Benjamin
Janine erzählt:
Nach dem Besuch meiner Verwandten begann wieder die Schule. Ich hatte irgendwie Angst vor diesem Tag, weil ich nicht wusste, was mich in Hinblick auf Marc erwarten sollte. Ich wurde positiv überrascht, da ich Marc nun mehrere Stunden an jedem Schultag sah. Gleichzeitig sah ich auch Julia deutlich mehr in den Kursen, aber Marc setzte sich immerhin in keinem der gemeinsamen Kurse zu ihr. In gleich zwei Kursen saß Marc sogar direkt in meiner Nähe, womit ich ebenfalls nicht gerechnet hatte. Er wechselte in einer kleinen Pause sogar ein paar wenige Worte mit mir, auch wenn wir eher Teil eines Gruppengesprächs waren, aber irgendwie machte mir dieses kurze Gespräch wieder Hoffnung. Gleichzeitig war er sonst aber sehr kühl zu mir und hielt meist den gewohnten Abstand…
Die Wochen bis zu meinem Geburtstag verbrachte ich zum Großteil allein. Entweder hatten Benjamin oder Sabrina keine Zeit oder ich nutzte die Zeit als Vorbereitung für die Schule. Mein Geburtstag fiel in diesem Jahr leider auf einen Montag. Ich musste somit meine Feier auf das Wochenende, was darauffolgte, verschieben. Am Montag bekam ich von Sabrina und ein paar anderen aus manchen meiner Kurse kleine Geschenke, was total lieb war und womit ich bei einigen gar nicht gerechnet hatte. Ich war… hin und weg, als Marc am Morgen in den Klassenraum kam und mir gratulierte. Er war zu dem Zeitpunkt einer der ersten gewesen. Es überraschte mich sehr, dass er mir gratulierte. Ich war richtig euphorisch. War das vielleicht der erste Schritt eines neuen Kontaktes zwischen uns? Er umarmte mich! Es war so schön: seine Nähe, sein Geruch, seine Berührung… Das Gefühl, es kribbelte in meinem Innern einfach direkt wieder. Sabrina nahm mir aber später den Wind aus den Segeln. Sie meinte, dass ich da nichts interpretieren sollte. Sie vermutete, dass es einfach ein Akt der Höflichkeit war. Als ich genauer darüber nachdachte, musste ich ihr zähneknirschend Recht geben.
Am Montagabend schrieb ich einige Leute für meine Geburtstagsfeier an. Ich schrieb auch Marc an, auch wenn ich lange darüber nachgedacht hatte. Natürlich wollte ich ihn unter allen Umständen mit dabeihaben, auch wenn Sabrina mich natürlich davor warnte, dass ich auch einiges kaputt machen konnte, weil ich damit alte Wunden aufriss. Ich setzte mich über all die Gedanken jedoch hinweg. Im Gegensatz zu allen anderen antwortete er mir an diesem Abend nicht, was mir wirklich etwas wehtat. Am nächsten Morgen hatten Marc und ich zusammen Unterricht und ich ging mutig auf ihn zu, der wie meistens neben Tim saß. Er schaute mir tief in die Augen und das locker zwei Sekunden lang. Ich hielt seinem Blick stand und er lächelte zaghaft! Ich sagte ihm: „Ich würde mich freuen, wenn du auch kommen würdest. Hast du meine Nachricht gestern bekommen?“ – „Ja, habe ich. Ich war nur so müde, dass ich gestern einfach nicht mehr antworten konnte. Entschuldige. Wann feierst du denn?“ – „Am kommenden Samstagabend.“ Ihm schienen nun Zweifel zu kommen, ob er wirklich zu mir kommen wollte. Es tat unheimlich weh wieder in diesem Moment. Dass er so kühl mit mir umging, brachte mich fast zum Weinen. Er sagte abschließend: „Ich finde deine Einladung wirklich lieb, aber ich werde sie wahrscheinlich nicht annehmen können, weil ich abends schon verabredet bin, tut mir leid. Sollte ich da doch können, sage ich dir noch Bescheid.“ Ich nickte und musste hinnehmen, dass ich meine Chance verwirkt hatte. Es war einen Versuch allerdings wert. Ich war tieftraurig, nur ließ ich mir das nicht anmerken.
Tim sprach mich ein paar Schulstunden später an: „Das war ganz schön mutig, ihn miteinzuladen.“ – „Ich musste es einfach versuchen.“ – „Aber dir musste doch klar sein, dass er recht sicher absagen wird? Ich wüsste auch nicht, ob ich das könnte, wenn ich an seiner Stelle wäre.“ – „Ich weiß… Aber mein Gefühl hat mich gestern einfach überwältigt.“ – „Verstehe ich. Aber pass bitte auf, dass du dich nicht noch mehr reinsteigerst.“ – „Ich versuche es.“
Ich veranstaltete meine Feier wie geplant am Samstag bei mir zu Hause. Wir waren nur vier Leute, den meisten war das wohl zu spontan. Sabrina, Benny und eine weitere Mitschülerin aus einem meiner Kurse waren gekommen, auf Marc hatte ich vergeblich gehofft, er hatte mir auch nicht geschrieben. Wir machten einen entspannten Filmabend. Ich hatte für die Verpflegung und Filme gesorgt. Dieser Abend gefiel mir trotzdem sehr und ich merkte, dass Benny ziemlich meine Nähe suchte. Er saß irgendwie fast immer neben mir. Ich war mir ab diesem Tag wirklich nicht mehr sicher, ob er nicht doch Interesse an mir hatte. Ich wusste es einfach nicht. Irgendwie hatte ich aber auch ein wenig Angst, ihn so direkt zu fragen. Ich fand die Nähe schön und genoss es auch, ohne Frage. Er mochte mich sehr, da war ich mir definitiv sicher. Gerade dieses Schüchterne, welches er ausstrahlte, in Kombination mit dem Mut, den er immer wieder offenbar aufbrachte, um seine Schüchternheit zu überwinden, machte mich irgendwie auch an.
Am Mittwoch der nächsten Woche rief mich plötzlich Bennys Schwester an. Ich war erstaunt, woher sie meine Nummer hatte. Sie erzählte mir, dass sie sich diese in einem günstigen Moment aus Bennys Smartphone entwendet hatte, da sie sein Passwort zum Entsperren kannte. Ich redete eine Weile lang mit ihr. Aber ich bemerkte, dass sie aus einem speziellen Grund anrief. Als ich sie danach fragte, meinte sie: „Benny hat mit mir darüber gesprochen, dass er dich halt ziemlich mag. Er meinte, dass er zu gerne wüsste, was du von ihm hältst.“ – „So richtig klar bin ich mir darüber bisher nicht. Ich habe ihn auch sehr gerne, aber ich weiß nicht, ob ich wirklich Interesse an ihm habe. Irgendwie schon… aber ich hänge eigentlich sehr an meinem Ex-Freund, auch wenn die Beziehung schon ein paar Monate her ist.“ – „Was machst du, wenn er dich nach einem Date fragt?“ – „Ich weiß nicht. Theoretisch hatten wir schon mehr als ein Date. Ich habe mich wohl in seiner Nähe gefühlt.“ – „Das klingt doch toll!“ – „Ja. Irgendwie schon. Eigentlich habe ich aktuell dafür nicht den Kopf… Du wirst ihm doch von unserem Telefonat nichts erzählen, oder?“ – „Nein, und wenn er mich fragt, sage ich ihm nur, er solle mit dir ehrlich reden, wenn er ein Date möchte.“ Nach dem Telefonat ratterte mein Kopf. Ich überlegte, was ich machen wollte, wenn Benny mir vermittelte, mit mir richtig zusammen sein zu wollen. Ehe ich zu einer gefestigten Meinung kam, lenkten mich Hausaufgaben ab, bis plötzlich mein Telefon erneut klingelte und Benny mich anrief. Ich ahnte, wieso er anrief. Wir plauderten erst ein bisschen über Gott und die Welt und plötzlich wurde er sehr direkt. Er erzählte mir, dass er mich toll fand und dass er den Eindruck hatte, dass ich auch womöglich mehr für ihn empfand. Gänzlich unrecht hatte er mit seiner Vermutung nicht, was ich ihm auch ehrlich sagte. Ich konnte meine Gefühle nicht so richtig einsortieren. Er fragte mich schließlich um ein richtiges Date und nicht mehr um ein freundschaftliches Treffen. Ich war auch weiterhin nicht sicher, ob ich diese Ablenkung von Marc wirklich wollte, aber ich nahm mir ein Herz und stimmte einem Date mit ihm zu. Vielleicht ergab sich wirklich eine neue Beziehung? Auch wenn ich mir noch immer nicht sicher war, wie ich mich überhaupt auf etwas Neues einlassen sollte.
Marc erzählt:
In der Woche nach dem Nachhilfe-Treffen mit Sandra versuchte ich natürlich, den Kontakt weiter zu intensivieren. Am Montag redeten wir miteinander in der Pause, weil wir uns wirklich durch Zufall über den Weg liefen. Am Mittwoch kam sie wieder mit einer Bitte auf mich zu. Da ich ihr meinen Musikgeschmack bei unserem Nachhilfe-Treffen erzählt hatte, fragte sie mich, ob ich ihr meine Musik zukommen lassen konnte, sie fand diese toll. Da ich die meisten Musikstücke praktischerweise als Dateien hatte und nicht ausschließlich Musik streamte, konnte ich ihr den Wunsch einfach erfüllen. Sie drückte mir einen USB-Stick in die Hand und ich wusste, dass ich mich zu Hause darum kümmern würde.
Am Nachmittag erstellte ich ihr die Kopien und schrieb zusätzlich einen Zettel dazu, auf dem ich ausführlich beschrieb, welche Alben ich auf den Stick kopiert hatte und welche Tracks ich besonders empfahl. Am Donnerstag, als ich in die Schule kam, sah ich Sandra auf einmal mitten auf einem der Gänge. Sie rief gerade einem Klassenkameraden etwas hinterher und wollte wieder direkt in den Raum zurückgehen, als ich meinte: „Hey!“ Sie drehte sich um, sah mich und lächelte. Sie kam mir näher, ich blieb stehen. Sie stand vor mir und ich spürte, dass sie irgendwie überlegte, ob sie mich umarmen sollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie mir noch näher und fiel mir richtig stürmisch um den Hals, ich war hin und weg. Ich war so überrascht von dieser Umarmung, obwohl wir uns ja schon einige Male gedrückt hatten. Meine ganze Gefühlsbasis geriet durcheinander. Nachdem wir uns voneinander lösten, meinte ich zu ihr: „Ich habe was für dich.“ – „Ach… Hast du die Musik schon fertig?“ – „Ja, na klar.“ Ich wühlte den USB-Stick aus meiner Tasche und gab ihn ihr. Es wirkte fast so, als wenn sie mich ein zweites Mal umarmen wollte, sie tat es aber nicht. Sie bedankte sich richtig herzlich und ich freute mich total über ihr Strahlen. Als ich dies Tim erzählte, schüttelte er mit einem Grinsen den Kopf.
Kurz vor Beginn einer der wenigen Stunden, die ich mit Julia gemeinsam hatte, flüsterte sie mir zu: „Ich sehe dich immer mehr mit Sandra herumhängen und sehe dich dadurch fast gar nicht mehr in den Pausen!“ Sie zog eine niedliche Schnute, wirkte aber ein wenig enttäuscht. „Tut mir leid, das ist gar nicht meine Absicht. Sandra kommt immer öfter einfach direkt zu mir, auch wenn ich nicht unbedingt was mache.“ – „Das ist ja auch in Ordnung, aber die Freunde sollte man trotzdem nicht vergessen!“ – „Damit hast du Recht, sorry.“ – „So richtig viel gesprochen haben wir auch schon seit einigen Wochen nicht mehr. Ich interessiere mich natürlich dafür, was du über Sandra zu erzählen hast. Hast du heute nach der Schule Zeit? Wollen wir noch irgendwas machen?“ – „Heute wird es wirklich schwierig durch die beschissenen Hausaufgaben. Aber was hältst du von Samstag?“ – „Ja, das klingt super.“ – „Ich komme auch zu dir, wenn du möchtest. Du musst nicht durch die Gegend fahren und es ist ein bisschen Wiedergutmachung.“ – „Finde ich super!“
Sandra und ich machten am Donnerstag recht spontan aus, dass wir uns am Freitagabend trafen. Die Entscheidung fiel auf einen entspannten Plauderabend bei mir, weil wir uns offenbar wirklich noch eine Menge zu erzählen hatten. Zugleich war es auch ganz praktisch, da sie damit unsere Wohnung endlich sah. Ich freute mich total, dass es alles so gut lief. Am Freitag begab ich mich nach der Schule gemeinsam mit Sandra auf den Nachhauseweg. Sie kam abends zu mir, aber wir hatten zum Teil den gleichen Nachhauseweg, nur, dass ich früher als sie als der U-Bahn raus musste. Petra wusste natürlich auch Bescheid und war so lieb, dass sie mir sogar die Wohnung überließ, obwohl klar war, dass Sandra und ich nur in meinem Zimmer blieben. Petra war auch neugierig, als ich ihr von Sandra erzählte. Sie drückte mir die Daumen, dass ich glücklich werden würde, auch wenn sie mir erneut vor Augen hielt, ob ich wirklich dafür schon bereit war. Ich verstand nicht, warum sie das immer wieder machte und mich immer wieder an Janine erinnerte. Ja, ich wusste, dass die beiden auch weiterhin regen Kontakt hielten und dass Petra Janine extrem gernhatte, aber sie musste langsam auch akzeptieren, dass die Beziehung eben zu Ende war und dass das ausschließlich eine Sache zwischen Janine und mir war.
Mir fiel an diesem Freitag auch auf, wie komisch mich Janine auf dem Bahnsteig anschaute, als ich gerade mit Sandra redete. Ich wusste nicht, wie ich Janines Blick zu deuten hatte, aber ich war mir zumindest schon sicher, dass es sie sehr überraschte, mich mit einer anderen jungen Frau zu sehen. Ich wollte ihr keine zusätzlichen emotionalen Schmerzen verursachen, nichtsdestotrotz wollte ich mein Leben jetzt auch nicht weiter massiv einschränken, nur, um es Janine nicht in jeder möglichen Situation schwerer zu machen. Sie musste die Trennung so langsam endlich akzeptieren.
In der U-Bahn verabschiedete ich mich von Sandra und stieg einige Stationen vor ihr aus. Auf dem Bahnsteig trafen sich erneut die Blicke von Janine und mir. Sie schaute mich völlig regungslos an und ging weiter. Ich war mir sicher, dass sie die Sache mit Sandra ganz schön mitnahm, in den letzten Tagen sah sie gesundheitlich irgendwie deutlich schlechter aus…
Zu Hause bereitete ich den Besuch von Sandra vor. Ich räumte mein Zimmer gründlich auf. Um 18 Uhr stand ich an meinem U-Bahnhof. Sandra kam pünktlich und wir umarmten uns wieder zur Begrüßung, obwohl wir uns wenige Stunden zuvor erst sahen. Als wir bei mir waren, zeigte ich ihr kurz die Wohnung. In meinem Zimmer angekommen, sagte sie, dass sie mein Zimmer echt gemütlich fand. Vor allem war mein Zimmer wesentlich größer als ihres. Das fiel mir auch fast als erstes auf, als ich zum ersten Mal in ihrem Zimmer war. Wir saßen die nächsten Stunden auf meinem Bett und plauderten miteinander. Zwischendurch bot ich Getränke und was Süßes an, was sie gerne annahm. Nebenher ließ ich Musik laufen, der Abend gefiel mir richtig gut. Es erinnerte mich immer wieder an die Zeit mit Janine, da ich auch mit ihr viele gemütliche Abende zu Hause verbracht hatte.
Sandra hingegen war dennoch deutlich anders als Janine. Sie hatte tatsächlich zwei stark voneinander abgegrenzte Seiten. Mir gegenüber zeigte sie bisher nur ihre ruhige Seite, die wirklich liebenswert war. Zugleich stellte ich mir die Frage, wie wohl ihre wilde Seite war. Zumindest wusste ich, auch nach dem Gespräch an diesem Freitagabend, dass Sandra wenige feste Freunde bisher hatte. Auch erfuhr ich, dass sie beim Thema Sex nicht gerade wenige Erfahrungen besaß. Allerdings machte sich ein bisschen das Gefühl in mir breit, dass in ihren vergangenen Beziehungen Sex ein zu großes Thema spielte, weil sie so emotionslos davon erzählte. Wenn ich mich an Janine erinnerte, waren viele Momente, die Janine und ich erlebten, wirklich emotional, positiv nervenaufreibend und einfach schön. Ich musste zugeben: An Sandras wilder Seite war ich interessiert, weil ich mir vor allem nicht so richtig vorstellen konnte, wie der Kontrast zu meinen bisherigen Eindrücken wohl sein würde.
An diesem Freitagabend brachte ich sie nach Hause. Sie wollte aus mir eher unklaren Gründen gegen 22 Uhr wieder zu Hause sein, wobei ich eher das Gefühl hatte, dass sie weiterhin sehr auf ihre Mutter hörte, die gerade in Hinblick auf Sandra sehr streng wirkte. Sandra war wohlgemerkt fast volljährig! Als wir bei ihr ankamen, fragte sie von sich aus, ob ich nicht noch ein bisschen bei ihr bleiben wollte. Überrascht und freudestrahlend stimmte ich zu und ihre Mutter machte keine Einwände, dass ich noch eine Stunde bleiben wollte. Das Gespräch, welches wir vor der Ankunft hatten, führten wir einfach weiter. Um Viertel nach elf verabschiedete ich mich aber endgültig von ihr und wir umarmten uns wieder richtig lange. Diese Umarmungen waren so toll… Auf dem Nachhauseweg dachte ich vor allem auch über Sandras Reaktion nach, als ich ihr die gesamten Hintergründe bezüglich meiner Familie erzählte. Sie wusste mittlerweile, dass meine Eltern, die mich großzogen, nicht mehr lebten. Sandra ging damit sehr emotional und ernst um, wie ich es einfach im Allgemeinen erwartete. Ich spürte aber, dass sie wirklich sehr neugierig war, wie meine Gefühle nun waren, weil ich nun mit Petra zusammenlebte und zusätzlich mein leiblicher Vater auch unerwartet auftauchte. Allein über diesen familiären Aspekt sprachen wir, als wir bei mir zu Hause waren, ewig. Gleichzeitig spürte ich aber, dass sie sich wirklich absolut ernsthaft für mich interessierte.
Ich erfuhr an diesem Abend auch von Sandras Geburtstag in der nächsten Woche. Ich wusste nicht unbedingt, was ich ihr schenken sollte, aber dass ich ihr etwas schenken wollte, stand für mich fest. Ich mochte sie so gerne, dass das kein Problem für mich darstellte. Am Samstag ging ich daher allein in eines der Einkaufszentren und überlegte, was ich ihr kaufen konnte. Nach einiger Überlegungszeit entschied ich mich dafür, ihr einen kleinen Teddy zu kaufen, um den ich noch eine kleine Geburtstagskarte hing. Da ich noch nicht so ganz genau wusste, was sie mochte und ich ihr ja auch nichts von dem Geschenk erzählen wollte, musste es ein eher neutrales Geschenk sein. In diesem Sinne fand ich die Idee mit dem Teddy richtig gut.
Samstagnachmittag ging ich wie geplant zu Julia, mit der ich den gesamten Nachmittag und Abend verbrachte. Erst waren wir lange bei ihr und ich erzählte ihr einfach jedes Detail aus der Geschichte mit Sandra. Julia analysierte Sandra kritisch, fast an der Grenze zur Unfairness, aber ich nahm das einfach mit einem Schulterzucken hin. Ich spürte in den vielen Stunden mit Julia eine leichte Eifersucht, auch wenn ich mir nicht so richtig erklären konnte, warum. Der letzte Stand mit Julia war, dass sie, genauso wie ich, eine feste Beziehung nicht vollständig wollte oder konnte, weswegen ihre Eifersucht für mich nicht nachvollziehbar war. Vielleicht hatte sie aber auch einfach größere Sorgen, dass unsere intime und intensive Freundschaft leiden würde, sofern ich wirklich mit Sandra zusammenkommen sollte. Abends gingen Julia und ich ins Kino. Dort erlebte ich auf jeden Fall endlich wieder die lockere Julia, die ich schätzen gelernt hatte. Ich brachte sie noch bis nach Hause und sie bot mir wieder an, bei ihr zu übernachten. Aber ich lehnte das Angebot ab, weil ich davon ausgehen musste, dass es zwischen Julia und mir wieder intim werden konnte. Klar, sexuell war ich alles andere als abgeneigt, aber ich war mittlerweile so interessiert an Sandra, dass ich kein Gefühlschaos wollte, falls ich mit Julia womöglich sogar noch ins Bett ging, aber eigentlich mit Sandra parallel zusammenkommen wollte.
Am Sonntagmittag rief mich Sandra einfach auf meinem Handy an. Es war das erste Mal, dass wir miteinander telefonierten. Bisher war ich zu feige, Sandra direkt anzurufen, weil unser Kontakt sich erst aufbaute. Ich sagte ihr dies auch, dass ich positiv überrascht war. Wir quatschten ungefähr eine Stunde, bis ich mich wieder meinen Hausaufgaben widmete. Sie erzählte mir in diesem Gespräch, dass sie wohl zu ihrem Geburtstag eine Menge Geld als Startkapital für den Führerschein bekommen würde. In Verbindung mit ihrem Geburtstag machten wir auch aus, dass sie in der zweiten Pause kurz zu mir kommen würde, da ich ihr zum Geburtstag gratulieren wollte. Das mit dem Geschenk verschwieg ich aber weiterhin.
Ab Montag kam Sandra täglich für eine oder sogar beide große Pausen zu mir. Das freute mich und ich bemerkte, dass wir einander immer näherkamen. Vor allem zeigte sich dies an ihrem Geburtstag, der am Donnerstag war: Als sie wie abgemacht in der zweiten Pause zu mir kam, gratulierte ich ihr. Wir umarmten uns und sie drückte mich wirklich fest. Ich gab ihr den Teddy inklusive der Karte, worüber sie sich sehr freute. Ich hatte voll ins Schwarze mit meiner Idee getroffen. Schlagartig und ohne, dass ich damit rechnete, umarmte sie mich wieder und gab mir dabei einen Kuss auf den Hals! Ich war verdattert, sagte aber weiter nichts dazu. Ich war mir wiederum aber sicher, dass sie meine kurze geistige Verwirrung wegen des Kusses bemerkt hatte, aber wir thematisierten das tatsächlich nicht weiter. Ein Kuss auf den Hals war allerdings so besonders, dass auch Tim, dem ich das später erzählte, nicht von der Hand weisen konnte, dass Sandra Interesse an mir haben musste.
Janine erzählt:
Ich ließ Benny entscheiden, was wir unternahmen, und er sagte, er würde sich Gedanken machen. Wir machten auf jeden Fall den nächsten Samstag als Tag aus. Auch wenn mir ein wenig mulmig war, weil Benny erst die zweite Person war, die ich jemals wirklich datete, freute ich mich. Wir sahen uns zudem in dieser Woche mehrere Male kurz in der Schule und besprachen Ideen. Da es mittlerweile richtig kühl war, beschlossen wir, nachmittags ins Planetarium und im Anschluss zu ihm nach Hause zu fahren. Sabrina freute sich, als ich ihr von unseren Plänen erzählte, und sie verriet mir, dass er ihr gegenüber erwähnt hatte, wie sehr er sich freute. Ich konnte damit nicht so richtig umgehen, als sie mir das erwähnte. Klar, ich wusste nun schon, dass er mich toll fand, aber es setzte mich irgendwie unter Druck, weil ich mir eben nicht so richtig sicher war.
Ich überlegte am Freitag, als Sabrina nachmittags zu mir kam, was ich am Samstag anziehen würde und wie hübsch ich mich machen wollte. Sabrina meinte leicht überschwänglich, dass ich mir schon richtig Mühe geben sollte, weil es schließlich ein Date war. Schließlich wollte ich ihn doch auf meine Seite ziehen, so argumentierte sie. Aber leider empfand ich das nicht so deutlich wie sie. Abgesehen davon war mir unabhängig von Benny nicht danach, mich voll aufzubrezeln, gerade, weil die letzten Schultage auch schon so stressig waren. Sabrina half mir in jedem Fall dabei, ein gutes Outfit zu wählen, bei dem ich ein wenig Ausschnitt zeigte, aber gleichzeitig vor allem sportlich gekleidet war.
Am Samstagvormittag setzte ich meinen Plan in die Tat um und schminkte mich eher wenig und dezent, weil ich mich damit einfach wohler fühlte. Wir trafen uns direkt vor dem Planetarium und ich war leicht zu spät dran. Wir hatten aber glücklicherweise Pufferzeit eingeplant, weswegen es kein Problem war. Ich sah ihn bereits aus der Ferne und er schaute die ganze Zeit genau in die falsche Richtung, sodass ich ihm eine Nachricht schrieb: „Falsche Richtung!“ Er wirbelte herum und lachte, als er mich sah. Ich bekam dadurch gute Laune und spürte, dass ich mich doch weit mehr freute, ihn zu sehen. Marc konnte ich in diesen Momenten gut ausblenden. Als er mich lang umarmte, spürte ich, wie er leicht zittrig war. Auch, als ich ihm kurz meine Handtasche in die Hand drückte, weil ich aus meiner dünnen Jacke etwas herauskramen wollte, bemerkte ich, dass er leicht zitterte. Offenbar war er echt nervös. Ich fand das echt süß.
Wir gingen in die Vorhalle und er fragte mich: „Wie war deine Woche?“ – „Na ja, sehr stressig. Wir hatten viele Hausaufgaben, ich kam kaum hinterher. Sonst habe ich eigentlich keine Probleme damit, weil ich meist schnell fertig werde. Aber diese Woche war wirklich heftig. Ich frage mich echt, wie das erst werden soll, wenn die jetzt jede Woche so durchdrehen. Bis zum Abi dauert es noch eine Weile.“ – „Das war bei uns auch ziemlich schlimm, ich verstehe total, was du meinst. Aber ich finde es toll, dass du dir trotzdem heute Zeit genommen hast.“ – „Na klar. Ich brauche die Abwechslung einfach auch, nur Schule kann ich die ganze Zeit nicht.“ – „Das finde ich toll.“
Ich erzählte ihm ein bisschen von meinem gestrigen Treffen mit Sabrina, ohne natürlich zu erwähnen, dass wir uns vor allem den Kopf über ihn zerbrachen. Ich hatte währenddessen aber das Gefühl, dass er mir kaum zuhörte, weil er recht überfordert wirkte. Warum genau, konnte ich nicht sagen, das hatte ich bisher bei ihm nicht beobachten können. Kurz, bevor wir eingelassen wurden, fragte ich ihn, ob alles okay war. Er entgegnete mir, dass er letzte Nacht nur fünf Stunden Schlaf bekam, weil sein Schlafrhythmus ihm in die Quere gekommen war. Er war gestern Abend noch auf einer Geburtstagsfeier von einem Mitschüler aus dem Jahrgang, die bis morgens um zwei ging. Durch den Schlafmangel fühlte sich seine Wahrnehmung wie in einem Rausch an. Er bekam zwar alles soweit mit und konnte auch auf alles reagieren, sein Kopf war auch aktiv und fit, aber er bezeichnete das als Tunnelblick, den er sehr unangenehm fand. Das hatte er auch manchmal in seinem normalen Alltag, wenn der Schulstress ganz besonders groß war. Ich konnte nachfühlen, was er meinte. Das waren Momente, an denen es so hektisch zuging, dass es einfach alles an einem vorbeizog.
Als der Einlass geöffnet wurde, stellten wir uns an die Schlange und Benny zückte sein Smartphone. Er hatte uns bereits Tickets gekauft, womit ich eigentlich nicht so richtig zufrieden war. Er sagte mir aber bereits in der Schule, dass er mich einladen wollte. Ihm war dennoch wichtig, dass wir das ausgeglichen hielten, weil er nicht wollte, dass ich mich schlecht fühlte, wenn er zu viel für mich ausgab. Ich fand das mit dieser Haltung total in Ordnung. Er sagte mir, dass ich ihn gerne beim nächsten Mal wieder einladen konnte, sodass wir das einfach abwechselnd hielten. Kaum, dass wir die Ticketkontrolle durchschritten hatten, berührte Benny mit seiner Hand plötzlich sehr deutlich meine, die ich locker neben mir hängen ließ. Er schaute mich dabei kurz von der Seite an und ich sah erstaunlicherweise plötzlich Entschlossenheit in seinen Augen. War er nicht zuvor noch völlig überfordert gewesen? Ich dachte einen Moment nach und griff einfach nach seiner Hand. Ich verschränkte meine Finger mit seinen und es fühlte sich irgendwie gut an. Seine Hand war definitiv etwas größer als Marcs. Im Vergleich war Bennys Hand aber etwas rauer. Seine Hände waren gepflegt, soweit ich das bisher immer sehen konnte, aber seine Haut war weniger glatt. Er flüsterte mir plötzlich recht leise zu: „Mein Herz lacht gerade ziemlich…“ Ich musste unweigerlich grinsen, weil ich diesen Moment romantisch fand. Wir gingen Hand in Hand in den Saal und Benny führte uns zu den Plätzen. Wir lösten dort unsere Hände voneinander und setzten uns. Ich fand den Projektionssaal cool, da ich zum ersten Mal im Planetarium war. Benny erzählte mir einige Details von den bisherigen Veranstaltungen, bei denen er mit dabei war. Er wirkte dabei wieder sehr vorsichtig und fast überfordert. Er griff einmal vorsichtig zu mir rüber, um meine Hand zu berühren, sodass ich ihn fragte: „Was machst du da?“ Er antwortete: „Ich habe mich gefragt, was der Punkt auf deiner Hand ist.“ Ich schmunzelte leicht und stellte fest: „Du, das ist ein Muttermal.“ – „Ach so, durch das bläuliche Licht hier im Saal konnte ich nicht zuordnen, was das ist.“ Ich spürte, dass er die Situation offenbar nicht so richtig gewohnt war. Wenige Minuten vor dem Beginn der Veranstaltung fragte er mich, ob er meine Hand wieder nehmen durfte. Instinktiv sagte ich in diesem Moment „nein“, weil mir just in diesem Moment nicht danach war. Diese Frage arbeitete in mir noch einige Momente lang nach und ich hatte das Gefühl, dass ich Benny damit sehr verunsicherte. Wenige Sekunden, als die Veranstaltung losging, griff ich sehr schwungvoll nach seiner Hand. Ich verschränkte meine Finger wieder mit seinen, weil ich dieses Gefühl der Verbundenheit einfach wieder spüren wollte. Er lächelte breit, als ich kurz danach zu ihm rüber schaute. Die Veranstaltung war eher für Kinder gemacht, aber in den letzten Minuten, als man nur noch den Sternenhimmel sah und die Sternenbilder erklärt wurden, fand ich die Atmosphäre sehr romantisch. Benny und ich hatten nach einer Weile unsere Hände wieder gelöst, weil meine Hand mittlerweile leicht eingeschlafen war. Die Lehnen der Sitze ließen ein bequemes Händchenhalten einfach nicht zu.
Nach der Veranstaltung verließen wir zügig das Planetarium und fuhren zu ihm nach Hause. Dabei quatschten wir, so wie bisher immer, ohne Punkt und Komma weiter. Ich hatte auch auf dem Weg zu ihm schon Lust, Händchen zu halten, aber er traute sich offenbar nicht oder kam einfach nicht auf die Idee. Nachdem ich bereits im Saal seine Hand griff, wollte ich dies nun aber nicht weiter initiieren. Unsere Stimmung war aber dennoch so richtig gut und er brachte mich öfters wirklich gut zum Lachen. Vor allem trieben wir unsere lustigen Ideen gemeinsam immer weiter und brachten uns dadurch nur noch mehr ins Herumalbern.
Als wir bei ihm zu Hause ankamen, holte er direkt seinen Hund ab und wir machten einen sehr langen Spaziergang. Ich mochte seinen wirklich putzigen Hund sehr. Es war auch zu sehen, dass Benny den Familienhund wirklich sehr liebte, und das faszinierte mich sehr. Bei diesem Spaziergang tauschten wir uns wieder so richtig intensiv aus und ich erfuhr einige neue Dinge über ihn. Besonders, als er mir davon erzählte, was er an Krankheiten schon überstanden hatte, war ich gleichzeitig schockiert und erstaunt, dass man so jung schon so viele Sachen abbekommen konnte.
Wir kamen wieder bei ihm zu Hause an und ich bemerkte, dass seine Eltern gar nicht da waren. „Wo sind deine Eltern eigentlich?“, fragte ich ihn und er sagte breit grinsend: „Die sind das ganze Wochenende Familie besuchen, dadurch habe ich sturmfrei und muss mich nur um den Hund kümmern.“ Ah, jetzt verstand ich auch, wieso er ganz speziell diesen Tag vorgeschlagen hatte, damit wir wirklich unter uns bleiben konnten… Ich grübelte einige Momente lang darüber nach, ob ich mich damit wirklich wohl fühlte. In mir war kurz Unsicherheit da, aber ich stellte einfach fest, dass es daran lag, dass ich diese Situation mit einem Mann nicht mehr gewohnt war. Benny strahlte zudem auch wieder plötzlich diese Überzeugung aus, die er vorhin bereits kurz hatte. Ich konnte nicht von der Hand weisen, dass ich ihn enorm sexy fand, wenn er so überzeugt wirkte. Selbst diese Phasen, in denen er unsicher wirkte, mochte ich, weil es ihn noch sympathischer wirken ließ, da er mir gegenüber eben auch Schwächen zeigte. Er riss mich aus meinen Gedanken und nahm mich einfach an die Hand, um mich in die Küche zu führen. „Hast du Hunger?“, fragte er. „Ja, schon, wir haben in den letzten Stunden wirklich nicht viel gegessen.“, sagte ich mit einem Schmunzeln. „Wollen wir was kochen?“, fragte er mich und bereitete mit schnellen Handgriffen alles Mögliche vor. „Oh… ja, gerne! Was hast du denn da?“ Er zeigte mir einige verschiedene Lebensmittel und legte einfach direkt los. Ich fragte ihn zwischendrin: „Kann ich dir nicht helfen?“ – „Nein, nicht wirklich, das geht ja schnell. Wobei… würdest du die Zwiebeln klein schneiden?“ – „Klar.“ Mehr als das verlangte er von mir aber auch nicht und machte alles andere selbst ziemlich schnell. Ich war fasziniert, wie routiniert und gut er kochen konnte. Das kannte ich von Marc in der Form definitiv nicht. Besonders beeindruckend fand ich, dass er absolut problemlos sich dabei intensiv mit mir unterhalten konnte und keinerlei Fehler machte. Ich spürte auch, dass es völlig egal gewesen wäre, was ich mir ausgesucht hätte, von den zahlreich genannten Dingen hätte er einfach alles wie einstudiert gekocht. Er machte das definitiv nicht zum ersten Mal.
Wir setzten uns an den Küchentisch und aßen. Zuvor hatte er in der Küche noch einige Kerzen angezündet, wodurch die Atmosphäre richtig schön wurde. Sein Hund legte sich zu unserer Belustigung auch nahe zu uns, in der Hoffnung, Essen zu bekommen. Benny war da aber völlig nachvollziehbar streng, sodass wir ihm natürlich fast nichts gaben. Putzig war das Verhalten aber allemal. Während des Essens sprachen wir sehr leise und vergleichsweise langsam. Unsere Themen wurden sehr intim und ich erzählte einige kleine Details aus der Beziehung zwischen Marc und mir. Ich achtete sehr darauf, nichts direkt davon zu erzählen, was Marc zum Beispiel sexuell so mochte oder wie die Zweisamkeit mit ihm so war. Meine Erzählungen bezogen sich eher auf gemeinsame Erlebnisse und wie ich die vielen Orte fand, an denen Marc und ich so waren. Benny kannte einige von diesen Orten auch und erzählte auch faszinierende Geschichten dazu, die er mit seiner Familie erlebte. Durch seine Erzählungen bemerkte ich auch, dass seine Familie, vor allem aber seine Mutter, wesentlich angenehmer war, als ich bisher den Eindruck hatte. Benny sagte mir auch, dass sie vermutlich einfach einen schlechten Tag hatte, als ich ihm schilderte, wie ich sie bisher wahrgenommen hatte. Wir waren schon eine lange Zeit mit unserem Essen fertig und diese Situation mit den vielen Kerzen in der Küche wurde irgendwie immer romantischer. Ich konnte nicht genau festmachen, woran es lag, aber ich spürte, dass ich sehr große Zuneigung zu Benny hatte. Er hatte während unseres Gesprächs spielerisch meine Hand gegriffen und streichelte mir immer wieder über die Hand. Meine Blockade, keinen anderen Mann an mich herantreten zu lassen, bröckelte immer mehr. Ich setzte mich irgendwann neben ihn auf die Küchenbank und wir schauten uns lange intensiv in die Augen. Er wusste nicht, wie weit er gehen durfte und ich wusste nicht, was ich wollte. Einige Minuten ging dieses Schauspiel so, bis mich meine Gefühle überwältigten und ich ihm mit dem Kopf näherkam. Ich stoppte auf halbem Weg aber absichtlich und schaute ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, legte mir vorsichtig und vor allem zittrig seine Hand an die Wange. Ich fand es süß, dass er so unsicher war. Daher half ich ihm noch etwas und ging mit meinem Gesicht seinem immer näher, sodass er nur noch das letzte kleine Stück überbrücken musste, was er auch tat: Wir küssten uns! In mir drehte sich alles. Ich fand diesen Kuss echt schön und Benny war auch vorsichtig, was ich wirklich gut fand. Gleichzeitig hatte ich sofort ein Thema im Kopf: Marc.
Ich versuchte, meine Gedanken sofort zu vertreiben und sah in Bennys Augen, wie extrem er strahlte. „Dieser Kuss war total schön.“, sagte er mit einem leichten Beben in der Stimme. „Du könntest ausflippen vor Freude, oder?“, fragte ich ihn mit einem provozierenden Schmunzeln. Er grinste und meinte: „Ja… und?“ Von seiner Ehrlichkeit war ich ein wenig erstaunt. Ich kam ihm noch näher und ließ es auf einen zweiten Kuss hinauslaufen. Er wurde ein wenig aktiver und ich fragte ihn danach: „Und du hast wirklich noch nie eine Frau geküsst?“ – „Nein, wirklich nicht. Das waren eben die ersten Küsse in meinem Leben.“ – „Wow, du bist aber echt ein Naturtalent.“ – „Danke. Ist mir jetzt sogar richtig unangenehm.“ – „Warum? Das muss es nicht. Ich finde das toll.“ Es folgte ein weiterer Kuss, der ziemlich fließend in eine lange Küsserei endete. In einem günstigen Moment fragte mich Benny: „Wollen wir in mein Zimmer? Ich finde diese Bank hier einfach unbequem auf Dauer.“ – „Oh ja, stimmt.“ Ich spürte meinen Rücken auch schon leicht, obwohl ich weit kürzer als er dort gesessen hatte. Er nahm mich daraufhin einfach an die Hand und führte mich in sein Zimmer. Bei den wenigen Schritten, die es letztlich waren, ratterte mein Kopf: Was veranstaltete ich gerade hier? Hatte ich für mich nicht klar beschlossen, dass Benny nur ein Freund ist? Ich wollte doch aber eigentlich Marc! Ich liebte Marc! Aber gleichzeitig… Ich brauchte dieses Gefühl der Nähe einfach so sehr. Benny war ein feiner Mensch, soweit ich ihn bisher kennenlernen konnte. Warum sollte ich ihm nicht auch weiterhin eine echte Chance geben? Hatte ich mich nicht aus diesem Grund mit ihm getroffen? Warum hatte ich ihm die Chance gegeben, mich zu küssen, wenn ich das doch nicht wollte?
Ich riss mich selbst aus diesem Gedankenchaos: Benny und ich hatten ein Date, welches wirklich toll lief. Ich durfte das genießen und es konnte mir keiner verbieten. Sabrina hatte völlig Recht. Ja, ich hing an Marc, aber wenn er mich nicht wollte, war er eben selbst schuld. Ich hatte ihm so oft gesagt, dass ich noch eine Chance wollte. Ich hatte mich mittlerweile wirklich sehr geändert und mit der Gruppe um Jeremias nichts mehr zu tun. Auch vom Alkohol ließ ich die Finger, aber wenn er das nicht honorierte, war das nicht mein Problem. „Alles gut?“, fragte Benny mich plötzlich und riss mich damit ein zweites Mal aus meinen versunkenen Gedanken. „Klar, wieso nicht?“ Wir setzten uns auf seinem Bett nah nebeneinander und er fragte sehr direkt, während er mir die Wange streichelte: „Marc, oder?“ Uff, der hatte gesessen. „Ja, aber er kann mich mal. Hat er halt jetzt Pech gehabt.“ Ich ließ mich auf eine intensive Küsserei mit Benny ein, bei der wir irgendwann auf seinem Bett lagen. „Wie viel Zeit hast du heute eigentlich?“, fragte er, da wir es mittlerweile nach 21 Uhr hatten. „Unbegrenzt“ sagte ich mit einem Schmunzeln. „Ich würde vielleicht ein wenig vor Mitternacht wieder losfahren, damit ich nicht ganz so lange nach Hause brauche.“ – „Klingt gut. Ich bringe dich noch nach Hause.“ – „Ach, das brauchst du nicht. Das geht schon.“ – „Nein, keine Widerrede. Nachdem du mir erzählt hast, dass dich die Dunkelheit manchmal fürchtet, möchte ich, dass du sicher nach Hause kommst.“ – „Ok, überredet. Das ist echt lieb.“ Auch das wurde mit einem Kuss besiegelt.
Direkt im Anschluss kam Bennys Hund zu uns gelaufen und irgendwie fand ich die Szene niedlich. Benny schaute seinen Hund an und sprach mit ihm: „Du möchtest noch eine Runde raus, oder?“ Sein Hund reagierte auf die Ansprache sofort und schien zu verstehen. Er tollte daraufhin so richtig herum und Benny sagte in meine Richtung: „Wenn du möchtest, warte hier ruhig kurz, bis ich mit ihm wieder da bin. Ich hätte es fast vergessen, dass ich mit ihm noch raus muss.“ – „Ich kann auch ruhig mitkommen, das stört mich nicht.“ – „Trotz der Dunkelheit?“ – „Ja, du bist ja mit dabei. Und er auch.“ Ich schaute zu seinem Hund, der sich weiter enorm darüber freute, noch rauszukommen. Er tat mir gleichzeitig auch ein wenig leid, weil Benny ihn durch mich echt vergessen hatte.
Wir gingen Hand in Hand draußen umher und waren sogar eine Stunde draußen, die sich gar nicht so lang anfühlte. Dabei sprachen Benny und ich vor allem viel über den Familienhund und was sie mit ihm bereits erlebt hatten. Während unseres Spaziergangs flackerte kurz der Gedanke in mir auf, was Marc wohl denken würde, wenn er Benny und mich händchenhaltend sehen würde. Benny hatte ein wirkliches Talent dafür, mich immer aus diesen Gedanken herauszureißen, weil er meist anfing, mit mir in solchen Momenten herumzualbern. Keine Ahnung, ob er das dieses Mal wieder gespürt hatte, dass ich mit meinen Gedanken kurz woanders war, aber es tat auf jeden Fall gut, dass er da war.
Wieder bei Benny zu Hause redeten wir, während wir mit dem Rücken auf seinem Bett lagen, wieder über einige Dinge und er erzählte mir von seinen recht vielen Freunden, die er im Jahrgang gefunden hatte. Irgendwann während seiner Erzählungen spürte ich, dass ich Lust auf ihn bekam. Mir war aber klar, dass das einfach viel zu schnell und zu früh war. Das waren heute seine ersten Erfahrungen, da konnte ich doch mit ihm nicht ins Bett gehen! Ich versuchte mich von diesen Gedanken daher fernzuhalten, knutschte später aber trotzdem intensiv mit ihm herum. Ich spürte, dass ich immer mehr Lust bekam, als er mich ziemlich hart ausbremste: „Wir sollten den Bus in einer Viertelstunde nehmen, damit du hier keine Stunde warten musst.“ Wann hatte er eigentlich auf die Uhr geschaut? Ich hatte meinen Kopf bereits so sehr ausgeschaltet, dass ich das gar nicht mitbekam. Er schaute mir, während wir auf seinem Bett seitlich nebeneinander lagen, tief in die Augen. Bei seinem Blick hatte ich immer das Gefühl, dass er mich vollständig durchschaute und ich keine Gedanken vor ihm verstecken konnte. So war es auch dieses Mal: „Der nächste Bus kommt um kurz vor eins und danach alle Stunde einer.“ Wir grinsten und ich fragte: „Und wann kommt der erste richtige Bus wieder?“ – „Um sechs. Willst du so lang wachbleiben?“ – „Ich weiß nicht, ob ich so lang durchhalte.“ Ich kicherte und er kniff mir einfach leicht in die Wange. „Ey!“, beschwerte ich mich bei ihm, sodass er sagte: „Sorry, ich wollte das schon die ganze Zeit machen. Ich mag deine Wangen, wenn du kicherst.“ – „Pff!“ Ich ging in einen fiktiven Streik und er kam mir mit seinem Gesicht nah. „Du kannst hier gerne übernachten, wenn du möchtest. So musst du nicht um fünf oder sechs nach Hause fahren. Ich muss nur eine Decke und ein Kissen holen.“ – „Ist das wirklich kein Problem?“ – „Nein, gar nicht. Meine Eltern kommen abgesehen davon erst morgen Abend irgendwann wieder. Und selbst wenn: Eine so tolle Frau darf jederzeit gerne bei mir über Nacht bleiben, das lasse ich mir von keinem verbieten.“ Er stand auf und verschwand kurz aus dem Zimmer, um mit Bettzeug zurückzukehren. Das Kompliment wirkte sehr lange nach – und sein Selbstbewusstsein auch.
Er warf das Bettzeug einfach auf mich rauf und lachte dabei laut, sodass ich mich von der Last befreite und ihn einfach auf das Bett zog, um ihn zu kitzeln. Leider biss ich mir aber die Zähne aus, weil er sich sehr gut im Griff hatte und einfach nicht gekitzelt werden konnte. Ich probierte mehrere Minuten lang, bis ich rausfand, dass er immerhin an den Füßen kitzlig war, wenn man nur geduldig genug war. Gleichzeitig hatte ich gegen ihn keine Chance, als er mich einfach kitzelte. So tobten wir ewig miteinander herum, bis ich auf dem Rücken und er leicht auf mir lag. Er war dabei sehr vorsichtig und stützte sich ab. Ich zog ihn aus einem Gefühl einfach auf mich herauf, sodass er wirklich überrascht davon war. „Wow…“, flüsterte er leise, worauf ich zu ihm sagte: „Genieß es einfach.“ Wir knutschten intensiv und ich bemerkte fast gar nicht, wie ich ihn immer fester an mich zog. Als ich ihm wie selbstverständlich über den Körper streichelte und mit meiner Hand über seine Hose fast über seinen Penis strich, bremste er plötzlich und wirklich ziemlich nervös. Er riss mich aus meinem Gefühlsrausch. „Sorry, verzeih die Frage bitte, aber… darf ich dich auch so berühren, wie du das bei mir machst… und gerade vorhast?“ Ich stellte wieder schockiert fest, wie sehr ich einfach mit ihm herummachte, ohne Rücksicht auf ihn zu nehmen. Ich fühlte mich zurecht richtig schlecht und meinte: „Na klar darfst du das. Entschuldige. Sag mir bitte, wenn dir das zu schnell ist, ok?“ – „Na klar sage ich dir das. Das geht alles schon. Ist halt nur sehr neu. Sei mir bitte aber nicht böse, wenn ich dich vielleicht noch irgendwas fragen sollte, okay?“ – „Na klar, frag ruhig so viel, wie du möchtest. Das ist total in Ordnung. Und ja, du darfst mit mir genauso schmusen, wie ich das mit dir mache.“ Ich schmunzelte leicht. „Alles klar.“ Er grinste. Als wir uns wieder küssten, dauerte es nicht lang, bis ich mich ihm völlig hingab. Ich spürte, wie er mich vorsichtig streichelte und bewusst meine Brüste ausließ, obwohl ich seinen Intimbereich definitiv einige Male deutlich gestreichelt hatte. Kurz war da diese Erinnerung: Marcs Angst, mich intim zu berühren…
Ich griff in einem günstigen Moment eine von Bennys Händen und streichelte durch meine Kleidung hindurch meine Brüste damit. Er flüsterte leise: „Wow.“ – „Du brauchst keine Sorgen zu haben. Schau, das mag ich zum Beispiel sehr.“ Ich zeigte ihm, wie er meine Brüste massieren konnte und er war direkt mutig, um es selbst auszuprobieren. Er zog mich immer mehr an.
Wir zogen uns sehr plötzlich unsere Kleidung aus und ich wurde immer gieriger. Obwohl ich Benny noch nicht so sehr lang kannte, hatte ich großes Vertrauen zu ihm, dass ich mich ihm gegenüber auch nackt zeigen konnte. Diesen Moment kannte ich: Ich wollte mit ihm schlafen, jetzt und sofort. Mein Gewissen meldete sich: Doch nicht beim ersten Date! Na ja, das erste Date war es ja eigentlich nicht, ich hatte ja schon einige Treffen mit ihm. Aber war das nicht viel zu früh, ich kannte ihn ja doch nicht so sehr gut? Als er meine Brüste gerade wieder in seine Hände nahm, verschwanden meine Zweifel, weil ich so erregt war. Bennys Penis‘ hatte ich während der letzten Minuten bereits einige Male gespürt, ich wusste, dass er auch sehr erregt war.
Ich stoppte nun bewusst sehr deutlich und er schaute besorgt, als hatte er etwas falsch gemacht. „Was traust du dir jetzt zu? Oder was möchtest du?“ Seine Antwort überraschte mich: „Kondome habe ich hier, falls du das meinst.“ – „Wow, diese Antwort war direkt. Aber möchtest du wirklich… Ist das nicht etwas alles früh und so? Bist du sicher…“ – „Ja, ich weiß, was ich will.“ Da war sie wieder, diese selbstbewusste Ader von ihm. „Wirklich?“, fragte ich nochmals nach. „Ja.“ Er öffnete die Schublade seines Nachtschrankes und holte ein Kondom raus, das er auf eine gut erreichbare Stelle auf dem Bett lag. Während er dies machte, fragte ich mich selbst: Wollte ich das auch? Ehe ich aber darüber nachdenken konnte, hatte mich meine Lust vollständig im Griff und ich sehnte mich nach Sex. Ich half Benny dabei, den Zeitpunkt zu erkennen, wann ich mit ihm schlafen wollte, sodass er sich nach meinem Hinweis das Kondom überzog. Ich war erstaunt, dass ihm das so problemlos gelang, sodass ich mich kurz fragte, ob er nur geübt oder nicht doch Erfahrung hatte. Kurz flackerte in mir erneut Unsicherheit auf, aber ich zog den Plan jetzt einfach durch. Geschützter Sex war absolut unumgänglich und ich sah dabei zu, als er sich das Kondom überzog. Unser darauffolgender Sex war zwar recht kurz, da Benny relativ schnell zum Orgasmus kam, aber der Sex war trotzdem richtig toll und ich kam trotz allem sehr intensiv auf meine Kosten. Besonders schön fand ich, dass Benny auf meinen Vorschlag hörte und mich nach unserem Sex sehr lange weiter mit der Hand befriedigte. Ich spürte seine Unsicherheit und auch seine Ungeschicklichkeit, aber er gab sich wirklich richtig Mühe und stellte sich meist sogar richtig gut an. Er wurde sehr schnell immer besser.
Nach unserem Sex lagen wir nah nebeneinander und schauten gegen die Zimmerdecke. Die Kerzen, die Benny in seinem Zimmer angezündet hatte, als wir das Zimmer betraten, waren bis auf eine mittlerweile ausgegangen. Wir schwiegen lange, bis er sagte: „Ich… brauche, glaube ich, ein paar Nächte, um zu verstehen, was heute passiert ist.“ Ich schmunzelte leicht und meinte: „War das… wirklich dein erstes Mal?“ – „Ja. Ich habe dich nicht verarscht. War es so schlimm?“ – „Nein, ganz und gar nicht! Ich frage deswegen, weil ich wirklich erstaunt davon bin, wie erfahren du eigentlich gewirkt hast.“ – „Wirklich, kein Scherz. Ich hatte heute das erste Mal. Ich habe mir niemals erträumen lassen, dass wir uns heute überhaupt küssen.“ – „Ich irgendwie auch nicht.“ Er griff wie aufs Stichwort meine Hand und wir verschränkten unsere Finger miteinander. Seine Hand fühlte sich wieder richtig gut an. Viel mehr bekam ich aber auch nicht mehr mit, weil ich kurz darauf einschlief.
Am nächsten Vormittag erwachte ich und spürte, dass ich zu Benny gedreht war. Mein Kopf fühlte sich viel klarer als am Abend zuvor an, ich war wieder ausgeruht. Vorsichtig öffnete ich meine Augen. Ich hörte und sah, dass Benny schlief. Ich schaute ihn einige Zeit lang an, mir ging vieles durch den Kopf. Aber der Hauptgedanke war vor allem, dass ich mich unendlich schlecht fühlte. Ich hatte mit ihm geschlafen! Was hatte ich mir denn dabei gedacht? Hatte die Knutscherei nicht auch ausgereicht? Warum hatte ich es auf Sex hinauslaufen lassen? Ich hätte doch locker die Bremse ziehen können, Benny selbst hatte mir auch genügend Momente dafür gegeben. Dass es sein erstes Mal war, wog für mich vor allem sehr schwer. Denn das Problem war: Direkt nach dem Aufwachen spürte ich wieder, dass ich nur wenig romantische Gefühle für ihn hatte.
Benny war ein wirklich lieber Kerl, sodass ich ihm genau das gerade nicht antun wollte. Hätte er vorher schon Erfahrungen gehabt und mit einer Frau geschlafen, stünde das für mich kein wirkliches Problem dar, da wir das einfach als One-Night-Stand verbuchten konnten. Aber ich musste davon ausgehen, dass er davon ausging, dass er mich als Partnerin gewonnen hatte. So, wie er mit mir im Laufe des Abends umging, wusste ich, dass er mich als Freundin wollte. Ich hingegen spürte nach dem Schlaf, dass ich einfach nicht genügend Gefühle für ihn hatte und wusste spätestens jetzt, dass es wohl auch nicht mehr werden würden. Das lag aber nicht daran, dass er kein toller Mensch war, ganz im Gegenteil, meine Gefühle für Marc waren einfach zu intensiv. Ich fühlte mich daher aus so vielen Gründen gleichzeitig schlecht: Bennys erstes Mal, unter Kontrolle hatte ich mich auch nicht und wie kam das wohl bei den anderen im Jahrgang an, wenn das einer herausbekam? Oder wenn Benny aus Versehen darüber sprach?
Benny erwachte neben mir, kuschelte sich direkt an mich heran und ich spürte, dass mir einfach gar nicht danach war. Ich ließ seine Nähe aber zu, um ihn nicht wegzustoßen und direkt das riesige Problem ausbrechen zu lassen. Gleichzeitig grübelte ich aber intensiv, wie ich mit möglichst wenig Schaden für alle aus dieser Situation herauskommen konnte. „Na, hast du gut geschlafen?“ – „Ja, dein Bett ist wirklich bequem. Ich war einfach so müde gestern. Danke, dass du mich zugedeckt hast.“ – „Na klar, gerne.“ Er kam mir nahe und wollte mir einen Kuss geben… Leider reagierte mein Kopf schneller als mein Gefühl: Ich drehte ihm meine Wange zu, sodass er mir leicht überrascht einen Wangenkuss gab. Er suchte direkt danach meinen Blick und da er mich sehr gut lesen konnte, wusste ich sofort, dass das Kind nun in den Brunnen gefallen war. „Alles okay?“, fragte er direkt verunsichert. Ich wich mit meinem Blick eher aus und meinte: „Ich… fühle mich einfach sehr, sehr schlecht.“ – „Wegen gestern Abend?“ – „Ja, genau. Ich… wollte nicht, dass du das erste Mal so erlebst.“ – „Aber der Abend war doch total schön? Was meinst du?“ – „Du… erhoffst dir eine Beziehung, oder?“ – „Ja, natürlich. Aber das muss dir doch klar gewesen sein, als ich dich extra zu einem Date eingeladen habe, oder?“ – „Ja, war es.“ Er suchte regelrecht meinen Blick und als er ihn fand, fragte er: „Was denkst du?“ – „Ich glaube einfach, dass ich aktuell keine Beziehung führen kann, Benny. Es tut mir so unendlich leid.“ – „Habe ich was falsch gemacht?“ Ich hatte das Gefühl, dass er extrem verletzt war. „Nein, ganz und gar nicht, unser Abend war total schön. Mein Problem ist einfach, dass ich noch immer nicht über Marc hinweg bin. Es tut mir einfach so schrecklich leid.“ Er ließ das ein paar Sekunden sacken und schaute dabei bewusst weg von mir. Als er mich wieder fokussierte, meinte er: „Ich verstehe schon. Für Sex war ich gut genug, aber mit mir zusammen sein möchtest du nicht.“ – „Benny, hey.“ Ich hielt ihn am Arm fest, da er drauf und dran war, von seinem Bett aufzuspringen. „Es hat sich gestern einfach alles so richtig und so gut angefühlt, sodass ich wirklich fest glaubte, dass ich mich voll auf dich einlassen kann. Glaube mir, ich fühle mich einfach so richtig schlecht. Ich möchte unsere Freundschaft nicht gefährden und dir nicht weiter wehtun, wenn ich das einfach nicht kann.“ – „Hätte dir das nicht ein bisschen früher einfallen können, bevor wir miteinander schlafen?“ – „Es tut mir einfach leid.“ – „Mir geht es dabei nicht darum, dass ich mit dir mein erstes Mal hatte, das finde ich nicht schlimm. Es ist eher, dass ich gestern das Gefühl hatte, dass du mich auch länger als nur für eine Nacht willst.“ Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. „Aber es ist alles ok. Das ist nicht böse gemeint, aber ich möchte so ehrlich gesagt nicht mit dir noch das Frühstück gemeinsam verbringen. Von daher wäre es gut, wenn du bald gehst. Die Busse und so fahren ja wieder ganz normal.“ Diese Sätze taten mir sehr weh, aber sie waren absolut nachvollziehbar. Ich war ihm keineswegs böse, er hatte allen Grund, mich zu hassen. Ich hasste mich selbst dafür, dass ich ihn als billigen One-Night-Stand zweckentfremdet hatte. Vor allem, dass ich auch noch sein erstes Mal war, nagte extrem an mir. Das hatte er nicht verdient. Ein solches Arschlochverhalten von mir hatte einfach keiner verdient. Als Benny gerade fast sein Zimmer verlassen hatte, sagte ich ihm: „Benny, es tut mir wirklich sehr leid. Ich wollte nicht, dass das so endet. Ich habe wirklich geglaubt, dass ich mich auf eine Beziehung mit dir einlassen kann. Es hat sich alles wirklich gut angefühlt und das Wichtigste ist: Du hast alles absolut richtig gemacht. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als Frau ernstgenommen und respektiert zu werden. Das hast du wirklich toll gemacht.“ – „Danke.“ Dieses Danke war im Vergleich zu seinen vorherigen Aussagen wirklich sehr liebevoll und so gefühlvoll, wie ich ihn gestern den gesamten Tag über erlebt hatte.
Ich zog mich mit dem wohl schlechtesten Gewissen, welches man haben konnte, im Bad um und verabschiedete mich von Benny. Diese Verabschiedung war schwer, weil ich nicht wusste, wie ich mich richtig verhalten sollte. Er umarmte mich hingegen vorsichtig und ich war wirklich erstaunt. „Ist das dein letztes Wort?“, fragte er mich, als er mit seinem Gesicht direkt vor meinem war. Ich versuchte seinem Blick standzuhalten und meinte: „Benny… Hey. Man, du machst mich an, total, aber ich kann nichts gegen meine Liebe für Marc tun. Ich bin einfach noch immer nicht drüber hinweg und ich will dir einfach nicht noch mehr wehtun, wenn wir eine Beziehung probieren und ich bemerke, dass ich das noch nicht kann. Du kannst mir glauben, wenn ich nicht so sehr an Marc hängen würde, hätte ich mich jetzt voll und ganz auf dich eingelassen, weil ich glaube, dass wir auch eine Chance gemeinsam verdient hätten.“ – „Warum lässt du Marc nicht einfach hinter dir? Ihr seid schon einige Monate getrennt und ihr wart nicht viel mehr als ein Jahr zusammen. Du machst es mir nicht gerade einfacher, wenn du mir selbst jetzt auch noch sagst, dass wir eine Chance zusammen verdient hätten. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass wir unheimlich gut zusammen harmoniert haben.“ – „Das haben wir auch, ich vertraue dir auch sehr. Ich weiß nicht, wieso ich mich nicht von Marc lösen kann. Ich kann es dir ehrlich nicht sagen. Vielleicht, weil ich den Mist gebaut hatte und es wieder gutmachen will. Vermutlich aber deshalb, weil ich ihn einfach enorm liebe.“ – „Das ist sehr schade. Ich versuche aber, es zu verstehen und zu akzeptieren. Was anderes bleibt mir wohl kaum übrig.“ Wir drückten uns erneut zur Verabschiedung und ich verließ seine Wohnung.
Auf dem Nachhauseweg rief ich Sabrina an, die mir im Laufe des Abends einige Nachrichten geschickt hatte. Sie ging glücklicherweise direkt ans Handy, wofür ich ihr einfach so dankbar war. Ich erzählte ihr von dem Abend und sie freute sich anfangs sehr. Kaum später war sie schockiert darüber, dass ich mit ihm sogar direkt geschlafen hatte und besonders wütend wurde sie, als ich ihr erzählte, dass ich mit ihm aktuell eine Beziehung nicht eingehen konnte. Sie warf mir zurecht recht aggressiv vor, ihn einfach benutzt zu haben, auch wenn sie mich natürlich verstand, dass das nicht meine Absicht war. Ich sehnte mich einfach nach Zuneigung und es tat mir so leid, dass ich so egoistisch war und mir diese einfach genommen hatte. Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte Sex mit einem anderen Mann gehabt, den ich danach definitiv nie wieder sah… Sabrina baute mich zumindest ein bisschen wieder auf, nachdem sie mich zurecht sehr hart kritisiert hatte. Aber einen wirklichen Rat, wie ich mit der Situation umgehen konnte, hatte sie auch nicht. Sie wollte Benny auf jeden Fall bald anschreiben und fragen, wie das Date lief, auch wenn er sich vermutlich denken konnte, dass sie das schon wusste. Sie wollte in jedem Fall seinen Frust abfangen, so gut sie dies konnte.
Ich fühlte mich zu Hause den ganzen Tag schlecht und Benny und ich schrieben auch kein Wort miteinander. Ich bemerkte nur, dass er sehr lange online war und vermutlich viel mit Sabrina schrieb oder direkt mit ihr sprach. Am nächsten Tag traf ich Benny in der Schule auf dem Gang und wir redeten bis auf eine kurze, flüchtige Begrüßung mit Umarmung nicht weiter miteinander. Ich spürte, dass der Sex unsere Verbindung zerstört hatte.
Die nächsten zwei Tage vergingen und ich bekam, als ich morgens einen der Unterrichtsräume betrat, mit, wie einige über mich tuschelten. Ich tat so, als bemerkte ich sie nicht, aber ich hatte nach meinen schlimmen früheren Schuljahren einen guten Sensor dafür entwickelt, wenn Leute über mich sprachen. Sehr schnell hörte ich solche Worte wie „verzweifelt“ und ich wusste genau, was sie meinten. Ich ahnte, dass es irgendwo ein Leck gab und irgendeiner gequatscht hatte. Mir ging es durch Marc schon schlecht, nun auch durch Benny und jetzt noch zum Gespött zu werden, war wohl einer meiner schlimmsten Albträume. Tim sprach mich an diesem Tag in einer gemeinsamen Freistunde an und fragte: „Das stimmt… mit Benny und dir, oder?“ – „Scheiße.“ – „Warst du mit ihm wirklich im Bett?“ Ich schaute ihn verzweifelt und ratlos an und er meinte: „Wow.“ – „Mehr fällt dir dazu nicht ein?“ – „Ich gönne dir und euch das, ehrlich, macht, was ihr wollt.“ – „Danke, du kannst richtig aufbauend sein.“ – „Du weißt, was ich meine. Das Schlimme ist, dass das komplett die Runde macht. Stell dich auf richtig Seitenhiebe von den anderen Idioten ein.“ – „Die ersten Lästereien habe ich schon mitbekommen dürfen…“ – „Oh Mist. Wie kam das denn zustande?“ – „Man, ich hatte mich einfach nicht unter Kontrolle. Er wollte ein richtiges Date und wir haben uns halt so gut verstanden, dass es einfach so passiert ist.“ – „War das für dich nicht nur ein One-Night-Stand?“ – „In dem Moment hat es sich genau richtig angefühlt. Wie eine Beziehung. Sonst hätte ich das niemals gemacht.“ – „Scheiße.“ – „Benny will halt eine Beziehung, von Anfang an. Es war auch noch sein erstes Mal.“ – „Fuck. Jetzt verstehe ich, warum die Leute so abgehen.“ – „Ich auch. Sie haben Recht. Ich fühle mich wie eine Schlampe.“ – „Das bist du nicht. Das war zwar unglücklich mit dem Sex, aber da gehören ja auch zwei dazu. Er hätte auch abbremsen können.“ – „Das stimmt. Aber ich glaube, ich war schon mehr daran schuld als er.“ – „Und selbst wenn, trotzdem zählen zwei dazu.“ – „Damit hast du schon Recht… Aber was mache ich, wenn Marc davon mitbekommt?“ – „Zu spät.“ – „Oh nein…“ Mir standen direkt die Tränen in den Augen und Tim meinte: „Er zuckte tatsächlich mit den Schultern, als er das vorhin mitbekam. Ich bin mir sicher, dass es ihm nicht egal ist, aber er sagte mir vorhin unter vier Augen, dass es doch völlig in Ordnung war, wenn du mit jemand anderem schläfst oder eine Beziehung anfängst. Er gönnt dir das sogar.“ – „Meinst du, dass er da wirklich an mich gedacht hat und ihn das stört?“ – „Ich bin mir ziemlich sicher. Er hat sehr verwundert reagiert, als er davon hörte. Er konnte das gar nicht glauben, weil er davon ausging, dass du weiterhin nur ihn willst.“ – „Das hat sich ja auch nicht verändert.“ – „Und das weiß definitiv auch der halbe Jahrgang und Marc damit auch.“ – „Meinst du, das hat was in ihm ausgelöst?“ – „Unwahrscheinlich. Aber es ist sicherlich nicht schlecht, ihn daran erinnert zu haben, dass du auch noch da bist.“ Er versuchte mich danach aufzumuntern, was genau bis zur nächsten Stunde anhielt, die Marc, Tim und ich gemeinsam hatten. Als ich in den Raum hineinkam und mich hinsetzte, waren die meisten aus dem Kurs, darunter auch Marc, schon da. Einige schauten mich sehr skeptisch an und es wurde richtig unangenehm, als ein Mitschüler aus unserer alten Klasse langsam zu mir herüberkam. Ich erinnerte mich daran, dass es Bennys bester Freund war. „Na, hat es Spaß gemacht, mit meinem besten Freund rumzumachen?“ Ich wollte am liebsten im Boden versinken und Tim war gerade dabei, zu reagieren und ihn in die Schranken zu weisen, als Marc plötzlich ohne Vorwarnung seinen Stuhl nach hinten warf und aufstand. Er drehte sich um und baute sich vor Bennys besten Freund auf. „Hast du ein Problem damit, dass Janine mit einem anderen Mann im Bett war?“ – „Ja, und? Was geht dich das an?“ – „Eine ganze Menge. Und zwar habe ich ein riesiges Problem damit, wenn über einen Menschen, mit dem ich zusammen war, gelästert wird. Setz dich also hin und halt die Fresse. Sie kann machen, was sie will. Genauso wie du auch. Es interessiert sich auch keine Sau hier im Raum, mit wem du vielleicht rumgevögelt hast.“ Marc warf ihm einen eiskalten Blick zu, den ich nur selten von ihm gesehen hatte. Ich war fasziniert davon, dass er mich so sehr in Schutz nahm. Bennys bester Freund verzog sich, ohne etwas Weiteres zu erwidern, direkt in die Ecke des Raumes und ließ mich wirklich in Ruhe. Diese Situation hatte es in Hinblick auf die nächsten Tage nicht besser gemacht, aber ich war Marc und auch Tim in diesem Moment wirklich sehr dankbar.
Marc schrieb mir in der Pause eine Nachricht, weil er das Geschriebene nicht aussprechen wollte. Ich war positiv erstaunt, als ich den Inhalt las: „Ich finde es nicht in Ordnung, wie sie mit dir umgehen. Auch, dass Benny offenbar darüber gesprochen hat und sein bester Freund nicht die Fresse halten kann, finde ich nicht in Ordnung. Ich habe dir gesagt, dass ich für dich da bin, wenn was ist. Bei so was immer.“ Er saß nur wenige Schritte von mir entfernt und sah mein überraschtes Gesicht. Er schrieb noch hinterher: „Ich finde es übrigens völlig ok, dass du mit ihm im Bett warst.“ Ich konnte nicht anders, als diesen einen Moment der Kommunikation mit ihm zu nutzen: „Wirklich?“ – „Ja, klar. Es fühlt sich komisch an, aber es war doch eigentlich klar, dass ich auf Dauer nicht der Einzige bleiben werde, der weiß, wie du nackt aussiehst.“ Er hing einen Zwinkersmiley an die Nachricht und einerseits freute mich seine lockere Haltung. Andererseits tat mir seine Nachricht weh, weil sie für mich so klang, als hatte er wirklich komplett mit mir abgeschlossen…
Als ich nachmittags zu Hause war, rief ich Benny direkt an. „Dir ist auch nicht Besseres eingefallen, als direkt deinem besten Kumpel davon zu erzählen, oder?“ Ich war ziemlich wütend. „Du warst ja mit Sabrina auch nicht besser, oder?“ – „Nur mit dem Unterschied, dass sie so etwas niemals ausplaudern würde!“ – „Wer sagt eigentlich, dass Sabrina das nicht herumerzählt hat?“ – „Wenn es danach geht, hätte sie genauso gut alles von der Beziehung zwischen Marc und mir erzählen können. Von all den Sachen ist nie etwas irgendwo weitergetratscht worden, egal, wie es gerade zwischen Marc und mir lief.“ Wir schwiegen kurz und ich fragte ihn: „Hast du mich als Schlampe dargestellt oder warum ist er so abgegangen? Hast du mitbekommen, dass er mich vor dem gesamten Kurs angepöbelt hat?“ – „Ja, das war scheiße. So war das nicht gedacht. Ich habe mich bei ihm einfach ausgekotzt, weil ich so gefrustet war.“ – „Klasse. Weißt du, welcher Spießrutenlauf das in den nächsten Wochen und Monaten wird?“ – „Hättest du dir das nicht vorher überlegen können, bevor du mit mir schläfst? Weißt du, wie sehr mich das verletzt, dass du nichts von mir willst?“ – „Ich verstehe es, Benny. Mehr, als um Verzeihung zu bitten, kann ich nicht. Ich fand unseren Abend wirklich schön und würde ihn daher niemals rückgängig machen wollen, aber wenn ich es könnte, würde ich es tun, damit du nicht so sehr verletzt wirst.“ – „Janine, ich kann dir nur den Rat geben, dass du dich auf keinen anderen Mann mehr einlassen solltest, solange du nicht über deine krampfhafte Angst, Marc loszulassen, hinwegkommst.“ Ich wusste einige Sekunden lang nicht, was ich darauf sagen sollte. Er beendete unser Telefonat einfach mit den Worten: „Sei mir nicht böse, aber sprich und guck mich bitte in nächster Zeit nicht mehr an. Das verletzt mich einfach viel zu sehr und erinnert mich an einen eigentlich schönen Abend, den ich gerne als Beziehungsbeginn gesehen hätte.“ Er hörte sich meine Worte nicht mehr an, er legte einfach auf. Mir kamen vor Wut die Tränen: über mich selbst, auf Benny, auf seinen besten Freund und irgendwie auch auf Marc, obwohl er mich in Schutz genommen hatte, was ich niemals von ihm erwartet hatte. Ich wusste nicht, wie ich seine Aktion einschätzen sollte. Ich fand es einfach positiv krass, dass er mich so verteidigt hatte.
Nach dem Gespräch war ich einfach… fertig. Irgendwie lief nichts, wie es laufen sollte. Die Beziehung zu Marc scheiterte. Die Freundschaft zu Benny ging in die Brüche. Konnte es noch schlimmer kommen? Es konnte, wenn Marc mit Sandra zusammenkam und ich Tim oder Sabrina auch noch als Verbündete verlieren würde. Aber immerhin bei Tim und Sabrina wusste ich, dass sie uneingeschränkt zu mir hielten, wofür ich ihnen einfach nur dankbar war.