Kapitel 26

In der Ferne

Als wir ausstiegen, atmete ich symbolisch tief ein und freute mich darüber, die nächsten Tage ohne große Verpflichtungen zu sein. Wir waren ans Meer gefahren. Die Stadt war nicht groß, aber für die paar Tage würde schon für genug Abwechslung gesorgt sein. Unser Hotel war trotz der kleinen Stadt gut versteckt, sodass wir es leicht genervt nach etwas über einer Stunde endlich fanden und einchecken konnten. Das Zimmer war klein, viel Bewegungsfreiheit gab es nicht, aber mehr gab das Budget auch nicht her, auch wenn ich von Janine wusste, dass der Geldbetrag, den sie geschenkt bekam, schon so groß war, dass sie wohl noch ein paar Tage hätte anhängen können. Sie hob sich das Geld aber für Aktivitäten oder für weitere Reisetage auf, da die Sommerferien auch nur noch wenige Monate entfernt waren.

Frisch in unserem Zimmer angekommen, fühlte ich mich so richtig frei. Das war ein ungewohntes Gefühl, da meine letzte Reise schon eine ganze Weile her lag. Vor allem war meine letzte Reise vor diesen ganzen schlimmen Ereignissen, die sowohl Janine und mich überfielen. Während ich gedankenverloren aus dem Fenster schaute, machte sich Janine daran, ihre Sachen aus dem Koffer auszupacken. Ich bemerkte, dass sie wirklich viele Dinge bei hatte, weil sie offenbar für alle Situationen gerüstet sein sollte. Um wieder meine Lockerheit zurückzugewinnen, ging ich Janine näher und meinte: „Ach, das sind also die ganzen Backsteine!“ Sie fing an zu lachen und meinte gespielt empört: „Das sind keine Backsteine! Das sind halt nur zwei Jacken, ein paar Pullis, …“ Sie zählte weiter auf und ich musste einfach nur noch lachen, worauf sie auch immer mehr ins Lachen verfiel und ihren Satz gar nicht mehr vollständig aussprechen konnte. Ich griff ein paar wenige Kleidungsstücke aus dem Koffer und zählte: „Ein Backstein, zwei Backsteine, drei Backsteine…“ – „Du bist total doof!“ Sie klaute mir ihre Kleidung aus der Hand und schubste mich recht schwungvoll nach hinten, sodass ich mit dem Rücken auf dem Bett lag. Ich blieb bewusst ein paar Momente so liegen, während Janine interessanterweise recht hektisch ein paar Dinge im Schrank verschwinden ließ. Als ich mich wieder aufrichtete und sie anschaute, bemerkte ich etwas sehr Untypisches für sie: Sie hatte leicht rote Wangen! Ich war ein bisschen verwundert und fragte sie: „Ist alles ok?“ – „Ja, ja, ist alles gut.“ Mir wurde bewusst, dass ich beim Rausgreifen ihrer Kleidung zuvor unter anderem einen BH von ihr in den Händen hielt. Beim „Zählen“ ihrer Backsteine war ich so sehr auf den Gag vertieft gewesen, dass ich auf die Kleidung gar nicht geschaut hatte. Natürlich fühlte ich mich selbst nun auch ein wenig komisch, dass ich einen ihrer BHs in den Händen hielt, aber umso interessanter fand ich vor allem, dass Janine doch nicht immer so selbstbewusst war, wie ich glaubte. Offenbar war es ihr etwas unangenehm oder peinlich, dass ich so direkt in ihre Sachen gegriffen bzw. geschaut hatte. Allerdings ging mir durch den Kopf, dass ich in Janines Zimmer vereinzelt auch kurz in ihre Schränke schauen konnte, weil sie einige Male, während ich in ihrem Zimmer war, unter anderem Wechselklamotten für sich rausholte. In diesen Situationen in ihrem Zimmer war es mir bisher nicht aufgefallen, dass sie damit Probleme hatte, auch wenn mir auffiel, dass sie meistens die Türen ihres Kleiderschranks nur wenige Momente jeweils offenhielt.

Meine Gedanken wurden spontan von Janine unterbrochen: „Oh, komm mal her!“ Sie war mittlerweile im Bad angekommen. Als ich in das ebenfalls echt kleine Bad ging, deutete sie auf eine Badewanne! Trotz des kleinen Zimmers hatten wir eine Badewanne, was ich ziemlich cool fand. „Ich bin ganz verwundert, in der Zimmerbeschreibung bei der Buchung stand gar nichts von einer Badewanne drin. Aber das ist echt toll!“ Ich freute mich für sie genauso mit, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt glaubte, dass ich in den wenigen Tagen unbedingt baden gehen würde. Ich würde mir diese Möglichkeit aber offenhalten, falls meine Füße beispielsweise sehr schmerzen sollten, was bei mir selten vorkam – vor allem, wenn ich wirklich etliche Kilometer an einem Tag auf den Beinen war.

Wir beschlossen, direkt einen Ausflug ans Meer zu machen, auch wenn uns klar war, dass es an diesem Tag zu kalt zum Baden sein würde. Allgemein fand ich die Temperaturen für Mitte April noch zu frostig dafür, auch wenn Janine da wesentlich hartgesottener als ich war. Sie hatte schon fest vor, an den Urlaubstagen wenigstens einmal ins Meer zu gehen und richtig zu schwimmen. Für diese Idee versuchte sie mich schon bei diesem ersten Ausflug zu begeistern, auch wenn ich ihr sagte, dass ich erst schauen wollen würde, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen verhalten würde. Die Temperaturen waren gerade an der Küste niedrig, sodass das Meer sicherlich ziemlich kalt sein würde. Ich wusste, dass ich nur äußerst ungerne in so kaltem Wasser schwimmen gehen würde.

Vom Hotel aus brauchten wir zwanzig Minuten zu Fuß, bis wir beim Strand ankamen. Der Strand war unheimlich lang, man konnte mehrere Kilometer weit sehen und wir sahen einige andere Urlauber. Insgesamt war der Strand dennoch fast leer. Janine und ich liefen Hand in Hand und viele Strecken barfuß am Strand entlang. Der eisige Wind war für die Füße nicht so schön, aber solange man in Bewegung blieb, ging es. Wir schwiegen während unseres Spaziergangs erstaunlich viel, was ich unterbrach: „Weißt du, dass ich total glücklich bin, dass ich mit dir jetzt hier sein darf? Ich bemerke einfach jetzt schon, wie toll das ist.“ Ich schaute sie von der Seite an, worauf sie von einem Moment auf den anderen unheimlich strahlte. Wir blieben stehen und küssten uns richtig intensiv, auch unsere Zungen berührten sich, was mich tatsächlich an Ort und Stelle etwas anmachte. Als wir stoppten, sagte Janine: „Du kannst Gedanken lesen, weißt du das? Ich habe gerade das gleiche gefühlt und bin überwältigt davon, dass wir hier ganz allein sind.“ Ich musste unweigerlich lächeln und ging mit ihr weiter. Einige Male stoppten wir, weil sie sich zum Beispiel einzelne Muscheln anschaute und unsere Stimmung war gut.

Janine sagte etwas später plötzlich: „Ein wenig tun mir meine Mutter und Petra ja leid.“ – „Wieso meinst du?“ – „Na ja, jetzt sind wir hier und meine Mutter ist zu Hause ganz allein… Und Petra doch auch.“ – „Sie hat aber, soweit ich weiß, einen neuen Freund, auch wenn sie mir ihn bisher noch nicht vorgestellt hat. Sie meinte zu mir, dass sie sich mit dem Kennenlernen noch Zeit lassen wollte, weil sie mich gleich nicht überfordern wollte… Aber neugierig bin ich schon. Vor allem lerne ich Petra so richtig kennen, auch wenn ich öfters Zeit mit ihr verbracht habe, bevor meine Eltern…“ Janine drückte einfach instinktiv meine Hand und unterbrach mich absichtlich: „Mama tut mir einfach so leid, weil sie ja einfach noch viel, viel mehr mit meinem Vater als ich verbracht hat, auch, bevor ich überhaupt auf die Welt kam. Sie waren schon einige Jahre zusammen und haben unheimlich viel gemeinsam unternommen.“

Ich spürte in diesem Moment deutlich, dass ich mit meiner Trauer über meine Eltern schon weiter als Janine war. Obwohl mir beide Eltern genommen wurden oder genauer die beiden, die mich aufzogen, konnte ich mit dem Verlust etwas mehr abschließen als Janine in Hinblick auf ihren Vater, was wohl auch daran lag, dass ich im Vergleich zu Janine wesentlich mehr Zeit dazu hatte. Der Tod meiner Eltern lag mittlerweile fast ein Dreivierteljahr zurück, wohingegen der Verlust ihres Vaters erst vier Monate her war. „Sprichst du oft mit deiner Mutter über deinen Vater?“ – „Es ist weniger geworden, auch, weil wir eigentlich jedes Mal anfangen, zu weinen, wenn wir darüber sprechen. Ich bemerke aber, dass meine Mutter mit unseren anderen Verwandten oder ihren Freunden oft darüber spricht, das scheint ihr sehr zu helfen.“ – „Du kannst mit mir immer über deinen Vater sprechen, wenn dir danach ist, ich bin für dich da.“ Wir blieben kurz stehen und sie küsste mich vorsichtig. „Ich weiß… Darüber bin ich einfach froh. Das gilt genauso für dich, wenn dir danach ist.“ – „Eigentlich ein komischer Zufall, oder? Ich hatte keine so richtige Chance, deinen Vater kennen zu lernen, während du meine Eltern nicht wirklich kennen lernen durftest.“ – „Das stimmt, so habe ich das bisher noch nie betrachtet.“ – „Aber ich bin mir sicher, dass meine Eltern sich richtig darüber gefreut hätten, dass wir jetzt zusammen sind.“ Sie kuschelte sich während des Spazierganges wieder umso stärker an mich und meinte: „Mein Vater hat mich ein paar Wochen vor seinem Tod gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, mit dir zusammen zu sein. Er hat das richtig vorhergesagt und geahnt.“ Da blieb mir tatsächlich kurz die Spucke weg. „Und was hast du ihm darauf gesagt?“ Sie schwieg recht lange, was mich leicht irritierte – sie sagte recht traurig: „Ich habe ihm am Anfang das Gleiche gesagt, was ich zu dir sagte, als du mich fragtest… Dass ich einfach nicht sagen konnte, ob ich mehr für dich empfinde oder nicht. Aber je länger wir in diesem Gespräch waren, desto mehr spürte ich, dass er Recht hatte, und dass ich eigentlich schon in dich verliebt war, auch wenn ich mir das nicht so richtig eingestehen wollte. Ich wollte vor allem noch weiter herausfinden, was ich wirklich für dich fühle, aber wir hatten ja leider den Kontaktabbruch und das hat mich so richtig fertig gemacht.“ Im Innern baute sich wieder das Gefühl auf, das ich früher schon hatte: Ich bereute es, dass ich unsere Verbindung so sehr aufs Spiel gesetzt hatte, weil unsere Beziehung, auch wenn sie noch recht kurz war, enorm fest war. Wir hingen sehr aneinander und es wurde von Woche zu Woche stärker. Hinzu kam, dass wir vorher bereits eine enorme Vertrauensbasis zueinander geschaffen hatten, die in unserer Beziehung nun eine umso stärkere Rolle einnahm. Ich war offenbar mit meinen Gedanken sehr weit abgedriftet, sodass Janine fragte: „Ist alles ok?“ – „Ich habe gerade einfach wieder nur bemerkt, wie schlecht ich mich immer noch fühle, dass ich fast unsere ganze Verbindung mit meiner Wut zerstört habe.“ Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „Hey, lass uns einfach das Thema wechseln, wir haben es doch trotzdem geschafft!“ Wir küssten uns und ich strich ihr eine Träne weg, die an ihrer Wange herunterkullerte. Ich ergänzte final nur noch: „Petra hat genau die gleiche Vermutung wie dein Vater gehabt.“ Während wir immer noch so nah voreinander standen, fragte sie: „Meinst du, sie wusste auch, dass ich mich in dich verliebt habe?“ – „Ja, genau. Als ich damals so traurig war, nachdem ich dir ehrlich sagte, was ich für dich fühle, hat Petra da bereits richtig spekuliert, dass du einfach wirklich noch nicht sicher wusstest, was du für mich fühlst. Aber sie hat mir auch das Gefühl gegeben, dass ich uns nicht direkt aufgeben sollte.“ Janine küsste mich erneut intensiv und sagte liebevoll, aber zugleich auch beharrlich: „Komm, lass uns jetzt wirklich mit diesem Thema aufhören.“ – „Ja, du hast Recht.“

Eigentlich tat mir dieses offene Gespräch sehr gut, weil es mir erneut dabei half, mit den Themen aus den letzten Monaten abzuschließen. Zugleich half es mir erneut, über meine Familie zu sprechen, weil meine inneren Wunden nach dem schmerzhaften Verlust auch nur sehr langsam am Heilen waren. Aber immerhin heilten meine Wunden überhaupt.

Nachdem wir uns wieder in Bewegung setzten, weil die Kälte echt nicht ohne war, schwiegen wir uns bestimmt eine Minute lang an, bis Janine plötzlich sagte: „Du bist echt der liebste Mensch, den es auf dieser Welt gibt. Du machst dir nicht nur Gedanken um mich, sondern auch um alle anderen Leute, mit denen du zu tun hast. Du hast nicht so viel mit meiner Mutter zu tun, aber machst dir trotzdem voll viele Gedanken, wie es ihr wohl geht. Aber in einer Sache hast du dich immer noch nicht verändert.“ – „Und die wäre?“ – „Na ja, du denkst fast immer nur andere, aber selten an dich.“ – „Mir fällt gerade ein, dass du das schon irgendwann zu mir gesagt hast… Na ja, ich bemerke das halt nicht, ich helfe anderen Leuten automatisch und stecke meine eigenen Bedürfnisse dabei zurück. Ich kann daran, glaube ich, nichts ändern. Aber ich wüsste auch nicht, wieso ich das ändern sollte, ich mag das an mir sehr.“ – „Damit es dir auch etwas besser geht, falls du jemanden zum Quatschen brauchst. Wenn du dir immerzu Sorgen und Gedanken um jemanden machst, kannst du selbst nicht glücklich sein.“ – „Aber, wer sagt denn, dass ich nicht glücklich bin?“ Ich grinste Janine an, worauf sie verstand, auf was ich hindeutete. „Wenn ich mit dir zusammen sein kann, bin ich immer glücklich. Selbst wenn ich weiß, dass du an mich denkst, macht mich das glücklich.“ – „Das hast du wirklich schön gesagt. Komm her.“ Wir küssten uns erneut und gingen zu einem Steg weiter, der ein ganzes Stück aufs Meer hinausführte. Wir überlegten erst und bissen die Zähne zusammen, weil wir diesen Steg unbedingt entlanggehen wollten. Als hatte das Wetter uns gehört, wurden die Böen noch wesentlich stärker, als wir sie bisher abbekommen hatten, aber wir waren zäh und blieben am Ende des Stegs sogar noch für einige Momente stehen, um in die Ferne zu schauen, bevor wir uns auf dem Rückweg zum Hotel machten.

Ehe ich in unserem Zimmer überhaupt einen Anspruch auf das Bad geltend hätte machen können, war Janine schon im Bad verschwunden, weil sie, wie ich, unheimlich durchgefroren war. Ich schnappte mir direkt unsere Bettdecken und hüllte mich ein, sodass ich nach wenigen Minuten bereits wieder warm war. Ich hörte hingegen, wie Janine laut bibbernd in die Dusche stieg. Ich fragte sie laut durch die Tür hindurch: „Ist alles ok?“ – „Ja, ich muss…“ Es folgte eine Frostattacke. „… nur lang genug unter der warmen Dusche stehen, es geht meist alles wieder.“ Weil ich mir echt Sorgen machte, fragte ich sie fast im Minutenabstand immer wieder, bis sie mir sagte, dass es ihr nun auch besser gehen würde. Janines Frostattacken machten mir immer wieder Sorgen, weil sie wirklich enorm empfindlich gegenüber Kälte war, da konnte sie noch so dick angezogen sein. Sie spürte es selbst lange nicht, aber wenn sie denn einmal fror, war es dafür umso heftiger.

Während Janine weiter entspannt duschte, schrieb ich mit Tim einige Nachrichten hin und her, weil er mich fragte, ob wir gut in unserem Hotel angekommen waren. „Ja, wir sind gut angekommen, haben aber das Hotel eine Weile gesucht. Die Stimmung ist ganz komisch.“ – „Warum?“ – „Na ja, irgendwie wirkte Janine im Zug recht gereizt. Sie schien es richtig zu nerven, als ich ihr sagte, dass ich nervös bin, wie diese gemeinsamen Tage wohl werden.“ – „Meinst du, weil du nicht so weit bist wie sie?“ Tim hatte wieder das Talent, die Dinge absolut schonungslos anzusprechen. „Ja, deshalb. Janine sagte, dass ich mich einfach locker machen soll… und sie sagte mir ehrlich, dass sie natürlich an diesen Tagen ein bisschen mehr ausprobieren will als das, was wir bisher gemacht haben.“ – „Das habe ich dir doch aber auch gesagt. Es ist doch klar, dass sie dir näherkommen will. Stell dich nicht so an! Ihr seid zusammen, da ist das doch völlig normal.“ – „Ja, hast ja Recht.“ – „Komm, jetzt sprich sie die nächsten Tage einfach nicht weiter darauf an, genieß das alles einfach. Aber ich verstehe schon, dass dich das insgesamt beschäftigt. Als ich mit Anna das erste Mal zusammen für ein Wochenende weggefahren bin, war das auch ein ganz komisches neues Gefühl. Aber da ging es nicht um Sex oder so was, es war einfach nur allgemein alles ganz neu.“ – „Siehst du, genau das beschäftigt mich eben auch.“ – „Aber eben nicht nur.“ Er schickte noch einen zwinkernden Smiley hinterher und schrieb: „Warum kannst du eigentlich gerade mit mir schreiben? Was macht Janine?“ – „Sie ist gerade duschen, weil wir einen Ausflug am Strand gemacht hatten. Ich muss meine ganzen Sachen noch verstauen.“ – „Mach das. Ich bin auch wieder off, weil Anna und ich endlich einen Abend ganz für uns allein haben und das will ich einfach genießen.“ – „Haha, kann ich verstehen!“

Ich dachte kurz über die paar Nachrichten nach und schüttelte mich, in der Hoffnung, wieder locker zu werden. Meine Taschen waren recht schnell ausgepackt, auch wenn ich dafür einige von Janines Kleidungsstücken in unserem Schrank zusammenschieben musste – sie hatte mir einfach überhaupt keinen Platz gelassen. Direkt danach rief mich Janine plötzlich: „Bärchie?“ Sie zog das Wort unheimlich in die Länge, worüber ich lachen musste. Ich öffnete ganz vorsichtig die Tür, damit sie mich besser verstehen konnte und rief, ohne hineinzuschauen: „Ist alles ok?“ – „Kannst du in meine Tasche schauen und mir noch ein paar Dinge geben? Ich habe vorhin leider nicht alles mit ins Bad genommen…“ Ich suchte all die Sachen zusammen, die sie mir zurief – und zusätzlich unter Zeitdruck, weil die Tür leicht offen war und Janine schon wieder anfing, zu frieren. Ich wühlte mich durch ihre Taschen und stellte wieder erstaunt fest, wie viel Sachen Janine so in ihrem Alltag brauchte.

Ich riss mich von diesen Gedanken aber schnell wieder los und rief ihr zu, dass ich ihr Duschgel nicht finden konnte. „Das kann doch nicht sein. Ich habe doch alles eingepackt.“ Mir fiel eine simple Lösung des Problems ein: „Willst du meins nehmen?“ – „Ähm, ja, klar!“ So richtig überzeugt klang sie dabei aber nicht, was mich ein bisschen ins Schmunzeln brachte. „Warte einen Moment, ich bin gleich wieder da.“ – „Okay!“ Ich hatte mein Duschgel kurzerhand griffbereit und sagte wieder an der Badtür: „Ich habe all deine Sachen hier!“ Darauf Janine: „Komm herein!“ Mir war wieder mulmig, als ich die Tür öffnete. Janine stand in der Dusche und versteckte sich hinter dem nahezu komplett undurchsichtigen Duschvorhang. Einzig ihren Kopf konnte ich sehen, weil sie mich versuchte, so gut es ging anzuschauen, als ich kurz ins Bad kam.

Mir war klar, dass sie dort nicht einfach nackt vor mir stehen würde, aber gleichzeitig machte mich der Gedanke daran, dass sie da trotzdem nackt hinter dem Vorhang stand, ganz wuschig. Während ich ihre Dinge auf die kleine Kommode stellte, an die Janine herankommen konnte, ohne aus der Wanne zu steigen zu müssen, erwischte ich mich dabei, wie ich ganz kurz versuchte, durch den Vorhang etwas mehr von Janines Körper zu sehen. Ich konnte tatsächlich sehr verschwommen und nur schemenhaft ihre Brüste sehen, aber sie bemerkte meinen neugierigen Blick, was mir ungeheuer peinlich und unangenehm war. Ich konnte zudem ihren Blick nicht deuten – ich hatte eher das Gefühl, dass sie sich belustigt fühlte, war mir da aber auch nicht sicher. Ich wollte ihr schließlich auch nicht zu nahetreten, wenn sie das noch nicht wollte, dass ich sie freizügiger als sonst sah. Praktisch sah ich aber einfach überhaupt nichts, da der Vorhang wirklich undurchsichtig war. Aber gleichzeitig ging mir durch den Kopf: „Warum bringt sie mich denn in diese Lage, wenn sie nicht insgeheim damit rechnet, dass ich womöglich doch etwas sehen könnte – und sei es im Augenwinkel?“ Generell mochte ich ihre Figur sehr, aber sie da hinter dem Vorhang zu sehen, machte mich schon ziemlich an. Ich spürte richtig, dass mein Körper etwas verrücktspielte… So intensiv waren meine Reize bisher nur selten.

Nach einer ganzen Weile kam Janine aus dem Bad und roch ziemlich nach meinem Duschgel. Ich fand das niedlich und schmunzelte, worauf Janine fragte: „Was ist los? Warum lachst du?“ – „Na ja, du riechst total nach mir. Offenbar scheint dir mein Duschzeug zu gefallen.“ Sie musste nun selbst auch lachen und meinte: „Na ja, ich mag dein Parfüm zum Beispiel auch total, das riecht ja auch so ähnlich!“ Sie küsste mich kurz und meinte: „Aber ich werde morgen trotzdem schauen, ob ich hier in einem Supermarkt nicht ein anderes Duschgel für mich finde. Ich will dir in den nächsten Tagen nicht alles wegnehmen.“ – „Das wäre aber kein Problem, ich denke, das wird sicher für uns reichen.“ Sie lächelte mir zu und kümmerte sich um das Handtuch auf ihrem Kopf, was sie abnahm. Ihre Haare purzelten hinunter und waren immer noch ziemlich feucht. Sie war ungeschminkt, was ich ja nur selten bei ihr bewundern durfte, roch sehr frisch und hatte locker sitzende Kleidung an. Vermutlich fühlte sie sich just in diesem Moment alles andere als optimal, aber gerade all diese Dinge zusammen fand ich so perfekt.

Sie kümmerte sich einige Momente um ihre Haare und bemerkte, dass ich sie weiterhin durchweg anschaute. „Ist was?“, fragte sie, worauf ich erwiderte: „Ja, bzw. nein, es ist nichts. Du bist einfach toll.“ Sie schaute kurz etwas sprachlos und meinte liebevoll: „Danke.“ Ich stand auf, kümmerte mich um das noch nicht ganz aufgeräumte Kofferchaos, was ich angestellt hatte, und ging selbst duschen. Ähnlich wie sie war ich auch vergesslich: Ich nahm mir keine neue Kleidung mit in das Bad, sodass ich Janine während des Duschens darum bat, ob sie mir einfach was in das Bad auf den Boden werfen konnte. Ich duschte mich intensiv weiter und entspannte dabei richtig, was ich vor allem daran bemerkte, dass mein Nacken regelrecht mehrfach knackte. Ich war so sehr im Entspannen vertieft, dass ich erst nach dem Ausschalten des Wassers merkte, dass Janine mir wie versprochen Kleidung hingelegt hatte – allerdings im Bad auf der Kommode!

Mir rutschte das Herz in die Hose, weil mich Janine wirklich komplett nackt gesehen haben könnte. Dadurch, dass ich nicht damit rechnete, dass sie einfach ins Bad kam, achtete ich auch nicht auf den Duschvorhang. Er war zwar die ganze Zeit aufgespannt, allerdings kam ich einige Male beim Duschen dagegen… Mir war das unangenehm, vor allem, weil ich so unwissend war, was Janine von mir womöglich gesehen haben könnte.

Langsam schlich ich aus dem Bad und sah, dass Janine bäuchlings mittlerweile gemütlich auf dem Bett lag und ein bisschen auf ihrem Handy spielte. Ich legte mich zu ihr und drückte sie nah an mich heran, was sie instinktiv mitmachte und sich etwas in mich hineinkuschelte. Als sie mich kurz küsste und mir ins Gesicht schaute, meinte sie: „Warum bist du denn so rot?“ Ach, fuck, sie konnte es mir im Gesicht ablesen, auch wenn ich mich eigentlich darum bemühen wollte, mir es nicht anzumerken zu lassen, wie unangenehm mir beide Badszenen waren. Ich war wieder sprachlos, wie so oft in solchen Momenten, und sie fragte belustigt: „Was denn?“ Ich war weiterhin sprachlos und bekam irgendwie gar kein Wort mehr heraus, worauf sie mich weiterhin sekundenlang anschaute und dann grinsend den Kopf schüttelte. „Lass mich raten: Du warst überrascht davon, dass deine Kleidung auf der Kommode lag und nicht wie gewünscht einfach auf dem Boden?“ – „Ja, könnte schon sein.“ – „Ich wollte nicht, dass deine Kleidung nass wird. Und um dich zu beruhigen: Ich habe im Augenwinkel außer deinem Rücken aber nichts gesehen.“ – „Hast du… mich denn so richtig gesehen? Also… so ohne Vorhang und so?“ Sie musste auf meine Frage hin erst recht lachen, was für mich gefühlt umso peinlicher war. „Ja, ich habe dich ganz kurz ohne Vorhang gesehen.“ – „Ähm?“ – „Na ja, wenn du einfach ohne meine Erlaubnis versuchst, was von mir zu sehen, dann mache ich das bei dir halt auch einfach! Auch wenn es wirklich nur im Augenwinkel war.“ – „Tut mir leid, wenn dir das vorhin unangenehm war, ich wollte dir nicht zu nahetreten.“, entschuldigte ich mich direkt, während sie sagte: „Es ist alles gut. Ich hätte auch einfach mit dem Handtuch im Bad stehen können, aber eigentlich hast du ja genauso viel oder sogar noch weniger als mit dem Handtuch gesehen. Aber vielleicht wollte ich ja auch einfach schauen, wie du reagierst.“ Jetzt war ich so richtig erstaunt und sprachlos. „Ich liebe dich wirklich für diese Reaktionen, dein Gesicht ist einfach ein offenes Buch.“ – „Hast du das also wirklich mit Absicht gemacht?“ Sie machte das Gemeinste, was sie tun konnte: Sie antwortete nichts und ging grinsend auf Toilette. Ich war weiterhin sprachlos, als sie aus dem Bad kam – sie hatte aber plötzlich eine gewisse Röte im Gesicht. „Ja, ich habe das mit Absicht gemacht, weil ich einfach schauen wollte, wie du reagierst. Ich weiß, dass du durch den Vorhang nichts sehen konntest.“ – „Da hast du absolut Recht.“ – „War das jetzt so schlimm?“ – „Nein, nein… Mein Magen ist nur ein bisschen flau.“ – „Weil ich dich gesehen habe?“ – „Ja, deswegen, und weil du mich ertappt hast.“ Sie steckte mich mit ihrem Lachen enorm an. „Jetzt stell dich nicht so an. Deinen Rücken habe ich auch schon mehr als nur einmal gesehen, zum Beispiel, als ich dich massiert habe. Ich habe darauf geachtet, dass ich nicht mehr von dir sehe, weil ich mir schon denken konnte, dass das für dich nicht so angenehm sein würde. Ich habe aber auch absichtlich nicht näher hingeschaut.“ Sie küsste mich einfach und steckte mich mit ihrem Grinsen an, was es tatsächlich etwas leichter für mich machte. „Abgesehen davon weiß ich nicht, ob ich überhaupt schon deutlich mehr sehen wollte.“ Ihr Blick war sehr deutlich in diesem Moment und ich verstand ihre Botschaft.

Janine legte ihr Smartphone weg und fing an, mich zu küssen. Unsere Knutscherei war viel länger als in den Momenten, die wir in den letzten Wochen für uns hatten. Janine griff mir plötzlich unter mein Schlafanzug-Oberteil und strich mir über den Oberkörper, als hatte sie eine genaue Vorstellung davon, wo sie langstreichen wollte. Unsere Knutscherei blieb intensiv und ich genoss auch die Streicheleinheiten total, aber irgendwie konnte ich das nicht so zurückgeben wie sie. Ein wirkliches Schmusen entstand dieses Mal nicht. Irgendwie driftete ich währenddessen etwas mit meinen Gedanken ab und dachte fatalerweise darüber nach, was wir da gerade machten. Das brachte mich, aber auch sie so richtig aus dem Rhythmus, sodass sie fragte: „Hey, was ist?“ – „Sorry, ich genieße das total, aber ich bin, glaube ich, einfach zu müde, weil ich irgendwie anfange, nachzudenken.“ – „Über was denkst du nach?“ – „Irgendwie habe ich gerade einfach darüber nachgedacht, was wir hier gerade machen.“ – „Wieso kannst du nicht einfach abschalten? Wir sind doch hier ganz unter uns, keiner stört uns, keiner kann spontan reinkommen.“ – „Sorry, Süße, ich weiß auch nicht. Vermutlich waren das heute einfach viele neue Eindrücke.“ – „Ach Mist.“ Ich sah ihr im Gesicht an, dass sie etwas enttäuscht war. Sie griff in einer Mischung aus genervt und frustriert zu ihrem Smartphone, auf dem sie ein paar lustige Videos anmachte. Ich fühlte mich schlecht, weil ich sie offenbar verletzt hatte, gleichzeitig verletzte es mich aber auch, dass sie kurzfristig so auf Abstand zu mir ging und dabei fast etwas kalt wirkte, was ich von ihr bisher so gut wie nie erlebt hatte. Selbst, als wir uns damals stritten, weil ich Julia nach Hause brachte und nicht sie, spürte ich, dass von ihrer Seite aus eine Leidenschaft für mich da war, auch wenn wir sehr verletzt waren. Aber in diesem Moment im Hotel hatte sie ganz kurz etwas sehr Frostiges an sich, was mich regelrecht schockierte und nur noch mehr verunsicherte. Es war nicht so, dass ich von allen neuen Eindrücken nicht schon massiv verunsichert war. Ich bemühte mich aber darum, ihr nicht böse zu sein, dass sie kurz recht abweisend war. Das war eben einfach ihre Art, mit solch einer Enttäuschung umzugehen, und etwas, mit dem ich leben musste, wenn ich mit ihr zusammen sein wollte. Gewöhnungsbedürftig war ihr Verhalten aber allemal.

Immerhin kuschelte sie sich schnell an mich, weil wir uns einfach unheimlich amüsieren mussten und durch die lustigen und bekloppten Videos in einen riesigen Lachflash übergingen, der etliche Minuten anhielt. Da es schon recht spät war und Janine und ich immer noch keinen riesigen Hunger hatten, lebten wir ausnahmsweise damit, mit leichtem Hunger ins Bett zu gehen und machten uns bettfertig. Im Bett angekommen dimmte Janine unser Nachtlicht recht weit runter, ohne es ganz auszuschalten. Sie fing an, mich erneut zu küssen und im Innern dachte ich kurz nur wieder: „Hoffentlich verletze ich sie nicht wieder…“ Ich vertrieb den Gedanken sehr schnell und ließ mich auf die Knutscherei ein, die mich definitiv wieder geil machte. Gerade, als ich fast wieder mit meinen Gedanken wegdriftete, ahnte Janine offenbar genau, was Sache war, und handelte dieses Mal: „Hey, ein Vorschlag: Lege dich auf den Bauch, ich massiere dich. Ich spüre richtig, dass du angespannt bist.“ Ihre Spontanität überraschte mich, aber ich nahm das Angebot an. Ich wollte mich gerade einfach hinlegen, als sie fragte: „Hast du nicht was vergessen?“ Ich schaute fragend. „Dein Oberteil?“ – „Stimmt.“ Ich drehte mich gerade von ihr weg, um mich jetzt nun wirklich auszuziehen und hinzulegen, als sie leise und sanft sagte: „Dreh dich noch nicht um.“ Mein Blick blieb fragend, doch Janine antwortete damit, dass sie einfach nach meinem Oberteil griff, um es mit mir langsam gemeinsam auszuziehen. Das kostete mich wieder ein bisschen Überwindung, weil mich Janine oberkörperfrei sah. Ohne etwas zu sagen, strich Janine mit einem Finger meine Schulter entlang zum Hals hoch und führte ihren Finger über meine Brust nach unten. Ich war dankbar, dass sie meine Brustwarzen nicht berührte, weil mich das vermutlich nur noch mehr überfordert hätte.

„Was geht dir durch den Kopf?“, fragte sie. „Das kostete mich eben etwas Überwindung.“ – „Warum das?“ – „Weil ich mich bisher fast keinem Menschen im Privaten so gezeigt habe. Schwimmen oder so zähle ich jetzt nicht mit dazu.“ – „Es wird Zeit, dass du ein bisschen mehr Selbstbewusstsein bekommst. Du bist sonst so meinungsstark, machst jeden Spaß mit und verstehst dich mit fast jedem sofort, aber hier zeigst du mir eine ganz andere Seite.“ – „Ich kann dir auch nicht genau sagen, warum mir das so schwerfällt.“ – „Du weißt doch, dass du mir vertrauen kannst. Ich habe dich doch schon ein paar Mal oberkörperfrei gesehen. Da ist für mich gar nichts Besonderes dabei.“ – „Damit hast du natürlich Recht.“ Nach wenigen Momenten ergänzte ich: „Irgendwie… Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach etwas falsch machen könnte, wenn ich dich irgendwo berühre oder so.“ – „Hey, ich bin deine Freundin!“ Sie küsste mich einfach, ohne mich antworten zu lassen und strich mir wieder über meinen Oberkörper. „Kann es sein, dass du dich für deinen Körper schämst oder so?“ So hart die Frage auch war, so ernsthaft und respektvoll stellte sie mir diese. Sie wollte mich einfach kennenlernen und verstehen. „Nein, ich mag mich so, wie ich bin.“ – „Warum zuckst du fast jedes Mal, wenn ich dich zum Beispiel… hier berühre?“ Sie strich mir dabei über meine Brust und bei ihrer Berührung zuckte ich tatsächlich leicht zusammen, was ich selbst nicht spürte. „Du hast Recht, ich bemerke das nicht. Ich sage ja, ich bin das alles einfach nicht gewohnt und kenne das nicht.“ – „Wir werden das schon hinbekommen.“ Sie dachte einen Moment nach und sagte: „Habe ich dir gesagt, was ich körperlich an dir toll finde?“ – „Ich glaube nicht, nein.“ – „Möchtest du das denn wissen?“ Ich nickte stumm. Sie beugte sich plötzlich nach vorne und küsste ganz vorsichtig meine Brust. Anschließend hauchte sie leicht dagegen, was für ein gewaltiges Kribbeln bei mir sorgte. Ich bekam Gänsehaut und meine Nackenhärchen stellten sich auf. „Wofür… war das jetzt?“, stotterte ich leicht heraus, während sie sagte: „Ich liebe es zum Beispiel, dass du so groß und kräftig bist. Ich finde, dass du einen tollen Oberkörper hast.“ Sie strich erneut über beide Schultern und griff plötzlich in eine Schulter, um mich vorsichtig nach hinten zu drücken. Ich ließ mich einfach darauf ein und sie sagte: „Na komm, jetzt darfst du dich auf den Bauch drehen, damit du noch deine versprochene Massage bekommst.“ Ich tat, wie mir befohlen, und Janine fing mit ihrer Massage an, die so ganz anders als beim ersten Mal war. Damals war sie unheimlich vorsichtig, doch dieses Mal war ihre Massage deutlich kräftiger. Aber nicht nur darin unterschieden sich die beiden Massagen – ohne Vorwarnung küsste sie mich an verschiedenen Stellen am Rücken. Sie kicherte plötzlich leicht und das verunsicherte mich wieder extrem: „Was… ist los?“ – „Mir ist gerade aufgefallen, dass du genau in der Mitte ein Muttermal hast. Das sieht fast so aus, als wärest du markiert.“ Mir war das auch wieder etwas peinlich, weil ich von diesem Muttermal natürlich sehr genau wusste. Aber im Vergleich zu allen sonstigen Dingen war der peinliche Moment für mich auch genauso schnell wieder vorüber. Wir kommentierten das nicht weiter, was auch daran lag, dass mir Janine plötzlich in den Nacken hauchte. Ich zuckte unheimlich zusammen, sodass ich im liegenden Zustand fast nach oben hüpfte, und sie flüsterte ganz leise: „Da ist aber jemand offenbar ganz schön angespannt.“ Sie massierte mich erstaunlich kräftig und ich sackte so richtig dabei weg. Nach wenigen Minuten sagte sie: „Ui, das halte ich aber nicht so lange durch, dich so fest zu massieren, entschuldige.“ Ich entgegnete ihr sehr zäh: „Das… ist nicht schlimm. Danke… Das war toll.“ Gerade, als ich mich langsam wieder aufrichten wollte, gab mir Janine einen Kuss in den Nacken, was mich wieder erschaudern ließ. Wir mussten daraufhin schmunzeln und ich flüsterte leise: „Das ist jedes Mal unheimlich schön, auch wenn ich wohl jedes Mal davon Gänsehaut bekommen werde.“ Als hatte sie darauf gehört, gab es an meiner anderen Seite erneut einen solchen Kuss und es erfolgte die gleiche Reaktion wie zuvor. Wir mussten daraufhin erst recht wieder lachen. Noch schlimmer wurde es vor allem, dass Janine meine Lage einfach eiskalt ausnutzte und mich im noch liegenden Zustand einfach kitzelte. Sie warf sich sogar extra richtig auf mich drauf, sodass ich nicht so schnell abhauen konnte, ohne grob zu werden. Das endete in einer gewaltigen Kitzel- und Kissenschlacht, die minutenlang anhielt und bei der wir definitiv viel zu laut waren… Aber immerhin beschwerte sich keiner der Nachbarn darüber.

Janine schaltete das Licht aus und wir legten uns eng aneinander gekuschelt endgültig schlafen. „Siehst du, du kannst doch locker und entspannt sein. Das liebe ich an dir, wenn du so bist.“ Ihre Ehrlichkeit überraschte mich einfach, auch wenn ich ja wusste, dass sie direkt sein konnte. „Ja, eigentlich bin ich ja auch entspannt, das weißt du ja. Aber irgendwie… fange ich immer an, über Dinge, die unbekannt für mich sind, nachzudenken. Mir fällt es halt schwer, regelmäßig abzuschalten. Das ist halt ein Problem, das ich vermutlich schon immer habe.“ – „Das bekommen wir sicher auch noch hin.“ – „Ich liebe dich.“ – „Ich dich auch.“ Es folgte eine kurze, ziemlich intensive Knutscherei, die sich unheimlich intim anfühlte, weil unsere Körper so eng miteinander verschlungen waren, was wir bisher eher selten hatten. „Ist dir was aufgefallen?“ – „… Nein? Was meinst du?“ – „Wo ist eigentlich dein Oberteil?“ Ich sagte kurz nichts, weil mir tatsächlich auffiel, dass ich immer noch oberkörperfrei war und musste sogar schmunzeln. „Ganz ehrlich, Bärchie: Schläfst du zu Hause nicht oberkörperfrei?“ – „Woher weißt du das?“ – „Wusste ich nicht. Ich habe einfach gut geraten.“ Ich pikste ihr lachend einmal in die Seite und meinte: „Ja, mache ich. Aber ich habe halt gedacht, das gehört sich so, wenn wir zusammen übernachten, dass ich ein vernünftiges Oberteil trage.“ Sie lachte kurz und küsste mich wieder. „Als wir nur befreundet waren, war das doch auch ganz gut so. Aber jetzt klingt das ganz schön spießig.“ Ich zuckte schmunzelnd mit den Schultern und sie ergänzte: „Ganz ehrlich, damit ziehst du mich doch nur noch mehr an, wenn du kein T-Shirt oder so trägst. Das ist doch völlig normal. Ich mag es, mich an dich zu kuscheln und ohne Oberteil spüre ich dich halt noch etwas deutlicher.“ – „Soll ich also, sobald wir uns das nächste Mal sehen, gleich alle Kleidungsstücke von mir reißen? So mitten auf der Straße? Damit alle sehen, was ich für einen Adoniskörper habe?“ Wir mussten daraufhin laut loslachen, weil die Stimmung schon so locker war und sie sagte: „Nein, aber das kannst du gerne machen, wenn nur wir zusammen in einer Wohnung sind. Ich würde mich freuen.“ Genau diese Kommentare machten mich immer etwas sprachlos, aber ich bemühte mich um Lockerheit: „Du weißt schon, dass ich von allen Kleidungsstücken gesprochen habe, oder?“ – „Na ja, deinen Oberkörper kenne ich ja dank heute komplett, vom Rest fehlt mir vor allem nur die Vorderseite.“ Dass sie es auch immer wieder schaffte, noch einen drauf zu setzen! Ich war wieder sprachlos, weil mir nichts mehr zum Kontern einfiel, darauf flüsterte Janine: „Ich habe gewonnen!“ Ich nahm meinen Mut zusammen, legte Janine meine Hände in den Nacken und küsste sie richtig intensiv, weil sie mich mit ihrem Selbstbewusstsein und mit ihrer gesamten Art in diesem Moment einfach gewaltig anzog. Janine reagierte ebenso und legte so gut es ging die Arme um mich, während sie sich plötzlich mit ihren Händen in meinen Haaren vergrub und sich reinkrallte. Ich spürte deutlich, wie sie einfach plötzlich handelte, ohne nachzudenken. Nach einigen Momenten hörten wir kurz auf und Janine sagte: „Entschuldige. Ich wollte nicht so stürmisch sein. Aber du riechst einfach so unfassbar gut und bist endlich etwas lockerer.“ Es folgten einige weitere intensive Küsse und ich fragte: „Wo ist eigentlich mein Oberteil?“ Sie darauf entsetzt: „Willst du das ernsthaft wieder anziehen?“ – „Nein, aber es wäre schon gut zu wissen, wo du es versteckt hast, damit ich es in ein paar Tagen nicht vergesse.“ – „Tja, das verrate ich dir nicht.“ Sie kicherte niedlich und ergänzte: „Darf ich das in den nächsten Tagen haben? Oder nach dem Urlaub noch? Das riecht auch einfach so toll. Wenn du nicht da sein kannst, habe ich wenigstens was, was nach dir riecht.“ – „Ähm… Ja, na klar, behalte das Oberteil ruhig für eine Weile. Aber das riecht doch nach ein paar Tagen bestimmt nicht mehr nach mir.“ – „Dann brauche ich spätestens ein neues! Oder du bist einfach wieder direkt bei mir.“ Wir kicherten wieder und Janine sagte: „Schlaf gut. Ich liebe dich.“ – „Ich dich auch.“ Wir blieben einfach so eng umschlungen liegen, auch wenn die Liegeposition auf Dauer sicher nicht die Bequemste war, aber das Intime, das Janine und ich in diesen Momenten hatten, war uns in diesem Moment so unausgesprochen wichtig, dass wir an der Liegeposition nichts ändern wollten.