassenraum zu gehen, um nach dem Rechten zu schauen. Als wir die Tür des Raumes schlagartig öffneten, um so überraschend wie möglich einzutreten, sahen wir Alexander an der Tafel, wie er gerade den Satz „Marc betrügt Janine“ vollendete. Er grinste dabei hämisch und freute sich, bekam aber große Augen, dass wir ihn auf frischer Tat erwischten. Er war vor allem deswegen überrascht, weil Janine so clever war und ausnahmsweise ihr Smartphone in der Hand hielt, mit dem sie direkt spontan ein Video von Alexander machte, der eben an der Tafel mit Kreide in der Hand stand. Wir brachen dafür auch bewusst kurzfristig die Schulregeln, da wir das Smartphone offen auf den Gängen nicht benutzen durften – aber der Zweck heiligte die Mittel.
Ich ballte meine Fäuste, weil mich diese groben Dummheiten unheimlich auf die Palme brachten – Janine bemerkte meine Wut und flüsterte mir leise zu: „Mensch, beruhige dich, lass dich doch von diesem Idioten nicht provozieren. Wir haben ihn dabei beobachtet, und hinten sitzt ja auch noch eine Zeugin. Wir erzählen und zeigen das einfach nachher unserem Klassenlehrer.“ Ich bemerkte nur am Rande, dass eine der Mädchen aus unserer Klasse ihn offenbar gedeckt und es einfach geduldet hatte, dass er solche Scheiße von sich gab. Alexander legte verbal nun aber noch nach: „Na, was ist denn los? Warum lässt du deiner Wut nicht freien Lauf?“ Bevor ich verbal auch nur irgendwas machen konnte, warf Janine ihm entgegen: „Dich hat keiner nach deiner Meinung gefragt, Vollidiot. Du bist doch einfach bescheuert, dass du solchen Mist an die Tafel schreibst. Ich wäre an deiner Stelle vorsichtig, was du so von dir gibst, du machst dich mit solchen falschen Anschuldigungen strafbar, das weißt du schon, oder?“ Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht.
So langsam sickerte es in Alexander durch, dass Janine ja ein Beweisvideo von ihm hatte, welches sie, das sei fairerweise dazu erwähnt, auch nicht gänzlich legal aufgenommen hatte. Er kam bedrohlich auf uns zu, weil er selbst aufbrausender wurde, und wollte offenbar Janines Smartphone entwenden, welches sie noch in der Hand hielt, sodass ich eingriff und meine Wut rausließ, indem ich ihn, so kräftig ich konnte, am Arm griff und ihn einmal umdrehte, worauf er zumindest nicht mehr das Smartphone entwenden konnte. Dafür revanchierte er sich mit einem Schlag in den Bauch, den ich vor Adrenalin nicht spürte – allerdings löste das bei mir absolute Rage aus, weil ich mich nun selbst verteidigte und stinksauer darüber war, dass er aggressiv gegenüber Janine vorgehen wollte. Wir gingen halb prügelnd, halb schubsend, aufeinander los. Ich bekam die Zeit kaum mehr mit, die Auseinandersetzung fühlte sich ewig an. Janine stellte sich nach einiger Zeit mutig und tapfer zwischen uns beiden Streithähnen und neben Tim waren in der kurzen Zwischenzeit auch ein paar weitere aus der Klasse eingetroffen, die das ganze Szenario beobachteten. Tim hielt mich fest, weil ich die definitiv größere Rage hatte – Alexander verzog sich einige Meter weg von mir und tiefer in den Raum hinein.
Janine schrie mich regelrecht an: „Ist alles ok mit dir?“ – „Ich habe leichte Schmerzen im Bauch, aber sonst ist alles ok.“ Tim fragte Alexander obligatorisch auch, worauf dieser auch sagte, dass er nichts weiter haben würde. Im Grunde war auch wahrlich nicht viel passiert, da wir uns mit unseren Schlagversuchen kaum trafen.
Tim brüllte in den Raum hinein: „Ihr beruhigt euch jetzt, ist das klar?!“ Die Klassensprecherin war glücklicherweise kurz schon da gewesen und direkt wieder los geflitzt, um unseren Klassenlehrer zu suchen, den sie offenbar auch direkt fand, obwohl es noch nicht zu der Pause geklingelt hatte, in der wir normalerweise erst in den Raum gehen sollten. Tim als Klassensprecher konnte schlecht loslaufen, weil er Sorge hatte, dass Alex und ich wieder aufeinander losgehen würden. In der kurzen Zeit bis zum Eintreffen des Lehrers konnte ich mich wieder beruhigen und sah dort zum ersten Mal, wie verzweifelt und besorgt Janine mich anschaute. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass Wut in ihr war – ich konnte mich noch auf manches gefasst machen…
Wir erklärten unserem Klassenlehrer, dass wir Alexander hinsichtlich der Tafelschmierereien und der falschen Unterstellungen überführt hatten. Wir bekamen, nachdem wir ihm das Video zeigten, fast wie erwartet, einen kleinen Rüffel für die unerlaubte Aufnahme, gleichzeitig bekam Alexander richtigen Ärger für den Mist, den er verzapft hatte. Wir sprachen auch direkt die körperliche Auseinandersetzung an, in der ich erklärte, dass er Janine offenbar angreifen wollte. Er stritt alles ab – Janine sagte, dass Alex ihr sehr aggressiv das Telefon abnehmen wollte. Sogar die einzige echte Zeugin im Raum gab auf intensiver Nachfrage zu, dass sie befürchtet hatte, dass Alexander Janine eine reinhauen würde oder zumindest Gewalt anwenden würde, um an das Smartphone mit dem Video zu kommen. Unser Tafelschmierer schwieg im Laufe des Gespräches beharrlich – er stritt diese Dinge schlussendlich nicht ab. Unser Klassenlehrer ermahnte mich deutlich, dass Gewalt keine Lösung darstellte – gleichzeitig sagte er aber auch, dass es mein gutes Recht darstellte, einen Menschen zu verteidigen, dem womöglich Gewalt angetan werden sollte. Ich bekam daher keine Verwarnung, ich wollte Janine schließlich nur verteidigen und hatte die körperlichen Handlungen auch nicht begonnen. Alexander wurde hingegen direkt mitgenommen, da er ein Gespräch mit der Schulleiterin haben sollte.
Kaum, dass unser Klassenlehrer den Raum verließ, stürzte sich Janine regelrecht auf mich: „Wie geht es dir? Ist alles in Ordnung mit dir? Tut dir irgendwo was weh?“ – „Die leichten Bauchschmerzen sind schon wieder weg. Sonst tut mein Handgelenk ein bisschen weh, aber das ist alles nicht schlimm.“ – „Bist du sicher?“ – „Ja, wirklich, mir geht es gut. Ich bin nur erschöpft, weil die ganze Hektik ziemlich viel Energie gekostet hat.“ – „Wie kannst du so dermaßen auf ihn losgehen?“ Plötzlich griff mich Janine verbal recht harsch an – in einem Tonfall, den ich von ihr so noch nicht kannte. „Er wollte dich angreifen, da habe ich rotgesehen. Das würde ich bei keinem zulassen. Bei dir erst recht nicht.“ – „Hast du vergessen, was ich dir gesagt habe? Dass er dafür bekannt ist, Leute zu verprügeln und teilweise sogar schwer zu verletzen? Stell dir vor, er hätte dich so stark verletzt, dass…“ – „Hey, das ist doch überhaupt nicht passiert. Er wirkte doch nur aufgeblasen und angeberisch, da war doch gar nichts dahinter.“ – „Ich habe mir verdammt noch mal Sorgen um dich gemacht!“
Sie sagte dies in einer hohen Lautstärke und war ziemlich aufbrausend, dass ich sogar vor Janine ein bisschen Angst bekam. Dabei schlug sie, mehr aus Verzweiflung und Sorge, zwei Mal gegen meinen Arm, um es mir eindringlich klarzumachen. Die Schläge taten nicht weh, aber sie hatten einen ziemlichen Effekt, da ich sofort einfühlsamer wurde und auch bemerkte, dass sie offenbar Tränen in den Augen hatte. Ich beruhigte sie sofort, da bestimmt die halbe Klasse ihre Vorwürfe mitbekommen haben musste. „Tut mir leid, dass ich auf ihn so losgegangen bin und dass du deswegen solche Sorgen hattest, ich wollte einfach nicht zulassen, dass er an dein Smartphone kommt oder dir dabei noch etwas tut.“ – „Ist dir vielleicht die Idee gekommen, dass ich Schiss hatte, dass dir auch noch was Schlimmes passiert, so wie meinem Vater?“ Diese Frage hatte sie glücklicherweise so leise gestellt, dass tatsächlich nur ich allein sie mitbekommen hatte. „Tut mir leid, ich wollte dich natürlich an all das nicht erinnern.“ Sie sagte darauf zunächst nichts weiter und ignorierte mich die nächsten Minuten zusätzlich als Strafe. Die Ignoranz war von allen Dingen die härteste Bestrafung. Aufgrund dieser Geschehnisse begann unser Unterricht bei unserem Klassenlehrer auch mit 20 Minuten Verspätung. Er kam überraschend allein zurück. Das Getuschel war groß, sodass wir nur sicher waren, dass Alexander offenbar mindestens für den Tag wohl nicht mehr im Unterricht sitzen durfte. Womöglich würde seine Strafe aber noch größer ausgefallen…
Janine redete auch in der ersten kleinen Pause zwischen der ersten und zweiten Stunde kein Wort mit mir. Tim hatte das Ganze auch mitbekommen und sagte mir, als Janine in der Pause kurz auf Toilette ging: „Ganz ehrlich, sie hat schon durchaus Recht, mit dem, was sie vorhin gesagt hat. Ich habe mir auch Sorgen gemacht, so, wie ihr aufeinander losgegangen seid.“ – „Ja, sie hat schon Recht, klar. Ich wollte sie wirklich nur beschützen.“ – „Und da schwang nicht auch Wut wegen der letzten Tage mit? Sonst bist du doch weitaus besonnener und lässt dich gar nicht so provozieren.“ – „Doch, natürlich war ich stocksauer. Er hatte es einfach verdient, auf die Fresse zu bekommen.“ – „Siehst du, genau das spürt auch Janine hundertprozentig. Sieh zu, dass du dich spätestens in der großen Pause um sie kümmerst. Janine ist durch das ganze Hin und Her mit euch beiden und durch ihren Vater schon genug durcheinander, da kann sie so was erst recht nicht gebrauchen.“ – „Ja, damit hast du Recht.“ – „Aber, unter uns gesagt, ich hätte vermutlich genauso wie du reagiert, wenn jemand bedrohlich auf Anna zugehen würde. Du hast Janine nur verteidigt, da ist es völlig ok, dass du so vorgehst. Du hast ihn nicht zuerst angegriffen, sondern er euch.“ Ich nickte nur – Tim und ich verstanden uns.
Janine kam von der Toilette wieder und setzte sich still neben mich. Ich flüsterte ihr in einem günstigen Moment leise zu: „Es tut mir leid, dass ich dir solch große Sorgen bereitet habe. Wirklich. Ich wollte das nicht. Lass uns nachher in der Pause reden, ok?“ Sie nickte vorsichtig und lächelte ganz vorsichtig dabei, was mich für die nächsten 45 Minuten etwas ruhiger stimmte.
Als die große Pause begann, gingen Tim, Janine und ich in eine ruhige Ecke unserer Schule. Da wir im Gegensatz zu den jüngeren Schülern nun auch unsere Pausen auf den Gängen verbringen dürften, war es vergleichsweise ruhig. Janine schaute mich besorgt an und fragte: „Wie geht es dir?“ – „Die Magenschmerzen und die Schmerzen im Handgelenk sind komplett weg, also alles wieder gut.“ – „Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert.“ Ich lächelte sie an, weil ich schon ein ziemlich schlechtes Gewissen hatte, auch, wenn ich sie primär nur beschützen wollte. Sie sagte wenige Sekunden später: „Versprichst du mir was?“ Ich schaute sie fragend an und sie sagte: „Versprichst du mir, dass du so was nie wieder machst?“ – „Was genau meinst du?“ – „Dich so heftig mit irgendwem zu prügeln? Ich hatte echt Angst, dass er vielleicht sogar noch ein Messer zieht und dir noch viel Schlimmeres antun könnte…“ – „Ich verspreche es. Aber ich werde dich auch beim nächsten Mal wieder beschützen, wenn ich das Gefühl habe, dass dich jemand angreifen will. Das lasse ich mir nicht verbieten, von keinem.“ Sie dachte kurz darüber nach und meinte: „Das ist ja auch völlig ok. Ich finde es auch toll, dass du so direkt dazwischen gegangen bist, bevor überhaupt irgendwas passiert ist. Ich möchte vor allem, dass du mir versprichst, ruhig zu bleiben, wenn wieder solch eine angespannte Situation entstehen sollte.“ – „Ja, ich verspreche dir das und versuche ruhig zu bleiben, wenn wieder so etwas sein sollte.“ Wir küssten uns einfach kurz und ich schaute danach kurz zu Tim, der ein Lächeln auf den Lippen hatte und die gesamte Situation über schwieg. Ich war aber trotz allem froh, dass er mit dabei war, weil ich es einfach unheimlich schätzte, dass er so gut vermitteln konnte, auch wenn sich eine Situation noch so kompliziert darstellte. Janine flüsterte leise: „Ich liebe dich.“, worauf ich ihr das Gleiche erwiderte. Der Rest des Tages verging an sich wieder sehr angenehm, auch wenn ich mich durch die Stunden ganz schön quälen musste, weil ich reichlich müde war. Diese Auseinandersetzung am Morgen hatte viel Energie gekostet, die mir den Tag über jetzt einfach fehlte.
Janine erzählte mir in unserer letzten gemeinsamen Stunde, dass wir uns über das Wochenende hinweg nicht würden sehen können, da sie mit ihrer Mutter zu Verwandten fuhr. Ich fand das schade, weil ich sie schon viel um mich haben wollte. Ich war jetzt so sehr an die Regelmäßigkeit gewöhnt, mit der ich Janine sah, dass es schon fast komisch war, dass sie nun das Wochenende nicht da war. Da mein Informatikunterricht glücklicherweise ausfiel, brachte ich sie aber spontan wenigstens noch nach Hause, verbrachte dort noch etwa eine Stunde mit ihr und fuhr abschließend nach Hause.
Kaum, dass ich zu Hause war, trieb es mich wieder nach draußen. Ich rief Tim an, mit dem ich mich für den Abend spontan zum Billard spielen verabredete. Kurz, nachdem wir mit dem Spielen begonnen hatten, sagte er: „Hui, so habe ich dich heute Morgen aber auch noch nicht gesehen. Du warst ja extrem wütend.“ – „Ja, es würde mich auch noch weiter wütend machen, wenn ich groß drüber nachdenke. Ich verstehe nicht, wie man auf solch einen Schwachsinn kommen kann. Warum denkt sich jemand so was aus? Ich finde das einfach bescheuert.“ – „Ach, zerbrich dir darüber nicht den Kopf. Er hat einfach offenbar riesige Langeweile, schau dir doch einfach an, was für Noten er so schreibt. Er legt sich mit allen möglichen Lehrern an und seine Noten sind vermutlich überall schlecht, ich glaube nicht, dass er in die zwölfte Klasse kommt, wenn er so weiter macht. Übrigens, was ich vorhin nicht erzählen konnte, weil fast immer andere von uns mit dabei waren: Alexander soll für zwei Wochen suspendiert werden.“ – „Oha!“ – „Ja, die Schulleiterin will wohl heftig durchgegriffen, weil das bei weitem nicht das erste Mal war, dass er Mist gebaut hat. Es wird jetzt noch eine Klassenkonferenz geben, kann also gut sein, dass du da auch noch beteiligt bist. Ich werde wohl aber auf jeden Fall beteiligt sein, vielleicht reicht meine Aussage ja auch, ich habe ja fast komplett gesehen, was passiert ist.“ – „Krasse Sache… Woher weißt du das alles?“ – „Ich weiß das von unserem Klassenlehrer.“ – „Der hat dir das einfach so erzählt?“ – „Da war ich auch ziemlich erstaunt. Er hat uns Klassensprechern das erzählt, damit wir alle anderen aus unserer Klasse notfalls beruhigen können, wenn sich jemand fragt, warum Alexander heute nicht mehr da ist und vor allem, warum er plötzlich zwei Wochen fehlen sollte.“ – „Ah, verstehe.“
Ein paar Spiele und einige Gespräche über Computerspiele später fragte er mich: „Machst du mit Janine heute oder morgen gar nichts?“ – „Die fährt zu Verwandten weg… das ganze Wochenende.“ – „Aha. Schlimm?“ Er grinste und steckte mich damit an, worauf ich sagte: „Na ja, es geht. Wir sehen uns jeden Tag. Aber ein bisschen komisch ist es irgendwie.“ – „Kann ich mir gut vorstellen, so geht es mir manchmal auch heute noch, wenn Anna für ein paar Tage nicht in der Stadt ist. Anna hat ziemlich viel Familie, dadurch fährt sie öfters weg.“ – „Kannst du nicht eventuell mitfahren?“ – „Bisher hat sie mich fast nie gefragt, was ich bisher auch nicht so richtig verstehe.“ – „Mhm, will sie das einfach nicht?“ Er schwieg auf diese Frage hin lange und spielte einige Züge hintereinander, da er jedes Mal eine Kugel versenkte. Gerade, als ich ein weiteres Mal fragen wollte, sagte er: „Anna ist nicht das Problem, es ist höchstwahrscheinlich ihre Familie.“ – „Warum das?“ – „Ich habe ständig das Gefühl, dass mich ein Teil ihrer Familie nicht so richtig leiden kann. Aber richtige Beweise habe ich dafür nicht.“ – „Wie kommst du darauf?“ – „Ich habe bei einigen Verwandten von ihr das Gefühl, dass sie verlogen sind. Ihre Eltern gehen eigentlich, aber auch bei denen habe ich nicht das Gefühl, besonders gemocht zu werden… Immerhin scheinen sie mich aber zu akzeptieren.“ – „Also warst du bei manchen Verwandten schon mit dabei?“ – „Ja, ganz am Anfang war ich zwei oder drei Mal mit dabei, aber da wurde ich manchmal wie Luft behandelt, was ich nicht in meinen Kopf reinkriege.“ – „Davon hast du bisher nie was erzählt.“ – „Na ja, ich spreche auch nicht jedes Mal darüber, weil ich mich nicht ständig damit beschäftigen will. Anna ist mir wichtig, und das wird sie auch bleiben. Ihre Familie ist mir da egal, so böse das klingt.“ – „Deine Sicht kann ich schon verstehen…“ Mir ging einige Sekunden durch den Kopf, wie es wohl sein würde, wenn Petra ein Problem mit Janine oder Melanie ein Problem mit mir hätte. Ich stellte mir das unheimlich schwierig vor.
„Wie sind denn deine Eltern zu Anna?“, fragte ich ihn. „Meine Eltern mögen sie sehr gerne. Das ist auch der Grund, warum Anna sehr, sehr oft bei mir ist, ich bin bei ihr ganz selten. Wir trauen uns selbst in ihrem Zimmer nicht, richtig miteinander zu schmusen, wenn wir bei ihr sind. Dementsprechend haben wir es bisher nur bei mir zu Hause getan, wenn meine Eltern schliefen oder eine Nacht nicht da waren.“ Ich war über Tims Offenheit echt erstaunt, weil er sich nur selten so tief in die Karten blicken ließ. „Wie oft habt ihr schon miteinander geschlafen?“ – „Nur ein paar Mal, weil sich eben so selten die Gelegenheit ergibt. Lust haben wir aber weitaus öfters, das kannst du mir glauben.“ Er grinste verschmitzt und sagte: „Na ja, man muss ja nicht immer miteinander schlafen, um Spaß zu haben.“ Ich verstand in etwa, was er meinte.
Er fragte mich: „Und, wie weit seid ihr jetzt nach den zwei Wochen?“ – „Eigentlich könnte man noch wenige Wochen mehr sagen, wenn wir die Zeit seit unserem ersten Kuss dazu rechnen würden. Aber du hast schon Recht, so richtig ist es ja erst seit zwei Wochen.“ Ich dachte kurz nach und ergänzte: „Na ja, viel ist nicht passiert. Wir knutschen halt ziemlich viel rum, wenn wir unter uns sind. Ich habe letztens auch bemerkt, dass wir angefangen haben, uns nah aneinander zu ziehen, wenn wir knutschen. Janine wird manchmal durch die Knutscherei ziemlich wild… Sie knutscht mich immer intensiver. Ich kann das noch nicht so einordnen.“ – „Hihi, das klingt doch alles gut. Du wirst dich noch an so einiges mehr gewöhnen müssen.“ – „Das stimmt wohl.“, ergänzte ich nachdenklich. Ich fand das Bisherige mit Janine schön, aber gleichzeitig gruselte ich mich irgendwie vor dem, was noch so folgen sollte. Tim sagte abschließend: „Hör auf, dir eine Platte zu machen, das kommt alles von ganz allein.“
Ein paar Momente später meinte ich zu ihm: „Janine hatte letztens bemerkt, dass ich einen ziemlich Steifen hatte, als wir wieder anfingen, miteinander zu schmusen. Wir lagen dabei einige Zeit übereinander.“ – „Und? Was ist daran jetzt schlimm?“ – „Mir war das peinlich.“ – „Quatsch, das ist doch völlig normal. Und außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Janine das vielleicht gar nicht so schlecht fand.“ – „Wie meinst du das?“ – „Wenn du auf ihr liegst und einen Steifen bekommst, kannst du dir doch sicherlich denken, wo ungefähr sie deinen besten Freund gespürt hat?“ – „Ja… schon.“ – „Siehste. Mensch, ich glaube, Janine wird dir noch eine Menge beibringen müssen!“ Das Problem war: Das glaubte ich auch.
„Sie stand letztens nur mit einem Handtuch bedeckt vor mir.“, erzählte ich ihm. Jetzt musste Tim fast lachen: „Na und, was ist daran jetzt so schlimm?“ – „Na ja, ich habe sie noch nie so gesehen. Das war so anders.“ – „Ach, weißt du, da kommen noch ganz andere Sachen. Irgendwann wird sie das Handtuch nicht mehr vor ihren Körper halten, wenn du mit dabei bist.“ – „Ja, ja, ich weiß, daran denke ich aber noch lange nicht.“ – „Du kannst mir glauben, das wird schneller passieren, als du denkst. Ich habe damals auch gedacht, dass ich den ersten Sex mit Anna lange vor mich herschieben würde, aber das ging alles viel, viel schneller, als ich ursprünglich geglaubt habe. Das kommt ganz von allein.“
„Ich wollte dich aber auch noch was anderes fragen“, lenkte ich vom Thema Sexualität ab. Tim hörte zu und ich sagte: „Ich überlege allgemein, was ich mit Janine so unternehmen kann in den nächsten Wochen. Irgendwie fehlen mir da so die Ideen.“ – „Na ja, du kannst dich doch schon danach richten, was sie so mag.“ – „Na ja, bummeln oder Kino habe ich ja so schon oft mit ihr gemacht, ich will halt nicht, dass das irgendwann zu langweilig wird.“ – „Ansonsten… etwas, wo du ihr bestimmt näherkommen kannst, ist Schwimmen.“ Stimmt, daran hatte ich wirklich gar nicht gedacht. „Gute Idee“, sagte ich zu ihm. Darauf ergänzte er: „Vor allem kannst du herausfinden, was ihr Problem mit dem Schwimmen ist. Erinnerst du dich noch, als wir sie vor einiger Zeit gefragt haben, ob sie mit uns schwimmen geht? Da war sie nicht so angetan davon.“ – „Ja, stimmt. Mal schauen, was sie dazu sagt, wenn ich ihr das vorschlage.“ – „Beim Schwimmen kannst du ihr so wunderbar näherkommen, einfach, wenn du mit ihr herumalberst. Aber gib Acht, wenn du ihr im Schwimmbad richtig näherkommen willst, Anna und ich haben etwas Ärger bekommen…“ – „Was habt ihr denn gemacht?“ – „Wir haben einfach nur ziemlich heftig herum geschmust, aber das war für die Öffentlichkeit schon etwas zu viel…“ Er grinste und ich sah in seinem Gesicht etwas, was ich fast noch nie gesehen hatte: Es war ihm tatsächlich etwas peinlich.
„Was anderes, was du machen könntest, wenn es wieder warm ist, ist ein Picknick – nur ihr beide. Oder du überraschst sie damit, ich helfe dir auch dabei, dass ich eure Sachen bewache und wenn du kommst, dass ich mich direkt vorher verziehe, sodass du mit ihr allein sein kannst.“ – „Das wäre auch cool!“
Nach dem Billard ging ich spontan noch zu Tim mit nach Hause, um dort über Nacht zu bleiben. Petra gab ich per Nachricht Bescheid, sie stimmte dem problemlos zu. Tim und ich spielten bis tief in die Nacht – oder besser gesagt bis zum Morgen, da wir um kurz nach drei erst ins Bett gingen. Unserer Freundschaft tat dies aber unheimlich gut, da wir über viele Dinge sprechen konnten, zu denen wir sonst nicht kamen. Vieles war belanglos davon, aber ich spürte, dass es ihm guttat, dass er auch noch über das schwierige Verhältnis zu Anna reden konnte. In ihm hatte sich offenbar ein großer Frust aufgestaut, den er einfach rauslassen musste.
Gegen elf standen wir ziemlich erschöpft auf und ich fuhr nach Hause, um direkt im Anschluss einen Großeinkauf zu machen. Auch danach gönnte ich mir keine Pause, da ich daran anschließend loszog, weil ich Bock auf Bummeln hatte. Obwohl ich Geld, zum Beispiel für eine Reise, ansparen wollte, gab ich dennoch etwas Geld aus, um mir selbst eine neue Maus für den PC, aber auch ein Buch für Janine zu kaufen, von dem sie seit Wochen regelmäßig sprach, welches sie sich aktuell aber nicht leisten konnte oder wollte. Dank Einpackservice im Buchgeschäft hatte ich direkt ein richtig schönes Geschenk.
Als ich zu Hause ankam, wunderte ich mich, denn die Tür war nicht abgeschlossen, aber im Flur lag ein Zettel, dass Petra spontan noch eine Schicht einlegen würde, um einen Kollegen zu vertreten. Vermutlich hatte sie einfach vergessen, abzuschließen, war meine einfache Erklärung. Ich griff meine Einkäufe, schob meine nur angelehnte Tür auf und zuckte heftig zusammen, da eine Person drin war – Janine!
Ich stand an der Tür, völlig verdattert und schaute Janine an, die mich breit angrinste. „Na?“, fragte sie mich. Sie war unheimlich sexy angezogen und für ihre Verhältnisse wieder ziemlich freizügig… Nicht, dass ich das nicht unheimlich toll fand, aber gleichzeitig war sie in ihrer Offenheit schon mittlerweile dem Durchschnitt der Klasse näher, als es mir persönlich manchmal lieb war. Ich fand es gerade bisher toll, dass Janine in den letzten Monaten öfters recht natürlich blieb und nicht so viel von sich zeigte.
Ich fing Janine auf, da sie schlagartig aufstand und mich fast ansprang, um mich zu umarmen. Ich freute mich total, dass sie hier war! Aber… warum war sie überhaupt hier, sie war doch verreist? Zu meiner Frage kam ich aber nicht, da wir in eine kurze, aber intensive Knutscherei übergingen, die letztlich auf meinem Bett endete. Im Zuge dessen purzelten wir wieder übereinander – sie lag auf mir und ich fand es angenehm, auch wenn mir wieder mulmig dabei war. Es war wieder ziemlich wild…
Sie ließ mich nach einigen Momenten aufrichten und fragte mich: „Wo warst du denn so lange? Ich warte hier seit ungefähr einer Stunde!“ – „Hui, so lange bist du hier schon allein? Was hast du denn so lange gemacht?“ – „Na ja, ich habe Fernsehen geschaut und auf meinem Handy herumgespielt. Du hattest doch nichts dagegen, dass ich hier schon allein auf dich gewartet habe?“ – „Nein, wir sind zusammen, warum sollte ich da was dagegen haben? Ich vertraue dir.“ – „Ich dir auch.“, ergänzte sie lächelnd.
Ehe ich zu meiner Frage kam, entdeckte sie die Tüten, die ich vom Einkauf mitgebracht hatte. „Was hat du denn Tolles gekauft?“ Sie wollte gerade in die Tüten schauen, als ich ihr noch rechtzeitig die Tüten stahl. „Wieso darf ich denn nicht hineinschauen?“ – „Das verrate ich dir gleich.“ Ich grinste und sie sagte: „Na los, verrate schon!“ – „Ich verrate dir das erst, wenn du mir sagst, wie es bei deinen Verwandten war und warum du jetzt schon wieder hier bist.“ – „Ok, da gibt es aber nicht viel zu erzählen. Wir waren bei meiner Tante, ihrem Mann und meinen beiden Cousins, sie wohnen auf dem Lande. Es war richtig schön dort, weil da eben nicht direkt Stadt vor der Tür ist. Es ist draußen richtig ruhig, ganz anders als hier bei uns. Ich habe die paar Stunden mit meinen Cousins verbracht, wir konnten richtig viel quatschen, was richtig schön war. Wir mussten aber heute leider schon wieder zurückfahren, weil die Wohnung, die wir kostenlos von meiner Tante bekommen hatten, doch spontan an Gäste vermietet wurde. Wir fahren aber bestimmt demnächst noch mal hin und bleiben wir sicher ein paar Tage länger. Reicht das?“ – „Ja, klar. Ich war einfach völlig perplex, als du hier plötzlich gesessen hast. Jetzt ergibt das aber auch Sinn, dass die Tür nicht abgeschlossen war, obwohl Petra gar nicht zu Hause war.“ – „Ja, sie hatte die Tür wegen mir extra nicht abgeschlossen, weil sie mich ja nicht einsperren wollte, bis du wieder zu Hause bist. Was hast du eigentlich gemacht?“ – „Ich war gestern mit Tim Billard spielen und bin über Nacht bei ihm geblieben. Es wurde spät.“ – „Habt ihr die ganze Zeit gespielt?“ Ich nickte und grinste dabei etwas peinlich berührt. „Wir haben währenddessen aber auch sehr viel geredet und ich habe auch einige Dinge über Anna und ihm erfahren.“ – „Aha?“ – „Kurz gesagt, scheint Annas Familie Tim überhaupt nicht ausstehen zu können.“ – „Oh weh, warum das?“ – „Das weiß er selbst nicht so genau, zumindest ist sein Gefühl, dass ihre Familie ihn nicht leiden kann.“ – „Das klingt ja überhaupt nicht schön. Er hat davon aber auch bisher nichts erzählt.“ – „Ja, er meinte nur, dass er das Thema verdrängt, weil er nicht die ganze Zeit darüber nachdenken will.“ – „Das kann ich gut verstehen. Was hast du jetzt eigentlich gekauft? Zeig her!“ Ich sagte: „Ich habe mir eine neue Maus für meinen PC gekauft… und ich habe etwas, was dich vielleicht interessieren dürfte.“ – „Wie meinst du das jetzt?“ – „Na ja, ich habe für dich auch etwas gekauft. Etwas, dass du so gerne haben willst.“ – „Ich stehe noch ganz schön auf dem Schlauch.“, sagte sie. „Findest du nicht auch, dass die Liebe etwas Schönes ist?“ Ich betonte den Begriff „Liebe“ deswegen so stark, weil der Titel des Buches dieses Wort beinhaltete. „Du hast doch nicht etwa… Ist es das, was ich denke?“ – „Hier, mach es auf.“ Ich reichte ihr das eingepackte Buch und schaute ihr zu. Nach wenigen Sekunden sagte sie: „Genau das wollte ich so unheimlich gerne haben! Danke, danke, danke!“ – „Ach weißt du, ich habe letztens erst wieder mitbekommen, wie du mit Sabrina genau darüber gesprochen hast. Ich dachte, das wäre ein schönes Geschenk.“ – „Auf jeden Fall! Ich liebe dich!“ Ehe ich etwas erwidern konnte, knutschten wir wieder kurz miteinander rum.
„Wie viel Zeit hast du eigentlich mitgebracht? Wann soll ich dich wieder nach Hause bringen? Oder soll ich fragen, ob du hierbleiben darfst? Hättest du denn Zeit?“ – „Du brauchst nicht mehr zu fragen.“ – „Ähm… wie jetzt?“ – „Na ja, ich habe vorhin auf dem Festnetz angerufen, weil du nicht an dein Smartphone gegangen bist, und da kam Petra ans Telefon. Sie hat direkt gesagt, dass ich natürlich auch über Nacht bleiben kann, wenn wir das so wollen.“ – „Das ist echt super!“ – „Das ist auch der Grund, warum ich dich hier jetzt überraschen konnte, ich bin noch genau rechtzeitig hier angekommen, bevor Petra los zur Arbeit ist. Sie meinte, ich kann hier ja einfach auf dich warten. Sie scheint mir auch sehr zu vertrauen, sodass sie mich hier einfach allein hat warten lassen.“ – „Na klar vertraut sie dir, ich weiß, dass sie dich unheimlich gerne hat.“ – „Ich habe sie auch mega gerne… Dass meine Mutter dich mag, hast du ja letztens erst erlebt.“ Ich dachte daran, als Melanie mir das Du anbot und meinte grinsend: „Klar.“ Nach ein paar Sekunden ergänzte ich: „Petra hat mir auch gesagt, dass wir nicht mehr Bescheid sagen müssen, wenn du hier übernachten möchtest.“ – „Hat meine Mutter mir auch gesagt.“ – „Das ist super!“
Ich beschäftigte mich daraufhin kurz damit, meine neue Maus an meinen Computer anzuschließen und die Kabel ordentlich zu verstecken, während Janine einfach schon ein paar wenige Seiten in ihrem neuen Buch las. Danach fragte sie mich: „Hättest du Lust, jetzt noch rauszugehen? Bestimmt nicht, oder?“ – „Ich war heute schon ziemlich viel unterwegs. Wenn du mich noch ein oder zwei Stunden ausruhen lässt, können wir nachher noch rausgehen.“ – „Bist du sicher? Na ja, es ist ja wirklich schon komplett dunkel und so.“ – „Klar, das ist doch nicht so schlimm. Ich pass schon auf uns auf.“ Janine wirkte nicht völlig überzeugt, sodass ich beschwichtigte: „Wir gehen ja nicht um Mitternacht raus, auch wenn das bestimmt wieder spannend wäre. Ich hätte eine Idee, wo wir hingehen könnten und wo man wieder eine schöne Aussicht genießen könnte…“ – „Wieder zu eurem Berg hier, wo wir waren, als du…“ – „Nein, dieses Mal nicht.“, unterbrach ich sie. „Wir müssen dafür auch einige Stationen mit dem Bus fahren und einige Meter laufen. Der Berg ist deutlich höher, aber ich glaube, die Weitsicht über die Stadt muss toll sein, vor allem im Dunkeln.“ Janine schaute ganz überrascht und fragte mich, ob ich den großen bekannten Freizeitpark mit Hügel meinte, den wohl die meisten in unserer Stadt kannten. „Ja, genau. Warst du schon mal da?“ – „Ja, aber da war ich noch ganz klein. Früher gab es dort solche Aktionen zu Ostern, dass man überall auf dem Berg nach Süßigkeiten suchen konnte. Ich fand das richtig spaßig, auch wenn ich nicht so viel gefunden habe.“ Ich schmunzelte, weil ich mir das bildlich ganz gut vorstellen konnte, wie Klein-Janine da alle möglichen Stellen absuchte.
„Was hältst du davon? Die Wege sind auch alle beleuchtet und ich wette, ein paar wenige Leute sind bestimmt auch da.“ – „Ja, das klingt toll!“ Wir machten aus, dass sich in der Zwischenzeit jeder durchaus selbst beschäftigen durfte – Janine mit ihrem Buch, ich mit meinem Computer. Seitdem wir zusammen waren, war dies das wirkliche erste Mal, dass wir zusammen Zeit verbrachten, aber trotzdem jeder von uns was völlig anderes machte. Es war etwas ungewohnt, aber gleichzeitig auch ganz gut, weil wir damit nicht durchweg aufeinander abhingen. Nicht, dass mich das ernsthaft gestört hätte…
Nach etwas mehr als einer Stunde stand Janine von meinem Bett auf und umarmte mich von hinten einfach, während ich noch auf meinem Stuhl saß. Sie lockte mich zum Bett, da sie offenbar Lust auf Nähe hatte. Halb liegend kuschelte sie sich an mich und erzählte mir von ihren Eindrücken von den ersten Seiten des Buches. Anschließend gammelten wir noch eine weitere Stunde herum und schauten dabei fern. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich nun echt Lust auf den Ausflug hatte. Sie gab mir einen langen Kuss und ging kurz noch für kleine Mädchen, während ich für den kleinen Ausflug etwas zu knabbern und zu trinken in meine Umhängetasche legte.
Hand in Hand gingen wir zum Bus und fuhren zum Freizeitpark, der zugegeben wirklich deutlich düsterer wirkte, als ich mir das vorgestellt hatte. Janine ließ sich aber nichts anmerken, deswegen wollte ich nicht noch womöglich Sorgen bei ihr auslösen und verschwieg einfach meine Gedanken. Der Weg auf den Berg hinauf war nicht ohne, da es an einigen Stellen auch weiterhin ziemlich glatt war, aber, als wir endlich ganz oben ankamen, wurden wir belohnt: Es war ein absolut wolkenfreier Himmel, die Sterne funkelten und man konnte fantastisch in die Stadt schauen. Vom Lärm der Großstadt hörte man fast nichts, das war einfach faszinierend.
Ich umarmte Janine von hinten, als sie vor mir stand, und zog sie nah an mich. Auf der Spitze des Berges waren, wie ich richtig eingeschätzt hatte, ein paar wenige andere, aber das störte uns nicht weiter. Soweit ich das sah, handelte es sich dabei primär auch um Pärchen mit dem gleichen Gedanken wie wir. Janine hielt meine Hände vorne fest und legte sie auf Höhe ihres Bauches, auch wenn ich von dem durch die dicke Jacke nichts spürte. Ich zog sie noch etwas stärker an mich, sodass sie mich fragte: „Ist alles ok?“ – „Ja. Ich fühle mich einfach nur wohl, dass wir zusammen sind und gerade wirklich hier oben stehen.“ – „Du bist ja auf einmal so sentimental…“ – „Ich habe den Weg hier rauf über die letzten zwölf Monate nachgedacht und über all das Hin und Her.“ – „Versuche nicht, an die ganzen Sachen zu denken, das hast du mir selbst erst gesagt!“ Sie brachte mich damit zum Schmunzeln und ich war froh, dass sie das tat – es lenkte mich von meiner Trauer ab. „Ich habe vor allem an meine Eltern gedacht… und als ich die Nachricht erfuhr, dass…“ Sie unterbrach mich, indem sie sich aus meinem Griff befreite und sich einfach von vorne an mich heran kuschelte. „Denk nicht weiter darüber nach. Versuch dich viel mehr darüber zu freuen, dass wir hier stehen.“ Ich bemerkte etwas Brüchiges in ihrer Stimme und war erschrocken, da ich sehr schnell bemerkte, dass sie Tränen in den Augen hatte. Das brachte mich fast komplett aus dem Konzept – eigentlich war ich doch so traurig – und ich flüsterte leise: „Weinst du?“ – „Nein?“ Sie sprach das so komisch aus, dass ich einerseits schmunzeln musste, andererseits völlig schockiert war, weil ich nicht vorher schon bemerkt hatte, dass sie weinte und ich so ganz den Grund noch nicht nachvollziehen konnte. „Hey, nicht weinen.“ Das jedoch löste das ganze Gegenteil aus.
Sie weinte nahezu still, weil eben auch noch Leute in unserer Umgebung waren, und ich tröstete sie, bis sie leise flüsterte: „Wir passen einfach unheimlich gut zusammen, weißt du das?“ – „Na klar weiß ich das, Süße.“ – „Auch deswegen, weil wir Ähnliches erlebt haben.“ Ich hatte den Grund für ihr Weinen schon vermutet, aber jetzt verstand ich endgültig. Durch Janines Reaktion schob ich meine eigene Trauer schlagartig komplett beiseite – ich wollte für Janine da sein, das war mir wichtiger. Nach zwei, drei stillen Minuten sagte sie leise, als sie sich etwas gefangen hatte: „Ich habe mich daran erinnert, wie Papa damals mit mir gemeinsam auf Schoko-Osterhasen-Suche gegangen ist.“ – „Das war bestimmt lustig.“ – „Ja, total! Vor allem, weil er immer vor mir die Sachen gefunden hat und mir immer Tipps gegeben hat. Heute glaube ich, dass er immer kurz vorher die Sachen dort hingelegt hat, damit ich sie immer finde.“ Sie erzählte mir diese Situation ausführlich noch weiter und ich ließ sie einfach reden, weil sie sich sehr schnell dadurch beruhigte, während wir uns weiterhin eng umarmten.
„Ich liebe dich“, flüsterte Janine mir leise zu und ich antwortete, indem ich ihr einfach einen kurzen, vorsichtigen Kuss gab. Ich zog sie wieder nah an mich und sie kuschelte sich in mich hinein, zumindest fühlte es sich so an. Ich schaute noch einige Momente lang in Richtung Stadt, Janine tat es mir etwas später gleich. Ich flüsterte ihr zu: „Tut mir leid.“ – „Was tut dir leid?“ – „Tut mir leid, dass ich dich an deinen Vater erinnert habe, das wollte ich nicht. Wir… hätten ja auch sonst natürlich auch woanders hingehen können.“ – „Hey, ich wollte doch mit dir hierherkommen, dafür brauchst du dich nicht schlecht zu fühlen… Mir geht es mittlerweile auch wieder besser. Danke.“ Ich gab ihr instinktiv einen Kuss auf die Stirn und griff nach ihrer Hand. Ich sagte: „Wenn du möchtest, können wir uns auch wieder auf den Nachhauseweg machen, es ist ganz schön kalt.“ – „Ja, ich friere mittlerweile auch leicht. Lass uns losgehen.“ – „Magst du meine Jacke haben?“ – „Die wäre toll, aber so frierst du ja und ich will nicht, dass du krank wirst.“ Ich gab mich einfach geschlagen und ging mit ihr wieder den Berg hinunter – sehr vorsichtig, da es einige kleine rutschige Stellen gab. Auf dem Weg nach unten schwiegen wir, auch, weil wir uns darauf konzentrierten, nicht hinzufallen. Ich war zumindest froh, dass Janine Stiefeletten ohne Absätze trug…
Kurz, bevor wir in den Bus stiegen, sagte Janine zu mir: „Ich fand den Ausflug toll.“ – „Das ist schön!“ Ich musste lächeln und Janine sagte, weil sie offenbar meine Gedanken las: „Du brauchst dir keine Gedanken zu machen, alles wieder ok.“ – „Bist du sicher?“ – „Es ist soweit ok, wie es halt geht. Ich darf nicht zu sehr darüber nachdenken. Es tut einfach fürchterlich weh.“ – „Ich kann das gut verstehen.“ Wir schwiegen erneut, stiegen in den Bus und kuschelten uns sitzend eng aneinander. „Ich bin auf einmal so richtig müde. Die Fahrt mit dem Zug heute war auch anstrengend.“ – „Wir sind ja bald bei mir, das sind ja nur ein paar Minuten. Notfalls schläfst du einfach ein bisschen an meiner Schulter, aber nach Hause laufen musst du schon allein.“ – „Trägst du mich etwa nicht?“, fragte sie gespielt erschüttert. „Ähm… nö.“ Sie pikste mir in die Seite und wir schmunzelten. Mich durchfloss wieder eine Welle an Glückseligkeit.
Als wir bei mir zu Hause ankamen, war es zwar schon späterer Abend, aber eigentlich noch nicht all zu spät, doch wir waren irgendwie so fertig, dass wir uns direkt bettfertig machten und schon ins Bett gingen. Janine wirkte total müde, aber kaum, dass wir im Bett ankamen, knutschte sie wild mit mir herum. Mich machte das ziemlich an, gleichwohl war ich aber verdammt müde. Ich zwang mich aber dazu, mich locker zu machen – Janine ging einen winzigen Schritt weiter als bisher. Ich bemerkte während des Knutschens, dass sie mit ihrer Hand immer an meinem Oberkörper herumspielte und letztlich unter mein Schlafanzug-Oberteil ging, um über meinen Oberkörper zu streicheln. Mich brachte das nicht so sehr aus dem Konzept, allerdings driftete ich mit meinen Gedanken ab und dachte sofort an Julia, die ein ähnliches Verhalten zeigte, als sie mit mir – auch noch genau an diesem Ort – hier lag. Janine riss mich aus meinen abgedrifteten Gedanken: „Alles okay? Warum hörst du auf?“ – „Oh, sorry. Ich bin einfach nur mit meinen Gedanken woanders gewesen.“ – „Warum das?“ – „Als du mit deiner Hand unter mein Oberteil gegangen bist, habe ich mich an Julia erinnert gefühlt gehabt, die das gleiche direkt bei der ersten Übernachtung gemacht hat.“ – „Hör auf, an Julia zu denken, das billige Flittchen wollte doch nur mit dir schlafen.“ Ich bekam große Augen und sagte: „Was ist mit dir auf einmal los? Warum bist du so aggressiv in ihre Richtung?“ – „Ach, entschuldige. Sie hat damit eigentlich nichts zu tun, ich hatte nur wieder das Gefühl, dass du etwas verklemmt bist. Das hat mich ein bisschen geärgert.“ Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte – erst nach einigen Momenten erwähnte ich: „Ja, ich war etwas erstaunt, aber schlimm fand ich das jetzt nicht, es war doch ganz angenehm.“ Wir knutschten noch ein wenig weiter rum und Janine sagte plötzlich abschließend: „Mist, irgendwie ist meine Stimmung jetzt hinüber.“ – „Weil ich mich erst an all die Sachen gewöhnen muss?“ – „Na ja, du hast zwar ein bisschen Recht, aber ich glaube, ich bin einfach müde und kaputt und… Na ja, ich habe auch leichte Schmerzen wegen meiner Tage. Das nervt mich alles gerade etwas.“ – „Soll ich dir ein Wärmekissen oder so machen?“ – „Habt ihr so was da?“ – „Ja, klar, ich mach das nur kurz in der Mikrowelle warm.“ – „Du bist süß. Ja, das wäre toll. Und entschuldige… wenn ich meine Regel habe, bin ich manchmal einfach mit allem unzufrieden. Tut mir leid. Gewöhne dich besser daran.“ Ich sagte nichts weiter und ging zumindest schmunzelnd in die Küche. Als ich zurückkam, fühlte ich mich endgültig verarscht: Janine schlief.
Natürlich war sie nicht zugedeckt, lag kreuz und quer auf meinem Bett und ich hatte die wundervolle Aufgabe, sie jetzt noch so aufzuwecken, damit sie sich zumindest anders hinlegte, da ich sonst keinen wirklichen Schlafplatz hatte… Ehe ich sie aufweckte, ließ ich die letzte Viertelstunde Revue passieren und stellte zumindest wieder fest, dass Janine vermutlich sexuell viel weiter als ich dachte. Ich konnte mir auch nicht erklären, warum ich in dieser Hinsicht so reserviert war – vielleicht, weil ich mich vor Janine und Julia nicht wirklich ernsthaft mit dem Thema Frauen beschäftigt hatte und das Thema irgendwie an mir vorbeizog. Klar gab es einige Mädchen, die ich echt toll fand, auch schon in der zehnten Klasse, aber gerade, weil ich irgendwie immer ein bisschen mein eigenes Ding gemacht hatte, war ich am Thema Frauen und Sexualität immer irgendwie vorbei geschlittert. Ich masturbierte mittlerweile zwar auch regelmäßiger, weil ich seit einigen Monaten das Verlangen danach hatte, aber so richtig Gedanken über Frauen oder Sex gemacht? Fehlanzeige.
Immerhin, Janine ließ sich anstandslos wecken und davon überzeugen, sich richtig zudecken zu lassen. Dass ich eigentlich noch ein Wärmekissen für sie hatte, war für sie schon längst Geschichte, davon wusste sie auch nach meiner Frage nichts mehr. Es hatte keine Bedeutung, kaum hatte ich sie zugedeckt, schlief sie auch schon wieder… auf ihrem, also meinem, Lieblingskissen, welches so weich war, dass ich mich an jedem Morgen, den Janine hier verbrachte, immer wieder fragte, wie sie da überhaupt noch wieder aufstehen konnte. Meine Nacht begann auch nach nicht mal fünf Minuten, nachdem Janine fest schlief.
Ich wurde morgens aus dem Schlaf gerissen: Es war total hell, ich lag halb aufgedeckt und auf meinem Kissen lag ich auch nicht mehr. Ich bekam plötzlich einen Kuss und öffnete verschlafen meine Augen – Janine schaute mich mit einem Lächeln an. „Na, hast du gut geschlafen?“ – „Ja, ich hätte auch noch länger schlafen können. Aber von so einer hübschen Frau aufgeweckt zu werden, ist eigentlich sogar noch toller.“ – „Du kannst echt auf Bestellung schleimen!“ – „Ich finde es einfach toll, dich auch ohne Schminke und das alles zu sehen. Damit ziehst du mich unheimlich an.“ – „Sehe ich.“ Ehe ich es selbst bemerkt hatte, hatte Janine schon gesehen, dass mein Penis sich – immerhin unter der Hose – etwas verselbstständigt hatte. Allerdings entstand die Erregung in diesem Fall gar nicht durch Janine, sondern stammte einfach noch aus meinem Schlaf…
Mir war das peinlich, was sie auch direkt bemerkte und sie lachte einfach herzhaft darauf los, was mich irgendwie nur noch mehr überforderte. Sie sagte: „Was ist denn mit dir los? Das ist doch nicht das erste Mal, dass ich das bei dir sehe… oder spüre.“ Ich war immer noch etwas sprachlos und sie sagte: „Du brauchst doch nicht schon wieder rot zu werden, ich finde das nicht schlimm.“ Sie grinste mich weiter an und ich fragte sie ganz direkt: „Wie machst du das, dass dir die Sachen alle nichts ausmachen?“ – „Ich bin nicht so verklemmt wie du.“ Sie sagte das mit vollem Ernst, dadurch schwang auch eine gewisse Schärfe mit. Ich richtete mich auf und entgegnete: „Ich frage mich trotzdem, wie du das machst.“ – „Ich nehme die Sachen einfach locker. Redest du nicht auch mit Tim über alle möglichen Sachen?“ – „Recht selten.“ – „Na ja, siehst du. Du glaubst gar nicht, über was sich die Frauen in der Klasse so unterhalten, wenn man in den Umkleidekabinen beim Sport ist oder so.“ Ich schwieg und musterte Janine weiter, während sie mit einem Lächeln sagte: „Mach dir nichts daraus. Du gewöhnst dich schon noch an diese Sachen.“ Ich schwieg weiterhin, sie entgegnete mir plötzlich wieder mit einer gewissen Schärfe: „Denk dran, wir sind keine Freunde mehr!“ Mit solchen Aussagen baute sie bei mir eher noch Druck auf, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich wollte diese ganzen Dinge mit Janine und so ganz entspannt angehen, was ja auch der Grund dafür war, dass ich so lange mit mir gehadert hatte, ob ich Janine noch mehr in mein Leben hineinlassen wollte oder nicht.
Ich rutschte ihr auf dem Bett näher und knutschte kurz mit ihr herum, sie fragte mich: „Was wird das jetzt?“ – „Nichts, ich hatte einfach nur Lust, dich gerade zu knutschen.“ Sie grinste und sagte: „Übrigens, schau, ich habe dein Zimmer schon etwas aufgeräumt.“ – „Du hast hier aufgeräumt?“ – „Ja, du hast so tief geschlafen und ich habe einfach die Chance genutzt, hier aufzuräumen.“ – „Danke. Aber das musst du doch nicht machen.“ – „Na ja, du hilfst ja bei mir zu Hause auch immer mit und ich wollte nicht, dass dein Zimmer weiter so schlimm aussieht.“ – „Danke.“ Wir küssten uns kurz erneut.
„Hast du Hunger?“, fragte mich Janine plötzlich. Ich nickte und sah, dass sie ein Tablett vom Schreibtisch in Richtung Bett holte. „Das ist ja klasse!“, entgegnete ich ihr. „Hast du schon was gegessen?“ – „Nein.“ – „Dann kommst du jetzt wieder zurück ins Bett und isst jetzt was.“ Sie grinste etwas verdutzt, ich schaute sie fragend an. Sie fragte: „Das war aber nicht doppeldeutig gemeint, oder?“ Ich überlegte ein paar Sekunden, weil ich einfach nicht wusste, was sie meinte. „Egal, vergiss meine Frage.“ Sie schmunzelte und gesellte sich zu mir aufs Bett. Nach dem ersten Happen meinte ich: „Ach verdammt, jetzt verstehe ich, was du doppeldeutig verstanden hast!“ – „Das hat ganz schön lange gedauert…“ – „Entschuldige, ich bin kaum wach, solche Sachen gehen nicht so schnell.“ Wir schmunzelten.
„Danke, dass du das Frühstück auch noch gemacht hast, das war echt toll.“ Unsere Stimmung war prächtig und das hielt den restlichen Vormittag und Mittag auch an. Ich brachte sie wieder nach Hause, aber wir verbrachten den restlichen Tag nicht gemeinsam, da wir einfach genug mit der Schule zu tun hatten.
In den darauffolgenden sechs Wochen sah ich Janine, außer in der Schule, nur sehr wenig, weil wir einfach durch die Schule sehr viel zu tun hatten und Janine ja generell fleißig war – um nicht zu sagen, fast etwas zu übertrieben fleißig. Hinzu kam, dass Janine noch einen zweiten Nachhilfeschüler annahm, der aber glücklicherweise nicht allzu viel Betreuung brauchen würde – sie sah ihn daher auch nur alle zwei Wochen für ein bis zwei Stunden. Aber immerhin, ihr Geldbeutel freute sich.
Dadurch, dass wir uns bis auf vier Nachmittage nach der Schule sonst nicht sahen, nicht beieinander übernachteten und keine Zeit miteinander verbrachten, entwickelte sich unsere Intimität auch nicht weiter. Unsere Knutschereien wurden noch etwas intensiver, was mir echt gut gefiel, sonst passierte aber nichts weiter. Ich war darüber auch etwas froh, all diese neuen Eindrücke und Dinge in den vergangenen Wochen strengten ungemein an. Ich schlief zwar mittlerweile etwas besser, aber das lag auch vor allem daran, dass ich mich zumindest mittlerweile daran gewöhnt hatte, mit Janine zusammen zu sein. Ich spürte, dass uns sehr viel verband – fast immer, wenn ich Janine anschaute, bekam ich ein liebevolles Lächeln zurück. Darüber hinaus bemerkte ich, dass Janines Fürsorge für mich immer größer wurde – im Gegenzug bekam sie diese Fürsorge natürlich auch zurück, auch, wenn ich schon bedeutsam für sie da war, als wir noch nicht zusammen waren. Kurz zusammengefasst also: Unsere Beziehung fühlte sich super an.